Thomas Gatzemeier Der Sekretär

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Inhaltsangabe zu „Der Sekretär“ von Thomas Gatzemeier

Klappentext Erzählt wird in diesem Erstlingsroman von einem zeitlebens ebenso desorientierten wie opportunistischen Karrieristen, von seinem Bemühen, als junger Mann in den 1930er Jahren dem kleinstädtischen Mief der sächsischen Provinz zu entfliehen, indem er einer Wachkompanie der SS beitritt. Nach einem „Vorfall“ im Dienst wird er an die Ostfront verlegt, gerät dort – schwer verletzt – in Gefangenschaft und kehrt „geläutert“, als Kommunist, nach Deutschland, in die Heimat, zurück. Als er in Berlin die resolute Tochter eines Ministers kennen lernt, ist für Sieghart Paul, dem Frauen stets viel bedeuten, mit denen er jedoch wenig anfangen kann, der Weg an die Macht geebnet: Er wird Erster Sekretär der SED-Kreisleitung in seiner Geburtstadt. Seine weitere Lebenslinie in den 70er Jahren verschlingt sich mit denen einer Jugendbewegung in der DDR, die der westlichen nicht ganz unähnlich ist, aber doch ganz anders: Sex, Drugs und Rock ’n Roll unter ständiger Beobachtung und ohne jedwede Duldung. Dennoch: Eine junge Frau löst sich von ihrem linientreuen Elternhaus und widersetzt sich der Anwerbung durch einen Stasioffizier. Ein junger Mann hat eine nicht ganz unübliche Begegnung mit der Staatsmacht, wird kaserniert, doch bleibt unklar, welches Vergehen er begangen haben soll. Am Ende führt die Geschichte, die vieles erzählt, was so oder so ähnlich passiert ist, seine Akteure auf freiem Feld zu einem klassischen Showdown mit Musik zusammen, der zwar so nicht passiert ist, aber durchaus hätte passieren können, Buchrückseite Ein Buch, das ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte entlang an dem bis zum Zerreißen gespannten Lebensfaden eines Mannes erzählt, der selten weiß, was er will, und deshalb lieber das tut, was man ihm sagt, der sein Auskommen haben und mitmachen möchte, während des Nationalsozialismus ebenso wie in der DDR. Die Tragikomödie eines Karrieristen, der gerade weil er zeitlebens den Kopf oben haben will, ihn am Ende verlieren muss, der mit dem Strom schwimmt und dennoch untergeht. Ihm entgegen schwimmen, hocherhobenen langhaarigen Hauptes, einige „Unangepasste“ der 70er Jahre DDR-Jugendszene. Ihnen ist die freudlose kleinbürgerliche Erbärmlichkeit und Enge, die sich hinter den bunt bemalten Transparente und Wimpeln des real existierenden Sozialismus verbirgt, zutiefst zuwider. Statt dem verordneten „Fröhlich sein und singen - der Zukunft zugewandt“ - „All along the Watchtower“: Jimmy Hendrix hat auch östlich der Elbe sein Werk getan!

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  • Rezension zu "Der Sekretär" von Thomas Gatzemeier

    Der Sekretär
    thomas_gatzemeier

    thomas_gatzemeier

    Dies ist eine Rezension eines Lesers auf amazon! 'Der Sekretär' ' ein Opportunist, ein Mann aus dem deutschen Volke Diesen recht knappen Roman wünscht man sich länger. Vielleicht nicht in tellkamp'schen Format, aber man würde gern den Geschichten der Protagonisten (und Antagonisten) noch über den ungewöhnlichen Schluß hinaus lauschen, weil sich in den dargebotenen Szenen quasi eine Art Verabredung für weiteres Erzählen findet. Vielleicht braucht man den Turm nur noch quer zu lesen, wenn man Gatzemeier liest. Aber das, was sich findet, ist bereits pralle Erzählung, urkomisch bisweilen, auch innerhalb seiner stringenten Struktur, wenn sich etwa zu Beginn der 1. Sekretär der Bezirksleitung darüber ärgert, daß er nur Stapelpuppen und Mineralien aus dem Kaukasus von seinen sowjetischen Freunden erhält, während die Frau des sowjetischen Generals 4711 und deren Kinder Matchboxautos wünschen. Zum Brüllen! Dies erinnert manchmal an den phantastischen Max Goldt, aber man sollte mit solchen Vergleichen zurückhaltend sein. In Rückblenden wird die Geschichte erzählt, die sich nicht ins Heute verliert, aber Heute reflektiert. Es wird klar: Die Gelüste bleiben gleich, gestern, heute, immerdar. Und die Dialoge sind (nicht immer, aber in der Regel) witzig und gut komponiert ('Haben sie dir das Hirn chloroformiert?') Der Normbruch steht für die Aufbegehrenden, später in der DDR, die anderen, auch der Protaonist (neben dem es aber noch einen Ich-Erzähler gibt), orientieren sich eher an einer Art Duplizierungslauben, der auch heute, gestern und morgen gültig bleibt. Die beschriebenden Szenen, das Szenische im Roman überhaupt, strahlen eine dichte und verdichtete Beschreibung aus, ohne gleich Beschreibung zu werden. So ist etwa eine große Friedlichkeit in diesem gemeinsamen Musikduplizieren, wie es in den 70er ' heute nahezu vergessen, weil auch überflüssig geworden - noch gang und gäbe war. Alles ist fein und genau beobachtet ("Sie hätte ihm gern über die Haare gestrichen, zog aber ihre Hand zurück, die schon nach ihm griff. Sie traute sich nicht.' Die Kriegszenen leben ebenfalls von ihrer Visualisierung im Buch von ihren kontrapunktischen Sequenzen, und sie kommen einem so entgegen, daß mir beim Lesen das Diktum von William Faulkner einfiel: Die Vergangenheit ist nicht tot. Sie ist nicht einmal vergangen. Die Wirklichkeit tritt also ein, auf jeder Seite. Hier der Krieg, dort die Anpassung auch oder gerade in den satten Friedenssequenzen, die aber gar nicht friedlich waren, obwohl, folgt man hier doch noch einmal dem Kleist-Preisträger Max Goldt, auch in der Nazizeit 12 mal Spargelzeit war. Man spürt beim Lesen das Thema, dem die Figuren sich unterordnen. Auch die Soldaten wirken zunächst gar nicht kriegerisch, sondern romantisch in ihren Posen; sie erinnern dann an Leni Riefenstahls Heldengestalten, um gleich darauf in Normbrüchen und durchkreuzten Leseerwartungen zu implodieren. Da kommen die netten Jungs (fesch, so fesch und druchtrainiert) plötzlich in die Kneipe und sagen diese Sätze, die mich heute noch irritieren: vom Ungeziefer, von den Berufenen, den Auserwählten, den sowieso und von vornherein besseren Menschen, die genau wissen, wie es geht. Immer wieder ist der malende Beobachter bei seinen vertrauten Figuren, den Putten, dem Anstrich, einer hingeworfenen Pinselform und dem Leichengeruch bei Berlin. Und darin eingebettet das Nietzsche-Thema des Menschlich-Allzumenschlichen hier und des menschenfressenden Stattes (auch hier): Der demagogische Charakter und die Absicht, auf die Massen zu wirken, ist gegenwärtig allen politischen Parteien gemeinsam: sie alle sind genöthigt, der genannten Absicht wegen, ihre Principien zu grossen Alfresco-Dummheiten umzuwandeln und sie so an die Wand zu malen. Den inneren Zusammenhalt der Diktaturen zeigt der Genosse Mantel (sic!), vor dem der Protagonist Angst vor Entdeckung hat, nachdem er als SS-Mann aus dem Krieg zurückgekehrt ist. Aber auch der eben noch allmächtig scheinende Kommunist Mantel entpuppt sich als gewendeter Held: "Jetzt sind wir klar!" "Ja, wie wollen wir vorgehen." Und schon ist die Neue Zeit angebrochen. Unbedingt empfehlenswert

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