Thomas Gebert

 3.8 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Was zu tun ist, wenn es so weit ist, Der große Gebert und weiteren Büchern.

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Der große Gebert

Der große Gebert

 (2)
Erschienen am 27.02.2015
Was zu tun ist, wenn es so weit ist

Was zu tun ist, wenn es so weit ist

 (2)
Erschienen am 23.08.2016

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Rezension zu "Was zu tun ist, wenn es so weit ist" von Thomas Gebert

Sicherheit ist eine Illusion
R_Mantheyvor 2 Jahren

Mit Illusionen lässt sich trefflich Geld verdienen. Thomas Gebert reiht sich in die inzwischen schon recht lange Reihe derer ein, die vorgeben, genau zu wissen, wie man sein Geld in Sicherheit bringt. Sein Text liest sich nicht gerade angenehm, dafür ist er wenigstens kurz. Der gewöhnliche Mensch liebt keine Zahlen, und Statistik hält er sowieso für Betrug. Deswegen bemüht er sich auch kaum, diesen Ansatz zu verstehen. Und ehrlich gesagt: Er ist auch nicht ganz so einfach zu begreifen. Diese Art zu denken, ist uns meistens völlig fremd. Wir lieben es, wenn aus einem Ereignis A das Ereignis B folgt, und wir verstehen nicht, was es für uns bedeutet, wenn dies bisher nur in sieben von zehn Fällen passiert ist. 

Dummerweise benutzt Thomas Gebert aber diese Art von Statistik als Ansatz für seine Herangehensweise an die Finanzmärkte. Manche seiner Leser haben nicht zufällig nach dem Lesen seiner Werke das Gefühl, eher verwirrter als schlauer zu sein. Zunächst einmal nämlich erschlägt Gebert sie mit einer Unmenge von tatsächlichen und scheinbaren Zusammenhängen, die er in statistische Aussagen kleidet. Immerhin vermittelt er damit auch das diffuse Gefühl irgendeiner Wissenschaftlichkeit, deren Nutzen sich aber wohl vielen nicht erschließt. Auch nicht ganz zufällig übrigens. 

Dieses Buch enthüllt auf eine ganz einzigartige Weise die Beschränktheit dieses merkwürdigen Ansatzes. Wenn man etwas von den Finanzmärkten und von Statistik versteht, gibt es dabei auch lustige Stellen in diesem Text. Schon der seltsame Titel dieses Buches besitzt eine gewisse Komik. "Wenn es soweit ist ..." - wenn was soweit ist?  Soll wohl heißen: wenn die nächste Finanzkrise kommt. Und dann verspricht uns Gebert, genau zu wissen, was wir tun sollten. Nur: Er weiß es nicht wirklich. Und genau das ist der Inhalt dieses Buches. 

Gebert hat keine Ahnung, wie eine solche Krise tatsächlich aussehen wird und was dann in ihr passiert. Wie sollte er das auch wissen? Obendrein versucht er seinen Lesern zu vermitteln, wie sie eine zukünftige Krise erkennen können. Solche Merkmale nimmt er aus der Vergangenheit. Doch vergangene Krisen spielten sich in einer ganz anderen Situation ab. Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es eine Situation wie jetzt. Doch das stört Gebert nicht. Fleißig versucht er statistische Zusammenhänge aufzudecken. Oftmals stellt er dann fest, dass gar keine Zusammenhänge gibt. Etwa zwischen den Zinsen und Währungsverhältnissen. Das wollte vielleicht niemand wirklich wissen, der sein Buch vor allem wegen des Untertitels "Kapitalschutz in unsicheren Zeiten" gekauft hatte. Seine Leser suchen bei ihm einen Schutz, den er ihnen nicht bieten kann. 

Unfreiwillig entblößt er nämlich im Text auch die Grenzen seiner Methodik. Seine Vorgehensweise, aus einem Ereignis A statistische Zusammenhänge mit einem Ereignis B herzustellen, um dann daraus Empfehlungen zu entwickeln, ist naiv, weil wir erstens nicht wissen, welches Ereignis A tatsächlich im Krisenfall eintreten wird, und zweitens, weil nicht klar ist, was statistische Zusammenhänge aus der Vergangenheit für die Zukunft wirklich wert sind. Hinzu kommt drittens, dass es in Wirklichkeit keine nur dualen Zusammenhänge gibt. Die Finanzmärkte besitzen eine viel komplexere Struktur (Händler und Akteure mit gegensätzlichen Interessen und Ansichten) und werden sehr oft durch Rückkopplungen (Hysterie und Massenpsychologie) getrieben. 

Man muss sich nur die Börseneinschätzungen im Fernsehen ansehen. Da kommentieren in Wirklichkeit meistens völlig ahnungslose Reporter irgendeine Kursentwicklung so, als hätten sie einen tiefen Einblick in die Orderbücher von Händlern. Tatsächlich aber plappern sie nur Zeug nach, was ihnen andere Leute erzählt haben oder was ihnen selbst eingefallen ist und irgendwie plausibel erscheint. Niemand kennt jedoch die wirklichen Zusammenhänge. Woher auch? 

Auf ungefähr hundert Seiten versucht Gebert in diesem Buch zu klären, unter welchen Bedingungen sich Aktien, Anleihen oder Gold im Krisenfall günstig entwickeln könnten. Danach untersucht er, wie man die kommende Krise rechtzeitig erkennen kann. Aus den oben genannten Gründen ist man auch nach dieser Lektüre nicht wirklich schlauer als vorher. 

Lustig wird es hingegen am Ende des Buches. Dort beklagt Gebert, dass in Deutschland seit 2009 das Produktivitätswachstum abhandengekommen ist. Das verwirrt ihn und führt ihn zu der Frage, ob vielleicht die Inflationsberechnung nicht stimmt. Bingo! Aber wer nun gedacht hat, dass der Autor auf dem richtigen Weg ist, der wird gleich wieder enttäuscht. Er vermutet nämlich, dass die Teuerung zu hoch ist, weil "Qualitätsverbesserungen" nicht berücksichtigt wurden. Ich möchte dieses Thema hier nicht weiter vertiefen, weil es nur am Rande etwas mit dem Buch zu tun hat. Wer jedoch mit realitätsfremden Modellen in der Ökonomie hantiert, der darf sich nicht wundern, wenn er auch realitätsfremde Ergebnisse erhält. 

Vermutlich wird dieses Buch für den gewöhnlichen Anleger eher verwirrend als nützlich sein, weil es die ohnehin schon komplizierte Lage mit zum Teil völlig überflüssigen Betrachtungen noch mehr verkompliziert. Außerdem transportiert es die Illusion, dass sein Autor genau wisse, was man in welchen Situationen tun sollte. Wie sich später die tatsächliche Situation darstellt, kann jedoch niemand zum jetzigen Zeitpunkt bekanntgeben. 

Und im Übrigen sitzen auf der anderen Seite Leute, die verhindern wollen, dass man sein Kapital in Sicherheit bringen kann. Die Rechnung, die durch die sogenannte Finanzindustrie und die scheinbaren Wohlfahrtsstaaten aufgemacht wurde, muss am Ende irgendwer bezahlen. Und das werden gewiss nicht die sein, die den Schaden verursacht haben. Wenn etwas sicher ist, dann dies. Ob man als normal Sterblicher wirklich etwas von seinem Kapital durch eine solche Krise retten kann, ist dagegen nicht sicher, sondern hängt wesentlich von der persönlichen Ausgangslage, von Glück und auch vom Verständnis der tatsächlichen Situation ab. 


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Rezension zu "Der große Gebert" von Thomas Gebert

Quantitative Untersuchungen primitiver Handelstechniken
R_Mantheyvor 3 Jahren

Thomas Gebert ist einem breiten Leserpublikum einer gewissen Börsenzeitschrift durch seinen Indikator bekannt, der offenbar sehr erfolgreich für eine Anlage in den DAX (beispielsweise über ETFs) eingesetzt werden kann. In diesem Buch wird er noch einmal ausführlich vorgestellt. Doch das ist nicht das eigentliche Ziel dieser Publikation, die so etwas wie eine Zusammenfassung von Geberts Einsichten in die Märkte darstellt, wenngleich er sich vorrangig mit dem DAX befasst. Gebert geht es um eine ganz einfache Frage, nämlich: Was wäre mit meiner Anlage passiert, wenn ich verschiedene allseits bekannte (und reichlich primitive) Methoden zum Ein- und Ausstieg in den DAX benutzt hätte. Er untersucht lange Zeiträume und beantwortet diese Frage rein statistisch. Die Benutzung seines Börsenindikators liefert dabei bei Weitem die besten Resultate.

Darüber hinaus wird man mit dem Buch nicht viel anfangen können. Es sei denn, man zieht aus Geberts Untersuchungen den Schluss, dass primitive Handelssignale, die man als starres Handelssystem etabliert, in den meisten Fällen in der Vergangenheit nicht viel brachten. Der Leser erfährt beispielsweise, dass die Anwendung der Stochastik oder des MACD, so wie sie in Anfängerbüchern oder Zeitschriften für gewöhnlich vorgeschlagen wird, statistisch gesehen keine Prognosekraft besitzen. Gleiches gilt für die von ihm vorgeschlagenen Anwendungen von gleitenden Durchschnitten, vielleicht mit Ausnahme des 20-Perioden-Durchschnitts. Die Schwäche von Geberts Betrachtungen könnte man hier übrigens bei einem tieferen Verständnis des Börsengeschehens gut erkennen. Wenn man nämlich gleitende Durchschnitte im Zusammenhang mit einer markttechnischen Herangehensweise betrachtet, lassen sich wesentlich bessere Resultate erzielen. Allerdings ist man dann wohl kein Anleger mehr, sondern ein Händler. Ähnliche Untersuchungen des Autors zu Kerzenformationen, der sogenannten Charttechnik und allen möglichen Zyklen bringen auch nicht viel Überzeugendes hervor.

In diesem Buch wimmelt es nur so von statistischen Aussagen, die den Eindruck tiefsinniger Untersuchungen vermitteln. Doch was ist ihr wirklicher Wert? Sie sollen eine Aussage über die Vorhersagbarkeit des zukünftigen Marktverhaltens mit ihrer Hilfe liefern. Doch das tun sie nicht wirklich, denn sie sind lediglich Auswertungen vergangenen Verhaltens. Sie verwirren wahrscheinlich mehr als sie praktisch nützen. Wer seine Handelsmethode auf solchen Untersuchungen aufbauen möchte, dem sei gesagt, dass auch ein kleiner statistischer Vorteil nur hilft, wenn man über das notwendige Ausgangskapital verfügt, ein adäquates Risikomanagement fährt und die Nerven besitzt, um ein vollständiges Handelssignal (hier: auf lange Sicht und als Anleger) umzusetzen. Das sogenannte Turtle-Experiment hat nachgewiesen, dass das den meisten Menschen nicht gelingt.

Man kann die Erkenntnisse aus diesem Buch so zusammenfassen: Gebert weist statistisch nach, dass fast alles, was man so aus einfachen Börsenbüchern kennt, so nicht funktioniert. Ein solches Resultat konnte man erwarten, denn wenn es anders wäre, wären wir alle reich und glücklich. Oder auch nicht, denn dann würden die Märkte nicht mehr so funktionieren, wie man sie kennt. Eine Ausnahme bildet dabei Geberts eigener Indikator, der nachgewiesen einen sehr großen statistischen Vorteil besitzt.

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