Thomas Glavinic

 3.8 Sterne bei 1.032 Bewertungen
Autor von Das Leben der Wünsche, Die Arbeit der Nacht und weiteren Büchern.
Thomas Glavinic

Lebenslauf von Thomas Glavinic

Bevor Thomas Glavinic als Schriftsteller sein Geld verdiente, arbeitete er als Werbetexter, Bergbauer und Taxifahrer. Schon in der Schule behauptete er selbstsicher, dass er Schriftsteller werden würde. Seine Eltern unterstützen ihn kaum bei der Erfüllung seines Traums, sie fanden er solle etwas solides lernen. Vor seinen ersten Roman, schrieb er neun andere, die aber alle im Müll gelandet sind. Thomas Glavinic veröffentlichte seinen Debütroman "Carl Haffners Liebe zum Unentschieden" im Jahre 1998. Das Buch ist sehr autobiografisch, den auch Glavinic spielte schon als kleiner Junge Schach und war sehr erfolgreich. Sieben Werke später, die teils hochgelobt, teils schaf kritisiert wurden, lebt er mit Frau und Sohn in Wien. Sein Buch "das bin doch ich" ist sehr besonders. Der Protagonist heißt so wie Thomas Glavinic. Auch andere Personen in dem Buch sind Persönlichkeiten aus Österreich, vor allem aus Wien. Thomas Glavinic Biografie ist geprägt von seinem ereignisreichen Leben und seiner Art, bewusst als Künstler anzuecken und auch zu provozieren. Mit seinem Buch “Das Leben der Wünsche” war er sogar auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2009. Er hat auch schon zahlreiche andere Preise für seine Werke erhalten.

Alle Bücher von Thomas Glavinic

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Das Leben der Wünsche

Das Leben der Wünsche

 (212)
Erschienen am 01.04.2011
Die Arbeit der Nacht

Die Arbeit der Nacht

 (175)
Erschienen am 01.10.2008
Das größere Wunder

Das größere Wunder

 (137)
Erschienen am 01.04.2015
Der Kameramörder

Der Kameramörder

 (132)
Erschienen am 23.11.2017
Das bin doch ich

Das bin doch ich

 (117)
Erschienen am 23.11.2017
Wie man leben soll

Wie man leben soll

 (82)
Erschienen am 01.07.2010
Carl Haffners Liebe zum Unentschieden

Carl Haffners Liebe zum Unentschieden

 (37)
Erschienen am 01.02.2006
Lisa

Lisa

 (44)
Erschienen am 01.10.2013

Neue Rezensionen zu Thomas Glavinic

Neu

Rezension zu "Das Leben der Wünsche" von Thomas Glavinic

Nach der großen Verwirrung eröffnet sich die Genialität
Ein LovelyBooks-Nutzervor 15 Tagen


Das Buch stand auf der Longlist des deutschen Buchhandels und war 2009 für den „Deutschen Buchpreis“ nominiert. 

 

Zum Inhalt:

Jonas trifft eines Tages einen seltsamen Mann im weißen Leinenanzug, der sich neben ihn auf die Bank setzt und ihm anbietet, drei Wünsche zu erfüllen. Nach längerer Diskussion willigt Jonas ein, wenn auch nicht völlig überzeugt. Der Mann erklärt ihm: „Es geht nicht darum, was du willst, sondern darum, was du dir wünschst. Als Tipp, bevor er genauso unvermittelt verschwindet, wie er auftauchte, gibt er Jonas noch folgenden Rat: „Geben Sie Ihren Wünschen Zeit, sich zu entwickeln. Sie können sich nichts anderes Wünschen.“

Dann werden wir als Leser Zeuge eines ganz normalen Lebens, wie es sich überall irgendwo entwickeln könnte, wenn es die Wünsche nicht gäbe.

 


Bei diesem Buch hatte ich ein besonderes "Verlangen" mich mit jemandem auszutauschen, denn irgendwie war ich am Ende recht durcheinander und mein erster Bauchgedanke war: "Das habe ich jetzt nicht verstanden."

 

Wobei ich im Grunde sehr glücklich mit dem Buch hätte sein müssen, da es ganz in meinem Sinne ist: keine gedankliche Gängelung durch den Autor, keine zu schnell vorhersehbaren Entwicklungen, keine schnell durchschaubaren Gedankengänge, sondern völlige Freiheit in der Ausgestaltung der Deutung durch mich als Leser. So liebe ich das. Dennoch ist irgendetwas, was mich daran hinderte, das Buch wegzulegen und zu sagen: klasse!

Im Gegenteil, ich war ratlos und verwirrt.

 

Dann begann ich das Buch und die Geschichte Revue passieren zu lassen und entdeckte, dass dies eines der Bücher ist, dass erst durch nachträgliches Nachdenken, seinen Sinn entfalten kann. Nimmt man die Geschichte als reine Geschichte, dann ist es eine recht normale, unterhaltsame Darstellung des Lebens eines Mannes zwischen zwei Frauen. Und damit es nicht zu platt wird, hat der Autor an einigen Stellen kleine mystische und übernatürliche Elemente eingeflochten.

Damit wird man dem Buch aber nicht gerecht.

Irgendetwas hielt mich am Nachdenken und dann ließ ich meiner Phantasie wirklich freien Lauf und versuchte zwischen den Zeilen, den Kapiteln und den mystischen Elementen zu lesen:

Was wenn die mystischen Elemente die Wünsche Jonas darstellen, die nie offen von Jonas ausgesprochen werden, aber eventuell vom Leser/Autor in sein Denken gelegt werden?

Was, wenn sie, da sie Zeit zur Erfüllung brauchen, sich erst sehr viel später erfüllen und daher auch nie passend zum Fortgang der Geschichte beschrieben werden können, sondern erst mit Verzögerung, sodass es dem Leser erscheint, als passe nichts mehr so richtig zusammen?

Wenn dies so ist, dann ist das Buch in gewisser Weise genial, da sich die Gedanken und Wünsche nicht automatisch ergeben und auch nicht vom Autor offen gelegt werden, sondern uns als Leser erst dann deutlich werden, wenn sie sich erfüllen. Damit erschließt sich der Protagonist nicht nur durch sein aktuelles Leben sondern auch durch seine geheimsten Wünsche. Der Charakter setzt sich wie ein psychologisches Lebenspuzzle nach und nach zusammen.

Was mir daran so gefällt, ist, dass es so auch im wirklichen Leben ist: Die geheimsten Wünsche, eben nicht nur das, was wir wollen – wie der Fremde es Jonas auch erklärt – werden nie offen ausgesprochen, werden nie kommuniziert und bleiben stets in uns selbst verborgen. Selbst wenn sie sich erfüllen, geben wir sie nicht unbedingt preis.

Der zweite Bezug zur Realität, ist die Tatsache, dass sich Wünsche nicht sofort erfüllen, sondern, dass sie in der Tat Zeit brauchen, sich zu entfalten. Wenn sie sich dann erfüllen, geschieht es häufig so unverhofft, dass man es manchmal nicht bemerkt oder man es sich nicht erklären kann und sich fragt: „warum gerade jetzt?“

Glavinic stellt dies in seinem Buch sehr geschickt dar, ohne groß Aufhebens um die Erfüllung dieser Wünsche zu machen – nur erkennbar für Jonas und damit für uns.

Den dritten Realitätsbezug sehe ich schließlich darin, dass auch unser Charakter zu einem bestimmten Teil durch unsere geheimsten Wünsche geprägt ist/sein kann.

 

Wenn diese Einschätzung/Deutung meinerseits stimmt, dann ist auch die Schlussszene genial. Denn Jonas wird dann Opfer seines größten Wunsches: unvermittelt und unausweichlich!

 

Ein tolles Buch, das sich mir erst im Nachhinein geöffnet und erschlossen hat, genau wie sich die Wünsche der Geschichte zeitversetzt erfüllen, so rundet sich das Verständnis für dieses Buch ebenso zeitversetzt ab. Auch das finde ich sehr gut und sehr gelungen – ob vom Autor beabsichtigt oder nicht!!

 

 

 

 

 

 


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L

Rezension zu "Das größere Wunder" von Thomas Glavinic

Auf der Suche nach Sinn in taumelnden Höhen
LunaRosevor 2 Monaten

Dieses Buch, diese Geschichte zu beschreiben ist schwer, wirklich schwer. Genau so schwer war es, dieses zu lesen. Nicht etwa, weil der Erzählstil so anstrengend gewesen wäre, sondern, weil so viele Situationen auf dich einstürzen, Gedanken niederrollen, alles auf einmal, bunt, mächtig, packend, schüttelnd, riesig, sich aufbäumend, durcheinanderwirbelnd, vollkommen, stark, zerbrechlich. Dieses Buch besteht aus Gedanken, aus Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart, fließend, ohrenbetäubend rauschend. Oberflächlich handelt sie von Jonas, seinen Gedanken, von seinen Sehnsüchten, von seiner Wanderung zum Gipfel des Mount Everest. Die Perspektive wechselt zwischen seiner Kindheit/Jugend und seinem Jetzt, was teilweise ein wenig verwirrend wirkt, aber zugleich spannend, beinahe kräftezehrend ist. Der Kern der Geschichte ist allerdings der Sinn, die Suche nach dem Sinn von allem und jedem. Sie trägt einen in die tiefsten Abgründe hinab, lässt fliegen, schweben, bangen, zittern. Manchmal werden scheinbar „unmögliche“ Dinge möglich. Alles hängt vom Glauben ab, vom Glauben an sich selbst. Die Charaktere sind bewundernswert, lehrreich, faszinierend. Ein Buch, welches dafür sorgt, dass man sich den Kopf zerbricht, über scheinbar unwichtige Dinge, die ansonsten nie einen Gedanken verdienten. „Das größere Wunder“ ist, so wie ich es begriffen habe, der letzte Band von mehreren Teilen, die man aber unabhängig voneinander lesen kann, ohne sich über ein offenes Ende (Zugegeben, das wäre auch merkwürdig.) oder einen offenen Anfang wundern zu müssen. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob ich die anderen Teile so rasch lesen werde, da bereits ein Buch genug Stoff zum Nachdenken liefert. Das Schlusswort: Es war gut, sehr gut, für die, die es zu würdigen wissen!

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Rezension zu "Die Arbeit der Nacht" von Thomas Glavinic

Verstörender Existenzialismus
BrittaRoedervor 6 Monaten

Thomas Glavinic ist ein Autor, der seine Leser gerne dahin schickt, wo es weh tut. Immer wieder lässt er seinen Dauer-Protagonisten Jonas extreme Situationen aushalten. Mal muss er den Mount Everest besteigen („Das größere Wunder“), mal den Südpol erreichen („Jonas Komplex“), mal wird Jonas von einem Tsunami hinweggespült („Das Leben der Wünsche“).

Doch kein Extrem ist so nachhaltig existenziell wie das Erlebnis, welches er seinem Protagonisten in „Die Arbeit der Nacht“ zumutet.

Denn eines Morgens erwacht Jonas in einem absoluten Albtraum. Er ist völlig allein. In einer äußerlich intakt gebliebenen Welt ist er plötzlich der einzige Mensch. Eine Robinsonade der besonderen Art nimmt ihren Anfang.

Erklärungen liefert Glavinic keine und so tappt der Leser gemeinsam mit dem immer verzweifelter werdenden Protagonisten bis zum Ende völlig im Dunkeln. Die Absurdität des Szenarios ist Programm, denn genau darum wirkt die plötzlich eines jeden (Realitäts-)Sinns beraubte Welt so hoffnungslos.

Mit erbarmungsloser Präzision zeichnet Glavinic  auf 400 gnadenlos langen Seiten die Auswirkungen seines Gedankenexperiments an Jonas auf, der wie eine Laborratte völlig unverschuldet den grausamen Versuchsbedingungen ausgesetzt wird.

Was passiert, wenn der Mensch völlig alleine ist?

Wie überlebt man ohne andere?

Woher nimmt Mensch den Sinn seines (Über-)Lebens?

Glavinic wirft Jonas völlig auf sich selbst zurück und entblößt so den verletzlichen Kern des Menschseins. In einer Welt ohne Hoffnung und Liebe kann es kein Überleben geben.

Dieser verstörend wirkende Roman ist nichts für zartbesaitete Gemüter und doch ist seine Botschaft ebenso klar wie lebensbejahend. Nur in der Gemeinschaft gibt es Hoffnung.


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Gespräche aus der Community

Neu
Hallo, da ich sehr gerne österreichische Gegenwartsliteratur lese und auch von Thomas Glavinic schon einige Bücher gelesen habe, die mir, vor allem durch seinen sich immer ändernden Schreibstil, ausgesprochen gut gefallen haben, habe ich beschlossen jetzt "Wie man leben soll" zu lesen. Ich denke, dass dem Buch gerade jetzt und im letzten Monat auch durch seine Verfilmung nochmal einiges an Aufmerksamkeit zu Teil wurde und fände es insofern äußerst spannend das Buch in der Gruppe zu lesen sich immer wieder über inhaltliche Fragen, etc. austauschen zu köbnnen. Wenn sich jemand für das "Projekt" interessiert und gern einer meiner Mitlesenden sein möchte, freue ich mich über jeden Kommentar. Falls ihr Änderungen, eigene Ideen oder sonstige Anmerkungen habt, können wir das Unterfangen selbstverständlich auch gern gemeinsam nochmal durchdenken! ich freu mich auf ein gemeinsames Lesen!!! glg lena
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Zusätzliche Informationen

Thomas Glavinic wurde am 01. April 1972 in Graz (Österreich) geboren.

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