Thomas Glavinic Carl Haffners Liebe zum Unentschieden

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Inhaltsangabe zu „Carl Haffners Liebe zum Unentschieden“ von Thomas Glavinic

Wien 1910, eine Partie Schach nimmt eine unvorhergesehene Wendung: ein kunstvolles gesellschaftliches Gemälde. Im Winter des Jahres 1910 steht die Schachwelt Kopf: Der in Wien ausgetragene Kampf um die Weltmeisterschaft nimmt in der fünften Partie eine unvorhergesehene Wendung. Der als unschlagbar geltende Titelverteidiger Emanuel Lasker, berühmt auch als Dichter und Philosoph, ist durch einen Fehler, den sonst nur Anfänger machen, in Rückstand geraten. Im Schlaglicht des Interesses steht nun plötzlich der Herausforderer Carl Haffner. Der bis dahin kaum bekannte Österreicher ist ein Defensivkünstler, ein Meister des Remis. Jetzt bietet sich ihm die Gelegenheit, Lasker die Krone zu entreißen – die zehnte und letzte Partie muss die Entscheidung bringen. Erzählerisch wird diese Auseinandersetzung nicht auf den vierundsechzig Feldern des Schachbretts zelebriert, sondern, psychologisch glänzend gelöst, im Aufeinanderprallen der zwei so unterschiedlichen Charaktere. Dieser hoch gelobte Debüt-Roman von Thomas Glavinic ist ein kunstvolles, psychologisches, soziales und gesellschaftliches Gemälde aus dem Wien der k.u.k. Monarchie.

Sein Debütroman. Sehr angenehm zu lesen, eine wunderbar konstruierte Geschichte. Ein gelungenes Buch.

— Rotkäppchen

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  • Ein mißlungener Versuch den Erfolg von Zweigs Schachnovelle zu wiederholen

    Carl Haffners Liebe zum Unentschieden

    awogfli

    Es kann durchaus vorkommen, dass ein von mir sehr geschätzter Autor nur ein mittelmäßiges Buch schreibt, das mir gar nicht gefällt. In Carl Haffners Liebe zum Unentschieden ist das sehr zutreffend. Erstens durch die zentrale Handlung des Schachs im Plot, das mich zwar als Spiel überhaupt nicht interessiert, mich aber in Stefan Zweigs Schachnovelle durch seine psychologischen und strategischen Implikationen schwerstens begeistert hat. In diesem Buch versucht Glavinic analog zu Zweigs Meisterwerk die spannende Dramaturgie eines Weltmeisterkampfes inkl. Psychogramm der Hauptprotagonisten insbesondere des Herausforderers Carl Haffner zu inszenieren. Leider gelingt ihm das so gar nicht, da er zweitens durch unzählige wirre Rückblenden, die den Charakter seines Hauptprotagonisten beleuchten sollten, viel zu weit und gähnend langweilig ausholt und auch zuviel in den Zeiten herumspringt, was völlig irritierend ist und den Lesefluss erheblich behindert. Da wird munter von der Gegenwart des Weltmeisterspiels über die Kindheit von Haffner, die Jugend von Haffners Eltern und dann wieder mal dazwischen herumgesprungen, bis sich der Leser in diesem Karussell von Zeiten einen Drehwurm geholt hat. Übrig bleiben, obwohl die Ansätze löblich sind, bedauerlicherweise nur dekonstruierte Bildschnipsel einer nicht fertiggestellten Persönlichkeitsstudie. Fazit: Ein mühsames Buch, das überdies die für mich literarisch schlimmste Todsünde begangen hat, mich auf weiten Strecken zu langweilen.

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    • 9
  • Rezension zu "Carl Haffners Liebe zum Unentschieden" von Thomas Glavinic

    Carl Haffners Liebe zum Unentschieden

    HeikeG

    31. January 2011 um 20:02

    "Die Sonne ist vom Himmel gefallen" . Mit dieser Schlagzeile wartet die Wiener Presse im Jahr 1910 in einer ihren Gazetten auf und deutet damit eine sich anbahnende Sensation in der hiesigen Schachwelt an. Aufsehenerregender konnte das stattfindende Ereignis nicht sein. Leute, die vom Schach kaum mehr als die Gangart der Figuren wussten, es gar für ein Welträtsel hielten, prügeln sich um Zuschauerplätze am Austragungsort. Was treibt sie, dieser "Leidenschaft magerer Kanzleiräte und schlitzohriger Juden", diesem eher unspektakulären Sport, "langweiliger noch als eine Meisterschaft der Briefmarkensammler oder Spitzendeckenhäkler", beizuwohnen? . Lokalmatador Carl Haffner ist im Begriff den bis dato seit sechzehn Jahren ungeschlagenen Weltmeister, Gelehrten, Mathematiker und Philosoph Emanuel Lasker in die Knie zu zwingen. Fünf Spiele von den angesetzten zehn sind bereits ausgetragen. Vier Mal Remis hat sich Haffner erkämpft, einen durch ihn "bevorzugten" Spielstand. In einer Partie zwingt er den Deutschen sogar in die Knie und gewinnt. Der in greifbare Nähe gerückte Weltmeistertitel ist dabei zwar eine erfreuliche Nebenperspektive, aber den Menschen geht es um etwas anderes: "um den Wettstreit, um Sieg oder Niederlage, um Aufregung und - um eine Antwort. Die Art der Waffen war nebensächlich. Man wollte ohne eigenes Risiko einen Vorgang beobachten, dem man selbst im Alltäglichen ganz unfreiwillig unterworfen war. Einem Wettstreit, dessen Regeln man zu kennen glaubte, lagen klare Muster zugrunde, ganz im Unterschied zu den Konflikten des Lebens. Im Leben wusste man nur selten, ob man ein Spiel gewonnen hatte. Und man wusste nicht, wer hinter den Spielregeln steckte. Das war das Schlimmste." . Thomas Glavinic schildert in seinem Debütroman aus dem Jahr 1998 diesen ganz realen (Über-)Lebenskampf auf mehreren Ebenen. Die titelgebende Figur, seine sportliche Auseinandersetzung mit dem deutschen Ausnahmespieler und vor allem sein obsessiver, ja tragischer Werdegang bilden dabei das Rahmengerüst. Geist und Seele dem Schachspiel verschrieben, gibt sich Carl Haffner diesem blind, bedingungslos, ausschließlich und fanatisch hin und geht daran letztendlich jämmerlich zugrunde. Um diese Handlung herum taucht Thomas Glavinic in diverse Lebenslinien des Haffnerschen Stammbaums ein: der Urgroßvater, ein wohlhabender Tuchhändler aus Königsberg, der mittelmäßige, als Komödienschreiber jedoch erfolgreiche Wiener Großvater sowie seine, auf der untersten Sprosse der Sozialleiter stehenden Eltern sind dabei mehr als Nebenkriegsschauplätze. Der Vater - ein Trinker - schlägt sich als Stehgeiger in Wiener Beiseln und Heurigen durch. Mutter Maria verdient mit Näharbeiten und später, nachdem sie der Mann wegen einer jüngeren Frau verlässt, als Toilettenfrau den Lebensunterhalt. Zu Lina wiederum, seiner Halbschwester, hat Carl eine besondere, ja beinahe magische Beziehung. . "Im Spiel der Meister, sagt Lasker, liegt die Wahrheit, auf dem Brett kann man nichts verbergen: Man ist als Mensch nackt." Thomas Glavinic weiß sehr wohl um dieses Offenliegen. Brachte er es doch 1987 selbst bis zur Nummer 2 der österreichischen Schachrangliste seiner Altersklasse. Als Schriftsteller ist er gleichsam entblößend. Entstanden ist ein mitreißendes, bewegendes und gut lesbares psychologisches Gedankenexperiment, dass sich in seinem Grundgerüst am wahren historischen Ereignis orientiert. Auch die Person des Herausforderers Carl Haffner existierte. Sie wurde durch den österreichischen Autor mit der Biografie des 1874 geborenen Karl Schlechters ausgestattet, der tatsächlich 1910 gegen Emanuel Lasker antrat. Allerdings ist anzunehmen, dass auch jede Menge persönliche Züge in die Erzählung eingeflossen sind. Dafür stand Thomas Glavinic zu nah an der Materie. . "Ein Dichter schreibt sein Buch nicht einfach, er fügt darin eins zum anderen. Und ein großer Schachmeister spielt seine Partien nicht. Er baut sie. (...) [und] verwendet für jeden Zug so viel Kraft und Phantasie wie ein Dichter für jedes Wort jedes Satzes.", schreibt der Österreicher. In seinem Buch ist ihm Gleiches gelungen. Er vereint beide Genre kongenial miteinander. Quintessenz: "Im Schach ist es wie im Leben: Man darf nur angreifen, wenn der Gegner einem zuvor die Waffen dazu in die Hand gedrückt hat." Das allerdings vergaß Carl Haffner alias Karl Schlechter zu berücksichtigen.

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  • Rezension zu "Carl Haffners Liebe zum Unentschieden" von Thomas Glavinic

    Carl Haffners Liebe zum Unentschieden

    Clarisse

    23. August 2010 um 14:52

    Wunderbares Buch! Seit ich die "Schachnovelle" gelesen habe, liebe ich Bücher in denen Schach eine Rolle spielt. Ich kann selbst nur leidlich Schach spielen, aber das tut der Faszination keinen Abbruch. ;) (Ich bekomme jedes mal wieder Lust Schach zu spielen, aber da ich so schlecht bin lässt es wieder nach..) Glavinic ist ein guter Psychologe der gut beschrieben hat wie die Persönlichkeitsstörung Haffners entstanden ist. Außerdem fand ich das Buch auch spannend, da es ja immerhin auch um eine Weltmeisterschaft geht.. Die Wiener Schachszene ist auch sehr schön beschrieben.

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  • Rezension zu "Carl Haffners Liebe zum Unentschieden" von Thomas Glavinic

    Carl Haffners Liebe zum Unentschieden

    Pankraz

    29. October 2008 um 19:59

    Stell Dir den freundlichsten Ort der Welt vor: “In Golds Buchladen gab es ein enges, gemütliches Hinterzimmer, (…). Es herrschte ein anheimelndes Durcheinander. Bücher stapelten sich in den Regalen, auf dem Boden, auf dem Tisch. Zigarrenasche bedeckte aufgeschlagene Zeitungen. Überall standen Kaffeetassen, die niemand abwaschen wollte. Auf dem Fauteuil türmten sich Wäsche, Kochgeschirr, Zeitungen und allerhand Kleinigkeiten wie Schreibpapier, Zahnbürste, Rheumamittel und Faschingsmasken. Leicht stieß man sich irgendwo, und ein paarmal am Tag am Tag griff man in einen Fliegenfänger. In einer Ecke qualmte ein undichter Ofen, auf ihm bereitete Gold Tee und Kaffee.“ Der gemütlichste Ort jedenfalls für den jungen Carl Haffner, der im Hinterzimmer der Buchhandlung das Schachspiel lieben lernt. Und das – Glavinic lässt es den Leser dieser spannenden Geschichte spüren – ist auch das Handicap des gutmütigen Helden. Er liebt das Spiel, nicht den Wettkampf. Erfolgreich spielt er sich in die Schachelite der Welt, geht seinen Weg, welcher ihm mehr durch seine Freunde als durch Ehrgeiz vorgezeichnet ist. Vielleicht literarisch nicht das „Große Werk“ Glavinics, von der Spannung, der Menschlichkeit und der Schilderung eines zutiefst in sich gefangenen Menschen allerdings ein Meisterstück.

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  • Rezension zu "Carl Haffners Liebe zum Unentschieden" von Thomas Glavinic

    Carl Haffners Liebe zum Unentschieden

    ArnieQ

    28. March 2008 um 11:27

    Im Gegensatz zu den anderen Glavinic-Büchern nicht gar so spannend. Trotzdem ein schönes Bild der Schach-Szene vor etwa Hundert Jahren.

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