Das größere Wunder

von Thomas Glavinic 
4,3 Sterne bei133 Bewertungen
Das größere Wunder
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (112):
dieFlos avatar

eine interessante Reise durch ein etwas anderes Leben

Kritisch (8):
Stephan59s avatar

Ein guter Plot, aber nur teilweise fesselnd!

Alle 133 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Das größere Wunder"

Jonas ist Tourist in einer Todeszone, er nimmt an einer Expedition zum Gipfel des Mount Everest teil. Während des qualvollen Aufstiegs hängt er seinen Erinnerungen nach. An seine wilde Kindheit, an das grausame Schicksal seines Bruders Mike, an seine endlosen Reisen nach Havanna, Tokio, Jerusalem und Oslo. Und schließlich an die magische Begegnung mit Marie, seiner großen Liebe, die sein ganzes Leben verändert hat. Thomas Glavinics neuer Roman ist eine Expedition ins Ungewisse ein unvergleichliches Buch, packend und verstörend zugleich, von einer enormen Suggestivkraft. Und ein Buch der Liebe.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423143899
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:528 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:01.04.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 21.02.2014 bei Jumbo erschienen.

Videos zum Buch

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,3 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne72
  • 4 Sterne40
  • 3 Sterne13
  • 2 Sterne8
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Stephan59s avatar
    Stephan59vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein guter Plot, aber nur teilweise fesselnd!
    Ein guter Plot, aber nur teilweise fesselnd!

    Der Plot hat mir gefallen und bis zur Hälfte etwa konnte mich die Geschichte um den Protagonisten Jonas durchaus faszinieren. Die Kombination des Extrembergsteigens mit seinem bisherigen Lebenslauf hat mich immer dran gehalten, auch wenn der Aufstieg aus zerrütteten Verhältnissen in ein quasi wunschlos reiches Dasein mir zu konstruiert war. Aber dann: Alles drehte sich nur um Jonas und seine Selbstfindung. Wohnungen und Häuser hier, schier unbezahlbar sein Baumhaus mitten im Wald, er jettet um die Welt und zieht sich dann für ein, zwei Jahre in die totale Isolation zurück… das hat mich gelangweilt und war mir viel zu konstruiert. Leider hat dort der interessante Plot an Strahlkraft so sehr verloren, dass ich mich abmühte, das Buch zu Ende zu lesen. Schade.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    Leseratte2007s avatar
    Leseratte2007vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wunderschöner Roman, der tiefgründige Fragen aufwirft, einen sehr nachdenklich stimmt und eine berührende Geschichte erzählt.Tolles Buch
    Auf der rastlosen Suche nach dem Sinn des Lebens...

    Darum geht es (Klappentext):

    Jonas ist Tourist in einer Todeszone, er nimmt an einer Expedition zum Gipfel des Mount Everest teil. Während des qualvollen Aufstiegs hängt er seinen Erinnerungen nach. An seine wilde Kindheit, an das grausame Schicksal seines Bruders Mike, an seine endlosen Reisen nach Havanna, Tokio, Jerusalem und Oslo. Und schließlich an die magische Begegnung mit Marie, seiner großen Liebe, die sein ganzes Leben verändert hat. Thomas Glavinics neuer Roman ist eine Expedition ins Ungewisse ein unvergleichliches Buch, packend und verstörend zugleich, von einer enormen Suggestivkraft. Und ein Buch der Liebe.

    Meine Meinung:

    Ich sollte das Buch über unseren Euregio Literaturwettbewerb lesen und bin schwer begeistert von dem Buch. Ich lese gewöhnlich eigentlich nur Fantasy Romane, aber dieses Buch ist einfach nur einsame Spitze.

    Der Roman wird bis zu Kap. 50 oder ein wenig weiter aus zwei Perspektiven erzählt. In der einen Perspektive erzählt Jonas aus seiner Vergangenheit und wie er der geworden ist, der er im Moment ist und hinterfragt schon sehr fortschrittlich für sein Alter die Welt, seinen Glauben, den Moral und lernt sich selber und seine Vorstellungen kennen.
    In der anderen Perspektive berichtet er aus der Gegenwart und nimmt dabei an einer Expedition zum Gipfel des Mount Everest teil. Was ich sehr beeindruckend finde.

    Der Schreibstil war sehr flüssig und spannend geschrieben, sodass ich immer mitgefiebert und mitgetrauert habe. Jonas war ein wundervoller Charakter, der mich sehr nachdenklich gestimmt hat und ich habe im Laufe des Buches selber bemerkt, dass ich ein paar Dinge jetzt anders sehe, als vorher. Dadurch hat sich das Lesen schon ein wenig ausgezählt.

    Ich fand es sehr ergreifend wie schon früh im Buch auf die Liebe zu Marie hingedeutet wird oder eher gesagt, auf seine große Liebe und dass er etwas sucht, was er noch nicht besitzt oder kennt, aber bald finden wird.

    Am Anfang wird man noch sehr im Dunkeln gelassen, was mit Marie passiert ist, sodass man sich schon selber überlegt hat, warum sie denn nicht mehr zusammen sind.

    Die Reise um die Welt mit Jonas hat mich sehr berührt und seine Expedition war sehr ausführlich und aufregend beschrieben. Es hat mir sehr großen Spaß gemacht seine Geschichte zu lesen und dafür verteile ich die volle Punktzahl an Sternen. Das Buch ist sehr empfehlenswert und kann gegebenenfalls wie in meinem Fall den Blick auf die Welt ein wenig verändern oder verschieben. Lasst euch einfach überraschen. Das Buch ist ein wenig dick, doch die Kapitel sind sehr kurz und man hat es schnell durchgesuchtet.

    Kommentieren0
    20
    Teilen
    Carigoss avatar
    Carigosvor 2 Jahren
    Gewaltiges Buch!

    "Das größere Wunder" habe ich auf einer Buchvorstellung in unserem Buchcafé kennengelernt. Es war eines von 10 Büchern, aber mir war schnell klar: DAS muss mit.

    Klappentext:

    "Er dachte an all die Momente, in denen er feierte, in denen er Angst hatte, in denen er lachte, in denen er allein war und reiste, im Auto, im Bus, in Hunderten Zügen, in Tausenden Flugzeugen, auf der Suche nach dem einzigen, für das es wert war zu leben: der Liebe."

    Jonas wächst bei seinem besten Freund Werner auf, dessen Familie in allerlei dubiose Machenschaften verwickelt ist. Später fängt er an, die Welt zu durchwandern, rastlos fährt er von einer Stadt in die nächste, kauft eine heruntergekommene Wohnung in Rom, lässt sich ein fünfstöckiges Baumhaus bauen und eine ganze Insel einrichten. Bis er eines Tages Marie trifft.

    Meine Meinung:

    Ich glaube es handelt sich wieder um eines dieser Bücher, denen ich mit meiner Rezension kaum gerecht werden kann. Es fällt mir schwer, die Handlung bzw. die Grundaussage treffend wiederzugeben, da sich vieles irgendwo in meinem Unterbewusstsein festgesetzt hat. Sprich: man muss das Buch einfach selbst gelesen haben. Trotzdem will ich es versuchen.

    Es ist die Geschichte von Jonas - einem hochintelligenten, feinfühligen Jungen / Mann mit einer außergewöhnlichen Kindheit und Jugend. In Rückblenden erfahren wir, wie es dazu kommt, dass er mit seinem geistig behinderten Zwillingsbruder bei seinem Freund Werner unterkommt und großgezogen wird - und zwar nicht von dessen Eltern, sondern von seinem sonderbaren Großvater Picco. Der wohlhabende Mann glaubt nicht an höhere Mächte, in jeder Hinsicht, und vertritt seine ganz eigene Moral. Diese fließt natürlich auch in seine Erziehung: Die Kinder dürfen sich ausprobieren, ohne gewöhnliche Grenzen gesetzt zu bekommen, werden von Privatlehrern unterrichten und sollen insbesondere lernen was es heißt, die Angst vor Menschen und dem Leben zu verlieren. Picco hält Selbstjustiz für ein völlig probates Mittel, um im Leben Frieden zu finden. Das muss man als Leser wohl nicht gutheißen; meiner Meinung nach wird sein Charakter hier etwas überspitzt dargestellt. Auch Jonas ringt in diesem Punkt mit sich selbst, da er auf "Leben erhalten" gepolt ist. Trotz der etwas ungewöhnlichen Umstände erlebt Jonas eine behütete Kindheit, die ihn glücklich macht.

    Als Jonas dann aber nahezu alles verliert, was ihm lieb und teuer ist, bereist er die Welt, testet seine Grenzen aus, sucht nach sich selbst und dem Sinn in Raum und Zeit. Diese Freiheit ist ihm scheinbar nur deshalb gegeben, weil er über unendlich viel Geld verfügt. Interessant ist aber, dass für Jonas das Vermögen nur Nebensache ist - er steigt nicht nur in Luxusunterkünften ab, sondern sucht auch die Armut und das Elend, um darin etwas zu spüren. Er tut insbesondere nichts, um aufzufallen und sich selbst ins Rampenlicht zu stellen, sondern folgt einfach nur seinem inneren Instinkt. Es geht also nicht nur um eine Freiheit, die man sich mit Geld erkaufen kann, sondern um die Freiheit, seinen Weg zu gehen, ohne sich von Zweifeln und Angst beeindrucken zu lassen. Auf seiner Suche lernt er Marie kennen, die ihn "fühlt" und liebt, wie er ist. Ab diesem Moment scheint es, als habe seine Rastlosigkeit ein Ende.

    Im zweiten Erzählstrang, der die Gegenwart behandelt, besteigen wir mit Jonas (der sich aus nicht bekannten Gründen von Marie getrennt hat) den Mount Everest. Wo am Anfang die Handlung noch ein wenig vor sich hinplätschert, wird es zum Schluss hin äußerst spannend: man fiebert mit, läuft mit, philosophiert mit, friert mit, kämpft mit. Es bleibt die Frage: wird er nach dieser, für ihn notwendigen, Grenzerfahrung wieder zu seiner Liebe Marie zurückfinden?

    Für mich war die eingeflochtene Liebesgeschichte eigentlich nur zweitrangig. Jonas hat vielleicht die Antwort in der Liebe gefunden, aber meiner Meinung nach steckt in uns allen eine Gottessehnsucht, die in die Ewigkeit führt und nicht mit dem Leben endet.

    Das Ende habe ich sehr genossen, bzw. den letzten Satz, der eine gewisse Botschaft auf den Punkt bringt. 

    Glavinics Schreibstil ist schlichtweg fesselnd. Er spielt mit sprachlichen Mitteln, wie z.B. Wortwiederholungen, unendlich langen Schachtelsätzen, einzeln gestreuten Worten. Man findet eigene Gedankengänge wieder, die sich um das Leben und den Tod drehen - abgedruckt direkt vor Augen.

    Fazit: 

    Es ist eigentlich der blanke Hohn, dass ich dieses Buch kurzfristig aus der Hand gelegt habe, um ein anderes zu lesen. Das, was ich vielleicht im ersten Viertel an Spannung vermisst habe, kam im Nachhinein als geballte Ladung auf mich herab. Wer keine Angst davor hat, sich elementaren Fragen rund um das Leben, den Tod und die Liebe zu stellen, sollte unbedingt Jonas kennenlernen und ein Stück mit ihm durch die Welt reisen.

    Kommentieren0
    8
    Teilen
    Buecherwurm1973s avatar
    Buecherwurm1973vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Die Suche nach eigenen ICH verpackt in einem intensiven und kraftvollen Schreibstil.
    Wer bin ich und weshalb bin ich auf dieser Welt?

    Jonas und sein Bruder Mike wachsen in tristen Verhältnissen auf. Jonas  übernimmt die Rolle des Beschützers für seinen behinderten Bruder. Denn die Mutter interessiert das Wohl der Kinder nicht. Sie widmet sich lieber dem Alkohol und den ständig wechselnden Liebhabern.   Der Grossvater seines Freundes Werner nimmt die beiden bei sich auf. Werner und Jonas  dürfen den Traum aller Kinder leben. Sie werden zu Hause unterrichtet von Politiker, Künstler, Olympiasieger, Stars und Zauberer. Sie beherrschen eine seltene Kampfsportart. Sie dürfen alle erdenkliche Streiche spielen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Wird ihnen  Leid angetan, sorgt der „Boss“, wie der Grossvater genannt wird, dafür dass dieser von der Bildfläche verschwindet.  Doch bald steht Jonas nur noch alleine da. Einer nachdem anderen stirbt. Jonas wird alleiniger Erbe vom Boss und  unermesslich reich.

    Jonas und Werner haben sich in der Jugend ständig zu gefährlichen und verrückten Spielen herausgefordert. Dieses Spiel versucht er nun im Erwachsenenleben alleine zu spielen. Er stellt sich absurde Aufgabe und betreibt Extremsportarten.  Immer von einem ins andere Extrem. Dann begegnet er Marie. Das erste Mal in seinem Leben ist er wirklich verliebt. Doch diese verlässt ihn wieder. Tief verletzt, beschliesst er, sich einer Expedition auf den Mount Everest anzuschliessen.

     

    Das Buch ist in zwei Handelsstränge aufgeteilt. Der eine erzählt die Lebensgeschichte von Jonas. Die andere beschreibt den Aufstieg auf den Mount Everest.  Fangen wir mit Jonas‘ Lebensgeschichte an. Seit Kindesbeinen ist er sich gewohnt, die Welt  mit absurden Spielen herauszufordern. Eigentlich geht es aber nur um eines  - sich zu spüren und das wahre ICH zu finden. Nicht nur Jonas wurde müde. Auch mir wurden diese pubertären Spiele zu bunt.

    Schlichtweg genial ist der Handelsstrang am Mount Everest. Kaum vorstellbar, dass der Autor niemals an einer solchen Expedition teilgenommen hat. Er beschreibt den Massentourismus und welche Gefahren er bringt. Denn der Aufstieg ist eigentlich schon genug gefährlich und hat schon manchen in den Tod geschickt. Mich haben vor allem die fesselnden Schilderungen des körperlichen Leids, den Kampf gegen die Höhenkrankheit und den Erstickungstod begeistert. Man leidet automatisch mit. Der Schreibstil ist hier kraftvoll und so intensiv.

    Am Schluss fliessen die beiden Handlungsstränge zusammen. Allerdings ist das Ende offen. Man weiss nicht, ob Jonas endlich am Ziel seines Selbstfindungs-Trips ist.

    Kommentare: 1
    14
    Teilen
    Ambermoons avatar
    Ambermoonvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch über Grenzerfahrung, Freiheit und die Suche nach dem Sinn und der Liebe. Einfach unglaublich!
    Ein Buch da jeder mal gelesen haben sollte

    Jonas ist Tourist in einer Todeszone, er nimmt an einer Expedition zum Gipfel des Mount Everest teil. Während der einzelnen Etappen des Aufstiegs - geprägt von permanentem Sauerstoffmangel und lebensbedrohlichen Wetterumschwüngen - lässt er sein Leben an sich vorbeiziehen.
    Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Mike und seinem besten Freund Werner wächst Jonas bei Picco auf, dem Boss, der in allerlei dubiose Geschäfte verwickelt ist und den Jungen ein weitgehend sorgenfreies Dasein ermöglicht. Die Jungen sind mutig, sie sind neugierig und sie sind unzertrennlich.
    Doch ihr kindliches Idyll wird eines Tages brutal zerschlagen. Damit beginnt für Jonas eine endlose Suche: Er reist nach Montevideo, Tokio, Oslo, Rom, überhundert Länder sollen es am Ende gewesen sein. Bis er eines Tages Marie trifft.

                                              --------------------------------------------

    So viel zur Handlung des Romans, aber dieses Buch beinhaltet so viel mehr und man muss dafür nicht einmal zwischen den Zeilen lesen. Ein Liebesroman ganz anderer Art, ohne schnulziges Gefasel, ohne kitschige Szenen. Hier wird die Liebe im Großen und Ganzen betrachtet. Die Liebe zur Freiheit, die Liebe zum Leben und die Liebe zur Liebe, die Suche danach und dabei an seine Grenzen zu gehen, um den Sinn zu verstehen.
    Dies alles eingebettet in eine wunderschöne Geschichte mit einem atemberaubenden Setting. Der Plot verläuft ruhig, aber nicht weniger spannend. Hier erzählt Jonas seine Geschichte, lässt den Leser an seinem Leben und seinen Gedanken teilhaben - man lacht, man weint und freut sich mit ihm. Der flüssige, flotte und unbeschreibliche Schreibstil Glavinic's tut sein Übriges und lässt einem erst wieder in die Realität zurückkehren, wenn man es zu Ende gelesen hat. Loslassen tut es einem jedoch nicht, es wirkt lange nach und regt zum Nachdenken an.

    Fazit:
    Kein Roman hat mich jemals so mitgerissen wie dieser hier. Ich habe geweint und viel gelacht, mitgefiebert und mich mitgefreut.
    Eine Geschichte die lange nachwirkt und einem zum Nachdenken anregt.
    Ein Buch das jeder einmal gelesen haben sollte - egal ob auf der Suche oder nicht.
    Daher gibt es eine absolute Leseempfehlung!

    Kommentare: 3
    107
    Teilen
    Duffys avatar
    Duffyvor 3 Jahren
    Die ganz große Suche

    Jonas nimmt an einer Expedition auf den Mount Everest teil. Es ist die Herausforderung seines Lebens und bei widrigen Umständen am Berg lässt er sein Leben Revue passieren. Ein Leben, das eine ständige Suche nach Sinn und Berufung ist.
    Als Kind werden er und sein behinderter Bruder Mike von Picco, einem Mann mit unfassbarem Vermögen aus dubiosen Geschäften, aufgenommen und wachsen in finanziell unabhängigen Verhältnissen auf. Nach dem Tod des Ziehvaters geht dessen Vermögen an Jonas über, der sich nun seiner rastlosen Suche durch die ganze Welt widmet. Der Wendepunkt wird erreicht, als er Marie trifft.
    Glavinic erzählt die Geschichte von Jonas in zwei Paralellsträngen. Einmal die Entwicklung von der Kindheit bis zur Bergbesteigung und einmal die Besteigung des Everest selbst. Geschickt verzahnt er die  beiden Stränge, was am Anfang ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, aber schnell relativieren sich die beiden Ansätze und fügen sich zu einem furiosen Finale zusammen.
    Glavinic hat alle Register seines Könnens gezogen. Aber es sind nicht nur die stilistischen Fähigkeiten, die beeindrucken, sondern die Sensibilität und Tiefe, mit der er zu Werke geht. Ganz sicher sein bestes Buch und für den Autor eine Standortbestimmung, an der er sich selbst messen wird. Uneingeschränkt empfehlenswert.

    Kommentieren0
    7
    Teilen
    steffchen3010s avatar
    steffchen3010vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein buntes Etwas aus krankhafter Sinnsuche, dick aufgetragener Jetset-Story und modernem Märchen.
    Ein kunterbuntes Etwas

    “Sich einer Gefahr auszusetzen ist einfach. Am Anfang und Ende steht der Entschluss. Dazwischen darf es nichts geben. Es geht bloß darum, nicht zu denken. Nur bestimmte Leute sind dazu imstande. Vor allem solche, die nichts zu verlieren haben.”

    Zitat, Seite 203

    Jonas, eigenbrötlerisch und hochbegabt, wächst mit seinem behinderten Zwillingsbruder Mike bei der alkoholkranken Mutter auf. Die Kinder sind ihr völlig egal, Mike ist ihr aufgrund seiner Behinderung sogar zuwider, weshalb sie sich lieber Hochprozentigem, anstatt ihrer Rolle als Mutter widmet.

    Seitdem steht Jonas im Konflikt mit sich selbst. Er entwickelt eine zweifelnde Weltanschauung und stellt alles in Frage, das ihm begegnet. Seine Freundschaft zu Werner und die enge Bindung zu seinem Bruder sind die einzig festen Konstanten in seinem Leben. Doch eines Tages spitzt sich der unkontrollierte Lebensstil der Brüder zu und Jonas findet sich schwer verletzt im Krankenhaus wieder.

    “Eine mehr als ungeordnete Welt war es, in der er da lebte. Eine Welt, in der es Behinderte gab, die verprügelt und schikaniert wurden. Eine, in der Mütter ihr Leben nicht aushielten und es vom Alkohol bestimmen ließen.”

    Zitat, Seite 128

    Von da an beschließt Picco, Werners Großvater, Jonas und Mike bei sich aufzunehmen, was dem untrennbaren Trio zu einem unbeschwerten Leben in Piccos herrschaftlichem Anwesen in Österreich verhilft. Denn Werners Großvater ist reich, weshalb Geld keine Rolle spielt. Keiner weiß, womit er sein Geld verdient, doch es lässt sie die schönsten Flecken der Erde gemeinsam entdecken. Durch die unkonventionelle Erziehung des Alten genießen die Jungs größtenteils Narrenfreiheit und verspüren nur in den seltensten Fällen Piccos erzieherische Hand.

    Doch Jonas kann den gleichgültigen Blick seiner Mutter nie vergessen. Er will immer höher, schneller und weiter. Hofft, durch Mutproben jeglichen Ausmaßes den abwesenden Blick seiner betrunkenen Mutter zu vergessen, für die er nie eine Rolle spielen wird.

    Die Besteigung des Mount Everest ist dabei die wohl größte Mutprobe, der er sich jemals unterzieht. Und seine letzte.

    “Schmerz. Der sich ausdehnt, pulsiert, sich selbst eine Gestalt gibt, um sie gleich wieder abzustreifen. Schmerz, stärker als du. Du möchtest davonlaufen, weinen, nicht du sein. Alles, was dir bleibt, sind Schreie zu irgendeinem dunklen Gott.”

    Zitat, Seite 139

    Glavinic tischt uns in “Das größere Wunder” ein kunterbuntes Etwas aus modernem Märchen, dick aufgetragener Jetset-Story und krankhafter Sinnsuche auf. Der Autor, der für seine fiktionsgetränkten Romane bekannt ist, führt mich in “Das größere Wunder” auf 528 Seiten rund um den Globus. Er reiht spektakuläre Ereignisse aneinander wie Alltäglichkeiten, lässt Protagonisten Jonas den Wohnsitz wechseln, wie andere ihre Socken und mischt dem Werk allerhand philosophische Ansätze bei.

    Der Roman wechselt zwischen zwei verschiedenen Zeitabschnitten. Zum einen begleiten wir Jonas bei seiner mühsamen Besteigung des Mount Everest, zum anderen während seiner Kindheit in Österreich. Durch die aktive Verwebung dieser beiden Zeitstränge ermöglicht uns Glavinic, die Gedanken und Taten seines Protagonisten besser verstehen und nachvollziehen zu können.

    Im Gegensatz zu anderen Autoren, in deren Werke die Fiktion eine zentrale Rolle spielt, u.a. In “Der Allesforscher” von Steinfest, läuft mir bei Glavinic allerdings das fiktionale Maß etwas über. Mir sind die Ereignisse zu spektakulär, die Entwicklungen zu unrealistisch und ihre Menge zu viel des Guten.

    Selten habe ich mich mit einem Roman so lange auseinander gesetzt, wie mit diesem. Der ungewöhnliche Stil des Autoren, der zwar einfach zu lesen, aber nur schwer zu fassen ist, hat mich nur mühsam vorankommen lassen. Die Schilderung der Besteigung des Mount Everest ist lebendig und schmerzvoll und präsentiert sich vermutlicherweise genauso intensiv wie die Besteigung selbst. Dieser Teil des Romans präsentiert sich mir daher sehr authentisch.

    Alles in Allem ist “Das größere Wunder” eine grandiose Geschichte über die verzweifelte Suche nach Zugehörigkeit und Liebe. Der Autor hält uns einmal mehr vor Augen, dass wahres Glück vielmehr auf innerer Zufriedenheit als auf materiellen Dingen beruht.

    “Man wird älter und älter, und man wartet. Etwas wird passieren, etwas Großes. Das Leben, das man führt, steuert zweifellos auf einen Höhepunkt zu, hinter dem die Versöhnung liegt, die Läuterung, das Glück – unausweichlich und unabänderlich. Eines Tages wird alles gut sein. Das Heute ist fehlerhaft, das Morgen wird vollkommen sein.

    Man wird älter und älter und wartet noch immer, mit der Welt und mit sich selbst, und das Erhabene, es will nicht kommen. Die Versöhnung mit sich und mit der Welt lässt auf sich warten, das Glück ist nicht perfekt, die Besserung nicht in Sicht. Mitunter scheint alles gar merklich abwärts zu gehen.

    Man wartet weiter. Und fühlt eine dumpfe Sorge aufsteigen. Sorge wird zu Angst, Angst wächst zu Entsetzen. Entsetzen schlägt um in Trauer, Trauer verwandelt sich in Unglaube.”

    Zitat, Seite 222/223


    Kommentare: 1
    13
    Teilen
    Mondspektrums avatar
    Mondspektrumvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Habe mich zwar etwas schwer getan mit dem Lesestoff doch das Ende macht den Plot rund. Hauptthema kommt erst zum Schluss richtig raus.
    Die ewige Suche nach der wahren Liebe

    Inhalt

    Jonas erfüllt sich einen Herzenswunsch indem er an einer Expedition zum Mount Everest teilnimmt. Während des Aufstiegs schweifen seine Gedanken immer wieder in die Vergangenheit und sein bewegtes Leben ab. In Rückblenden wird von seiner Kindheit und seinem Leben als Teenager erzählt. Von seiner alkoholkranken Mutter vernachlässigt, wächst er gemeinsam mit seinem geistig zurückgebliebenen Zwillingsbruder Mike auf und lernt schnell sich im Leben zu behaupten. Einziger Halt bietet ihm sein bester Freund Werner, der am selben Tag geboren wurde wie er. Als die Situation zu Hause bei Jonas eskaliert findet er gemeinsam mit seinem Bruder Mike Zuflucht in Werners Elternhaus und wird sogar von Werners Großvater Picco adoptiert. Fortan führen die Zwillinge in Werners Zuhause ein Leben im Überfluss mit allen Annehmlichkeiten und ohne jegliche Verbote. Ein Paradies? Der Schein trügt und bald lernt Jonas, dass sein Ziehvater Picco mit jedem kurzen Prozess macht, der seine Schützlinge bedroht oder Schaden zufügt – hart und unverhältnismäßig.

    Meine Meinung

    Die Story springt häufig von der Gegenwart zu unterschiedlichen Stationen aus Jonas‘ Leben. Einerseits erfährt man fundiertes Wissen über die Expedition zum Mount Everest, die für sich gesehen schon ein Buch Wert gewesen wäre und zum andern über Jonas‘ unstetes Leben, seiner ewigen Suche nach dem Besonderen, dem größeren Wunder eben, der Liebe.

    Bemerkenswert ist, dass sich Jonas und Werner schon als Kinder darüber Gedanken machen, dass es nicht normal sein kann, dass man ihnen jeden Streich ohne Strafe durchgehen lässt und sie sich fragen, ob dies für ihre Entwicklung überhaupt gut ist. Es mangelt ihnen an nichts und dennoch stellen sie das Leben ständig auf die Probe, nutzen ihre Ressourcen kaum, vergeuden es.

    Jonas, der schon viel von der Welt gesehen hat stößt beim Aufstieg des Bergmassivs schließlich an seine Grenzen, vergleichbar mit seinem Leben, dessen größte Herausforderung es ist die Liebe zu bezwingen und zuzulassen mit all ihren Höhen und Tiefen.

    Die teilweise ins mystische übergehende Bindung zwischen Jonas und seinem Freund Werner finde ich etwas überzogen. Ebenso das er den Tod seines Bruders und seines besten Freundes voraussieht. Hat er etwa das zweite Gesicht? Dies wird leider nicht näher erklärt. Stark überzogen ist auch seine Fähigkeit, an die hundert Sprachen zu verstehen und ich weiß nicht wie viele zu sprechen, dass erscheint mir ein wenig zu göttlich.

    Dann lernt er die Liebe seines Lebens kennen, teilt mit ihr seine Leben, seine Erinnerungen, dennoch reist er weiter ohne Ziel. Das Leben ist eine Reise für ihn. Man möchte wissen, was schiefgegangen ist in Jonas Beziehung zu Marie und erfährt es erst zum Schluss. Das ist okay.

    Dennoch hatte ich Schwierigkeiten mich in die Geschichte einzufinden, deren Längen manchmal ermüdend waren und nicht erkennen ließen, wohin sie denn letztendlich führen sollte. Man muss das Buch wirklich bis zum Ende lesen, damit es eine runde Sache wird.



    Kommentieren0
    12
    Teilen
    HeikeGs avatar
    HeikeGvor 3 Jahren
    König der Zeitkapsel oder: "Jeder ist jemand"

    "Ein Leben ist nur dann geschützt, wenn es einer Sache gewidmet ist, die größer ist als der Mensch, der es lebt und der Sache dient." Große Worte von Thomas Glavinic bzw. seinem Protagonisten Jonas des für den Deutschen Buchpreis 2013 nominierten neuen Romans. Gedanken, die ihm während seines an physische und psychische Grenzen gehenden Marsches auf das Dach der Welt - den Mount Everest - kommen. Es ist eben jener Jonas, der bereits in zwei früheren Büchern des österreichischen Autors auftritt. Nach "Die Arbeit der Nacht" (2006) und "Das Leben der Wünsche" (2009) liegt nun der Abschluss der Trilogie vor. Ein würdiges Finale mit einem großartigen Text!

    Alle drei Bücher sind auf magische Art und Weise miteinander verbunden, können allerdings völlig unabhängig voneinander gelesen werden. Sie bauen weder aufeinander auf, noch setzt das Verständnis des aktuellen Werkes die zwingende Lektüre der beiden Vorgänger voraus. Aber sie greifen immer wieder faszinierend ineinander über. Erneut beschäftigen den Autor die Motive der Angst, Einsamkeit, Sehnsucht und der Freiheit. Über allem schwebt das unendliche Mysterium der Liebe, dieser "großen Sache", von der im ersten Satz die Rede war. Die Handlung ist erneut auf mehreren Ebenen und in diversen Zwischenreichen angesiedelt. Glavinics Held befindet sich eher in einer Zeitkapsel, die wie ein Ping-Pong-Ball im Raum herumgeworfen wird, als dass er einen stringent konstruierten Weg durchwandert. Vieles wird nur angedeutet, aber nicht endgültig gelöst. "Alles ist in Bewegung, nichts ist fertig, alles kann noch passieren oder ist vielleicht schon passiert.", erläutert der Autor im Interview mit seiner Lektorin, das dem Buch vorangestellt ist. Aber gerade dieses Verweben und Vermischen, dieses Kommunizieren des eigenen Ichs mit einem früheren, macht den ungeheuren Reiz bei der Lektüre aus.

    Als Rahmenhandlung fungiert Jonas Everest-Besteigung, die in ihrer ganzen Brutalität und Eindringlichkeit derart plastisch wiedergegeben wird, dass man meint, selbst ein Mitglied dieser Jahr für Jahr unzähligen Expeditionen zu sein, die den Berg in immer abenteuerlicher Weise zu bezwingen suchen: Tod, Verletzung und das Infragestellen der menschlichen Würde inklusive. Diese (Un-)Wirklichkeit entgleitet Glavinics Protagonisten immer wieder: "Er tauchte ab aus der Wirklichkeit, er verschwand in sich selbst, in seiner Vergangenheit, er glitt hinüber zu den Bildern, die ohnehin ständig da waren, ob er hinsah oder nicht." Der in Graz geborene Autor versteht es meisterhaft durch wechselnde Kapitel, Schauplätze aus dem Leben seines Protagonisten zu platzieren, beginnend in dessen ungewöhnlicher Kindheit bis zu seinen zahlreichen, rastlosen Odysseen durch die gesamte Welt. "Szenen in denen er feierte, in denen er Angst hatte, in denen er lachte, in denen er Schlimmes tat, in denen er allein war und wanderte und reiste, im Auto, im Bus, in Hunderten Zügen, in Tausenden Flugzeugen". Immer auf der Suche nach dem einzigen, für das es wert war zu leben und das er in einem kumulierenden Punkt, im "Zentrum eines Jahrhundertsturms" in Gestalt von Marie trifft.

    In einer nüchternen und beschreibenden, keineswegs jedoch unverständlich-avantgardistischen, sondern stets gut lesbaren Sprache, ist Thomas Glavinic erneut ein Wurf auf literarisch und stilistisch allerhöchstem Niveau gelungen. Fragen durchziehen das ganze Romangefüge: "Was ist eingeschlossene Zeit"? Ist mein Ich statisch oder dynamisch? Was macht mein Innerstes aus? Wo liegt der Kern meines Wesens? Muss ich für alle Zimmer des Leben immer einen Schlüssel haben oder ist es vielleicht manchmal viel besser, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen? Was bedeutet Vergänglichkeit? Worin bestehen die Zusammenhänge der Welt? Was bin ich? Ständig gewinnt er Erkenntnisse, die bewusst oder unbewusst seine Handlungen bestimmen. Letztendlich wird klar, dass alles mit allem verbunden ist. "Niemand kann sich lösen. Entkommen gibt es keines."

    So wie auf dem düsteren Bild, das im Arbeitszimmers von Jonas' Ziehgroßvater hängt, so herrscht auch in Glavinics Roman eine nahezu gespenstische, zuweilen düstere und beklemmende Stimmung, die der Realität zu entgleiten droht. Wie ein Sog zieht das Geschehen den Leser ins Buch. Alles verschwimmt, schiebt sich ineinander, weich und kräftig, diffus und klar, imaginär und wahrhaftig, durchtanzt von Farben, Geräuschen und Bewegungen. Unglaublich beeindruckend sind Thomas Glavinics Beschreibungen am Berg, die er aus Erzählungen seines 2012 tödlich verunglückten Jugendfreundes Gerfried Göschl, der 2005 ohne Sauerstoff und im Alleingang auf dem Everest war, geschöpft hat und die in ihrer Eindringlichkeit und Authentizität erstaunlich imposant, ja, brillant wirken. Doch Vorsicht: Der Roman "gehörte nicht zur Wirklichkeit, es gab nur vor, ein Teil der Wirklichkeit abzubilden". Aber einer großen Sache ist er dennoch gewidmet, "die größer ist als der Mensch, der es lebt und der Sache dient": der Liebe.

    Fazit: "Alles ist vergänglich. Du bist vergänglich. Alles vergeht und verweht. Zeit ist neutral. Zeit ist den Dingen gegenüber gleichgültig. Zeit ist unerbittlich. Keine Sekunde, auf die nicht die nächste folgt. Keine Sekunde, die nicht vergangen wäre. Ob schön. Ob schrecklich." Thomas Glavinics Romanfigur und ihr Weg auf den Gipfel der Welt gestalten sich als ein großartiges Gedankenexperiment, das der Stille und dem Rätsel in uns selbst nachspürt. Gleichzeitig ist es ein großes Buch über die Liebe. "Liebe ist oft selbst ein Partner, und oft ist sie Betrug, und dieser Betrug betrügt die Liebe. Manchmal liebt man nur die Idee der Liebe, man redet sich ein, dieses Große zu erleben, nicht ahnend, dass man sich selbst belügt und das Große nur simuliert." Hier jedoch kann man ohne Zweifel feststellen, dass Thomas Glavinics tatsächlich etwas Großes geschaffen hat: großartige Literatur!

    Kommentare: 1
    14
    Teilen
    Buchstabenliebhaberins avatar
    Buchstabenliebhaberinvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Brutal gut! Eines der Bücher, die man verschlingt vor Spannung, und bei jeder Seite hofft, es möge endlos weitergehen, so wunderbar ist es.
    Höhen und Tiefen des Lebens

    Extremsportler Jonas besteigt dem Mount Everest. Ich interessiere mich nicht sonderlich für Berge, vor allem nicht fürs Bergsteigen. Doch dieses Abenteuer hat mich in seinen Bann geschlagen, ich hab mit Jonas gefroren und gelitten, mich über die rücksichtslosen Hobbybergsteiger aufgeregt und die starken Sherpas und Expeditionsleiter bewundert. Das muss der absolute Wahnsinn sein da oben!

    Ich hab Jonas Leben im Rückblick erfahren. All der Kummer, der ihm widerfahren ist, immer wieder große Verluste. Der große Zusammenhalt, das ungewöhnliche Leben bei Picco - grenzenlos, in jeder Hinsicht. Liebe, Bildung, Reichtum. Blödsinnige, gefährliche und gemeine Jungensstreiche. Aber auch Gewalt, Macht, Ausgrenzung von außen.

    Mit großer Intelligenz geschlagen schlingert Jonas durchs Leben. Nur in Extremsituationen fühlt er sich richtig lebendig. Er hat mehr Geld, als er je ausgeben könnte. Er jettet durch die Welt, doch egal ober sich auf Monsterwellen befindet, in der Antarktis, in Tokyo, Italien oder der Ukraine, seine latente Unglücklichkeit, seine Einsamkeit, bleibt. Er schließt sich jahrelang ein um nachzudenken, er verliebt sich, er entliebt sich. Als er endlich seine grpße Liebe trifft, entliebt sie sich. Er entschließt sich dazu, den Mount Everest zu besteigen. Eine beschwerliche, schmerzhafte Tour beginnt.

    Mein Lieblingszitat, das immer wieder mit eleganten Abweichungen auftaucht, Seite 326:
    "Oft lag er auf seinem Bett und schaute zur Decke.
    Das ist eine römische Decke.
    Es gibt sie schon lange.
    Es gibt sie länger als mich.
    Viele haben sie gesehen.
    Viele werden sie sehen.
    Ihnen allen ist die Decke egal.
    Weil sie nur eine Decke ist.
    Ich bin jetzt hier.
    Mir ist die die Decke nicht egal.
    Ich bin der Decke egal."


    Seite 368:
    "Eine Droge ist ein Gegner, der genauso ist wie man selbst. ... Wie besiegt man jemanden, der genauso ist wie man selbst?"

    Seite 395:
    "Ich glaube, in ein paar hundert Jahren wird man die Tatsache, dass wir Tiere gegessen haben, auf eine Stufe mit der Sklaverei stellen."

    Das Buch ist voll von klugen Sätzen, die schlicht und klar daherkommen. Pur. Poetisch. Viele Sätze beinhalten nicht mehr als ein, zwei Worte. Ich liebe diesen Stil.
    Thomas Glavinic ist eine große Geschichte über die Sinnsuche, über die Liebe, über die Einsamkeit gelungen, eingepackt in eine fesselnde und unglaublich realistisch wirkende Erstbesteigung des Mount Everest, fein verwoben mit einzelnen Passagen aus dem bisherigen Leben des Protagonisten Jonas.

    Mein Fazit:

    Das Buch kommt in meine persönliche Bücher Top Ten! Ich bin tief berührt, ein Buch, über das ich noch lange nachdenken werde. Ich bewundere dieses Talent, gleichzeitig tiefsinnig und unglaublich unterhaltsam sein zu können. Den Leser zu packen und zu beuteln, zum Lachen zu bringen, mitfühlen und mitfiebern zu lassen. Vielen Dank, Thomas Glavinic, für dieses großartige Buch!



    Kommentieren0
    63
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    sarah_elises avatar
    Am 7. Oktober 2013 wird der Deutsche Buchpreis im Rahmen einer Gala zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verliehen.

    Die 5 Bücher umfassende Shortlist für den Preis der Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der mit 25.000 Euro dotiert ist, wird am 11. September bekannt gegeben. 

    Doch nun zu den 20 Kandidaten auf der Longlist, die in dieser Woche bekannt gegeben wurde, und die alljährliche Frage: Habt ihr einen Favoriten? Und welche der Bücher habt ihr gelesen? Wen vermisst ihr auf der Liste und welche Neuerscheinungen zwischen Oktober 2012 und September 2013 sind auf eurer ganz persönlichen Longlist für den deutschen Buchpreis?

    • Mirko Bonné: Nie mehr Nacht (Schöffling & Co., August 2013)

    • Ralph Dutli: Soutines letzte Fahrt (Wallstein, März 2013) 

    • Thomas Glavinic: Das größere Wunder (Hanser, August 2013) 

    • Norbert Gstrein: Eine Ahnung vom Anfang (Hanser, Mai 2013) 

    • Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden (Hanser, Februar 2013) 

    • Daniel Kehlmann: F (Rowohlt, September 2013) 

    • Judith Kuckart: Wünsche (DuMont, März 2013) 

    • Olaf Kühl: Der wahre Sohn (Rowohlt.Berlin, September 2013) 

    • Dagmar Leupold: Unter der Hand (Jung und Jung, Juli 2013) 

    • Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren (C. H. Beck, Januar 2013) 

    • Clemens Meyer: Im Stein (S. Fischer, August 2013) 

    • Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2013) 

    • Terézia Mora: Das Ungeheuer (Luchterhand, September 2013) 

    • Marion Poschmann: Die Sonnenposition (Suhrkamp, August 2013) 

    • Thomas Stangl: Regeln des Tanzes (Droschl, September 2013) 

    • Jens Steiner: Carambole (Dörlemann, August 2013) 

    • Uwe Timm: Vogelweide (Kiepenheuer & Witsch, August 2013) 

    • Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten (Jung und Jung, Februar 2013) 

    • Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums (Diogenes, August 2013) 

    • Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como (Blumenbar, März 2013) 

    Zum Thema

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks