Thomas Grigoleit

 4,3 Sterne bei 3 Bewertungen

Lebenslauf

Thomas Grigoleit ist im Rheinland aufgewachsen und hat nach seinem Abitur in Bonn, Chengdu (China) und Bochum Sinologie und Volkswirtschaft studiert. Nach dem Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen im Bereich der Erneuerbaren Energien in Taiwan, China und Deutschland. Nun lebt er mit seiner Familie in Berlin und berät internationale Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbare Energien und Umwelttechnologien bei Investitionen in Deutschland.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Thomas Grigoleit

Cover des Buches Plattenbauten und Palmenkanonen (ISBN: 9783347845879)

Plattenbauten und Palmenkanonen

 (3)
Erschienen am 19.05.2023

Neue Rezensionen zu Thomas Grigoleit

Cover des Buches Plattenbauten und Palmenkanonen (ISBN: 9783347845879)
luisa_loves_literatures avatar

Rezension zu "Plattenbauten und Palmenkanonen" von Thomas Grigoleit

Tansania auf der Spur
luisa_loves_literaturevor 6 Monaten

Obwohl ich schon mehrmals auf dem afrikanischen Kontinent war, habe ich es bisher noch nicht bis Tansania geschafft - obwohl: nun eigentlich schon. Denn Thomas Grigoleits sehr persönlicher Blick auf die Geschichte, die Natur und das Expat-Leben in Tansania haben mir das Land sehr nahegebracht und mich mit viel mehr Informationen und Anekdoten versorgt, als jeder Reiseführer es je könnte. 

Der Autor berichtet sehr humorvoll von den Anfangsschwierigkeiten in der Expat-Bubble und der recht rasch erfolgenden Einsicht, dass man das Land nur dann richtig erfahren kann, wenn man die Exklusivität der Ausländerhalbinsel hinter sich lässt und sich tatsächlich auf Reisen durch Daressalam und Tansania begibt. So erkundet er zunächst die Hauptstadt, später führen die Ausflüge trotz Seekrankheit mit der Fähre auch nach Sansibar oder per Flugzeug ins Landesinnere zum heiligen Berg der Massai, auf den Kilimanjaro, zum Tanganjika-See, dem Ngorongoro-Krater und natürlich in die Serengeti. All diese mitunter abenteuerlichen Entdeckungstouren beschreibt  der Autor äußerst unterhaltsam, mit einem sehr guten Blick für Details und in dem deutlichen Bewusstsein aus einer privilegierten Position heraus das Land erleben zu dürfen. Die Natur wird ohne Kitsch oder Pathos beschrieben, die Ausführungen lassen dabei aber ein deutliches Bild der Umgebung entstehen - man ist quasi mit unterwegs, kann sich  die gnadenlose Hitze bei der joggenden Durchquerung Sansibars bestens vorstellen und die majestätische Weite der Landschaft, die sich einem bei dem Blick vom Ol Doinyo Lengai bietet, fühlen. Selbst ohne Fotomaterial entstehen im Kopf grandiose Bilder, hört man Löwengebrüll und lachende Hyänen - Kopfreisen von seiner besten Seite.

Neben diesen Reiseberichten, die das heutige Tansania vor dem geistigen Auge erstehen lassen, bietet Thomas Grigoleit noch eine weitere Ebene in seinen Tansania-Erinnerungen an, die mir persönlich sehr entgegenkommt, weil ich mich sehr gerne mit Geschichte(n) außerhalb der Reiseführerinformationen und abseits der sehr großen bekannten Namen beschäftige. So wirft der Autor einen überaus spannenden, gründlichen und herrlich unverstaubten Blick auf die Vergangenheit der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, die, außer in den übersetzten Romanen des Literaturnobelpreisträgers Abdulrazak Gurnah, auf dem deutschsprachigen Buchmarkt kaum eine Rolle zu spielen scheint. Grigoleit bettet die skrupellosen Taten grausamer deutscher Kolonialisten ebenso elegant in seinen Text ein wie leichtere Anekdoten z.B. über das Schiff Liemba oder einen überraschenden Fenstersturz. Mich hat das Buch immer wieder zur Google-Foto-Suche geführt: einfach weil ich unbedingt mal das Hotel Kaiserhof in Daressalam oder die Liemba sehen wollte - und wenn ein Text einen dazu motiviert, sich weiter mit einem Thema auseinandersetzen zu wollen, dann muss man einfach feststellen: alles richtig gemacht.

Mich hat das Buch sehr begeistert, wunderbar unterhalten und vor allem auch inspiriert. Ich habe es - bis auf die leider sehr zahlreichen Grammatikfehler, die durch eine etwas gründlichere Korrekturlesung leicht zu beseitigen gewesen wären - sehr gern gelesen und kann es unbedingt weiterempfehlen. Es ist eine ausgezeichnete Lektüre für alle, die sich mehr als nur oberflächlich mit Tansania befassen wollen, für alle, die Afrika im Herzen tragen oder einfach mehr über Deutschlands koloniale Vergangenheit wissen wollen. 



Cover des Buches Plattenbauten und Palmenkanonen (ISBN: 9783347845879)
Irene123s avatar

Rezension zu "Plattenbauten und Palmenkanonen" von Thomas Grigoleit

Ein unvergessliches Leseerlebnis
Irene123vor 6 Monaten

Thomas Grigoleit beschreibt in seinem Buch jene dreieinhalb Jahre, die er mit seiner Familie als sogenannter MAP (mitausreisender Partner) in Tansania verbrachte. Um dem etwas ereignislosen Expat-Dasein zu entkommen, beschloss er nach einigen Monaten, Tansania bzw. Teile davon zu Fuß zu erkunden und sich so auch auf die Spuren der deutsch-tansanischen Kolonialvergangenheit zu machen.

Eine seiner ersten längeren Erkundungen führte ihn durch die Hauptstadt Daressalam, eine relativ junge Stadt, einst Hauptstadt von Deutsch-Afrika und heute immer stärker von den Chinesen geprägt. Grigoleit schlendert zu Fuß durch die Straßen der Stadtviertel, schildert seine Beobachtungen und schiebt hochinteressante geschichtliche Rückblenden ein.
Etwas später wagt sich Grigoleit mit einem kleinen Expeditionsteam in das Land der Massai, die in den Ngorongoro Highlands im Norden Tansanias leben. Neben wunderschönen Landschaftsbeschreibungen erfährt man auch hier viel Wissenswertes über die Geschichte der Massai und ihre Lebensweise. Da sie im Ngorongoro-Schutzgebiet leben, dürfen sie z. Bsp. keine Landwirtschaft betreiben. Es gibt nur einen Geländewagen, der die Dörfer mit dem Wichtigsten versorgt, vor allem mit Obst und Gemüse. Für die Massai definiert sich Reichtum übrigens über die Anzahl der Kühe und Ziegen, die sie besitzen. Besonders fasziniert hat mich als Lehrerin die Tatsache, dass es eine Schule für über 700 Schüler gibt, die von nur 8 Lehrern unterrichtet werden. Leider ist aber die Zukunft der Massai im Hochland massiv bedroht.

Atemberaubend fand ich auch die nicht ungefährliche Besteigung des Ol Doinyo Lengai, ein hoher Vulkankegel im Norden Tansanias und gleichzeitig heiliger Berg der Massai. Er ist weltweit der einzig aktive Vulkan, der Kalklava ausstößt.

Ein Ort, den Thomas Grigoleit mehrmals besuchte, ist die Insel Sansibar vor der Küste Tansanias. Zunächst erforschte der Autor Stone Town, den historischen Kern von Sansibar-Stadt, und gibt auch hier einen kurzen geschichtlichen Überblick über die Stadt und die Insel. So befindet sich hier u. a. das "ostdeutsche Plattenbauviertel", ein dicht besiedelter Stadtteil, errichtet mit Plattenbauten aus der ehemaligen DDR. Der Reichtum Sansibars geht übrigens auf den Handel mit Elfenbein und Gewürznelken zurück, welche dann in die Welt, besonders aber nach Europa, verschifft wurden. Bei einem seiner vielen Besuche auf Sansibar setzte sich Thomas Grigoleit auch das Ziel, die Insel von Norden nach Süden joggend zu durchqueren, und das trotz der hohen tropischen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit.

Weitere Expeditionen unternahm der Autor zum Tanganjikasee im Gombe Nationalpark im Westen des Landes (wo Jane Goodall einst die Schimpansen beobachtete), zum Kilimanjaro, dem höchsten Berg Afrikas, sowie in die Serengeti, um dort Gnuherden zu beobachten. Auch hier versorgt der Autor die Leser:innen mit spannenden Informationen über Geschichte, Kultur, Flora und Fauna dieser Regionen.

Für mich als Leserin gibt es nichts Schöneres als in ein Buch einzutauchen und schon auf den ersten Seiten zu spüren, dass es eine wundervolle Lektüre wird. Thomas Grigoleit versteht es ausgezeichnet, mit seinem flüssigen Schreibstil und seinen fesselnden und anschaulichen Schilderungen den Leser:innen Tansania näherzubringen. Ich hatte das Gefühl, bei seinen Expeditionen mit all meinen Sinnen dabei gewesen zu sein und habe zusätzlich auch noch Google Earth zu Hilfe genommen, wodurch ich mich direkt in die wunderschöne Landschaft hineinzoomen konnte. Faszinierend fand ich auch die zahlreichen historischen Rückblenden und Anekdoten, die der Autor geschickt zwischen die sehr persönlichen Reisebeschreibungen eingeschoben hat. Nach der Lektüre des Buches, die für mich so spannend wie ein Krimi war, kann ich guten Gewissens sagen, dass ich über Tansania nun wirklich gut Bescheid weiß.

Ich möchte dieses Buch all jenen ans Herz legen, die Reisebeschreibungen abseits der ausgetretenen Touristenpfade lieben. Für mich war die Lektüre ein unvergessliches Leseerlebnis, und ich hoffe daher sehr auf ein weiteres Buch des Autors.

Cover des Buches Plattenbauten und Palmenkanonen (ISBN: 9783347845879)
Svenjas_BookChallengess avatar

Rezension zu "Plattenbauten und Palmenkanonen" von Thomas Grigoleit

Ein kurzweiliger und sehr interessanter Reisebericht
Svenjas_BookChallengesvor 7 Monaten

Wie ihr ja wisst, liebe ich das Wandern – meist verschlägt es mich dabei in nicht allzu weit entfernte Gegenden, mit Vorliebe in die Alpen. Aber gedanklich reise ich auch super gern in Länder, die man nicht in 5, 6 Stunden mit dem Auto erreicht. Als mich Thomas Grigoleit fragte, ob ich nicht sein Buch „Plattenbauten und Palmenkanonen. Zu Fuß in Tansania“ lesen möchte, war ich deshalb sofort interessiert.

Thomas Grigoleit berichtet hier von seiner Zeit in Tansania. Mehrere Jahre haben er und seine Frau, eine Diplomatin, gemeinsam mit den drei Söhnen in Daressalam gelebt, bis die Corona-Pandemie sie zur überstürzten Rückkehr nach Deutschland zwang. „Plattenbauten und Palmenkanonen“ lässt sich irgendwo zwischen Sachbuch und Reisebericht einordnen, denn Grigoleit erzählt nicht nur von seinen Erlebnissen in verschiedenen Gegenden Tansanias, sondern webt auch allerhand historische Fakten zur Geschichte des Landes in seinen Bericht ein.

Das ist vor allem insofern interessant, da Tansania zuerst deutsche und später englische Kolonie war. Auf diese Zeit geht Grigoleit in vielen Stellen in seinem Buch kritisch ein, zum Beispiel wenn es um die Glorifizierung deutscher Kolonialherren bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, um den Raub von Kulturgütern oder um den Sklavenhandel geht. Das finde ich wichtig, da gerade Deutschland sich einerseits bis heute wenig bis gar nicht mit seiner kolonialistischen Vergangenheit auseinandersetzt, und andererseits auch, um Tansania als Land besser verstehen zu können.

Auch auf die heutigen Lebensumstände in Tansania, das ein sehr armes Land ist, geht Grigoleit an vielen Stellen ein – und setzt sie ins Verhältnis zu den luxuriösen Safari-Touren europäischer und US-amerikanischer Tourist:innen. So werden die Missverhältnisse, die in Tansania herrschen (etwa zwischen „arm“ und „reich“, aber auch zwischen „weiß“ und „nicht-weiß“) sichtbar.

Das Buch vermittelt aber nicht nur einen guten Überblick über die Geschichte und Gesellschaft Tansanias, sondern nimmt den Lesenden auch mit in ein Land, das eine schier atemberaubende Tier- und Pflanzenwelt sowie sensationelle Landschaften zu bieten hat. Besonders genossen habe ich die Episoden über die Wanderungen durch die Ngorongoro Highlands und zum Kilimanjaro, die Berichte über die Serengeti und das Kapitel über die Joggingrunde auf Sansibar. Hier gibt es einfach wahnsinnig viel zu sehen und Grigoleit gelingt es perfekt, all das, was er erlebt hat, in Worte zu fassen.

Zwar haben sich einige Kapitel und Episoden, vor allem wenn es über mehrere Seiten hinweg etwas zu trocken-historisch wurde, ein bisschen gezogen – insgesamt aber hat mir „Plattenbauten und Palmenkanonen“ unheimlich gut gefallen. Es fühlt sich ein bisschen so an, als wäre ich selbst durch Tansania gestreift, hätte all die herzlichen Menschen, von denen Thomas Grigoleit erzählt, selbst getroffen und als wäre mir selbst angesichts der Ehrfurcht vor dieser atemberaubenden Natur die Luft weggeblieben. Von mir gibt es also eine absolute Empfehlung für dieses ebenso informative wie erlebnisreiche und faszinierende Buch.

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