Thomas Harding Hanns und Rudolf

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Inhaltsangabe zu „Hanns und Rudolf“ von Thomas Harding

»Thomas Harding eröffnet einen neuen Blick auf das Gift des Nazismus und einen seiner tödlichsten Vollstrecker.« The Times Thomas Harding kannte seinen Großonkel Hanns Alexander als einen freundlichen Mann mit viel Familiensinn, der ein bürgerliches Leben als Bankangestellter in London geführt hatte, sich für die Synagoge engagierte und gerne Witze machte. Seine jüdische Familie stammte aus Berlin und war in den 1930er-Jahren in letzter Minute nach England ins Exil entkommen. Das wussten alle. Ansonsten wurde über den Krieg nicht gesprochen. Erst nach dem Tod von Hanns Alexander erfuhr Harding, dass er ein Nazi-Jäger gewesen war. Er hatte Rudolf Höss, den nach Kriegsende untergetauchten Kommandanten von Auschwitz, in seinem Versteck auf einem Bauernhof in Norddeutschland aufgespürt und so dafür gesorgt, dass ihm der Prozess gemacht wurde.Thomas Harding wurde für sein Buch mit dem JQ Wingate Prize 2015, dem „Jewish Booker Prize“, ausgezeichnet. Aus der Begründung: „Das Buch erzählt die Geschichte dieser beiden Deutschen, eines Juden und eines Katholiken, deren Lebensläufe auseinanderklafften und sich überschnitten, auf eine frappierende Art und Weise.“

Ein herausragendes Dokument geschichtlicher Ereignisse.

— kvel

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    Hanns und Rudolf

    kvel

    10. December 2014 um 22:47

    Dieses Sachbuch enthält zwei Biografien in einem Buch zusammengefasst bzw. zusammengeführt: Die sehr gut recherchierten Lebenswege der Beiden abschnittsweise und unabhängig von einander erzählt / berichtet. Somit eine einmalige Gegenüberstellung zweier wichtiger Personen aus der NS-Zeit. Inhalt: Kapitelweise abwechselnd werden die Lebensläufe von Hanns Alexander und Rudolf Höss beschrieben; beginnend von ihrer Kindheit und ihrem Elternhaus. Und wie sie jeweils die Lebensumstände und ihre mitgebrachte Persönlichkeit zu dem geformt haben, zu dem sie am Schluss geworden sind. Rudolf Höss: Aufgewachsen in einem lieblosen, strengen Elternhaus, in dem sehr viel Wert auf die Einhaltung von Regeln gelegt wurde. Militärlaufbahn. Er wurde mit immer größeren Organisationsaufgaben betraut . Hanns Alexander: Gut behütet aufgewachsen in einem liebevollen Elternhaus. Seine Familie ist gerade noch rechtzeitig aus Deutschland nach England geflohen. Meldete sich freiwillig als Soldat, um gegen Deutschland zu kämpfen. War dann maßgeblich an der Verfolgung und Inhaftierung der deutschen NS-Größen beteiligt, so dass sie ihrem Prozess zugeführt werden konnten. Zitat aus dem Buch: "... fing aber der Zoll in Berlin ein Paket ab, das zwei Kilo Zahngold enthielt. Einer der Lagerärzte von Auschwitz hatte es nach Hause geschickt." (S. 186) Themen aus dem Buch: Rudolf wollte immer alle Anforderungen erfüllen, die andere an ihn gestellt haben; er wollte Himmler gefallen; Himmler war für ihn eine Vaterfigur zu der er aufsah; er und Himmler verstanden sich gut; beide interessierten sich für landwirtschaftliche Themen; Rudolf war es gewohnt Befehle auszuführen. Beispiel für Zwangsarbeit: Die IG Farben hat neben dem Konzentrationslager in Auschwitz eine Fabrik gebaut, in der die arbeitsfähigen Lagerinsassen arbeiten mussten. Rudolf und seiner Familie ging es neben dem Konzentrationslager Auschwitz sehr gut: Sie lebten in einer Villa, hatten massenhaft Bedienstete (= Lagerinsassen) und sie bereicherten sich ungeniert an den Habseligkeiten, die den neu angekommenen Lagerinsassen weggenommen wurden. Die SS-Angehörigen sollten sich nicht das Gold aneignen, das den Häftlingen in den Lagern geraubt wurde; diese Gold sollte in die Kriegskasse des Dritten Reiches fließen. Meine Meinung: Das Buch enthält sehr viele geschichtliche / historische Hintergrundinformationen. Es ist sehr spannend und gut verständlich geschrieben und somit fließend zu lesen. Der Autor berichtet neutral und ohne Wertung die recherchierten Informationen. Die Persönlichkeitsentwicklungen, die beide im Laufe der Jahre verändert haben, sind für den Leser sehr gut nachvollziehbar beschrieben. Fazit: Ein bedeutendes Zeitzeugnis - sehr lesenswert!

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  • Überzeugende Doppelbiographie

    Hanns und Rudolf

    michael_lehmann-pape

    09. September 2014 um 12:13

    Überzeugende Doppelbiographie Ruhig, sachlich und nüchtern, unpathetisch im Tonfall und akribisch recherchiert, so legt Thomas Harding zum einen den Lebensweg seines Großonkels (mitsamt dessen durchaus gewichtiger „Fußnote“) in der Geschichte dar und folgt zum anderen den Lebensspuren des Rudolf Höss, Lagerkommandant von Auschwitz. Einer, den man gemeinhin eine „menschliche Bestie“ im nach hinein mit Fug und Recht nennt. Langsam und stetig arbeitet Harding sich in flüssigem Stil und den Leser fesselnd auf den Schnittpunkt beider Personen zu, auf jenen Moment der Geschichte, in der Hanns Alexander, Hardings Großonkel, auf Höss trifft, für dessen Verhaftung sorgt. Wobei es das tiefe Wissen, die fundierte Recherche und gerade der ruhige Ton des Buches sind, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Ein Buch, das ohne stilistisch gesetzte Spannungsbögen, ohne großartige Metaphern auskommt, sondern die Geschichte sich fast „von alleine „erzählen lässt. Und gerade deswegen eine hohe, spürbare Wirkung in den Raum setzt. Jeweils kapitelweise abwechselnd stellt Harding den Werdegang der beiden Männer dar, die in ihren Personen auch Antipoden ihrer Zeit darstellen. Der eine Jude, ins Exil gegangen (und damit der Massenvernichtung entgangen), der andere Scherge des Systems und an „vorderster Front“ eben ein Vollstrecker dieser Massenvernichtung. Pole, die bereits im Werdegang der jungen Menschen angelegt scheinen. Höss in seinem streng katholischen Umfeld, aufgewachsen mit einer Vielfalt an Regeln, Gehorsam, Zwang in einer gefühlsarmen, einander unnahbaren Familie in Mannheim und Baden Baden. Alexander umgeben von „Wärme“, mit Freiraum zur Entwicklung ausgestattet, erlebt in seiner Familie (was er für sich fließend übernimmt) die rege Beteiligung am öffentlichen Leben, an der Gesellschaft und Kultur im Berlin jener Tage ohne drängende materielle Sorgen. Ohne den psychologischen Zeigefinger zu zücken und, vor allem, ohne in diesen äußeren Umständen Entschuldigungen vor allem für Höss spätere Taten anzulegen, bietet Harding doch einen tiefen Einblick in die „Saat“ eines später perfekten „Erfüllungsgehilfen“, was diese „programmierte Kindheit“ angeht. Eine Saat, die durch die kapitelweise wechselnden Perspektiven in ihrer unmenschlichen Grausamkeit gerade durch den Kontrast zur „anderen Seite“ in aller Härte und klar vor Augen geführt den Leser unmittelbar und durchgehend beeindruckt. Es ist eine hohe Kunst des Autors, all dies ohne spürbare und vordergründige Bewertungen zu schildern, tatsächlich im besten Sinne ein Berichterstatter zu sein und die Fakten dieser beider Leben für sich sprechen und sich entfalten zu lassen. Ein hervorragend zu lesendes Buch, in dem Harding die überaus starke Präsenz der Figuren durch seine besondere Form der sachlichen Darstellung und persönlichen Zurückhaltung bestens ins Licht zu rücken versteht. Zwei Lebenswege in einer Zeit, die von ihren Wurzeln an sich fast folgerichtig entwickeln. Ein Buch, das eine hervorzuhebende Lektüre für den schulischen Bereich werden sollte und den Leser mit hohem Gewinn an Einblick zurücklässt. Eine sehr zu empfehlende Lektüre.

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