Thomas Harding Sommerhaus am See

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Inhaltsangabe zu „Sommerhaus am See“ von Thomas Harding

In den 20er Jahren wurde das Haus am See das Sommerparadies für die jüdische Familie Alexander. Für Elsie Alexander, Großmutter von Autor Thomas Harding, ist es auch nach der Verfolgung und Vetreibung durch die Nazis ein Ort für die Seele geblieben. Danach pachtete Will Meisel, Komponist und NSDAP-Mitglied, das Anwesen. Im Krieg bot das Haus seiner Familie Zuflucht. Nach der Teilung Deutschlands lag es in der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR, direkt an der Grenze. Wieder wurde es zur Zuflucht für Familien. Sie sahen, wie am Gartenende die Mauer gebaut wurde und wie sie fiel. Thomas Harding hatte seine Großmutter nach der Wende einmal dorthin begleitet. Viele Jahre später kam er wieder. Es war wie ein Wunder. Das Haus stand immer noch, inzwischen aber verlassen und dem Verfall preisgegeben. Er beschloss, die Geschichte dieses Hauses und der Menschen, die in ihm gelebt hatten, zu erzählen. Und nicht nur das: Er konnte die Stadt Potsdam, inzwischen Besitzerin des Grundstücks, davon überzeugen, dass dieses Haus Denkmalschutz verdient.

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    Sommerhaus am See
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    07. March 2016 um 12:11

    Wunderbar zu lesen „Dies ist nun also die Geschichte eines Holzhauses an einem See in der Nähe von Berlin“ Eine Geschichte von neun Zimmern, einer kleinen Garage, einer langgestreckten Grünfläche und einem Gemüsebeet“. Wer nun aber Thomas Harding kennt und sein „Hans und Rudolf“ bereits gelesen hat, der ahnt, dass es nicht um einen Ort solch einfacher, äußerer Beschreibung nur geht, nicht um das Geschick eines kleinen Flecken Landes. Sondern, was den Leser bewegt, was Zeitgeschichte darstellt von den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ausgehend bis in die Gegenwart hinein (1927 wurde das Haus von einer jüdischen Familie erbaut), dass ist natürlich das Erleben und Ergehen der Nutzer jenes Hauses, der jeweiligen Besitzer und der Zeiten, innerhalb derer sie im Haus waren. Mit Freunden, mal feiernd, mal konspirativ, mal entspannend, mal angespannt quasi „Geschichte atmend“. Eine Geschichte, die zum einen den ruhigen Alltag in den „verschiedenen Deutschlands“ der Jahrzehnte aufzeigt, eine Geschichte, die aber auch Dramen wie Verrat und Mord erleben wird innerhalb und drum herum der fünf Familien, die in den Zeiten Besitzer und Nutzer des Sommerhauses waren. Dabei kommt Harding sein ureigenstes Talent zu Gute, aus dokumentarischen Fakten und historischen Abläufen die einzelnen, für ihn wichtigen, Ereignisse romanhaft zu erzählen, den Figuren nicht nur ein äußeres Erleben nachzuzeichnen, sondern ein inneres Erleben zu geben und dies für den Leser lebendig vor Augen erstehen zu lassen. Ereignisse, die gerade zu DDR Zeiten dramatisch sich zuspitzen konnten, denn das Haus lag direkt an der Grenze, die Mauer vor dem Fenster, der See war schon verbotenes Gebiet. Und wenn ein Haus in Flammen aufging (wie beim „Munkschen Haus“, Nachbarn, und die Grenzsoldaten sich rundweg weigerten, auch nur einen Finger zu krümmen, dann ist durch die Zeilen hindurch greifbar zu spüren, wie angespannt die Verhältnisse waren. Denen das brennende Haus bis auf den letzten Bohlen zum Opfer dann fiel in den 1970er Jahren. Oder, in den Jahren des dritten Reiches, die allmähliche „Entvölkerung“, die Harding spannend und mitreißend schildert. „Im November 1938 befanden sich zwar noch viele Siedlerhäuser in Groß-Glienicke im Eigentum jüdischer Familien, aber nur noch sehr wenige von ihnen lebten noch dort“. Neben Phasen von langsamen, stetigen Entwicklungen des Lebens in und um das Haus herum lenkt Harding präzise den Blick auch auf die „umstürzlerischen“ Zeiten, jene Momente, in denen gefühlt von heute auf morgen alles anders wurde. Dabei wachsen dem Leser die einzelnen Familien und deren Mitglieder durchaus in Teilen ans Herz (allein schon durch jene ganz andere „Kurzflucht“ aus der DDR, die im Buch geschildert wird) und Seite für Seite wächst das Verständnis für die Bedeutung dieses Ortes, den dieser auch in Hardings eigener Familie besitzt. Denn es ist auch das Sommerhaus seiner Familie, seiner Großeltern. Eine anschauliche, persönliche, gut zu lesende Lektüre, in der die Zeit „von unten gesehen“ dem Leser nahe rückt und tiefen Eindruck hinterlässt, gerade auch in all der Alltäglichkeit, die Harding ebenso schildert, wie die aufregenden Momente.

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