Thomas Hardy Tess

(18)

Lovelybooks Bewertung

  • 24 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 2 Leser
  • 4 Rezensionen
(8)
(4)
(5)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Tess“ von Thomas Hardy

Durch Zufall erfährt die in ärmlichen Verhältnissen lebende Tess Durbeyfield, dass ihre Familie einem alten normannischen Adelsgeschlecht entstammt. Ihr Entschluss, vermeintliche Verwandte zu besuchen, hat fatale Folgen für die junge Frau: Sie trifft auf die zwei Männer, die den Gang ihres Schicksals unheilvoll lenken. Mit Tess sorgte Thomas Hardy 1891 für Aufsehen. Der Roman zählt zu den großen Klassikern der englischen Literatur. Diese Neuausgabe in attraktiver Sonderausstattung bietet die zeitgemäße Übersetzung von Helga Schulz.

Ein bewegender klassischer Roman mit vielen Ecken und Kanten, der dem Leser keinen Freiraum lässt, sich etwaigen Illusionen hinzugeben!

— RineBine
RineBine

Dieser wunderschöne Schreibstil... <3

— libreevet
libreevet

Wie die Zwänge einer Gesellschaft die Liebe ersticken ...

— LolitaBuettner
LolitaBuettner

Stellenweise langweilig und hat einen beknackten Schluss.

— LarryPi
LarryPi

Eine wahre reine Frau, zwei Männer und ein unerbittliches Schicksal.

— dilarakdnz
dilarakdnz

Ich liebe dieses Buch !

— _nifelheim
_nifelheim

Ich liebe diesen Roman!

— yunasmoondragon7
yunasmoondragon7

Ein Gesellschaftsroman aus dem 19. Jh. über eine junge Frau, die versucht ihre Fesseln zu sprengen. Tess hat mich berührt und mitgerissen!

— cleeblatt
cleeblatt

zwar ein schöner Schreibstil, doch ziemlich langatmig und langweilig. Hab es auf Seite 240 abgebrochen. Hatte mehr erwartet. Schade!

— rainybooks
rainybooks

Stöbern in Klassiker

Jane Eyre

Teilweise etwas langatmig, aber eine wirklich schöne, romantische Geschichte einer sehr klugen und interessanten Frau.

Varoli

Der Hobbit

Eine Geschichte, die auch nach über 70 Jahren ihren Zauber entfaltet. DER Klassiker der Fantasyliteratur!

SonjaMarschke

Die schönsten Märchen

Ein tolles Buch für Groß und Klein. Dank dem praktischen Format als Taschenbuch ist es ideal zum Vorlesen für Unterwegs!

12Andrea91

Anne Elliot

ein weiterer Klassiker von Jane Austen

Caro_Lesemaus

Die Physiker

Schullektüre

rightnowwearealive

Unterm Rad

Eine zeitlose Geschichte. die sich auch auf heutige Verhältnisse fabelhaft übertragen lässt.

DieseAnja

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • ⊱✿ Sehr bewegend - aber es bedarf absoluten Durchhaltevermögens! ✿⊰

    Tess
    RineBine

    RineBine

    24. August 2017 um 20:39

    ❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀ Titel: Tess Autor: Thomas Hardy Verlag: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Erscheinungsjahr: 1891 Seitenzahl: 572 (ohne Nachwort) ISBN: 978-3-423-14403-2 Zum Autor: "Thomas Hardy, geboren am 2. Juni 1840 in Dorchester, war Sohn eines Baumeisters. Er ging nach der Architektenlehre kurz nach London, kehrte in seine südwestenglische Heimat zurück und begann neben seiner Arbeit als Kirchenrestaurator zu schreiben. 1871 erschien der erste seiner berühmten in der fiktiven Landschaft Wessex spielenden Werke, darunter vierzehn Romane und fast tausend Gedichte. Als Realist, der oft die harsche Kritik der Kirche hervorrief, wurde er zum bedeutendsten englischen Autor des viktorianischen Zeitalters und der beginnenden Moderne. Er starb am 11. Januar 1928 in seiner Heimatstadt." Inhalt:  KlappentextDurch einen Zufall erfährt die in ärmlichen Verhältnissen lebende Durbeyfield, dass sie altem normannischem Adel entstammt. Um der finanziellen Misere zu entrinnen, beschließt die junge Tess, einer in der Nähe lebenden vermeintlichen Verwandten, der reichen Mrs. D'Urberville, einen Besuch abzustatten. Dort lernt sie deren skrupellosen Sohn Alec und den Pfarrerssohn Angel Clare kennen. Beide Männer bestimmen fortan ihr dramatisches Schicksal.Jack Durbeyfield, Tess' Vater, wird eines Tages von Pfarrer Tringham offenbart, dass seine Familie einer uralten adligen Linie, den D'Urbervilles entstammt. Der leicht dem Alkohol verfallene Mann ist nahezu berauscht von dem Wissen, edler Abstammung zu sein und stellt Erkundigungen nach weiteren lebenden Verwandten an. Tatsächlich werden D'Urbervilles im kleinen Örtchen Trantridge ausfindig gemacht und Tess, weit mehr besonnen als ihre Eltern, wird als Älteste der Durbeyfieldschen Kinder dazu auserkoren, der "Verwandtschaft" ihre Aufwartung und den familiären Anspruch geltend zu machen. Zunächst mehr als abgeneigt entschließt sich Tess aufgrund eines tragischen Ereignisses, für das sie sich verantwortlich fühlt, doch, nach Trantridge aufzubrechen. Dort begegnet sie erstmals ihrem vermeintlichen Cousin, Alec D'Urberville, der von Tess' Anblick mehr als angetan ist und es schafft, sie im Rahmen eines gut entlohnten Angestelltenverhältnisses für längere Zeit ins Herrenhaus nach Trantridge zu locken. Hier nimmt Tess' Schicksal erstmals eine dramatische Wendung...Unumkehrbare Ereignisse in Trantridge sorgen dafür, dass Tess dem Anwesen und auch ihrer Heimat Marlott den Rücken kehrt und sich eine Anstellung als Melkerin in Thalbotays sucht. Auf dem Gutshof begegnet sie dem Pfarrerssohn Angel Clare und zwischen den beiden entflammt eine unschuldige, aber auch dramatische Liebe, die aufgrund von Tess' dunklem Geheimnis auf eine harte Probe gestellt wird. Meinung: "Tess" ist ein wunderbarer klassischer Roman, in dem die Stellung der Frau im 19. Jahrhundert ziemlich deutlich herausgearbeitet ist. Mit einem unglaublich ausgeprägten Hang zum Detail schafft es Thomas Hardy, den Leser in ein England der damaligen Zeit mitzunehmen und erschafft für sein Publikum eine einzigartige Vorstellung von den Protagonisten und der Natur, die sie umgibt. Allerdings bedarf es bei dem Werk einem ausgeprägten Maß an Durchhaltevermögen, absoluter Ruhe und Konzentration, da die Sätze nicht nur ziemlich lang sind sondern immer wieder auch Worte verwendet wurden, die in unserem heutigen Sprachgebrauch nicht mehr so häufig vorkommen. ❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀❀

    Mehr
  • Landschaftlich und tragisch

    Tess
    LolitaBuettner

    LolitaBuettner

    30. March 2017 um 20:31

    Die Heldin Tess Durbeyfield lebt mit ihrer Familie auf dem Land, dem Los der Einfachheit ergeben. Doch da erfährt der Vater, dass er von adligem Geschlecht abstammt.Tess soll die Familie zurück in den höheren Stand tragen, und zwar bei einer entfernten Verwandten. Dort trifft sie auf Alec d'Urberville, der so etwas wie ein Cousin ist. Dieser wirft ein Auge auf Tess. Er vergreift sich an dem noch unschuldigen Mädchen und wird damit am Ende mit seinem Tod, durch Tess' Hand, büßen.Alec löst in Tess neue Gefühle aus. Schmach. Selbstzweifel. Mangelnde Selbstliebe. Und noch mehr. Wegen ihm wird Tess die Liebe nie ausleben dürfen. Denn, obwohl nach der Vergewaltigung und dem Verlust des daraus entstandenen Kindes verzweifelt, trifft Tess einen Mann, der sanft und liebevoll ist. Angel. Das Paar heiratet, obwohl der Sohn eines Pfarrers nichts von Tess' Schande weiß. Als es ihm Tess gesteht, ist sie für ihn nicht mehr dieselbe. Nicht mehr so rein und unschuldig, obwohl sie an der ihr widerfahrenen Schande keinerlei Schuld trägt. Das Paar trennt sich und für Tess beginnt ein Leben voller Bürde, Arbeit und Sehnsucht. Thomas Hardy offenbart auf akribische Weise die Zwänge jenes Zeitalters. Er ist ein ebenso akribischer Erzähler. Er zeichnet die Landschaften umfangreich und detailgetreu, wie seine Figuren. So werden Augenblicke zu gefühlten Stunden.Nach seinem Erscheinen fand der Roman große Aufmerksamkeit. Positive und Negative. Die Kritiker stürzten den Schriftsteller beinahe in eine Krise. Denn damals war die Gesellschaft noch nicht bereit für Hardys hässliches Spiegelbild der altmodischen Gepflogenheiten.Der Roman TESS ist lesenswert, tiefgründig, tragisch und taucht in ein englisches Jahrhundert ein, das bei vielen Frauen romantische Fantasien entfacht. An manchen Stellen sind die Ausführungen des ehrenwerten Thomas Hardy laaaaang. Doch wer bis zum Ende durchhält, leidet mit Tess bis zu ihrem letzten Atemzug. DENN: Diese Geschichte endet traurig, so wie im wahren Leben auch allzu oft.

    Mehr
  • Eine reine Frau

    Tess
    Kopf-Kino

    Kopf-Kino

    09. October 2016 um 12:48

    Für sie und ihresgleichen war schon die Geburt ein Martyrium entwürdigenden persönlichen Zwanges, dessen Willkür im Ergebnis durch nichts gerechtfertigt schien und im besten Falle nur gelindert werden konnte. Als die arme Familie Durbeyfield beiläufig erfährt, dass ihr Nachname eine Abwandlung der mächtigen Ahnenreihe 'd'Urbervilles' sei, drängen sie die junge Tess, die älteste Tochter, dazu, die Nachkommen des früheren Adelsgeschlecht aufzusuchen und die Verwandtschaftsverhältnisse geltend zu machen – in der Hoffnung, finanzielle Unterstützung zu erlangen. Auf dem Anwesen einer alten Witwe angekommen, hat der Besuch fatale Folgen für Tess. Das unbarmherzige Schicksal nimmt seinen Lauf... Die schlichte Tess Durbeyfield stand an der Biegung des Kiesweges starr vor Staunen in fast erschrockener Haltung davor. Ihre Füße hatten sie schließlich bis hierher gebracht, bevor sie richtig erfaßt hatte, wo sie sich befand; und nun war alles ganz anders, als sie es erwartet hatte. In 'Tess' (dessen Untertitel im Original 'A pure woman' lautet) erzählt Thomas Hardy das Leben und Leider eines jungen Mädchens, das dem Schicksal, den viktorianischen Gesellschaftskonventionen des 19. Jahrhunderts und der Doppelmoral der damaligen Zeit zum Opfer fällt. Als der Schicksalsroman 1891 erschien, sorgte er für viel Aufsehen und Empörung. Heute zählt er zu den großen Klassikern der englischen Literatur - meiner Meinung nach zu Recht. Der Schreibstil weist eine gute Leserlichkeit auf und besitzt meiner Meinung nach eine formvollendete Eleganz, was den Charme guter Klassiker ausmacht, sofern man sich u.a. auf längere Schachtelsätze einlassen kann. Das Erzähltempo ist – im Vergleich zur durchschnittlich zeitgenössischen Literatur – stellenweise eher langsam gehalten; hier verweilt der Leser beispielsweise bei längeren Naturbeschreibungen, die jedoch oftmals das Innenleben der Figuren treffend zu spiegeln wissen. Die mitternächtlichen Lüfte und Böen, die zwischen den noch fest geschlossenen Knospen und der Borke der winterlichen Zweige ächzten, waren Laute bitteren Vorwurfs. Ein regnerische Tag war der Ausdruck unabänderlichen Grams über ihre Schwäche, wie ihn irgendein ethnisches Wesen, das sie nicht klar als den Gott ihrer Kindheit erkennen oder als irgendeinen anderen begreifen konnte, empfand. Die allgemeine Stimmung des Romans ist eher deprimierend, und somit stellt das Buch keine Lektüre a la Jane Austen dar, die zu Momenten des Wohlbefindens beiträgt. Obgleich das Buch eine Liebesgeschichte enthält, liegt der Fokus zweifellos auf die Kritik, die sich hier an den damaligen Stand der Frauen, dem Gefängnis der Konventionen, den zwischenmenschlichen Vorurteilen und den festgefahrenen Moralvorstellungen richtet. Niemals in ihrem Leben hatte sie selbst – das konnte sie aus tiefster Seele schwören – etwas Unrechtes tun wollen; und doch war sie so hart beurteilt worden. Gerade die Bestimmungen, denen die Protagonistin von außen hilflos ausgeliefert zu sein scheint, sind manchmal nur schwer zu ertragen, wirken jedoch in Bezug auf den zeitlichen Kontext überaus realistisch. Hier und dort blitzt ein liberales Gedankengut hervor, welches aber (ebenfalls der Zeit verschuldet) lediglich in Andeutungen angelehnt ist, wie im folgenden Beispiel vielleicht ersichtlich ist: Tatsächlich zog A. – zu Recht oder Unrecht (um die risikofreie Ausdrucksweise im Ausweichen geübter Polemiker zu benutzen) – an schönen Sommertagen die Predigten der freien Natur denen in Kirchen und Kapellen vor. Grundsätzlich kommentiert der auktoriale Erzähler einige Stellen, bei denen ich mir gerne meinen eigenen Gedanken und Schlussfolgerungen nachgegangen wäre. Dies stellt für mich aber keinen Kritikpunkt dar, da es für den Autor die einzige (und gewagte!) Möglichkeit war, die allgemeinen Vorstellungen seiner damaligen Zeit klar und deutlich in Frage zu stellen. Gelungen finde ich außerdem, dass die Wendungen und Überraschungen, mit denen die Geschichte keinesfalls geizt, allesamt von Figuren ausgelöst werden, sodass eine reizvolle Dynamik entsteht. Die wesentlichen Charaktere sind gut ausgearbeitet und durchleben ebenfalls die eine oder andere Entwicklung, wobei anzumerken ist, dass sie den Kern ihres Wesens nicht in Gänze ablegen und somit nicht aus der eigenen Haut schlüpfen können, was sie somit authentisch und glaubhaft macht. Hervorzuheben ist außerdem, dass das Buch quasi ein Spiel mit heidnischen und biblischen Bildern betreibt, indem in der Geschichte bspw. ein Hahn dreimal kräht. Diese Verweise erlangen jedoch dank des Kontextes eine andere Bedeutung. So wird hier nicht eine andere Person verleumdet, sondern Verrat an der eigenen Person begangen. Diese symbolischen Andeutungen zu finden und zu entschlüsseln, machte für mich einen Teil der Spannung aus, wobei man den Roman getrost ohne Deutungen lesen kann, wenn man möchte. Mit Tess ist dem Autor eine besondere Figur gelungen, die vielerlei repräsentiert, da sie den Inbegriff der personifizierten (weiblichen) Natur darstellt. An mehreren Stellen betont Hardy Tess' Naturverbundenheit – daher auch die vielen Landschaftsbeschreibungen – und lobt einerseits das ländliche Leben, kritisiert jedoch im gleichen Zuge die damalige Modernisierung des Landbaus und den Abkehr des Menschen von der unverfälschten Natur. [...] wenn sie dann draußen im Wald war, schien sie sich am wenigsten einsam zu fühlen. Es gelang ihr, haargenau den Augenblick des Abends abzupassen, da sich das Licht und die Dunkelheit in einem solchen Gleichgewicht befanden, daß die Zwänge des Tages und die Unbestimmtheit der Nacht einander aufhoben und den Gedanken völlig freien Flug gewährt war. In diesem Augenblick geschieht es, daß das Elend, am Leben zu sein, auf das kleinstmögliche Maß zusammenschrumpft. Tess fürchtete die Dunkelheit nicht; sie schien von dem Gedanken beherrscht, die Menschen zu meiden – oder vielmehr diese kalte Formation von Materie, die man Welt nennt, die, so schrecklich in der Masse, gar nicht furchterregend, ja, selbst mitleiderregend in ihren einzelnen Elementen ist. Spannend ist außerdem, wie feministisch Thomas Hardy bereits dachte. Der Leser erfährt immer wieder, wie sehr doch Tess' Schönheit mehr Fluch als Segen ist, da ihr von anderen Figuren vorgeworfen wird, sie bringe andere ob ihres Erscheinungsbildes in Versuchung. Während des Lesens ertappte ich mich dabei, wie ich Tess ab und an auf ihr Äußeres reduzierte. Solche Spiele mit dem Leser weiß ich sehr zu schätzen. Unter diesem Äußeren, über das der Blick wie über eine fast fühllose, beinahe unorganische Sache hinwandern konnte, lagerten die Erinnerungen pulsierenden Lebens, das für seine Jahre nur zu sehr von der Vergänglichkeit aller Dinge, von der Grausamkeit sinnlicher Begierde und der Brüchigkeit der Liebe erfahren hatte. Ich könnte noch auf weitere Punkte, wie beispielsweise den gelungen eingewobenen Naturalismus, eingehen, um den Roman weiterhin schmackhaft zu machen, belasse es jedoch bei den bisherigen Ausführungen und möchte den Klassiker schließlich jedem empfehlen, der eine düstere und kritische Darstellung - die in manchen Punkten erschreckend zeitlos ist! - des Viktorianischen Zeitalters sucht. Ich war und bin begeistert. Es war keine reife Frau mit einer langen Reihe dunkler Erfahrungen und Affären hinter sich, die solche Qualen litt, sondern ein Mädchen mit einem schlichten Leben, noch nicht einundzwanzig Jahre alt, das in den Tagen seiner Unreife wie ein Vogel in eine Schlinge geraten war.

    Mehr
    • 13
  • Tess: Eine reine Frau

    Tess
    _nifelheim

    _nifelheim

    07. March 2016 um 14:28

    Wer Thomas Hardy noch nicht gelesen hat, der kann sich freuen, denn es stehen ihm unerhörte Genüsse bevor. Das Spektrum seiner Werke ist weit gefächert und reicht von der realistischen und detailreichen Schilderung eines viktorianischen Landlebens bis hin zum Außergewöhnlichen, Humoristischen und Unerwarteten. Was mir vor allem an seinen Romanen so gefällt, ist die Einbeziehung von philosophischen Zügen, das dazu führt, dass seine Schriften oft einen düsteren Grundton beinhalten. Als Fan von Schopenhauers Philosophie kann ich Thomas Hardy einfach nur lieben, da sich Hardy viel mit seiner Philosophie beschäftige. Fast alle seine Romane spielen im englischen Wessex, ein von ihm erfundener Ort. Darüber hinaus liebe ich seine poetischen Landschaftsschilderungen und bin wie man hier herauslesen kann sehr angetan von ihm. Sein Roman "Tess" erschien 1891 und hält den Übergang der spätviktorianischen Zeit in die Moderne sehr gut fest. Ich möchte hier auch gar nicht allzu viel hinein interpretieren, da es schon so viele Artikel darüber gibt, sondern vielmehr eines meiner Lieblingsbücher vorstellen. Wikipedia hat einen guten Text mit Informationen zur Allegorie seines vorletzten Werkes Tess. Wer sich dafür interessiert, kann ja einfach mal reinlesen. Inhalt: Die junge, schöne und naive Tess wächst als Bauernstochter in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Leben ist geprägt von Arbeit. Durch Zufall erfährt sie, dass sie altem normannischem Adel entstammt. Um der finanziellen Miserie zu entfliehen, sucht sie Verwandte, die in ihrer Nähe leben auf. Dort lernt sie Alec Stoke-d'Urberville kennen, der von Anfang an keine guten Absichten verfolgt. Da Tess völlig unerfahren und ungebildet ist, tappt sie in seine Falle und wird von ihm verführt. Als sie daraufhin schwanger wird, ändert sich ihr Leben. Thomas Hardy greift hier die geistigen und moralischen Zwänge des viktorianischen Zeitalter auf. Vor allem geht es um Sexualethik, die ja sehr lange mit der christlichen Morallehre identisch war. Nachdem Tess ihr Baby alleine taufen muss, stirbt es wenig später und sie ist gezwungen ihr Heimatdorf zu verlassen. Als sie eine Anstellung als Melkerin findet, verliebt sie sich in den Pfarrerssohn Angel Claire, was wiederum zum Drama führt. Meine Meinung: Für mich ist Thomas Hardy einer der besten und intelligentesten Schriftsteller überhaupt. Seine Bücher enthalten so viel Hintergrundinformationen zur viktorianischen Zeit und dem Leben der Menschen von 1837 bis 1901. Dabei gelingt ihm, was viele andere Schriftsteller nicht schaffen, diese Informationen Teil seiner fiktiven Geschichten zu werden. Der Lesefluss wird dabei nicht gestört. Auch in dem Buch Tess wird man Zeuge dieser Welt. Obwohl Tess sehr ungebildet ist, ihre Handlungen für uns aufgeklärte Menschen nicht nachvollziehbar sind, haben mich ihre heidnischen Weltansichten, die so schön und romantisch von Hardy beschrieben werden, sehr verzaubert. Leser, die nichts mit ausschweifenden detailreichen Beschreibungen von Natur und Landschaft anfangen können, werden sich mit dem Buch kaum anfreunden. Andere hingegen werden dieses Buch lieben und genießen. Thomas Hardys Buch ist wahrlich eine Liebesgeschichte, aber Kitsch und Happy End wird man hier nicht finden. Dafür wird man mit einer wunderschönen Sprache, einer tollen Erzählweise und einem intelligent geschriebenen Buch belohnt! Fazit: Thomas Hardy ist ein Romancier, der uns in das viktorianische Zeitalter entführt. Seine Romane werden von einem zutiefst pessimistischen Weltbild beherrscht, aber durch seine romantische Sprache gleicht sich das irgendwie aus. Eventuell gefallen sie mir auch so, weil ich düstere Bücher sehr mag und schon immer sehr fasziniert von Schopenhauers Philosophie war, die auch Thomas Hardy sehr beeinflusste.

    Mehr