Thomas Hettche Pfaueninsel

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Inhaltsangabe zu „Pfaueninsel“ von Thomas Hettche

Eine Insel außerhalb der Zeit – und ein Spiegel des 19. Jahrhunderts

Es mutet an wie ein modernes Märchen, denn es beginnt mit einer Königin, die einen Zwerg trifft und sich fürchterlich erschrickt. Kaum acht Wochen nach dieser Begegnung auf der Pfaueninsel, am 19. Juli 1810, ist die junge Königin Luise tot – und die kleinwüchsige Marie wächst fortan als Schlossfräulein mit ihrem Bruder Christian zwischen Palmenhaus und Menagerie auf. Aus ihrer Perspektive erzählt Thomas Hettche anrührend und kenntnisreich von der Zurichtung der Natur, der Würde des Menschen und dem Wesen der Zeit. Dabei geht es um die Gartengestaltung der Insel durch den berühmten Botaniker Linné ebenso wie um die technischen Innovationen, die dabei eingesetzt werden – und es geht um die Liebe in mannigfaltigen Erscheinungsformen.

Interessantes Porträt einer ungewöhnlichen Frau und einer kleinen Insel. Mit vielen geschichtlichen und botanischen Hintergründen.

— black_horse

Poetisch, skurril, traurig... als Hörbuch ein echter Genuss!

— Ginevra

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  • Das Monster der Insel

    Pfaueninsel

    black_horse

    13. May 2017 um 16:52

    Es ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die kleinwüchsige Marie mit ihrem Bruder auf die Pfaueninsel im Südwesten Berlins in der Havel kommt. Die Insel wird im Laufe der Herrschaft Friedrich-Wilhelms III.zu einem Lustgarten mit besonderer Architektur und Tieren und Pflanzen aus aller Welt gestaltet. Marie, die die Königin einmal als "Monster" bezeichnete ist als Schlossfräulein eine Kuriosität der Insel. Um sie ist die Geschichte gebaut, die sich um die Besonderheiten der Insel und die gesellschaftliche Entwicklung in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts rankt. Episodenhaft kann der Hörer an Maries Leben teilnehmen, an den Veränderungen, die um sie herum stattfinden, den Aufstieg und Fall der Insel und ihrer Bewohner, in denen sie eine Konstante bleibt, die die Insel bis zu ihrem 60. Lebensjahr nicht verlässt.Die Geschichte hat mich gut unterhalten. Es war interessant so viel zu den Hintergründen der damaligen Zeit zu erfahren. Maries Geschichte ist zwar nicht besonders aufregend, aber ich konnte gut mit ihr mitfühlen. Die Sprecherin Dagmar Menzel hat ihre Sache sehr gut gemacht und mir damit schöne Hörstunden beschert.

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  • Thomas Hettche - Pfaueninsel

    Pfaueninsel

    miss_mesmerized

    26. December 2014 um 12:20

    Die Pfaueninsel, an der Havel gelegen, südlich von Berlin ist der Schauplatz der fast märchenhaft anmutenden Geschichte. Die kleinwüchsige Marie und ihr Bruder Christian kommen als Kuriositäten auf die Insel und wachsen dort zwischen Palmenhaus und Menagerie auf. Marie tut sich schwer damit ähnlich wie die exotischen Tiere, die nach und nach angeschafft werden oder wie andere kurios anmutende Menschen – von den Südseeinseln oder ein Riese – etwas zu sein, dass die Besucher bestaunen. Sie versucht sich ein normales Leben zu geben, verliebt in den Gärtner Gustav hofft sie sogar auf die Liebe. doch dieser Wunsch soll ihr verwehrt bleiben, ebenso wie das Kind, das sie bekommt und das Gustav ihr nimmt. So wie die Insel im Laufe der Zeit bei den Nachfolgern des Königs an Interesse verliert, wird auch Marie immer einsamer und schließlich ist das gealterte Schlossfräulein quasi einsam in dieser verzauberten Welt fernab des Fortschritts. Eine wahrhaft märchenhafte Erzählung, die so hätte stattfinden können und doch erfunden ist. Auch wenn die Handlung für mich nur begrenzt reizvoll war, gelingt es Hettche mit einer außerordentlich poetischen Sprache, den Zauber dieser Welt hervorzurufen und das Treiben der Lebewesen vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen. Wahrlich eine Reise in eine ganz andere Welt, die so schon lange nicht mehr existiert. 

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  • Wie der Mensch die Natur prägt

    Pfaueninsel

    Ginevra

    Berlin/ Wannsee, Pfaueninsel, Anfang des 19. Jahrhunderts: In dem idyllischen Naturparadies, das dem preussischen König Friedrich Wilhelm III. gehört, wächst das kleinwüchsige Schloßfräulein Marie auf. Gemeinsam mit ihrem Bruder Christian, der ebenfalls kleinwüchsig ist, entdeckt sie die Schönheit der Pfaueninsel - und macht mit ihm ihre ersten zaghaften erotischen Erfahrungen. Dem Neffen des Hofgärtners, Gustav Finkelmann, ist diese enge geschwisterliche Verbindung ein Dorn im Auge, da er Gefühle für Marie hegt - diese weder sich noch ihr eingestehen kann. Schließlich sind die beiden kleinwüchsigen Geschwister von der Königin selbst als "Monster" tituliert worden. Marie beobachtet erst schleichende, dann rasante Veränderungen auf der paradiesischen Insel: Gemüsefelder werden in Blumenbeete umgewandelt, neue Gebäude gebaut, eine Ménagérie mit exotischen Tieren wird errichtet. Marie ist empört über den Umgang der Menschen mit den Lebewesen, die ihr sehr ans Herz wachsen - sogar der bedrohlich brüllende, einsame Löwe wird ihr Freund, den sie täglich besucht. Viele der empfindlichen Tiere aus aller Welt finden im kalten Winter den Tod. Aus dem Paradies wird ein Kabinett der Kuriositäten, zu denen auch Marie und Christian zählen. Auf einer dekadenten Maskenfeier des Königspaares eskaliert die Situation - Gustav und Christian geraten heftig aneinander, und Christian kommt zu Tode. Für Marie beginnt eine sehr einsame Zeit. Sie will nicht begafft werden, zieht sich zurück und nimmt schließlich ihr Schicksal selbst in die Hand... Der Schriftsteller Thomas Hettche, geb. 1964 in der Nähe von Gießen, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte der Pfaueninsel. Er trägt viele historische Fakten zusammen, die meisten seiner Figuren haben tatsächlich gelebt. Dennoch ist "Pfaueninsel" kein reiner historischer Roman, da er durch die Perspektive der modern denkenden Marie erzählt wird. Mit dem Roman "Pfaueninsel" schaffte er es in die Shortlist 2014 des Deutschen Buchpreises. Die Naturbeschreibungen sind neben der imponierenden Schönheit immer auch wissenschaftlich- distanziert, die Geschehnisse auf der Insel werden reflektiert und in Zusammenhang mit der zunehmenden Industrialisierung gestellt. Die Insel unterliegt verschiedenen Modeströmungen. Besucher und Herrscher kommen und gehen, was die Vergänglichkeit des Menschen und seiner Ideen untermalt. Mittendrin ist Marie auf der Suche nach ihrem persönlichen Platz - und ihrem Glück. Mich hat dieses poetische Buch in der Audioversion sehr berührt und noch lange inhaltlich beschäftigt. Die Sprecherin, Dagmar Manzel, liest in moderatem Tempo und sehr einfühlsam, ohne übertrieben gefühlsbetont zu werden. 5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung für alle, die sich mit dem Thema Mensch und Natur intensiver beschäftigen möchten.

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