„Es galt, in diesem Buch vor allem mit in vielen Jahrzehnten manifestierten Klischees aufzuräumen, neueste Wissenschaftserkenntnisse aufzugreifen und so dem Leser ein möglichst umfassendes Bild indianischer Vergangenheit und Gegenwart zu vermitteln.“
Dies Buch ist ein kniffliger Fall. Sein Verfasser ist ein durchaus renommierter Autor, in dessen (sehr langer) Werkliste jedoch auch zahlreiche Groschen- und Abenteuerromane auftauchen. Natürlich sehe ich dieses Sachbuch nicht allein deswegen kritisch und solange ich keinen seiner Romane – von denen einige auch im historischen und gegenwärtigen Milieu der amerikanischen Ureinwohner spielen – gelesen habe, werde ich sie nicht vorverurteilen. Aber sowohl das, was in den Klappentexten dieser Romane steht (das klingt schon hier und da sehr nach heischendem Kitsch), als auch einige Bemerkungen in „Die ersten Amerikaner“, haben mich etwas stutzig gemacht.
Es gibt da zum Beispiel dann und wann Widersprüche in den Aussagen. Ein Beispiel: Zuerst weist der Autor die Marterpfähle als regionale Eigenheiten einer bestimmten Stammeskultur aus, einige Seiten später spricht er dann aber davon, dass jede/r weiße Siedelnde im mittleren Westen am Marterpfahl landen konnte, wenn die Ureinwohner*innen seine Farm überfielen.
Auch schwankt immer wieder das Ausmaß der Darstellung: manchmal spricht Jeier klug und kundig über die verschiedenen Stämme, bevor er sich dann in anderen Abschnitten in bestimmte Beispiele hineinsteigert, den Leser*innen einen beispielhaften, schmalen Eindruck von bestimmten Phänomenen gibt. Gegen diese Sprunghaftigkeit, den Wechsel zwischen Weitläufigkeit und Konkretion, ist eigentlich nichts einzuwenden, das Ganze wirkt aber hier und da ein wenig unübersichtlich und führt außerdem dazu, dass manche Abschnitte extrem informativ und spannend, andere voller Wiederholungen und ermüdender Kleinstdarstellungen sind. Beides zu haben ist sicher gut, aber es macht das Buch etwas unrund.
„Jedes Jahr halte ich mich mehrere Wochen oder Monate in den USA auf und verbringe einen großen Teil meiner Zeit im amerikanischen Westen und in Reservaten.“
Man kann festhalten: das Standardwerk zum Thema amerikanische Ureinwohner*innen hat Jeier mit diesem Buch nicht vorgelegt. Trotzdem kann er mit sehr viel Insiderwissen aufwarten und hat meist einen klaren Blick, der die native americans nicht verklärt oder als bloße Opfer stilisiert, sondern das an ihnen begangene (und in einzelnen Geschichten von ihnen begangene) Unrecht und die verheerende Geschichte ihrer Dezimierung durch die europäischen Kolonialmächte in vielen Einzelheiten und Facetten schildert.
„Der Krieg gegen die Indianer, von Regierung und Kirche gleichermaßen vorangetrieben, wurde zu einem Genozid gigantischen Ausmaßes, der durch grausame Massaker und Massentötungen gekennzeichnet war. Die Angaben der zwischen 1492 und 1900 getöteten Indianer schwanken zwischen zwei und zehn Millionen Menschen. Die Ermordung von unbewaffneten und hilflosen Männern, Frauen und Kindern und die systematische Ausrottung ganzer Dörfer durch heimtückische Überfälle und der Ausbruch ansteckender Krankheiten gehörten zum Alltag der 300 Jahre dauernden Indianerkriege.“
„Die ersten Amerikaner“ ist vor allem ein Buch, das mitunter gekonnt den Spagat zwischen populärwissenschaftlicher Darstellung und tiefergehenden Ambitionen meistert, manchmal bei diesem Spagat aber auch etwas ungeschickt aussieht. Es werden sehr viele Geschichten erzählt und Wissen wird hier und da großzügig gestreut. Einige Abschnitte haben es mir sehr angetan, wie etwa die Schilderungen der von den mittelamerikanischen Einflüssen geprägten Hochkulturen im Süden der heutigen USA und einige Schilderungen zur heutigen Lage der natives sind Meisterstücke.
Dennoch kommt sich das Buch mit seiner akribischen Verbrechensverfolgung und -auflistung ein wenig selbst in die Quere. Gewiss, diese seitenlangen Nacherzählungen von konkreten Verbrechen sind wichtig und erfüllen die dokumentarische Ambition. Die Schilderung von Lebensweisen, Vorstellungen und dergleichen, die die Ureinwohner Amerikas pflegten, wird dabei auch nicht vergessen, sondern gewissenhaft und regelmäßig eingeflochten. Aber letztlich konkurrieren beide Aspekte ein wenig miteinander und die Darstellungen des Lebens fallen in meiner Leseerfahrung hinter die Darstellung des Sterbens und Unterdrücktseins zurück.
Das ist vielleicht folgerichtig, immerhin ist genau das mit den Ureinwohnern Amerikas passiert: ihre Kultur, ihre Lebensgewohnheiten und, in vielen Fällen, ihre Existenz, wurden ausgelöscht, es blieb ihre blutrünstige Statist*innenrolle in Westernfilmen. Vielleicht muss ein Buch diesem Narrativ, so zwingend es zu sein scheint und so gut es auch das Schicksal der natives widergibt, nicht folgen. Denn es ist ja nicht ihre ganze Geschichte (und Jeier schildert auch die Zeit vor der Begegnung mit Europa, aber eben nur in 2. Kapiteln).
Letztlich ist Jeiers Buch immer noch eine beeindruckende Arbeit, sicherlich die Arbeit vieler Jahre, die ich weder ihm noch allen potenziellen Leser*innen madig machen will. Meine Bedenken habe ich vorgebracht, jetzt bleibt nur noch, hervorzuheben, dass ich einige spannende Erkenntnisse und manch prägenden Eindruck aus diesem Buch erhalten habe. Es ist in jedem Fall ein lesenswertes Werk und vielleicht verfehlen meine Kritikpunkte letztlich auch die Idee dieses Buches, lassen sie außer Acht. Ich hätte mir wohl eine Geschichte der amerikanischen Ur-Einwohner gewünscht, in der nicht der Hauptaspekt auf den Verbrechen liegt, die sie erlitten (nicht um das Auszublenden, sondern weil ich mich für ihre Kultur und nicht primär für deren Untergang interessiere). Aber vielleicht ist das einfach nicht möglich. Vielleicht ist das die schlimmste Erkenntnis.
Thomas Jeier
Lebenslauf
Alle Bücher von Thomas Jeier
Am Ufer der Träume
Sie hatten einen Traum
Solange wir Schwestern sind
Die Sterne über Vietnam
Wohin der Adler fliegt
Der Stein der Wikinger
Die ersten Amerikaner. Eine Geschichte der Indianer
Wo die Feuer der Lakota brennen
Neue Rezensionen zu Thomas Jeier
Ich hatte mir angesichts des Klappentextes mehr von dem Roman erhofft.
Es gibt immer wieder Szenen, die für die Handlung letztendlich keine Rolle spielen und Handlungsstränge, die erst ausführlich behandelt werden, dann jedoch im Sande verlaufen, z.B. Claras Bekanntschaft mit Dora auf dem Schiff.
Zwar ist die Verfolgungsjagd, die Clara und Robert sich mit den russischen Brüdern liefern, spannend und mitreißend, doch wird diese durch eher langatmige Passagen immer wieder unterbrochen und dem Autor gelingt es nicht so recht, die Spannung über die ganze Geschichte hinweg aufrecht zu erhalten. Was aber vor allem gestört hat, waren Claras Kommentare zur Handlung, die lauteten wie: "Ich wusste damals noch nicht, dass die Russen uns noch auf den Fersen waren" oder Ähnliches. Damit wird meiner Meinung nach direkt über den Fortgang der Geschichte gespoilert und ganz viel Spannung zunichte gemacht.
Ich möchte wirklich nicht kleinlich sein, aber bei einem historischen Roman erwarte ich gute Recherchen, die der Autor leider nicht immer gemacht hat. Zwar merkt man, dass er sich eingehend mit dem Goldrausch am Yukon beschäftigt hat und auch über Segelschiffe bescheid weiß, doch wirft er vor allem in dem Abschnitt, der auf dem Schiff spielt, mit Fachbegriffen nur so um sich, die er für die Leser nicht erklärt. Doch bei anderen Themen hat er scheinbar nicht wirklich Ahnung, vor allem, was Mode und Schönheit damals anging. So beschreibt er beispielsweise, wie die respetable Geschäftsfrau Clara sich mit Rouge schminkt, was aber vor allem in den Kreisen der feinen Gesellschaft, aus denen sie ja laut der Geschichte kommt, verpönt war.
Clara Wynns abenteurliche Reise war für mich deshalb eine eher mühsame Lesereise. Wer aber einen nicht anspruchsvollen und mäßig spannenden historischen Roman sucht und über einige falsche historische Fakten hinwegsehen kann, kann ruhig mal reinschauen.
Der Autor ist langjähriger Amerikareisender und hat sich der Metropole Miami von allen Seiten genähert (im übertragenen Sinne): Er zeigt uns auf den ersten Seiten eine pulsierende, weltoffene Stadt, die sich als perfekter Urlaubsort präsentier, wo es hervorragenden Ausgehmöglichkeiten gibt, tolle Parks und reicher Kunst. Die Stadt ist in den 80ern längst zum Bank- und Handelszentrum geworden, wo sich amerikanische Kultur mit lateinamerikanischer und kubanischer Lebensweise vermengt. Diese Offenheit der Stadt in Richtung Südamerika und ihre Eigenschaft als Hafenstadt führt allerdings auch dazu, daß Miami zum Hauptdrogenumschlagplatz der USA geworden ist, ganze Stadtteile sind drogen- und armutsverseucht, wie Jeier auf Patrouillenfahrt mit zwei Drogencops feststellen kann, und einer ganzen Generation (v.a. Afroamerikaner) steht eine bittere Zukunft bevor. Jeier begleitet die Polizsietn bei der Stürmung eines Crackhauses und bei einer großangelegten Razzia, die sich aber als vergebliche Kraftanstrengung herausstellt: Auf Kaution sind die Dealer bald schon wieder frei. Ein tolles Reportagebuch, ich würde mich über eine Aktualisierung freuen.
Gespräche aus der Community

Liebe LovelyBooker und Romantiker!
Erlebt die abenteuerliche Saga einer irischen Auswandererfamilie und begleitet die Protagonistin Molly auf ihrem harten Weg von Irland nach Amerika um ihre große Liebe Bryan wieder zu finden. Ein dramatischer Aufbruch ins Ungewisse beginnt im Roman „Am Ufer der Träume“ und zieht jeden Leser in seinen Bann.
Mehr zum Buch:
Irland 1846: Auf der Flucht vor einem grausamen Hungertod folgt Molly Campbell ihrer großen Liebe nach Amerika. Bei der Ankunft in New York ist Bryan spurlos verschwunden und ihre Mutter tot. Jetzt hat Molly nur noch ihre Schwester und den Traum, Bryan wiederzutreffen und mit ihm in den fernen Westen zu ziehen. Ein unerfüllbarer Traum, wie es scheint ... Doch Molly bleibt stark und kommt der Erfüllung ihrer Wünsche immer näher.
Hier geht es zur Leseprobe.
Zusammen mit dem Autor Thomas Jeier könnt ihr hier diskutieren, schwärmen, Kritik üben und die Geschichte weiter spinnen. Sprecht mit dem Autor über seine Beweggründe, dieses Buch zu schreiben und erfahrt vielleicht noch mehr Hintergrundwissen zu den Protagonisten.
Unter seinem eigenen Namen und dem Pseudonym "Christopher Ross" gilt Thomas Jeier als Meister des romantischen Abenteuerromans.
Wollt ihr auch in das Irland und Amerika des 19. Jh. eintauchen? Dann bewerbt euch als Leser für den Roman „Am Ufer der Träume“ von Thomas Jeier. Wir verlosen 15 Exemplare und freuen uns über Leser, die in dieser Leserunde gemeinsam das Buch mit dem Autor besprechen und sich über ihre Gedanken dazu austauschen.
Einzige Bedingung: verfasst am Ende unserer Leserunde eine Rezension und beantwortet bis zum 6. November 2012 einfach die folgende Frage:
Wie weit geht man für seine große Liebe, würde man alles hinter sich lassen um seiner Liebe zu folgen?
Alle, die das Buch schon haben, schon gelesen haben oder die Gelegenheit nutzen wollen es jetzt zu lesen, sind natürlich auch recht herzlich eingeladen.
Wir freuen uns auf eure Teilnahme!
Zusätzliche Informationen
Thomas Jeier wurde am 24. April 1947 in Minden (Deutschland) geboren.
Schreibt auch als: Christopher Ross, Christina Beer
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