Thomas Junker

 4.7 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Die Evolution des Menschen, Der Darwin-Code und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Thomas Junker

Die Evolution des Menschen

Die Evolution des Menschen

 (3)
Erschienen am 28.08.2018
Der Darwin-Code

Der Darwin-Code

 (3)
Erschienen am 24.08.2010
Die Evolution der Phantasie

Die Evolution der Phantasie

 (2)
Erschienen am 31.05.2013
Die verborgene Natur der Liebe

Die verborgene Natur der Liebe

 (1)
Erschienen am 21.07.2016
Geschichte der Biologie

Geschichte der Biologie

 (0)
Erschienen am 19.02.2004
Die 101 wichtigsten Fragen - Evolution

Die 101 wichtigsten Fragen - Evolution

 (0)
Erschienen am 25.08.2011

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Rezension zu "Die verborgene Natur der Liebe" von Thomas Junker

Die biologischen Grundlagen der Liebe
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Die biologischen Grundlagen der Liebe

„Verborgen“ ist die Natur der Liebe durchaus, folgt man Junkers Ausführungen. Verborgen vor allem unter vielfachen religiösen, moralischen, gesellschaftspolitischen, idealistischen und anderen „Überhöhungen“ dieses Grundbedürfnisses des Menschen.

Und jene Natur der Liebe, die Junker eigentlich nur im Titel als „verborgen“ kennzeichnet, ist eigentlich eine offenkundige. Denn, ob mit schlechtem Gewissen oder gutem, ob im Einklang mit der Moral der Zeit oder im Widerstand gegen diese, der Mensch folgt letztendlich doch den tieferliegenden, wie Junker es herausarbeitet, „natürlichen“ Strukturen der biologischen Disposition.

Warum dem so ist, welche Formen das annimmt, wie Menschen auf die „Liebe“ und damit auch auf die sexuelle Lust reagieren, all dem geht Junker sachlich fundiert nach und erläutert in sehr verständlicher Sprache, was denn nun auf sich hat mit diesem Drang des Menschen zueinander.

Und setzt dieses „Risiko der Liebe“ in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Wobei Junker dabei durchaus die Verknüpfungen zur Reflexion in vielfacher Form im Lauf der Kulturgeschichte aufgreift. Wie in der Literatur ja vielfach und in jedweder Hinsicht dieses „Risiko“ der Liebe, aber auch die „unrettbare“ Verfallenheit des Menschen an diese sich widerspiegelt. Die biologisch tief im Menschen verankert ist.

„Denn die romantische Liebe liegt in unserer Natur. Sie gibt dem Leben Sinn und verspricht einzigartige Momente der Lust. Sie kann aber auch in tiefste Verzweiflung führen“.

Und, hört man auf die Biologie, auf das, was Menschen wissen über die inneren Vorgänge, die Biochemie des Lebens, dann kann diese Biologie „Empfehlungen“ in sich tragen, welche Formen der Liebe in welchen Situationen erfolgsversprechend sind und welche eben in welchen Situationen nicht.

So geht Junker im Buch vielfältigen Formen von „Strategien der Liebe“ im biologischen Sinne nach, darunter auch sehr befremdlich wirkenden (je nachdem, welchen ideologischen Überbau der Leser für sich in Sachen Liebe folgt), wobei es ihm gelingt, all dies zunächst wertfrei darzustellen und somit mögliche Abläufe biologischer Formen als Alternativen vor die Augen des Lesers zu stellen.

Wobei natürlich letztendlich ein „begründetes Urteil“ Ziel des Buches und Ziel für den Leser sein soll (und, was das Buch betrifft, auch sein wird). Der „Sacherhebung“ folgt die Analyse und die Folgerung für den „ganz alltäglichen Umgang“ mit der Liebe.

Grundlegend wird dabei ersichtlich, dass jenes, „was wir Liebe nennen“ nichts Selbstverständliches ist, „sondern alles auch ganz anders sein könnte“. Was eine sehr interessante und zur Reflexion motivierende Lektüre ergibt. Denn einerseits werden vielfache Haltungen der Liebe und der Sexualität gegenüber von jedem Menschen als „gegeben“ vorausgesetzt, andererseits gibt es ja faktisch einfach viele verschiedene „Spielarten“ (man denke nur an die weltweit sehr verschieden und in starker Auseinandersetzung stehender Homosexualität). Die alle ihren Grund und, letztendlich, ihre biologische Berechtigung besitzen.

So kann am Ende nicht eine einfache und klare Definition dessen erfolgen, was „richtige Liebe und Sexualität“ nun wäre, sondern eine differenzierte Betrachtung mit einem subjektiven Schluss für jeden Leser, der um den Freiraum der Liebe und ihrer Formen bei anderen dann weiß. Und dennoch eine „Hauptlinie“ sichtbar zu machen versteht.

Warum wir nun überhaupt Sex haben, was wir (nicht nur in Bezug auf Sexualität) lieben und wie wir „die Richtigen“ Gegenüber für die je vorliegende Form der Liebe finden, das legt Junker anregend und nachvollziehbar in den drei Hauptteilen des Buches vor Augen.

Wie dabei der gesellschaftliche Einfluss immer eine nicht unwichtige Rolle spielt, welche auch wichtigen Funktionen dabei kulturelle Gebote und Verbote enthalten. So zeigt Junker auch auf, dass selbst in liberalsten Gesellschaftsentwürfen meist eben doch das ausgelebt wird, was auch biologisch zu erwarten ist (Ausnahmen bestätigen die Regel).

„Trotz dieser prinzipiellen Offenheit bewegt sich die sexuelle Partnerwahl des Menschen in relativ engen Grenzen“.

Darum zu wissen und dieses zu verstehen, ebenso zu akzeptieren, dass das sexuelle Bedürfnis die Grundlage der Liebe ist (wenn diese auch darüber immer wieder hinausgehen kann), schafft jene Voraussetzungen für eine „effektive Partnerwahl“, die Junker differenziert darstellt.

Eine sehr interessante, lehrreiche, mit vielfachen „Vorurteilen“ aufräumende und teils überaus überraschende Lektüre.

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Rezension zu "Die Evolution der Phantasie" von Thomas Junker

Haben wir Menschen vielleicht ein "Kunst-Gen" in uns?
HeikeGvor 3 Jahren

"Als Duchamp im April 1917 bei der großen Kunstausstellung der Independent Artists in New York ein handelsübliches Urinal einreichte, das er in einem Sanitärgeschäft erworben, mit 'R. Mutt 1917' signiert und mit dem Titel 'Fontaine' versehen hatte, wurde es mit dem Argument abgelehnt, das Objekt sei 'nach jedweder Definition kein Kunstwerk'. Mittlerweile gilt Duchamps 'Fontaine' als eines der Schlüsselwerke moderner Kunst. Was aber macht es zu einem Kunstwerk? Dass es bei einer Kunstausstellung präsentiert werden sollte? Dass es von Duchamp signiert wurde, d. h. von einem anerkannten Künstler und nicht von einem Klempner?"

Dieses von Thomas Junker angeführte Beispiel zeigt deutlich wie schwierig es ist, den weiten Begriff "Kunst" zu bündeln und ihm eine feste Definition zu geben. Trotz alledem ist Kunst ein fester und untrennbarer Bestandteil der menschlichen Evolution. Ohne sie "hätte das Leben unserer Vorfahren einen anderen Verlauf genommen, dann wären die Menschen vielleicht nicht zum 'dominantesten Tier' geworden, 'das jemals auf dieser Erde erschienen ist', wie es Charles Darwin 1871 so treffend formulierte. Junker zeigt in seinem Buch auf, dass uns Kunst keineswegs als überflüssiger Luxus mit in die Wiege gelegt wurde, "sondern als ein unverzichtbarer Bestandteil der Natur des Menschen, vergleichbar mit Sprache und Kultur." Er ist der Meinung, dass der immer wieder Misstrauen erweckende und auf Unverständnis stoßende evolutionäre Blick auf die Kunst, ein kurzsichtiger ist. Denn, so Junker, "damit verspielt man sich die Chancen und Möglichkeiten einer neuen Sicht auf ein vertrautes und scheinbar bekanntes Phänomen wie die Kunst". "Revolutionäre" Ideen wären nicht zum ersten Mal der Anstoß für eine umwälzende Entwicklung und neue Erkenntnisse, die bis dato in einer Sackgasse feststeckte. Sein informatives und interessantes Brevier offenbart dabei keineswegs eine starre Meinung eines einzelnen Fachbereiches, sondern der Autor zieht für seine Betrachtungen die Erkenntnisse und Gedanken von Philosophen, Historikern, Psychologen und natürlich Evolutionsbiologen heran: ein Brückenschlag zwischen Kultur- und Naturwissenschaftlern.

In fünf umfassenden Kapiteln unternimmt er den Versuch, das komplexe Phänomen Kunst aus der darwinschen Perspektive zu betrachten. Zunächst erklärt Junker unterschiedlichste Begrifflichkeiten, die mit dem kleinen/großen Wort einhergehen. Er beschäftigt sich mit der grundsätzlichen Kritik an evolutionären Kunsttheorien und erläutert den Nutzen der Kunst, der zum einen im Überleben und Wohlergehen der Individuen, zum anderen als deutliches Signal bei der Partnerwahl, also der sexuellen Auslese, steht. Zudem verbirgt sich in der Kunst ein unglaublich großer Erfahrungsspeicher, der Sprache, Kreativität, Emotionalität, Geschicklichkeit und Bewegung nahezu spielerisch trainiert. Einen großen Teil widmet der Autor der Beantwortung der Frage, wie Kunst eigentlich funktioniert und "warum es so schwierig ist zu sagen, was Kunst ist". Thomas Junker geht auf die Sprache der Gefühle ein und versucht zu ergründen, warum Kunst magische Kräfte hat bzw. warum sie so unglaublich vielfältig ist. Der Autor führt zudem auf, wie Kunst entstanden ist und welchen evolutionären Zwängen sie sich unterordnen musste. Letztendlich gestattet er sich noch einen Blick in die Zukunft und fragt sich, ob Kunst vielleicht gar "vorm Aussterben bedroht" ist. Denn unzweifelhaft haben sich ursprünglich vorteilhafte Eigenschaften durch Veränderungen der Umwelt und der Lebensweise in ihr Gegenteil verkehrt und könnten somit zu Fehlanpassungen führen.

Fazit: Anspruchsvoll, aber trotzdem verständlich, anschaulich, gut gegliedert und durchaus überzeugend unternimmt Thomas Junker einen Versuch, Kunst als wesentliches evolutionäres Merkmal zu definieren, das fest in uns Menschen verortet ist. Dabei agiert sein Buch keineswegs als strenge wissenschaftliche Abhandlung, sondern gestaltet sich als unterhaltsamer und trotzdem hochinformativer und lohnenswerter Gedankenanstoß über die eindrucksvolle, möglicherweise evolutionäre Erfindung, der wir den Namen Kunst gegeben haben. Zweifelsohne bleibt dabei einiges im spekulativen Bereich angesiedelt, aber interessant und klar argumentiert ist es allemal. Denn eines ist unbestritten: "Ihre inspirierenden und glückspendenden Eigenschaften, die unser Leben in einzigartiger Weise bereichern, können sich aber nur entfalten, wenn sie gefördert werden.", so Thomas Junker. Und weiter: "Die Künste sind mehr als ein unersetzliches Weltkulturerbe - sie sind ein lebendiges Weltnaturerbe, das es zu bewahren gilt."

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Rezension zu "Die Evolution der Phantasie" von Thomas Junker

Entwicklungsgeschichte der vielfachen Formen der Kunst
michael_lehmann-papevor 5 Jahren

 

Kunst ist ungeheuer vielfältig, sowohl in den Ausdrucksformen als auch in den Wirkungen auf die je verschiedenen Betrachter oder Hörer.

Dies ist die Feststellung, die Thomas Junker, Professor für Biowissenschaften an der Universität Tübingen, zu Beginn seiner Betrachtungen trifft.

 

„Was aber ist Kunst? Wann ist sie entstanden, wie funktioniert sie und welcher Zweck wird mit ihr verfolgt?“, das sind die Leitfragen, die sich aus dieser ersten Feststellung für Junker ergeben und denen er im Verlauf des Buches durchaus differenziert folgt. Die gängige Antwort, dass Kunst aus dem „Schönheitssinn“ des Menschen heraus sich entfaltet, ist dabei für Junker zu kurz gegriffen angesichts der Vielfalt all dessen, was Kunst ist und wie diese ebenso vielfältig ihre Wirkungen zeigt.

 

Überzeugend zeigt Junker im weiteren Verlauf der Lektüre vor auf, ganz im Rahmen der Evolutionsforschung der letzten Jahre und Jahrzehnte, dass Kunst ebenso eng wie mit einem „Schönheitssinn“ verknüpft ist mit „biologischen Lebenszielen“. Im evolutionären Verständnis muss es ja so sein, dass auch die Kunst nicht als „kultureller Luxus“ sich entwickelt hat, sondern für die Gattung Mensch als ein „unverzichtbarer Bestandteil der Natur“ zu gelten hat.

 

So weitet Junker den Blick, stellt Erkenntnisse der Philosophie und der Kulturwissenschaften neben die Ergebnisse der Naturwissenschaften und der Evolutionsforschung und schafft so durchaus eine Synthese im Blick auf die „Kunst“ und ihre Bedeutung und Entwicklung für die Gattung Mensch in biologischer und kultureller Hinsicht. Wobei Junker nicht vorgibt, alles ins ich schlüssig in ein Gesamtsystem einordnen zu können. Offene Fragen spricht er an und lässt diese auch offen stehen, wo eine Antwort nicht durch Fakten abgeleitet werden kann. Das Buch stellt einen „Brückenschlag“ zwischen Natur- und Kulturwissenschaft im Blick auf die Entwicklung und Bedeutung der Kunst her, der durchaus als gelungen zu bewerten ist.

 

Gerade in der Betrachtung der Künste als „eine spezielle Sprache des Menschen“, die zur Verständigung über „unbewusste Gefühle und Wünsche“ dient, erschließt sich die Teilmenge der verschiedenen Betrachtungsweisen und zeigt sich, wie an der Sprache selbst, zum einen die Bedeutung für das „Überleben der Art“ an sich, wie auch für die faszinierende kulturelle Entwicklung der Menschheit in der Geschichte. Eine Entwicklung, die nicht nur auf der technischen Kommunikation von Fakten und nicht nur auf der emotionalen und ethischen Kommunikation durch Laut- und Körpersprache begründet ist, sondern eben auch auf dem Austausch unbewusster und tiefliegender Elemente, die sich symbolhaft in der Kunst Ausdruck verschaffen.

 

Im ersten Teil führt Junker hierzu ein in die kontroversen Haltungen und Standpunkte zur Kunst („Wie wird Kunst erklärt“). Im zweiten Teil führt Junker die Ergebnisse der evolutionären Forschung zum Faszinosum der Kunst ein („Wie funktioniert Kunst?“), bevor er im dritten Teil des Buches die Folgerungen aus den Ergebnissen der evolutionären Forschung zieht und diskutiert („Welches Problem soll die Kunst lösen?“).

Wie nun die Kunst entstanden ist (nachdem die Zwecke offen gelegt wurden im Buch), das ist Thema des vierten Teiles, der von den „evolutionären Vorformen“ bis zur ausgeprägten „Massenkunst“ reicht. Die Frage, „ob es in Zukunft noch Kunst geben wird“, schließt diese interessanten und ungewohnten Einsichten und Darlegungen im Buch dann ab.

Auch diese abschließende Betrachtung hängt eng mit der Frage nach der „Funktion“ der Kunst zusammen, denn Kunst im heutigen Sinne steht durchaus in Gefahr, zu verschwinden, wenn sie ihre ursprüngliche kommunikative Funktion und Aufgabe im modernen Leben mehr und mehr verliert.

 

Fundiert und sehr interessant, ein ganz anderer Blick auf die Kunst, als er gewohnt ist, ohne die kulturwissenschaftliche Betrachtung zu sehr zu vernachlässigen (auch wenn der Schwerpunkt deutlich erkennbar im Buch naturwissenschaftlich gesetzt ist), alles in allem ein Buch, das mit Gewinn zu lesen ist und in Stil und Form sehr verständlich sich darstellt.

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