Thomas Junker Die Evolution der Phantasie

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Inhaltsangabe zu „Die Evolution der Phantasie“ von Thomas Junker

<p>Lange haben Evolutionsbiologen die Grundlage der Kunst im Schönheitssinn des Menschen gesucht. Doch Kunst ist viel mehr – sie hat ganz verschiedene Seiten, über die oft heftig gestritten wird. Es gibt Populär-, Trivial- und Hochkunst, es gibt Malerei, Tanz, Literatur, Film und vieles mehr – all das bezeichnen wir als Kunst. Sie kann uns Vergnügen bereiten, aber auch zum Nachdenken anregen. Wie diese vielen Formen und Aspekte der Kunst in unserer Evolution entstanden sind, untersucht dieses Buch. Es beschreibt, wie sich die Kunst entwickelt hat, warum sie uns begeistert und warum sie ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Natur ist.</p>

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  • Haben wir Menschen vielleicht ein "Kunst-Gen" in uns?

    Die Evolution der Phantasie
    HeikeG

    HeikeG

    02. August 2015 um 14:25

    "Als Duchamp im April 1917 bei der großen Kunstausstellung der Independent Artists in New York ein handelsübliches Urinal einreichte, das er in einem Sanitärgeschäft erworben, mit 'R. Mutt 1917' signiert und mit dem Titel 'Fontaine' versehen hatte, wurde es mit dem Argument abgelehnt, das Objekt sei 'nach jedweder Definition kein Kunstwerk'. Mittlerweile gilt Duchamps 'Fontaine' als eines der Schlüsselwerke moderner Kunst. Was aber macht es zu einem Kunstwerk? Dass es bei einer Kunstausstellung präsentiert werden sollte? Dass es von Duchamp signiert wurde, d. h. von einem anerkannten Künstler und nicht von einem Klempner?" Dieses von Thomas Junker angeführte Beispiel zeigt deutlich wie schwierig es ist, den weiten Begriff "Kunst" zu bündeln und ihm eine feste Definition zu geben. Trotz alledem ist Kunst ein fester und untrennbarer Bestandteil der menschlichen Evolution. Ohne sie "hätte das Leben unserer Vorfahren einen anderen Verlauf genommen, dann wären die Menschen vielleicht nicht zum 'dominantesten Tier' geworden, 'das jemals auf dieser Erde erschienen ist', wie es Charles Darwin 1871 so treffend formulierte. Junker zeigt in seinem Buch auf, dass uns Kunst keineswegs als überflüssiger Luxus mit in die Wiege gelegt wurde, "sondern als ein unverzichtbarer Bestandteil der Natur des Menschen, vergleichbar mit Sprache und Kultur." Er ist der Meinung, dass der immer wieder Misstrauen erweckende und auf Unverständnis stoßende evolutionäre Blick auf die Kunst, ein kurzsichtiger ist. Denn, so Junker, "damit verspielt man sich die Chancen und Möglichkeiten einer neuen Sicht auf ein vertrautes und scheinbar bekanntes Phänomen wie die Kunst". "Revolutionäre" Ideen wären nicht zum ersten Mal der Anstoß für eine umwälzende Entwicklung und neue Erkenntnisse, die bis dato in einer Sackgasse feststeckte. Sein informatives und interessantes Brevier offenbart dabei keineswegs eine starre Meinung eines einzelnen Fachbereiches, sondern der Autor zieht für seine Betrachtungen die Erkenntnisse und Gedanken von Philosophen, Historikern, Psychologen und natürlich Evolutionsbiologen heran: ein Brückenschlag zwischen Kultur- und Naturwissenschaftlern. In fünf umfassenden Kapiteln unternimmt er den Versuch, das komplexe Phänomen Kunst aus der darwinschen Perspektive zu betrachten. Zunächst erklärt Junker unterschiedlichste Begrifflichkeiten, die mit dem kleinen/großen Wort einhergehen. Er beschäftigt sich mit der grundsätzlichen Kritik an evolutionären Kunsttheorien und erläutert den Nutzen der Kunst, der zum einen im Überleben und Wohlergehen der Individuen, zum anderen als deutliches Signal bei der Partnerwahl, also der sexuellen Auslese, steht. Zudem verbirgt sich in der Kunst ein unglaublich großer Erfahrungsspeicher, der Sprache, Kreativität, Emotionalität, Geschicklichkeit und Bewegung nahezu spielerisch trainiert. Einen großen Teil widmet der Autor der Beantwortung der Frage, wie Kunst eigentlich funktioniert und "warum es so schwierig ist zu sagen, was Kunst ist". Thomas Junker geht auf die Sprache der Gefühle ein und versucht zu ergründen, warum Kunst magische Kräfte hat bzw. warum sie so unglaublich vielfältig ist. Der Autor führt zudem auf, wie Kunst entstanden ist und welchen evolutionären Zwängen sie sich unterordnen musste. Letztendlich gestattet er sich noch einen Blick in die Zukunft und fragt sich, ob Kunst vielleicht gar "vorm Aussterben bedroht" ist. Denn unzweifelhaft haben sich ursprünglich vorteilhafte Eigenschaften durch Veränderungen der Umwelt und der Lebensweise in ihr Gegenteil verkehrt und könnten somit zu Fehlanpassungen führen. Fazit: Anspruchsvoll, aber trotzdem verständlich, anschaulich, gut gegliedert und durchaus überzeugend unternimmt Thomas Junker einen Versuch, Kunst als wesentliches evolutionäres Merkmal zu definieren, das fest in uns Menschen verortet ist. Dabei agiert sein Buch keineswegs als strenge wissenschaftliche Abhandlung, sondern gestaltet sich als unterhaltsamer und trotzdem hochinformativer und lohnenswerter Gedankenanstoß über die eindrucksvolle, möglicherweise evolutionäre Erfindung, der wir den Namen Kunst gegeben haben. Zweifelsohne bleibt dabei einiges im spekulativen Bereich angesiedelt, aber interessant und klar argumentiert ist es allemal. Denn eines ist unbestritten: "Ihre inspirierenden und glückspendenden Eigenschaften, die unser Leben in einzigartiger Weise bereichern, können sich aber nur entfalten, wenn sie gefördert werden.", so Thomas Junker. Und weiter: "Die Künste sind mehr als ein unersetzliches Weltkulturerbe - sie sind ein lebendiges Weltnaturerbe, das es zu bewahren gilt."

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  • Entwicklungsgeschichte der vielfachen Formen der Kunst

    Die Evolution der Phantasie
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    06. August 2013 um 12:59

      Kunst ist ungeheuer vielfältig, sowohl in den Ausdrucksformen als auch in den Wirkungen auf die je verschiedenen Betrachter oder Hörer. Dies ist die Feststellung, die Thomas Junker, Professor für Biowissenschaften an der Universität Tübingen, zu Beginn seiner Betrachtungen trifft.   „Was aber ist Kunst? Wann ist sie entstanden, wie funktioniert sie und welcher Zweck wird mit ihr verfolgt?“, das sind die Leitfragen, die sich aus dieser ersten Feststellung für Junker ergeben und denen er im Verlauf des Buches durchaus differenziert folgt. Die gängige Antwort, dass Kunst aus dem „Schönheitssinn“ des Menschen heraus sich entfaltet, ist dabei für Junker zu kurz gegriffen angesichts der Vielfalt all dessen, was Kunst ist und wie diese ebenso vielfältig ihre Wirkungen zeigt.   Überzeugend zeigt Junker im weiteren Verlauf der Lektüre vor auf, ganz im Rahmen der Evolutionsforschung der letzten Jahre und Jahrzehnte, dass Kunst ebenso eng wie mit einem „Schönheitssinn“ verknüpft ist mit „biologischen Lebenszielen“. Im evolutionären Verständnis muss es ja so sein, dass auch die Kunst nicht als „kultureller Luxus“ sich entwickelt hat, sondern für die Gattung Mensch als ein „unverzichtbarer Bestandteil der Natur“ zu gelten hat.   So weitet Junker den Blick, stellt Erkenntnisse der Philosophie und der Kulturwissenschaften neben die Ergebnisse der Naturwissenschaften und der Evolutionsforschung und schafft so durchaus eine Synthese im Blick auf die „Kunst“ und ihre Bedeutung und Entwicklung für die Gattung Mensch in biologischer und kultureller Hinsicht. Wobei Junker nicht vorgibt, alles ins ich schlüssig in ein Gesamtsystem einordnen zu können. Offene Fragen spricht er an und lässt diese auch offen stehen, wo eine Antwort nicht durch Fakten abgeleitet werden kann. Das Buch stellt einen „Brückenschlag“ zwischen Natur- und Kulturwissenschaft im Blick auf die Entwicklung und Bedeutung der Kunst her, der durchaus als gelungen zu bewerten ist.   Gerade in der Betrachtung der Künste als „eine spezielle Sprache des Menschen“, die zur Verständigung über „unbewusste Gefühle und Wünsche“ dient, erschließt sich die Teilmenge der verschiedenen Betrachtungsweisen und zeigt sich, wie an der Sprache selbst, zum einen die Bedeutung für das „Überleben der Art“ an sich, wie auch für die faszinierende kulturelle Entwicklung der Menschheit in der Geschichte. Eine Entwicklung, die nicht nur auf der technischen Kommunikation von Fakten und nicht nur auf der emotionalen und ethischen Kommunikation durch Laut- und Körpersprache begründet ist, sondern eben auch auf dem Austausch unbewusster und tiefliegender Elemente, die sich symbolhaft in der Kunst Ausdruck verschaffen.   Im ersten Teil führt Junker hierzu ein in die kontroversen Haltungen und Standpunkte zur Kunst („Wie wird Kunst erklärt“). Im zweiten Teil führt Junker die Ergebnisse der evolutionären Forschung zum Faszinosum der Kunst ein („Wie funktioniert Kunst?“), bevor er im dritten Teil des Buches die Folgerungen aus den Ergebnissen der evolutionären Forschung zieht und diskutiert („Welches Problem soll die Kunst lösen?“). Wie nun die Kunst entstanden ist (nachdem die Zwecke offen gelegt wurden im Buch), das ist Thema des vierten Teiles, der von den „evolutionären Vorformen“ bis zur ausgeprägten „Massenkunst“ reicht. Die Frage, „ob es in Zukunft noch Kunst geben wird“, schließt diese interessanten und ungewohnten Einsichten und Darlegungen im Buch dann ab. Auch diese abschließende Betrachtung hängt eng mit der Frage nach der „Funktion“ der Kunst zusammen, denn Kunst im heutigen Sinne steht durchaus in Gefahr, zu verschwinden, wenn sie ihre ursprüngliche kommunikative Funktion und Aufgabe im modernen Leben mehr und mehr verliert.   Fundiert und sehr interessant, ein ganz anderer Blick auf die Kunst, als er gewohnt ist, ohne die kulturwissenschaftliche Betrachtung zu sehr zu vernachlässigen (auch wenn der Schwerpunkt deutlich erkennbar im Buch naturwissenschaftlich gesetzt ist), alles in allem ein Buch, das mit Gewinn zu lesen ist und in Stil und Form sehr verständlich sich darstellt.

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