Thomas Karlauf Helmut Schmidt - Die späten Jahre

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Inhaltsangabe zu „Helmut Schmidt - Die späten Jahre“ von Thomas Karlauf

Was hat Helmut Schmidt als Kanzler außer Dienstwirklich bewegt?
Fast alle Biographien Helmut Schmidts enden mehr oder weniger mit dem Jahr 1982, dem Jahr seines Ausscheidens aus dem Kanzleramt. Von seinem Leben in den dreiunddreißig Jahren danach drang nur wenig nach außen. Wie aber wurde dieser Mann, der 1982 noch als durchschnittlicher Kanzler galt, zu einem Idol der Deutschen?
Kein anderer Politiker der Bundesrepublik hat eine solche fast kultische Verehrung genossen wie Schmidt. Sein Ruhm gründet allerdings weniger auf der Kanzlerzeit als vielmehr auf seiner zweiten Karriere danach: als Publizist und Elder Statesman, der – scheinbar unbeeinflusst von der Tagespolitik – über den Parteien stand und unbeirrbar an seinen politischen und ethischen Grundsätzen festhielt. Damit erfüllte er zugleich die Sehnsucht weiter Teile der Gesellschaft nach Führung. Die Biographie der späten Jahre 1982 bis 2015 erzählt, wie es dem Kanzler außer Dienst gelang, am Ende so gesehen zu werden, wie er gesehen werden wollte.
Thomas Karlauf, der seit 1987 fast alle Buchveröffentlichungen Schmidts betreute, besaß uneingeschränkten Zugang zu dessen Privatarchiv. Seine Biographie entfaltet ein intimes Stück deutscher Zeitgeschichte, gespiegelt im Leben jenes Mannes, den viele Deutsche zum Vorbild schlechthin erklärten.

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  • Wie aus dem unterlegenen Kanzler der „Elder Statesmen“ wurde

    Helmut Schmidt - Die späten Jahre

    michael_lehmann-pape

    21. November 2016 um 12:44

    Wie aus dem unterlegenen Kanzler der „Elder Statesmen“ wurdeJener Teil des Lebens von Helmut Schmidt, der ihn zum beliebtesten „Elder Statesmen Deutschlands gemacht hat, in dem er auf seine unverwechselbare (wenn auch nicht gänzlich unumstrittene) Art und Weise sich eingemischt hat, gefragt wurde, vielfache Bücher veröffentlichte zu den aktuellen Themen der Zeit und der Welt, ist in vielen Biographien des Politikers Helmut Schmidt eher Nachklang und Beiwerk.„Als hätte ich danach kein Leben mehr“, so klagt Schmidt selbst über seinen Befund der literarischen Betrachtungen seiner Person.Diese Klage nimmt Karlauf gekonnt auf und setzt zu jenem Zeitpunkt, an dem Schmidt als Kanzler abgewählt wurde. Und das betrifft nicht zuletzt und gerade auch jene „Arbeit“, die für Schmidt selber (wie im Buch unter anderem nachzulesen) das „Zentrum“ seiner Arbeit und seines politischen Denkens war, das Verfassen von Büchern. Wobei sein „Außer Dienst“ von 2008 eines der erfolgreichsten politischen Bücher überhaupt gewesen war und ist.Wobei es, neben dem Sichten und erläutern der Jahre und des Werkes vor allem eine Frage ist, der Karlauf aufschlussreich und mit überzeugenden Antworten nachgeht: wie dieser fast überwältigende und, vor allem, fast einhellige „Ruhm der späten Jahre“ zustande kam.Was vielleicht, schon als Einstieg, durchaus seine Wurzeln darin gehabt haben könnte, das Schmidt schnell in jene Rolle des „Elder Statesmen“ hineinfand, diese für sich nutzte und durchaus zu schätzen wusste (sicher auch seiner gewissen Eitelkeit und der Pflege seines teils auch bewusst geste3uerten und genossenen „Image“ geschuldet), frei von politischen Rücksichten und dem Mahlwerk der alltäglichen Kompromisse seine Meinung und Analyse des Weltgeschehens zu äußern.Nicht ohne Grund war sein Beruf nach der Politik die Herausgabe der „Zeit“, jene Wochenzeitschrift, die in den Augen Schmidts immer schon Raum, Platz und Sorgfalt für gründliche Recherchen und breit erläuterte Hintergründe bot.Zunächst in eher zurückgezogener Weise, wie Karlauf schildert (der im Übrigen an den Ereignissen des Oktobers 1982 und den direkten Ereignissen kurz zuvor nicht vorbeigeht, sondern damit seine Biographie beginnt). Ab 1991 dann in offensiver „Einmischung“ (auch, weil Schmidt die Vorstellung schwerfiel, dass die „68er-Erben“ nun gemeinsam mit der „Arbeitertradition!“ das Land regierten.Wobei Schmidt auch in konkrete Punkte mit „hinein redete“, wie der Streit um das öffentliche Holocaust Mahnmal in Berlin zeigte (ohne sich durchsetzen zu können). Oder auch die fast legendäre „Aversion“ zwischen Schmidt und von Weizsäcker, als dieser Bundespräsident war.Nie um eine klare Meinung verlegen, immer auch und das ergibt sich aus der Lektüre, mit einem mehr oder minderen klaren „Bild“ im Kopf, wie Schmidt selbst gerne gesehen würde und einer Unermüdlichkeit, bis (fast) zum letzten Tag seines Lebens, dieser Mischung aus tiefer Überzeugung, Selbstbild und Image, zu „bauen“.So verschmelzen Werk, politische Karriere, persönliche „Schnoddrigkeit“ und literarische und öffentliche Präsenz mehr und mehr zu jenem „Schmidt“, der in seinen letzten beiden Lebensjahrzehnten der beliebteste deutsche Politiker war, nicht nur derer „außer Dienst“.33 Jahre, die Karlauf flüssig und gut zu lesen, aus persönlicher Nähe und mit großer Sachkenntnis Schritt für Schritt nachzeichnet. Und damit, nebenbei, auch einen breiten Einblick in die politische Entwicklung des Landes bis zur Gegenwart hin aufzeigt, denn da dies die Themen Schmidts waren (überwiegend), stellt das Buch immer wieder Bezüge in die zu konkreten Phasen Schmidts konkrete Tagespolitik.Eine anregende und empfehlenswerte Lektüre.

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