Thomas King Medicine River

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Inhaltsangabe zu „Medicine River“ von Thomas King

In seinem Roman "Medicine River" porträtiert Thomas King mit einzigartigem Humor und voller subtiler Wahrheiten das Leben in einer Kleinstadt nahe einem Blackfoot-Reservat im Westen Kanadas. Das Buch erhielt mehrere Auszeichnungen und stand auf der Shortlist des Commonwealth Writers' Prize.
Will, ein Fotograf aus Toronto, kehrt in seine Heimatstadt Medicine River zurück, um an der Beerdigung seiner Mutter teilzunehmen. Eigentlich soll es nur ein kurzer Aufenthalt werden, doch Will hat die Rechnung ohne seinen Freund Harlen Bigbear gemacht.
Harlen, ständig darum bemüht, das Leben von Nachbarn und Freunde zu regeln, versucht ihn von der Idee zu überzeugen, ganz nach Medicine River zurückzukehren und als einziger Native-Fotograf ein Studio zu eröffnen. Will aber fühlt sich von seinen Wurzeln, der Familie und den Freunden entfremdet. Doch Harlen findet auf alles eine Antwort, und schon bald spielt Will im örtlichen All-Native-Basketball-Team und lernt die schwangere, unverheiratete Louise Heavyman kennen.
Jenseits von Ethno-Romantik oder aufgesetzter Sozialkritik schreibt King mit einer guten Dosis Humor über das Alltagsleben der Native Americans im Nordamerika von heute, über gebrochene Biographien, menschliche Schwächen, Freundschaft, Liebe und Tod.
Bei seinen grandiosen Dialogen und Wendungen, die er beherrscht wie kaum ein anderer, ist es nahezu unvermeidlich, dass man beim Lesen zuweilen laut auflachen muss.

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  • Rezension zu "Medicine River" von Thomas King

    Medicine River

    BertieWooster

    13. April 2009 um 18:37

    Der Ich-Erzähler beschreibt sein Alltagsleben in Medicine-River, einer kleinen Stadt in der Nähe eines kanadischen Indianerreservats. Bei seinen Geschichten wird das Aktuelle meistens mit einer Geschichte aus seinen Erinnerungen verbunden. Beide haben das selbe Thema, z.B. Freundschaft oder seine Erinnerungen an seine Mutter. Die Geschichten sind wunderbar geschrieben. Sein Freund Harlen kommt oft zu ihm zu Besuch und erzählt den neuesten Tratsch im Ort. Oft handelt es sich nur um Gerüchte, wobei einer etwas gehört hat und dem nächsten die Geschichte mit Erweiterungen und Mutmaßungen weiter erzählt. Am Ende stellt sich etwas ganz anderes als Wahrheit heraus. Dass das Buch von Indianern handelt, ist bei den meisten Geschichten eher nebensächlich. Die Geschichten könnten wohl überall geschehen. Ich war fast traurig, als das Buch zu Ende war. So wollte ich schon noch erfahren, wie es mit Will und seiner Louise mit ihrem Kind South-Wing weitergeht.

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  • Rezension zu "Medicine River" von Thomas King

    Medicine River

    HeikeG

    12. August 2008 um 13:14

    Freunde, Familie und Erinnerungen - Ein komplexer Roman der Moderne über Identitätssuche der "Native Americans" - der Indianer Kanadas - "... diese Leute in Deutschland und Japan und Frankreich und Ottawa wollen (…) Geschichten darüber hören, wie die Indianer früher waren. Ich weiß ein paar wirklich gute und lustige Geschichten, wie es heute ist, aber diese Leute sagen Nein, erzähl uns von früher. Und das tue ich dann." Dies berichtet Lionel - ein alter Indianer - ungläubig dem Protagonisten Will - einem "Halbblut" (weißer Vater, indianische Mutter) - als er von seinen Reisen nach Europa erzählt. Er spricht etwas an, was auch heute immer noch aktuell ist: Karl May und seine Indianerromantik. Ob in Literatur, Spielfilm, Werbung oder in der Wissenschaft: Die westlich-europäische Gesellschaft ist geprägt von einem bestimmten Klischee der amerikanischen Ureinwohner. In unseren Köpfen herrschen immer noch die Bilder von vor hundert Jahren: Indianer mit Federn auf dem Kopf, mit Mokassins an den Füßen und dem Tomahawk in der Hand. In seinem bereits 1990 geschriebenen und nun erstmals auf Deutsch erschienenen Roman "Medicine River", der mehrere Auszeichnungen erhielt, auf der Shortlist des Commonwealth Writer's Prize stand und 1993 verfilmt wurde, porträtiert der Wahlkanadier Thomas King das Leben in einer Kleinstadt nahe einem Blackfoot-Reservat im Westen Kanadas. Das Buch des Autors - Sohn eines Cherokee und einer griechischstämmigen Mutter - bewegt sich wohltuend jenseits aller Klischees und Sentimentalitäten. Auch wenn seine Protagonisten Indianer sind, so könnten sie genauso gut Weiße sein. Es gibt Intrigen und Klatsch, Spekulationen, dumme Streiche und jede Menge liebenswerter und lustiger Charaktere wie überall im täglichen Leben und typisch für eine kleine Gemeinde jeder Nation. Suche nach individueller Identität Der Icherzähler Will - ein Fotograf - ist gleichzeitig Hauptfigur des Romans. Nach zwanzig Jahren Abwesendheit kehrt er zur Beerdigung seiner Mutter an den Ort seiner Kindheit zurück - nach Medicine River. Doch was nur als kurzer Besuch geplant war, stellt sich letztendlich als einschneidender Lebensabschnitt heraus. "Schuld" trägt der Indianer Harlen Bigbear, den Will bei der Begräbnisfeierlichkeit kennenlernt und der ständig damit beschäftigt ist, das Leben anderer Leute zu regeln - ob sie das nun wollen oder nicht. Und so nimmt er in Zukunft auch bei Will den aktiven Part ein, der sich in seiner etwas passiven "Lebensresignation" und selbst auferlegten Einsamkeit eingerichtet zu haben scheint. Er überzeugt ihn, ganz nach Medicine River zu ziehen und als Indianerfotograf zu arbeiten, "verkuppelt" ihn mit der schwangeren, unverheirateten Louise Heavyman, bringt ihn - trotz fehlendem Talents - in die einheimische Basketballmannschaft und zu jeder Menge anderer traditioneller Zusammenkünfte. All diese gezielten Aktivitäten tragen unbewusst zu Wills langsamer erneuter Annäherung an seine indianische Kultur und seine entfremdeten Wurzeln bei. "Medicine River" ist gestrickt aus einer Reihe von lose aneinandergereihten Zwischenfällen, die über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren in der Gegenwart spielen. Diese Ereignisse sind überschnitten mit Rückblenden auf Wills Vergangenheit - seine Kindheit ohne Vater, seinen Bruder Jamie oder eine Liebe zu einer verheirateten Frau -, die King virtuos in sein Romankonstrukt einzuflechten weiß. Der "rote Faden" geht dabei niemals verloren. Im Gegenteil, diese Erinnerungen offenbaren stets eine gewisse Parallelität zur Gegenwart und treiben deren Handlung geradezu voran. Dieser "rote Faden" kennzeichnet gleichzeitig die Suche Wills nach seiner individuellen Identität. Thomas King gelingt dies durch den Einsatz der fünf Sinne, die langsam das Gedächtnis seines Protagonisten neu erkunden. Erinnerungen an gefühlte, gehörte, gustatorische, olfaktorische und vor allem visuelle Eindrücke durchziehen meisterhaft den ganzen Roman und zeigen, wie sich Wills eigene Identität langsam formt, zusammenfügt und festigt. Keine Wild-West-Aktion Das leise, unaufdringliche und unspektakuläre Buch, geschrieben in einer wunderbaren unprätentiösen und einfachen Sprache, offenbart seinen wahren Charakter erst zwischen den Zeilen. Ruhig und sanft gleitet die Handlung dahin, immer wieder unterbrochen durch Rückblicke in die Vergangenheit. Die Menschen die Will während seines endgültigen Sesshaftwerdens in seiner alten neuen Heimatstadt begleiten sind liebevoll, doch mit ironischer Distanz und herrlich trockenem Humor gezeichnet. In "Medicine River" erwartet den Leser keine Wild-West-Action, keine federgeschmückten Indianerhäuptlinge, keine Fährtensucher und auch keine überschwängliche Sozialkritik, sondern ein behutsames Offenlegen der heutigen Sichtweise und Lebenseinstellungen dieser Menschen, ihren Umgang miteinander, Freund- und Feindschaften sowie jede Menge Familiengeschichten und Liebesepisoden. Auf einen Satz reduziert: Ein Buch über alltägliche Identitätssuche und -wahrnehmung. Den ruhigen, mit leisem Humor durchzogenen Stil Thomas Kings hat Cornelia Panzacchi wunderbar ins Deutsche übertragen. Fazit: King erforscht den Sinn und die Bedeutung hinter Fotos und Erinnerungen. Ein hintergründig-anspruchsvoller, ironischer und raffiniert konstruierter Roman, der überzeugend von den komplizierten Mechanismen indianischen Lebens im Heute berichtet.

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  • Rezension zu "Medicine River" von Thomas King

    Medicine River

    SV

    01. May 2008 um 07:21

    Indianer! Gegen Harlan Bigbear gibt’s kein Wehren! Will, Halbindianer, Fotograf, in der Stadt lebend, weit weg vom Reservat, ist nur kurz zu Besuch. Harlan sagt zu ihm: Warum bleibst du nicht, wir brauchen ohnehin einen Fotografen hier. Will plant das nicht, aber er verliert seinen Job und plötzlich hält ers doch nicht für eine so schlechte Idee, in die kleine Stadt nahe am Reservat zu ziehen. Als er ankommt steht Harlan Bigbear am Flughafen, so als hätte er die ganze Zeit da auf ihn gewartet. Und so geht das weiter, auf etwas umständliche, ungenaue, nervige Art nimmt Harlan die Dinge in die Hand, zuerst erscheinen sie undenkbar, weit hergeholt, seltsam - so wie die Frau, die er Will plötzlich als Braut vorschlägt, aber die Dinge entwickeln sich schon so, dass alles Wehren und Wundern nicht dagegen ankann. Ein ausgesprochen lesenswertes Buch, sehr unterhaltsam und dabei wird nicht die unschöne Seite des Lebens im Reservat ausgeklammert, damit kriegt das Buch etwas recht Ganzes: Die ernsten und die witzigen Teile finden zusammen, so wies im Leben außerhalb der Bücher, auch sein sollte.

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