Wie ich fälschte, log und Gutes tat

von Thomas Klupp 
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Wie ich fälschte, log und Gutes tat
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Positiv (34):
Vampir989s avatar

toller gesellschaftskritischer Roman

Kritisch (4):
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Inhaltsangabe zu "Wie ich fälschte, log und Gutes tat"

Weiden ist eine Vorzeigekleinstadt: Die Wirtschaft brummt, von den Lady-Lions gibt es Charity-Barbecues für Flüchtlinge, die Oberschule ruft eine Leistungsinitiative in den MINT-Fächern aus, die Tennisjugend gewinnt das Landesfinale, und mit dem neuen Schuljahr prangt von jeder Wand ein Antidrogenplakat der Champions mit dem Slogan: »Geh ans Limit! Ohne Speed!«. Benedikt Jäger und seine Kumpel Vince und Prechtl sind nicht nur mittendrauf zu sehen, sie stecken auch mittendrin in dieser schönen Welt, die alle Abgründe vertuscht: Die Nächte feiern sie exzessiv im »Butterhof«, wie sie ihre Schulleistungen am neuen Evaluierungssystem vorbei vor den erfolgsgierigen Eltern verbergen, steht in den Sternen. Und dass die Lady-Lions ausgerechnet Crystal-Mäx, den Unterweltkönig und berüchtigten »Butterhof«-Betreiber, mit einer Finanzspritze beim Bau von Flüchtlingswohnungen unterstützen, macht die Lage noch unübersichtlicher ... Anarchisch und pointensatt im Hochgeschwindigkeitsrausch erzählt, getragen von bitterbösem Humor – ganz großes Tennis!

»PARADISO war für mich einer der besten deutschen Romane der letzten zehn Jahre. In neun davon habe ich auf ein neues Buch von Thomas Klupp gehofft, und das Warten hat sich mehr als gelohnt. WIE ICH FÄLSCHTE, LOG UND GUTES TAT ist pointiert, witzig, manchmal böse, funkelnd. Diese Geschichte ist nicht weniger als die in Worte gegossene Jugend; man liest sie und ist wieder sechzehn, mit dem angenehmen Wissen, nicht mehr sechzehn sein zu müssen. Ein herrliches Buch.« Benedict Wells

»Endlich wieder Arztsohnprosa!« Florian Kessler

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783827013668
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:Berlin Verlag
Erscheinungsdatum:04.09.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 04.09.2018 bei OSTERWOLDaudio erschienen.

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    Anteks avatar
    Antekvor 7 Stunden
    Schein, statt Sein und das um jeden Preis

    „Ich fälschte nicht gern! Ich find`s zum Kotzen, um ehrlich zu sein. …. Den Alltag und jede Minute und alles. Das fängt mit den kleinen Dingen an. Der Mimik zum Beispiel. Wenn man eine gefälschte 1 auf den Küchentisch legt, die in Wahrheit eine 4- ist, und sich dann mit den Eltern mitfreuen soll: da ist Kontrolle über jeden Muskel gefragt. Sonst verrutscht das Lächeln. Und darunter lauert die Panikfratze.“



    Als Leser begleitet man Benjamin vom Schuljahresbeginn bis Weihnachten und bekommt eine Art Tagebuch geboten. Einzelne Episoden, die von seinen Fälschungen berichten, beim Spicken angefangen, über selbst angefertigte Entschuldigungen, bis hin zu Zeugnissen, lassen einen daran teilhaben, welche Tricks er beherrscht. Ab und an gibt es auch Pannen, wenn dann z.B. der Mathelehrer auf einmal mit Sargnagel, statt mit Scharnagel unterschreibt. Ich war auch mal Schüler, klar, ich habe mich hier gut amüsiert, besonders beim Zeugnis. Weniger Spaß hatte ich bei seinen Partys, bei denen ein Joint und Alkohol dazu gehören. Aber auch die müssen sein, um den Gegenpol zur Antidrogen Kampagne zu verdeutlichen, für die er und seine Kumpels, des Erfolgs beim Tennis wegen, verbraten werden. Durch Gedanken bzw. in einer Art Rückblicken bekommt man auch eine Vorstellung davon, wie Benjamin auf den Trichter gekommen ist, sein Leben zu faken. Nicht nur von der Mama in Hochperfektion, sondern auch von der Rektorin der Schule mindestens genauso gut vorgelebt, viel mehr noch mit in den Karren eingespannt, ist der Schritt einfach nicht mehr groß. Und schließlich macht doch die ganze Welt.



    Der Autor hält der Gesellschaft hier mit einer ziemlich schrägen Geschichte gekonnt einen Spiegel vor. Klar immer wieder stark überzeichnet, was mir bei solch einem Roman aber ganz gut gefällt. Völlig übersteigerte Erwartungshaltungen der Eltern oder solche die sich nicht kümmern, denn „Solche Sachen bemerkt sie nie. Ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt oder mit der Welt oder mit sonst irgendwas. Lässiger Zug von ihr. Hat schon so manche Situation entschärft.“, sind heute leider an der Tagesordnung. Sich selbst besser darstellen, Pressemitteilungen faken und zur Not sogar die Leistungen ein wenig illegal anheben in der Darstellung, für Flüchtlingshilfe viel abkassieren, obwohl nur wenig dahinter steckt, Digitalisierung um jeden Preis, usw., die Zeitungen sind täglich voll damit. Das hat mir grundsätzlich auch in der Umsetzung wirklich gut gefallen , auch wenn einige Abschnitte sicher nur zu Unterhaltungszwecken dienen. Die meisten Episoden, bei manchen kann man viel grinsen und lachen, andere berühren, haben mich gut unterhalten. Je mehr ich von Benjamins, eigentlich bedauerlichem, Leben erfahren habe, desto mehr hat mich die Geschichte auch ergriffen.



    Benjamin Jäger erzählt hier seine Geschichte aus der Ich-Perspektive. Ein Schüler der zehnten Klasse, noch keine 16 Jahre alt, und so ist auch der Sprachstil des Romans, das hat der Autor gut getroffen. Auch wenn Beschreibungen wie „Einen Ständer. Einen Naturständer mit Helium statt mir Blut gefüllt.“, „An die Eier geht dir kein Lehrer“oder „Geiler als tausend Karnickel , aber vor allem wie frisch kastriert.“ , eigentlich so gar nicht mein Ding sind, muss man sie als Leser der Authentizität wegen wohl auch hinnehmen. Zum Glück halten sie sich in Grenzen. In weiten Teilen hat mir die pointierte, „Pechtel gibt sein Bestes, betroffen zu gucken, doch dazu fehlen ihm die passenden Muskeln. Betroffenheit: mimisch glasklar nicht sein Ding.“, stellenweise auch richtig bissige Erzählweise „Ich unterrichte, ihr eignet euch den Unterrichtsstoff an oder nicht, ich zensiere die Leistungen. So weit in Summe unserer Verhältnis. Du, Sie es kratzt mich nicht.“, gut gefallen. Auch wenn mich nicht alles völlig begeistert hat, konnte ich beim Lesen viel schmunzeln, denn an Situationskomik mangelt es nicht.



    Benjamin ist eigentlich kein „schlechter Kerl“, was mit Stellen wie „Nahm ich mir ein Versprechen ab. Und zwar würde ich dieses Jahr büffeln. Drei Stunden täglich, kein Problem. Mich Lerngruppen anschließen. … Ich würde, koste es was es wolle, dieses Trugbild in Stücke sprengen und zu genau der Person werden, die ich im Glaube meiner Eltern längst war.“ oder wenn er die Oma lieber vor der Tür stehen lässt, als sie anlügen zu müssen, ganz klar deutlich wird. Eigentlich ist ihm das Lügen und Fälschen verhasst, aber ich denke von klein auf geprägt und dann wie in einer Spirale gefangen, sieht er einfach keinen Ausweg mehr. Wirklich grandios fand ich auch die gekonnt überspitzte Figurenzeichnung der Mutter. Aber auch die anderen Darsteller sind gut gezeichnet beim alten, konservativen Mathelehrer „Sargnagel: ist ein kranker Sadist.“ angefangen, bis hin zu Rektorin „Fürstenberg: die Stasi 2.0“



    Alles in allem hatte ich mit diesem Roman, auch wenn mich nicht alles bis ins letzte Detail begeistert hat, wirklich gelungene Unterhaltung und sehr gute vier Sterne sind bei mir auf jeden Fall drin.


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    Vampir989s avatar
    Vampir989vor 16 Stunden
    Kurzmeinung: toller gesellschaftskritischer Roman
    toller gesellschaftskritischer Roman

    Klapptext:


    Weiden ist eine Vorzeigekleinstadt: Die Wirtschaft brummt, von den Lady-Lions gibt es Charity-Barbecues für Flüchtlinge, die Oberschule ruft eine Leistungsinitiative in den MINT-Fächern aus, die Tennisjugend gewinnt das Landesfinale, und mit dem neuen Schuljahr prangt von jeder Wand ein Antidrogenplakat der Champions mit dem Slogan: »Geh ans Limit! Ohne Speed!«. Benedikt Jäger und seine Kumpel Vince und Prechtl sind nicht nur mittendrauf zu sehen, sie stecken auch mittendrin in dieser schönen Welt, die alle Abgründe vertuscht: Die Nächte feiern sie exzessiv im »Butterhof«, wie sie ihre Schulleistungen am neuen Evaluierungssystem vorbei vor den erfolgsgierigen Eltern verbergen, steht in den Sternen. Und dass die Lady-Lions ausgerechnet Crystal-Mäx, den Unterweltkönig und berüchtigten »Butterhof«-Betreiber, mit einer Finanzspritze beim Bau von Flüchtlingswohnungen unterstützen, macht die Lage noch unübersichtlicher ... Anarchisch und pointensatt im Hochgeschwindigkeitsrausch erzählt, getragen von bitterbösem Humor – ganz großes Tennis!

    Ich hatte große Erwartungen an diesen Roman.Und ich muss sagen das ich nicht enttäuscht wurde.
    Der Schreibstil ist leicht,locker und flüssig.Die Seiten flogen nur so dahin.Einmal angefangen mit lesen wollte ich das Buch kaum noch aus den Händen legen.
    Ich habe Benedikt und seine Kumpels kennen gelernt und sie einige Zeit begleitet.Dabei erlebte ich viele unterhaltsame und interessante Momente.
    Die Protoganisten wurden sehr gut beschrieben .Ich konnte sie mir klar und deutlich vorstellen.Es gab viele unterschiedliche Charaktere welche bestens ausgearbeitet wurden.Besonders interessant fand ich Benni und seine Kumpels.Aber auch alle anderen Personen haben mir gut gefallen.
    Thomas Klupp spricht in diesem Roman viele Themen unserer heutigen Gesellschaft an.Da geht es um Ruhm,Anerkennung,Macht und Reichtum der Erwachsenen,Leistungsdruck in der Schule und Bildungsstand der Schüler.Um alle diese Ziele zu erreichen und nicht als Aussätziger zu gelten beginnt man zu lügen und zu betrügen.Schon als Jugendlicher wird man damit konfrontiert und auch auf dem weiteren Lebensweg wird sich daran nichts ändern.Selbst die Erwachsenen in unserer heutigen Zeit greifen zu solchen Mitteln um nicht ausgegrenzt zu werden und ein gutes Ansehen zu haben.Auf sehr ironische und sarkastische Art und Weise hinterfragt Thomas Kupp diese Lebenseinstellung.Viele Szenen wurden sehr detailliert dargestellt und so war ich teilweise direkt im Geschehen dabei.Durch die sehr interessante und packende Erzählweise wurde ich förmlich in die Geschichte hinein gezogen.In mir war Kopfkino und ich konnte mich richtig in die Gefühls und Gedanken welt von Benjamin hinein versetzen.Bei vielen Situationen habe ich mich köstlich amüsiert und geschmunzelt.Daneben hat es aber der Autor versanden mich zum Nachdenken über viele gesellschaftliche Themen anzuregen.Bis zum Ende blieb die Handlung sehr spannend und informativ,Zu keiner Zeit wurde mir langweilig.
    Ich hatte viele unterhaltsame und lesenswerte Stunden mit dieser Lektüre und vergebe glatte 5 Sterne.

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    Rosebuds avatar
    Rosebudvor einem Tag
    Kurzmeinung: Gesellschaftskritisch und bitterböse
    Witzig und bitterböse


    Wie ich fälschte, log und Gutes tat, Jugendroman von Thomas Klupp, 256 Seiten, erschienen im Berlin-Verlag.

    Der Teufelskreis aus Lügen und Schwindeleien spitzt sich immer weiter zu. Und was macht Benedikt Jäger – er schwindelt immer weiter und rast unaufhaltsam auf den Abgrund zu.

    Eigentlich alles easy in Weiden, das neue Schuljahr hat gerade erst begonnen, die Tennisjugend hat das Landesfinale gewonnen, die Anti-Drogenkampagne boomt, die Lady-Lions geben Charity-Barbecues und die Oberschule ruft eine Leistungsinitiative in den MINT-Fächern aus. Benedikt Jäger, ein Sohn aus einer Vorzeigefamilie und seine Freunde Vince und Prechtl verstehen es hervorragend zu feiern und nichts zu leisten. Seine defizitären Schulleistungen manipuliert er vorbei an den vielbeschäftigten Eltern. Schwindel und Betrug hält ihn gefangen und so verstrickt er sich immer tiefer in sein Netz aus Lügen die immer weitere Lügen nach sich ziehen. Kann das gutgehen?

    Das Buch beschreibt die Zeitspanne der ersten Schulwochen bis zu den Weihnachtsferien. Eine Erzählung im personalen Stil aus der Sicht des Protagonisten Benedikt Jäger. Eingeteilt in 13 Kapitel die mit einem Datum überschrieben sind. Beginnend am 13. September bis zum Epilog am 23. Dezember. Verschiedene Schriftarten, Wörter in Großbuchstaben, Smileys beleben das Schriftbild. Die deftigen, ja bitterbösen Wortwechsel, Anglizismen, fremdsprachliche Wörter und Sätze sowie Ausdrücke in Jugendsprache, brachten Lesespaß und lockerten die Lektüre auf.  Der Autor beschreibt die Figuren und das Setting hervorragend, dadurch konnte ich mir die geschriebenen Szenen gut vorstellen. Die Handlung der Charaktere, sowie auch der Plot waren stets nachvollziehbar und plausibel. Die Spannung nimmt zum Ende hin richtig Fahrt auf und in einem Tag hatte ich das Buch gelesen.  Gesellschaftsbeobachtungen und menschliche Innenansichten  haben mir richtig Freude gemacht. Stets hatte ich ein Schmunzeln im Gesicht. Eigentlich mochte ich Beni richtig gerne, obwohl er es faustdick hinter den Ohren hat, seine Berichte über die ersten Erfahrungen mit Mädchen, über Schulereignisse, über die Feiern im Butterhof sind abwechslungsreich. Die Betrügereien, Unterschriftenfälschungen, seine Hackeraktivitäten und sonstige kriminellen Aktionen haben mich stellenweise entsetzt. Wobei er von seiner Mutter (…ein bisschen Biografie und Kinder aufhübschen) und auch seiner Großmutter nichts anderes erfahren hat. Selbst das Charity-Barbecue der Lions-Ladies, welches den Bau von Flüchtlingswohnungen unterstützen soll, findet zwischen Unterweltgrößen, Steuerhinterziehern und sonstigen Figuren der „besseren Gesellschaft“ statt, die selbst genug „Dreck am Stecken haben“.  Die gesellschaftskritischen Ansätze fand ich geradezu genial, gut gemacht. Bei der Lektüre hatte ich ein zunehmend ungutes Gefühl, wohin das ganze wohl hinführen wird, denn spätestens beim Abitur oder wenn Beni ein Schuljahr hätte wiederholen müssen, wäre der ganze Schwindel endgültig aufgeflogen und so ist das dramatische Ende unabwendbar. Gerne hätte ich gewusst, wie das Schuljahr, die Sache mit Margarete und Benedikts Leben weitergeht. Die Geschichte war für mich nicht ganz zu Ende erzählt. Von mir 4 Sterne und eine gerne gegebene Leseempfehlung.

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    BlueVelvets avatar
    BlueVelvetvor einem Tag
    Lügen haben kurze Beine - oder so ähnlich

              Im beschaulichen Weiden in der Oberpfalz, nahe der tschechischen Grenze lebt Benni Jäger. Seine Freunde Prechtl und Vince sind das neue Aushängeschild einer neuen Anti-Drogen Kampagne und dürfen ihre Plakate nun in der ganzen Stadt bewundern. Alle 3 verbindet ein großes Hobby: Tennis. Durch ihre guten sportlichen Leistungen sind sie in Weiden bekannt wie bunte Hunde - ganz zur Freude von Bennis Mutter.

    Diese beherrscht das Lügen und Scheinwelt erschaffen in Perfektion. Während Benni bei Besuchen des "Lady Lions Club" im Tennisdress "zufällig" auftauchen muss, inszeniert sie Telefonanrufe aus aller Welt um sich besonders weltoffen und beliebt wirken zu lassen. Ihr Sohn nimmt dies gelassen hin und spielt das Spiel mit, denn er hat selbst einiges auf dem Kasten bezüglich Lügen und inszenieren..


           

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    leseleas avatar
    leseleavor einem Tag
    Kurzmeinung: Rasante und witzige Geschichte über die Pubertät auf dem bayrischen Dorf. Kurzweilig, unterhaltsam, aber ohne Tiefgang.
    Lügen haben kurze Beine

    Beziehungsweise in Benjamin Jägers Fall: Tennisarme. Denn Benjamin und sein Team haben es nicht nur geschafft, die Landesmeisterschaft zu gewinnen, als vorbildliche Sportler lassen sie sich auch für die Plakate einer Antidrogenkampagne ablichten. Macht ja schon etwas her, wenn man in ganz Weiden plötzlich bekannt ist: Die Eltern sind stolz und die Mädchen interessiert. Es muss ja keiner so genau wissen, dass Benjamin am Wochenende gerne säuft und kifft (und manchmal auch mehr) und dass er abseits des Tennisplatzes alles andere als ein Champ ist. Wichtig für alle in Weiden ist: Der Schein muss gewahrt werden. Und so lügt Benjamin über seine Wochenendaktivitäten und fälscht Klassenarbeiten und Zeugnisse wie ein Weltmeister. Wäre da nicht Mathematiklehrer Sargnagel, der plötzlich die Daumenschrauben anlegt, und Direktorin Fürstenberg, die die Leistungsinitiative in den MINT-Fächern ausruft…

    Klingt abgedreht, leicht überzogen und voller Ironie? Dann herzlich willkommen in Thomas Klupp Roman Wie ich fälschte, log und Gutes tat. Denn all diese Attribute treffen perfekt auf diese Coming-of-Age-Geschichte zu, die mehr Jugendbuch ist als – wie ich ursprünglich dachte – bitterböse, dabei aber anspruchsvolle Geschichte über das Dorfleben. Klar wird hier die Mentalität einer bayrischen Kleinstadt, in der Zeit und Geld im Überfluss vorhanden sind, aufs Korn genommen und dabei mehr als einmal eine wahre Pointe über diesen Mikrokosmos erzählt. Doch eigentlich geht es vielmehr um Freundschaft, Partys, Schulprobleme und komplizierte Mädchen – kurzum: um die Pubertät, die jeder doch als die schlimmste Zeit des eigenen Lebens empfindet, obwohl alle Probleme sich in ihrer Banalität auf erschreckendste gleichen.

    Den Sound für diesen Lebensabschnitt trifft Thomas Klupp dabei ausgesprochen gut. Man findet viel Slang und Umgangssprache, schnelle Dialoge und eine gehörige Portion Witz. Sarkastische Bemerkungen fehlen ebenso wenig wie flache Jokes und bilden zusammen mit der Handlung, die sich von einer jugendlichen Alltagskrise zur nächsten schaukelt, die ideale kurzweilige Geschichte für Zwischendurch. Man kann bei der Lektüre von Wie ich fälschte, log und Gutes tat lachen, schmunzeln, den Kopf schütteln und sich mit rotem Kopf an eigene Jugendsünden erinnern. Nur ein Weg ist versperrt: die intellektuelle Analyse! Gesellschaftskritik? Vorgehaltener Spiegel? Abrechnung mit einem bestimmten Milieu? Kann man sich einreden, wenn man muss, macht die Story aber nicht besser, interessanter oder lustiger. Von daher rate ich: Sucht nicht nach der verborgenen Tiefe in der Geschichte, wartet nicht auf eine moralisch aufgeladene Botschaft. Schnappt euch einfach das Buch, macht euch einen schönen Tag damit und lasst euch von Benjamin in allerbester Weise mit Geschichte aus Weiden unterhalten – nicht mehr und nicht weniger! 4 Sterne für absolut gelungene Unterhaltung.

    Kommentare: 1
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    minnie133s avatar
    minnie133vor 2 Tagen
    Kurzmeinung: leider für mich nicht überzeugend
    leider für mich nicht überzeugend

    Leider konnte mich persönlich dieses Buch nicht so wirklich überzeugen. Ich bin auf der einen Seite mit dem Schreibstil nicht so ganz klar gekommen - für mich war flüssiges Lesen nicht wirklich möglich. Auf der anderen Seite wirken die Figuren für mich nicht so wirklich authentisch. 
    Vom Inhalt her finde ich es nett für Zwischendurch - inhaltlich konnte es mich zwar auch nicht begeistern, ich würde den Inhalt dennoch als okay/etwas unterhaltsam kategorisieren.

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    Esther1507vor 4 Tagen
    Fake in der Pfalz

    In der Provinz der Oberpfalz ist dieser Roman von Thomas Klupp angesiedelt, genauer in Weiden. Und genauso provinziell wie es klingt ist es auch. Obwohl Weiden wie ein Vorzeigekaff daher kommt, brodelt es unter der Oberfläche gewaltig. Lügen und Fassade sind bei allen Dorfbewohnern an der Tagesordnung. Mittendrin die Hauptfigur Benedict Jäger und seine Freunde. Sie stecken mitten in der Pubertät und interessieren sich weniger für die Schule als für Mädchen und Partys. Auch ihnen entfährt dafür die ein oder andere Schummelei.

    Thomas Klupp ist mit diesem Buch eine wahnwitzige Satire auf das bayrische Dorfleben gelungen, bei dem man beim Lesen laut auflachen muss und bei vielen Figuren an lebende Vorbilder denkt. Besonders die Mutter von Benedict hat es mir dabei angetan, nach vorne Charitylady, aber in Wahrheit eine nach Anerkennung strotzende Mutter. Sehr lesenswert!

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    Lesehoernchen99s avatar
    Lesehoernchen99vor 6 Tagen
    Anders als erwartet

              Weiden ist eine Vorzeigekleinstadt. Alles ist gut, die Damen der Gesellschaft machen viel für die Flüchtlinge, die Wirtschaft boomt. In der Schule ist auch alles topp, sollte man meinen.
    Benedikt Jäger und seine Freunde Vince und Prechtl feiern sehr ausgiebig und nicht nur mit legalen Mitteln ... 

    Ich muss zugeben, ich hatte irgendwie eine andere Vorstellung von dem Buch, aber im Grunde ist es ein unglaublich ernstes Thema, welches überall in wahren Leben die Gemüter erhitzt und keinen nachlässt, oder eher keinen nachlassen sollte.

    Ich hatte am Anfang allerdings so meine Probleme, in die Geschichte einzufinden. Aber dann hatte sie heitere Momente, sehr ernste und nachdenkliche. 
    Ein Buch wir aus dem Leben, die Jugendlichen sitzen zwischen den Stühlen, sie wissen oft nicht, wie sie sich richtig verhalten sollten, was von ihnen verlangt wird.

    Am Ende war es zwar kein unterhaltsamen Buch, sondern eher ein nachdenkliches. Also ganz anders als erwartet und ganz anders als die kurze Leseprobe die ich vorher las.
            

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    Langeweiles avatar
    Langeweilevor 7 Tagen
    Kurzmeinung: Satirisch bissig und unterhaltsam
    Ein Spiegelbild der Gesellschaft

    Benedikt Jäger wohnt mit seinen Eltern in Weiden, einer kleinen Stadt nahe der tschechischen Grenze.
    Sein Vater ist Chefarzt an der örtlichen Klinik, seine Mutter engagiert sich bei verschiedenen Charity Veranstaltungen ,seine Schwestern studieren in Amerika.
    Von Benedikt wird erwartet, dass er fleißig ist und gute Noten bringt, wie er dazu kommt, dafür interessiert sich in seiner Familie keiner. Zusammen mit seinen Freunden Vince und Prechtl verbringt er seine Tage und auch Nächte lieber auf Partys, anstatt sich dem Schulstoff zu stellen, die verschiedenen Drogen spielen natürlich auch eine Rolle.
    Um nach außen hin ein gutes Bild abzugeben, fälscht er auf immer geschicktere Weise, Zeugnisse, Arbeiten und Bescheinigungen.
    Wie lange wird das gutgehen?

    Der Autor hält auf eine sehr detailgenaue und bissige Weise der Gesellschaft den Spiegel vor.
    Das Streben nach Anerkennung und Reichtum, dass nur oberflächliche Interesse an den Mitmenschen,der Leistungsdruck der Schüler wird aufgezeigt.
    Trotz des interessanten Themas konnte ich mich mit der Geschichte und den Protagonisten nicht wirklich anfreunden.
      Es blieb immer eine gewisse Distanz, außerdem war mir der Schreibstil auf die Dauer zu anstrengend.
    Von mir deshalb nur drei Sterne.

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    Hexxes avatar
    Hexxevor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Rasanter Jugendroman, den man sich nicht zum Vorbild nehmen sollte.
    Rasanter Jugendroman

    Rasanter Jugendroman, den man sich nicht als Vorbild nehmen sollte...
    Der noch minderjährige Benjamin Jäger versucht durch die Schulzeit zu kommen, ohne groß anzuecken. Das ist schwer genug, schließlich muss man mit Freunden, Eltern, Tennistrainer, Dealern und Lehrern zurechtkommen. Das gelingt in den Augen von Benjamin am besten, in dem er sich an den Titel des Buches hält: "Wie ich fälschte, log und Guts tat". Und das kostet! Nerven, Zeit und eine Stange Geld.

    Thomas Klupp schreibt geradezu poetisch aus der Sicht des Benjamin einen Roman, bei dem man sich selbst wieder jung fühlt und das Leben als Jugendlicher in der heutigen Zeit samt den Vor- und Nachteilen, Möglichkeiten und Methoden der unlauteren Mittel...

    Überzeugt hat mich die Beschreibung der Ballonfahrt am ersten Schultag. Die Szene gehört auf alle Fälle zitiert, doch ich müsste Seiten über Seiten abschreiben und ich könnte mich nicht entscheiden, wann das Zitat wirklich anfängt (bei Kapitel eins?) und wo es endet.... (spätestens am Ende des Buches... ;) ).
           

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Piper_Verlags avatar

    Wer einmal lügt…

    Was tun, wenn einen der Teufelskreis aus Lügen gefangen hält und nur der nächste Schwindel rettet? Ganz klar: weitermachen! Den neuen Klupp zu lesen ist, wie ungebremst auf einen Abgrund zuzurasen - und sich darauf zu freuen.

    Über das Buch

    Weiden ist eine Vorzeigekleinstadt: Die Wirtschaft brummt, von den Lady-Lions gibt es Charity-Barbecues für Flüchtlinge, die Tennisjugend gewinnt das Landesfinale, und mit dem neuen Schuljahr prangt von jeder Wand ein Antidrogenplakat der Champions mit dem Slogan: »Geh ans Limit! Ohne Speed!«. Benedikt Jäger und seine Kumpels Vince und Prechtl sind nicht nur mittendrauf zu sehen, sie stecken auch mittendrin in dieser schönen Welt, die alle Abgründe vertuscht … 

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    Auf eure Antworten sind wir sehr gespannt!

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    Wer einmal lügt …

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    Herbstroses avatar
    Herbstrosevor 2 Monaten
    Ich freue mich auf das Buch, das ich beim Piper-Verlag gewonnen habe.
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