Thomas Kraft Keine Lust auf Untergang

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Inhaltsangabe zu „Keine Lust auf Untergang“ von Thomas Kraft

Gegen die allgemeine Verblödung: Autoren gehen in die Offensive<br><br>Mit ihrer Streitschrift weisen sie auf den zunehmenden Kultur- und Sinnverlust unserer Gesellschaft hin, die im Zustand permanenter Reizüberflutung und Kommerzialisierung ihre Sprache und ihre Ideen verliert. Es geht um nicht weniger als um das, was wir sind und was wir sein werden. Es herrscht Kultur-Notstand: Es muss doch möglich sein, die Kultur zu retten und die Verblödung der Republik aufzuhalten! Bildungs- und Kulturpolitik müssen sich bewusst werden, wie wichtig es für die Bewahrung der Demokratie ist, nachhaltig auch für kommende Generationen kulturelles Erbe und Niveau zu bewahren.<br>Autoren über die Veränderungen der Literaturlandschaft: mit Essays u.a. von Tanja Dückers, Gert Heidenreich, Sylvia Kabus, Steffen Kopetzky, Dagmar Leupold, Burkhard Spinnen, Arwed Vogel, Feridun Zaimoglu und Juli Zeh

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    Keine Lust auf Untergang
    hproentgen

    hproentgen

    05. June 2011 um 11:55

    „Kritik an der kulturellen Öffentlichkeit tut sich heute schwer in Deutschland. Nicht dass sie nicht geäußert wird. Über Einzelphänomene wie die Eventisierung und Ökono-Die Begeisterung für früher unvorstellbare Verkaufserfolge bei einzelnen Werken, das Lob einer unüberschaubaren kulturellen Vielfalt verführt offenbar dazu, jeder Selbstkritik aus dem Weg zu gehen. Überhaupt scheinen Zeitkritik, Gesellschaftskritik, System- und Kulturkritik Empfindlichkeiten zu berühren.“ Thomas Kraft und Norbert Niemann habe einundzwanzig deutsche Schriftsteller versammelt, über den Stand der Kultur zu schreiben. Permanente Reizüberflutung, Kommerzialisierung sowohl der Sprache und der Ideen; ein Feuilleton, das schon lange keine Diskussionen mehr führt und erst recht sich nicht mit den Büchern auseinandersetzt, das es bespricht, sind die Themen. Um es vorwegzunehmen: Obwohl der Band einige herausragende Artikel enthält, sind die Hälfte der Artikel leider ein Beispiel für Trivialisierung, wiederholen gebetsmühlenartig das, was man schon hundert-, ja tausendmal gelesen hat, warten mit Klischees auf und ich frage mich: In welcher Welt leben diese Autoren eigentlich? Fangen wir mit den wirklich guten Artikeln an. Richard Wagner schreibt über Meinungsfreiheit und Selbstzensur in der Demokratie. „Deutschland ist eines der prosperierenden, friedfertigen Länder der Welt, aber die Bilder, die von diesem Deutschland in Umlauf sind, nimmt der deutsche Demokrat stets mit Sorge zur Kenntnis. Er lebt in der ständigen Angst, dass ihm die Demokratie entgleiten könnte.“ So entwickelt sich eine Kultur der Vorsicht, nur nicht anecken, nicht gegen Sprachregelungen verstoßen. Die Angst, den Job einzubüßen, macht die Menschen offenbar vorsichtiger, als die Aussicht auf Knastjahre und führt dazu, die Standards einzuhalten. Der Autor weiß, wovon er spricht, er hat die Diktatur Ceaucescus überlebt. Umso mehr fällt ihm die Selbstbeschränkung in der deutschen Demokratie auf. Warum wird die Frage nach dem „Warum?“ immer mehr vom „Wozu?“ ersetzt, fragt Juli Zeh und beobachtet, dass schon kleinen Kindern eine stromlinienförmige Lebensplanung vorgegeben wird, die ihren Erfolg sichern soll. Jedenfalls glauben das die Eltern. Möglichst alle Regeln befolgen, normgerecht aufwachsen soll der Nachwuchs. Die Journalisten sind die einzige Berufsgruppe, die keiner öffentlichen Kritik, keiner Evaluation unterliegen, schreibt Eva Manesse. Kein Wunder, dass Zeitungen sich so gerne der immer gleichen Klischees bedienen. Früher, da waren Autoren noch engagiert, Grass und Böll, aber natürlich ist das nicht zeitgemäß; heute kreisen die Jungen nur noch um sich selbst, wer hätte diesen immergleichen Sermon nicht schon hundertmal gelesen, mit den immergleichen Worten geschrieben, nur die Unterschrift, der Name des Journalisten, der den Artikel verfasst hat, ändert sich. Und sie berichtet von ihren Erfahrungen, als sie tat, was ein Autor (angeblich) gar nie tun soll: Auf Rezensionen der eigenen Bücher zu antworten. Mutig in der Welt der Literatur, in der solche Regelverstöße schnell zum lebenslangen Platzverweis führen. Hauptschüler brauchen keine Literatur, das sagten Mirjiam Günther die Kulturbürokraten so oft und leider auch viele Literaten. In ihrem lesenswerten Beitrag schildert sie, wie eine Kluft zementiert wird zwischen „Gebildeten“ und „Ungebildeten“, letztere kennt man nicht, weiß aber alles über sie. Einen eindrücklichen Abriss der Literaturkritik liefert Thomas Kraft und schafft es, auf wenigen Seiten den Leser durch deren Geschichte zu führen, von Lessing über die Gruppe 47 bis hin zum heutigen Feuilleton. Das kennzeichnet ein seltsamer Paradigmenwechsel, noch vor wenigen Jahren wurde jedem, der etwas erzählte, das nach einer Geschichte aussah oder gar Spannungsbogen hatte, Adorno um die Ohren gehauen. Heute ersetzt man die Kritik durch Boulevard. Und damit kommen wir zum weniger positiven Teil dieses Bändchen. Rund die Hälfte der Beiträge schreiben das immer gleiche, man muss nur den ersten Absatz lesen, dann kennt man den ganzen Artikel. Kurz zusammengefasst: Die Literatur geht vor die Hunde, weil der Kommerz in den Verlagen Einzug gehalten hat, es wird nicht mehr über Qualität oder Inhalt geredet, nur noch über Verkaufszahlen. Das Feuilleton prägt nicht mehr die öffentliche Kultur, bemüht sich nicht mehr richtungsweisend zu sein, die Leser richten sich nicht mehr nach den Großkritikern, die es leider nicht mehr gibt und lesen überhaupt nicht mehr, weil das in unserer schnelllebigen Zeit zu mühsam ist. Ist das unfair, über 100 Seiten so zusammenzufassen? Ist es, aber leider nötig. Denn tatsächlich käuen viele Beiträgen einfach nur die gängigen Klischees über den Kulturverfall wieder, das hat man schon tausendmal so oder ähnlich gelesen, diese Meinung ist absolut politisch korrekt und selbst die Controller der Verlage klatschen da Beifall. Um anschließend wieder zu ihren Tabellenkalkulationen zurückzukehren, um die Verlage auf profitablen Kurs zu trimmen (oder dem, was sie dafür halten). Eben weil es so allgemein anerkannt ist, sind derartig gleichförmige Artikel so ärgerlich. Denn es ist ja tatsächlich so, dass viele Verlage nur noch das immer gleiche verlegen, die immer origineller zerlegten Serienmörderleichen im Krimi, die Vampir- und sonstigen unmenschlichen Küsse, die immergleichen starken Frauen im Mittelalter, ach, ich höre hier lieber auf, jeder, der liest, kann die Liste für sich fortführen. Kommt dann mal einer, der Mut hat und mit etwas neuem auch einen kommerziellen Erfolg landen, dann rennen sie alle hinterher, dann gilt das, was sie gestern noch als Dogma verkündet haben, heute doch nicht mehr. Nur Mittelalter verkauft sich, verkündeten sie gestern noch, dann kam jemand, die eine deutsche Auswanderergeschiche nach Südamerika zum Erfolg machte (und von der fast alle Marketingfachleute sagten: Das verkauft sich nicht) und schon rennen sie hinterher. Womit ich bei einem Kritikpunkt der so gleichförmigen Beiträge dieses Sammelbandes bin. Ja, Verlagsprogramme werden immer stromlinienförmiger, das ist nicht nur im literarischen Bereich so, das gilt für die gesamte Belletristik. Und ebenfalls gilt, dass Autoren, die jahrelang ihr Auskommen hatten, heute plötzlich vor dem Aus stehen. Die Midlist bricht weg. Doch das wird in den Beiträgen gar nicht wahrgenommen, wer Unterhaltung schreibt, ist sowieso „Pfui!“ nach Meinung vieler Beiträge und wo kämen wir hin, wenn wir auch mal über den Tellerrand schauen müssten. Nein, das wäre wirklich zuviel verlangt. Das setzt sich in den beredten Klagen über den Bedeutungsverlust des Feuilletons fort, das früher als weißer Ritter die arme und hilflose Maid Literatur vor den bösen Drachen des Trashs gerettet habe und nun sind wir hilflos der Trivialisierung ausgeliefert. Dabei war das Feuilleton nie der weiße Ritter, die Autorinnen und Autoren, die das vertreten, sollten vielleicht mal die Beiträge von Thomas Kraft und Eva Menasse lesen. Der Bildungsbürger, der sich an die Empfehlungen des Feuilletons hielt, verschwindet, folgt obiger Klage auf dem Fuße, nicht ohne missbilligend anzumerken, wie schlimm das sei, dass es im Feuilleton keine Instanz mehr gebe, die vorschreibe, was man zu lesen habe und was nicht. Manch ein Autor erweckt hier den Eindruck, dass er eine Gesellschaft anstrebt, in der ein Kulturrat aus dem Feuilleton festlegt, welche Bücher gelesen werden sollte. Ehrlich gesagt, verglichen mit solchen Meinungen fände ich die Trivialisierung dann doch die bessere Lösung. Und was ist mit dem Internet? Denn dort nehmen sich immer mehr Menschen die Zeit, nicht nur Bücher zu Ende zu lesen, sondern sich Gedanken über sie zu machen und diese sogar niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Egal, wie dilettantisch oder schlecht das ist, eigentlich sollte das doch die Autoren freuen. Beklagen sie nicht, dass niemand mehr Bücher liest oder sich gar die Zeit nehme, darüber nachzudenken? Doch nein, Internet kommt in den meisten Beiträgen (Ausnahme: Arved Vogel) gar nicht vor. Außer Amazon Rezensionen und die, das ahnt man schon, sind den Literaten ein Gräuel. Gedanken sollte der unbedarfte Leser sich nicht machen, dazu fehlt ihm jede Qualifikation, er sollte die Gedanken einer Literaturkritik denken, die ihm die Richtung vorgibt. Man muss das Internet und die zahlreichen Buch- und Literaturforen nicht gut finden, aber wahrnehmen sollte man sie wenigstens. Auch hier wecken viele Beiträge den Eindruck: Literaten leben auf einem anderen Stern, in einer anderen Wirklichkeit. Dann darf man sich aber nicht beklagen, dass niemand ihre Kritik ernst nimmt. Wer die gesellschaftliche Realität kritisieren will, was die Beiträge dieses Bandes ja fordern, muss sie vor allem erst mal kennen. Überhaupt die Argumente. Die sind in der Hälfte der Beiträge leider Mangelware. Die Leser lesen keine dicken Bücher mehr? Stimmt das denn überhaupt? Ja, Verlage haben das vor Harry Potter behauptet, der ihnen das Gegenteil bewies. Na gut, Harry Potter ist Unterhaltung und deshalb schlecht, aber dennoch würde mich interessieren, womit diese Behauptung begründet wird. Doch das ist wohl zu anstrengend, jedenfalls finde ich als einzige Begründung: In einer schnelllebigen Zeit nimmt sich niemand die Zeit für langes Lesen. Aha! In einer schnelllebigen Zeit nehmen sich offenbar auch viele nicht mehr die Mühe, ihre schrillen Behauptungen zu begründen, möchte ich da hinzufügen. Einer der Autoren beklagt wortreich, wie schlimm es sei, dass er auf der Liste der zwanzig besten Bücher des Jahres gelandet sei. Hallo? Unzählige Autoren würden stolz darauf sein, da sucht offenbar ein Depressiver verzweifelt nach Gründen, traurig zu sein. Die Liste ließe beliebig verlängern, so ziemlich alles, was sich an Klischee über den Kulturverfall von Bildzeitung bis Spiegel findet, kann man auch hier in vielen Beiträgen lesen und begründet wird es meist nicht. Wozu auch? Die Frage „Warum?“ ist nicht cool, da hat Juli Zeh ganz recht. Ich weiß, meine Rezension ist unfair, über die Maßen. Wollen wir nicht alle mehr Kultur, mehr Literatur, von den Politikern über die Lehrer bis hin zu den Lesern? Warum dann die kritisieren, die sich die Mühe machten, darüber ein Buch zu schreiben? Weil dieses Buch - mit einigen oben genannten Ausnahmen - eben diesen beliebte Partytalk vom Untergang des Abendlandes reproduziert, ohne irgendwelche eigenen Gedanken hinzufügt. Im Gegenteil, den Eindruck verstärkt; dass Literaten eben in einer anderen Welt leben, von autoritätsgläubigen Lesern träumen, die nur lesen, was von offizieller Seite als lesenswert abgestempelt wurde; dass Literaten eigentlich gar nichts vom realen Leben wissen, vom Internet gleich gar nicht; dass man sie beklatschen sollte (wir legen Wert auf Kultur!), aber nicht auf sie hören darf. Leseprobe: http://www.amazon.de/Keine-Lust-auf-Untergang-Kulturpolitik/dp/378443245X/ref=pdrhfp_t2#reader378443245X Keine Lust auf Untergang – Gegen die Trivialisierung der Gesellschaft, , Thomas Kraft / Norbert Niemann (Hrg), LangenMüller, 2010 ISBN-13: 978-3784432458, gebunden, 190 Seiten, Euro 12.99

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