Thomas Kunst Strandkörbe ohne Venedig

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(1)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Strandkörbe ohne Venedig“ von Thomas Kunst

Die Welt des Bengt Claasen ist einfach und überschaubar. Er wohnt in Levenhaug, einer kleinen Gemeinde an der norddeutschen Küste und arbeitet als Außenlektor für einen mittleren Belletristikverlag. Durch eine strenge Einteilung seines Tagesablaufes denkt er, den Süchten des Trinkens und Telefonierens jederzeit entrinnen zu können. An den Wochenenden beobachtet er Lisa Botabi am Strand, die Enkelin seiner Nachbarin. Er ist fasziniert von ihrer französisch anmutenden Schönheit. Innerhalb der Woche betrinkt sich Claasen konsequent ab neunzehn Uhr, wählt x-beliebige Telefonnummern, solange, bis er am anderen Ende Frauenstimmen vernehmen kann und hält den Hörer dann tief in sein Zimmer hinein, dahin, wo seine Musik läuft, die immerwährende Hitparade seiner ewigen Lieblingstitel. Aber er ist gar nicht so sehr an den Reaktionen der Frauen interessiert, sondern eher an der Ausdehnung seines großen, norddeutschen Selbstgespräches. Bengt Claasen gerät zunehmend in die Abhängigkeit seiner Illusionen, die ihm wichtiger und vertrauter werden als jegliche Realität. Eines Tages schickt ihm sein Verleger Gedichte von Yda Scholbing. Schon nach ein paar gelesenen Zeilen weiß Claasen, dass er ihrem poetischen Sprechen hoffnungslos erlegen ist. Die Qualität und völlige Eigenständigkeit dieser Gedichte schockieren ihn und machen ihn sprachlos. Er schreibt ein vernichtendes Gutachten und erkennt erst jetzt, dass seine Zeit in Levenhaug schon lange abgelaufen ist. Wie hatte er sich hier solange über Wasser halten können? Der Soundtrack zum Buch wurde von den Musikprojekten "Mitleid in Toronto" (Thomas Kunst) und "Loggia" (Fabian Schütze und Thomas Kunst) selbst eingespielt.

Stöbern in Romane

Vintage

Rasanter Rockroman, mit vielen Fakten rund um den Mythos Gitarre. Eine unterhaltsame Lektüre!

liesdochmaleinbuch

Das saphirblaue Zimmer

meine hohen Erwartungen wurden leider vollends enttäuscht - gute Idee, die leider nicht richtig umgesetzt wurde

Gudrun67

Phantome

Mich hat das Buch auf jeden Fall berührt, es wirkt nach, vor allem wegen der Teile des Bosnienkriegs.

readinganna

Sonntags fehlst du am meisten

Tragische Geschichte, die zeigt wie sich durch äußere Umstände ein Leben entwickeln kann.

dartmaus

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Eine berührende Geschichte!

Fluffypuffy95

Sieben Nächte

Für mich persönlich etwas zu überbewertet. Statt vieler komplizierter Worte und Gedankengänge wären Taten interessanter gewesen.

Cailess

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Kinnlanges, durstblondes Haar bei Stubenschnapsbeleuchtung

    Strandkörbe ohne Venedig
    Maldoror

    Maldoror

    30. July 2015 um 22:16

    Thomas Kunst gehört zu der Generation deutschen Lyriker, die Mitte der Achtziger ihren ganz individuellen neuen und modernen Stil fanden und diesen bis heute immer mehr perfektionierten und sich allen zeitgeistverseuchten Modeentwicklungen und Trends widersetzen. Leider ist ihm ein angemessene Würdigung im Literaturbetrieb Deutschlands nie vergönnt gewesen und die Feuilletons der wichtigen Deutschen Presseorgane schaffen es seit Jahren das Schaffen des Autoren zu ignorieren. Dabei gehört Kunst durch seine intensive Erzählweise und wunderbareren Wortschöpfungen, seinem prägnanten, außergewöhnlichen Sinn für Rhythmik und Melodie in seiner Syntax, zu einem Erzähler, der egal ob Lyrik oder kleine Prosastücke, unglaublich gute Literatur fabriziert und die vor allem authentisch fühlbar ist. Sein besonderes Gespür für das Platzieren einzelner Worte , deren Klang und Wirkung, sowie seine detailverliebte Sprache, die sich wie auch in seiner Lyrik, manchmal määnderartig über mehre Strophen (hier Seiten) in scheinbar endlos aneinandergereihten Nebensätzen, Wortgruppen oder bloßer Akkumulation von Begriffen, erstreckt, erzeugt eine ganz besondere ästhetische Atmosphäre. Diese ist meines Empfindens (meist) frei von zu großer Sentimentalität, ausufernder Selbstdarstellung zum Selbstzweck (um der Kunst-Willen :)), oder gewöhnlichen Bildern von schon zu häufig beschriebenen Stereotypen und Klischees. Möge dem seit 2007 auch immerhin Deutschen P.E.N. Mitlgied in Zukunft ein bisschen Anerkennung und Erfolg abseits seiner langjährigen Bibliotheksassistententätigkeit in der Deutschen Bücherei beschieden sein. Zum literarischen Werk selbst: Der Protagonist Bengt Claasen hat sich von der Gesellschaft weitgehend isoliert, sowohl räumlich als auch in gewisser Weise geistig. Seine Welt in der gottverlassenen Küsteneinöde Levenhaug in tiefster norddeutschen Provinz ist einfach und strukturiert. Hier arbeitet Claasen als Lektor für einen Verlag und ist spezialisiert auf, wie er selbst sagt, belanglose Literatur die in Deutschland nie eine Bewandnis haben wird. Er und seine Freundin Silje haben sich immer mehr von einander entfernt und wohnen nicht mehr zusammen. In seinem Miethaus an der Küste im kleinen Dorft pflegt Bengt behaarlich seinen geordneten Lebensstil. Aufstehen so gegen 10 Uhr und das bearbeiten unbekannter fremder Manuskripte für seine Lektorentätigkeit bis 17 Uhr. Das Kaff hat nicht viel zu bieten. Übrigens lebt der Text auch von seinen vielen wiederholenden Textpassagen, die super zur Stimmung und Stil der Geschichte passen. Zum festen Ritual gehört für Claasen, sich ab 19 Uhr konsequent zu betrinken, (vornehmlich Weißwein, Gin und Martini), solange bis nichts mehr reingeht, sich dann so richtig Schniecke (Schick) zu machen, und dann wahllos unbekannte Nummern aus dem Telefonbuch zu wählen, in der Hoffnung unbekannte Frauen seine Lieblingslieder, deren Reihenfolge er oft wechselt, von Platte vorzuspielen und den Zuhörern(-innen) ((gehen zuerst Männder ans Telefon, so legt Claasen niemals gleich auf)) an seiner jeweiligen Lieblingsstelle des Musikstückes ins Telefon den immer gleich Satz zu säuseln“ Gleich kommt die schöne Stelle“. Mag Claasen als Charakter manchmal (oder überhaupt) auch noch so eigenartig, sentimental, skurril und hoffnungslos abgehalftert erscheinen, so muss man ihm seine Beobachtungsgabe und Suggestionskraft hoch anrechnen. Ich persönlich fand die Angewohnheit, stark benebelt intensiv Musik zu hören auch gar nicht so sehr befremdlich, denn tönte nicht schon einst Thees Uhlmann nichts ist so schön auf der welt wie betrunken traurige musik zu hören ? Ist definitiv keine abwegige Behauptung in meinen Augen! Claasen ist ein akribischer Beobachter seiner Umwelt mit dem Hang zur exzentrischen Versessenheit (evtl. Voyeur, das sei mal so dahin gestellt): so beobachtet er mit dem Fernglas die anziehende Lisa Botabi (mit dem kinnlangen, durstblonden Haar) im Haus ihrer Großmutter, wenn diese zum Wochenende zu Besuch in Levenhaug. Er sammelt ihre Fingernägel (wenn er es schafft diese am Strand zwischen all der anderen Materie noch aufzufinden) in einem Konfitüreglas. Ja, absurde Ideen, eine groteske Komik und lustige Begebenheiten sind weiterhin große Stärken des Textes. Gerade die nur so von Details und Liebe strotzenden Szenen wie Bengts Verhalten im Kino, der außufernden Mittagspause in seiner Römer Zeit und seinem Sieg im Duell um Haltung-und-Würde bei einem Toilettenbesuch gegen einen unbekannten Kontrahenten, sind fabelhaft erzählt. Claasen's Suche nach beständiger Liebe wird tragisch enden, denn das plötzliche Auftauchen von guter, poetischer Lyrik von Yda Scholbing und die Begeisterung Bengts wird keinen andauernden Bestand haben. Insgesamt ein wunderbares Stück Literatur, rhythmisch, unorthodox, ein echtes Stück Kunst.

    Mehr