Desinformation ist wie ein Epidemie für unsere Demokratie und daher bin ich schon seit den Anfangstagen ein Fan von dem Projekt Volksverpetzer. Gründer Thomas Laschyk hat nun wichtige Aspekte in das Buch „Werbung für die Wahrheit“ gepackt. Hier legt er nicht nur einen Analyse vor, was Desinformation begünstigt, er schreibt auch leicht zugänglich und mit viel Humor und gibt Anregungen, wie wir alle dem Problem begegnen können.
Hier habe ich vor allem die ungekürzte Lesung von Loris Kubeng, der den Großteil des Buches liest, und dem Autor (Vor- und Nachwort). Die Lesung gefiel mir sehr gut, weil sie den leichten Ton des Buchs trotz des düsteren Themas klasse transportiert und ich dem Sachbuch auch bei Zitaten gut folgen konnte. Beim Buch gefiel mir die klare Grafik sehr gut, die Zitate angenehm absetzt.
Klar benennt er, wie einige Strukturen in Social Media und klassischen Medien die Verbreitung von Desinformation begünstigen. Algorithmen, Gewinninteressen und die Eigentumsstrukturen beeinflussen, was wir in unseren Newsfeeds sehen. Manches beruht auch auf psychologischen Mechanismen, auf die Laschyk ebenfalls eingeht. Und dann ist da das alte Problem, dass es viel einfacher und schneller geht Fake News in die Welt zu setzen, als sie aufwendig zu widerlegen. Da berichtet Laschyk auch von seinen eigenen Erfahrungen mit dem sogenannten "Debunking". Aber auch da werden klassische Medien oft unfreiwillig zu Kolporteuren von Desinformation, wenn sie z.B. die Fake News in die Überschrift nehmen und dann auch im Faktencheck mehr über das falsche Narrativ berichten, als über die Wahrheit.
„Ja, ich gebe zu, dieses Buch ist auch ein langer Erklärungsversuch, warum hinter den emotionalen und reißerischen Überschriften von Volksverpetzer mehr steckt, als vielleicht viele denken.“
Neben dieser selbstironischen Feststellung gibt das Buch darauf aufbauende praktische Tipps, wie wir selbst Desinformation entgegen treten – indem wir z.B. eben nicht schädliche Narrative verbreiten, wenn wir uns über Aussagen von Politiker*innen oder andern Akteur*innen aufregen. Das Fakten-Sandwich ist eine weitere wichtige Technik.
„Um Desinformation effektiv zu kontern, sollte das Erste und das Letzte, was du sagst, die Wahrheit sein.“
Mit dem Thema Desinformation und Populismus beschäftige ich mich jetzt schon eine ganze Zeit. Stellenweise habe ich daher im Buch nicht allzu viel Neues erfahren und einige Fallbeispiele kannte ich auch schon. An manchen Stellen eignet sich das Buch daher eher für Einsteigende ins Thema, bietet aber auch Erfahreneren wichtige Impulse. Dazu schätze ich, wie Laschyk betont, dass das Hereinfallen auf Desinformation nichts mit Intelligenz und Bildung zu tun hat. Richtig gelungen ist, wie Laschyk gerade in Bezug auf den Axel Springer Konzern (BILD, Welt, etc.) herausarbeitet, wie stark sich dessen Medien am Zirkus falschen Narrative beteiligen, wie Laschyk u.a. am Beispiel der GEG (Gebäude-Energie-Gesetz) zeigt, was Springer Medien als "Habecks Heizhammer" und ähnliches verunglimpften. Für den einzelnen gibt es zwar konkrete Ansätze, um mehr Werbung für die Wahrheit zu machen, aber der Teil hätte für mich noch länger sein können.
Ich vergebe trotzdem 4,5 von 5 Sternen und runde auf. Denn ich glaube, wir müssen alle Werbung für die Wahrheit machen – und dazu gehört auch Werbung für wichtige Bücher zu diesem Thema.




