Thomas Mahler In der Schlange

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Inhaltsangabe zu „In der Schlange“ von Thomas Mahler

Aufrichtig erzählt Thomas Mahler von sinnfreien Bewerbungstrainings, freundlichen Sachbearbeitern, langen Schlangen und dem leisen Irrsinn hinter bürokratischen Kulissen In Zeiten sinkender Geburtenraten und drohenden Fachkräftemangels müsste doch auch ein junger Philosph wie Thomas Mahler einen Job finden. Doch das wahre Leben ist anders. Das wahre Leben heißt Hartz IV. Nach dem Studium muss sich der frisch gebackene Akademiker arbeitslos melden: Der Beginn eines unfreiwilligen Selbstversuches.

Ermüdend langweiliger pseudo-philosophischer Hartz IV-Bericht eines Akademikers, der sich jeglicher Klischees bedient

— Anchesenamun

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  • Rezension zu "In der Schlange" von Thomas Mahler

    In der Schlange

    sabisteb

    Ignoranter Akademiker in der sozialen Hängematte Thomas Mahler ist mit seinem Philosophiestudium fertig und muss, wie viele andere Akademiker, die sogar was Vernünftiges gelernt haben, feststellen, dass Studium oder Stipendium leider nicht zum Bezug von ALG I berechtigen, man aber alle Vergünstigungen verliert. Nachdem das Jobben im Gastronomiebereich einfach nichts einbringt, ihn nervt und einfach zu anstrengend ist und er letztendlich davon doch nicht leben kann, beantragt er halt Hartz IV, das ist weniger anstrengend als hinter der Theke zu stehen, wo man doch einen Studienabschluss in der Tasche hat und diese Jobs nun wirklich unter seinem geistigen Niveau sind. Da er ohnehin so gar nicht weiß, was er mit seinem Studium anfangen kann oder will, entspannt er sich, und macht nichts. Er schreibt nicht einmal Bewerbungen. Wenn das Amt ihm eine Maßnahme verordnet, macht er es halt, ansonsten jobbt er ein wenig Schwarz und lässt sich von der Familie mit zugestecktem Geld aushelfen. Thomas Mahler bestätigt leider in seinem Buch alle Vorurteile gegen Hartz IV Empfänger, und das ist traurig, denn die Realität sieht leider ganz anders aus. Die meisten Akademiker geraten erst mal in Hartz IV, weil sie entweder über Stipendium bezahlt wurden oder nur eine halbe Stelle hatten und mit ALG I unter der Grundsicherung wären. Ganz abgesehen davon, dass sehr viele gut ausgebildete Menschen mit jahrelanger Arbeitserfahrung ganz schnell ebenfalls in dieser Situation sind und alles verlieren, was sie für die Alterssicherung angespart hatten. Der Autor hatte nicht zu verlieren, frisch von der Uni konnte er von diesem System tatsächlich nur profitieren. Nicht nur das, dieses Buch ist eine unsägliche, schwadronierende Nabelschau eines arroganten Studierten ohne Lebenserfahrung und ohne Freundin, der sich für was Besseres hält, weil er Philosophie studiert und tatsächlich abgeschlossen hat und auf alle hinunterblickt, die seinem angeblichen hohen Intellekt nicht das Wasser reichen können. Er schaut auf die anderen Menschen in der Schlange vor dem Arbeitsamt hinab und will einer jungen Mutter in Gedanken eine „maximal bildungsoptimistische Leseliste“ mitgeben (S. 26), die sie dann abarbeiten kann, wenn das Kind schläft. Er erkennt Dummheit angeblich schon im Gesicht. Oder er nennt eine Kollegen, die mit ihm für eine Zeitarbeitsfirma arbeitet „Brot“. Hier scheint ihm vielleicht ein wenig bewusst zu werden, dass er das eigentliche Problem ist „Ich bin nicht sicher, ob ich mich für etwas Besseres halte. Ich merke jedoch: das Problem taucht überhaupt erst auf, wenn man mit echten Hauptschülern zusammentrifft. Es gibt vielleicht nicht nur die Arroganz der Bildung, sondern ebenso eine Arroganz der Dummheit (S. 223).“ Oder, kaum dass er einen Vertrag in der Tasche hat „Ihr Gesicht war völlig das einer Idiotin. Ist das jetzt arrogant, so was zu denken? Oder ist eher Tanja arrogant, wenn sie erwartet, dass ich mich auf ihr Geschwindigkeitsniveau herablasse?“ (S. 235). Willkommen im wahren Leben, da haben die wenigsten studiert und ja, es gibt eine Arroganz der Dummheit, denn es gibt unglaublich viele dumme, studierte Menschen. „Macht Sinn“ ist übrigens Denglisch und grammatikalisch nicht korrekt (S. 231). Er hält sich ja für so supercool, er hat studiert, er ist was Besseres, aber zu doof herauszufinden, was er will. Er ist der Meinung seine Sachbearbeiterin habe sich aus Faulheit für diesen sicheren Job entschieden und wisse eh nicht, wie es ihm tatsächlich ginge (S. 82), dabei sind viele der Sachbearbeiter ehemalige Hartz IV Bezieher, die befristet für 1-2 Jahre mal auf der anderen Seite sitzen, Recherche hätte diesem Jungautor gut zu Gesichte gestanden. Die tatsächlichen Probleme des Systems hat er wohl erkannt, teilweise klingen sie in Nebensätzen an, dass nämlich mit ihnen Kasse gemacht wird, dann Maßnahmen Geld generieren bei den Anbietern suspekter Schulungen und 1 Euro Job Anbietern und dazu dienen, Betroffene aus der Statistik zu entfernen. Von jemandem, der selbst in dieses System hineingeraten ist, hätte ich mehr Solidarität erwartet. Aber nachdem der Autor mir mit über 200 Seiten selbstmitleidiger Nabelschau und Ignoranz auf die Nerven gefallen ist, verspielt er gegen Schluss noch jeglichen Funken von Sympathie. Kaum ist er dem System entronnen, vergisst er, wie es war, sich zu schämen. Nun ist er oben auf, und bohrt andere genau mit den Fragen, demütigt sie und quält sie mit den Fragen, die ihm selber so peinlich waren: „Ich habe mich plötzlich darauf gefreut, andere Menschen danach zu fragen, was sie denn eigentlich so machen, und nach mal nachgebohrt, wenn sie in s Stottern gerieten. Ich habe die Unsicherheit in ihren Augen genossen und mein Verständnis für ihre durchaus schwierige Situation.“ (S. 246) Dieses Buch ist ein Portrait unserer Gesellschaft. Der Autor ist ein Teil dieser elitären Gesellschaft, die sich aufgrund von Bildung und Herkunft für etwas Besseres hält und somit typisch Deutsch. Er war nie Hatzer, das war alles ein Irrtum, und weil er nun ein Buch veröffentlich hat, ist das sein Beweis, er war was Besseres, die anderen haben es verdient, weil sie einfach dumm wie Brot und ungebildet sind. In diesem Buch hält sich der Autor selber den Spiegel vor, ist aber selber zu ignorant zu erkennen, was für ein ignoranter, elitär denkender Menschentypus ihm da entgegenschaut. Ich kann nur hoffen, dass ihm dieses Buch irgendwann selber peinlich ist, denn er hat in dieser Zeit nichts, aber auch gar nichts über soziale Gerechtigkeit, über die Unterschiede der Menschen und über das Funktionieren von Gesellschaften dazugelernt.

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  • Akademisch arbeitslos

    In der Schlange

    Sokrates

    01. August 2014 um 09:30

    Zum Kauf dieses Buches entschloss ich mich, als ich ein Feature von Kulturzeit bei Youtube erwischte; danach stöberte ich kreuz und quer hier im Forum, um Feedback zu diesem Buch zu sammeln. Überrascht war ich, dass so viele meiner Vorrezensenten dieses Buch alles andere als gut fanden. -- Erst dachte ich, mit meiner Rezension vielleicht einem negativen Eindruck entgegen steuern zu können, aber nun muss ich, nachdem ich nach reichlichen 2/3 des Buches entnervt abgebrochen habe, eine ähnlich negative Rezension schreiben. Das geschilderte Leben - Akademiker auf Hartz 4 - an sich ist erschreckend und demotivierend, nachdem man im Rahmen seiner Uniausbildung das gemacht hat, was einem Spaß macht. Der ernüchternde Alltag nach einer noch idealistischen Ausbildung hingegen ist erschreckend. Allerdings war ich über das Selbstbild des Autors erschrocken. Seinen Umgang mit der Welt fand ich befremdlich und mitunter abstoßend. Der snobbige Weltanspruch, den viele noch aus dem Studium mitbringen, scheitert dann recht schnell an der banalen und weniger anspruchsvollen Wirklichkeit. Inwieweit da der eigene Snob selbstwertsteigernd ist, mag dahinstehen. Ich empfand den Gesamtauftritt des Autors schwierig - und leider auch sein Buch. Warum dieses ihm den Durchbruch als Autor lieferte, ist mir ein Rätsel. Es liefert weder "tiefe Erkenntnisse", noch ist es durch einen guten Sprachstil charakterisiert. Ein solches Buch könnte jeder halbswegs vernünftig ausgebildete Akademiker schreiben; besonders persönliche Fähigkeiten sind allenfalls bei der Vermarktung des Buches von Nöten, um einen Verlag aufzutreiben. Hier ist es beim Goldmann Verlag gelungen, der - wie man ja weiß - das Breitenpublikum bedient. Für einen Akademiker so gesehen auch keine Auszeichnung. Alles in allem allenfalls eine Charakterstudie, dieses Buch. Über Akademiker, ihre Selbsterwartungen, ihr Selbstverständnis und ihr Scheitern in einer Leistungsgesellschaft, der sich zunächst nichts sinnvolles bieten können.

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  • In der Schlange - Mein Leben auf Hartz IV von Thomas Mahler

    In der Schlange

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. April 2013 um 02:46

    Thomas Mahler hat endlich seinen Magister in Philosophie, doch was nun?! Die kritischen Kommentare zu seinem Philosophiestudium und den anschließenden Chancen am Arbeitsmarkt hat er bisher ausblenden können, doch mittlerweile ist kellnern einfach nicht mehr genug. Da er aber spontan keine Alternative zur Hand hat, muss er etwas tun, was er sich bisher noch nie hatte vorstellen können. Thomas Mahler kündigt seinen Job und beantragt Hartz IV… Lesen wollte ich dieses Buch aus dem Grund, aus dem sich wohl auch einige andere dazu hingezogen fühlen. Ich wollte wissen wie es ist arbeitslos zu sein, Hartz IV zu bekommen und alles was nach dem Antrag auf einen zukommt. Am liebsten natürlich ohne selbst diesen Weg beschreiten zu müssen. Thomas Mahler bietet interessierten Lesern hier einen Blick in eine Welt, von der man sonst nur in den Zeitungen liest und dort oft von Journalisten, die vorgefügte Meinungen wiederkäuen. Thomas Mahler ist seine eigene Hauptfigur, mal motiviert, mal gelangweilt, aber dabei immer ehrlich. Dies auch wenn seine Ehrlichkeit eventuelle Vorurteile, welche die arbeitende Bevölkerung Arbeitslosen gegenüber hegt, unangenehm bestätigt. Denn Mahler bewirbt sich nach eigenen Aussagen innerhalb von einem Jahr Arbeitslosigkeit eher selten und verbringt seine Tage lieber mit Internetspielen als auf den Webseiten der deutschen Jobbörsen. Wodurch er mir im Laufe des Buchs zunehmend unsympathischer wurde. Denn diese offene Resignation eines Mannes am Anfang seiner beruflichen Laufbahn ist für den Leser zunächst erschreckend, beweist aber viel Mut auf Seiten Mahlers, der nun sicher die eine oder andere kritische Bemerkung schlucken muss. Als Philosoph ist Thomas Mahler öfter als mancher Autor geneigt Betrachtungen wortgewaltig darzulegen, teils seitenlang zu fabulieren über die Schamgefühle eines, der an des Sozialstaates Brust saugt und dabei nur wenig Eigeninitiative zeigt. Ab und zu regt man sich ein bisschen darüber auf, dass bei Mahler der Geist willig scheint, während das Fleisch schwach und schwächer wird. Dafür erfährt man innerhalb der 250 Seiten dieses Erlebnisberichtes, wie das denn wirklich so abläuft wenn die Arbeitslosen auf Maßnahme sind und dass der Staat oft mehr Aufwand darin investiert seine Statistiken aufzupolieren, als Menschen zurück in Lohn und Brot zu helfen. Thomas Mahler liefert hier unbequeme Wahrheiten, die jedoch einen seltenen Blick in eine Welt liefern, die den meisten von uns hoffentlich erspart bleibt.

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  • Rezension zu "In der Schlange" von Thomas Mahler

    In der Schlange

    michael_lehmann-pape

    20. February 2011 um 11:49

    Blick hinter die Kulissen von Hartz IV Sein Fahrrad hat er vorsorglich dreihundert Meter entfernt vom Eingang des Arbeitsamtes abgestellt. Nicht, dass noch jemand am Fahrrad erkennt, dass er, Thomas Mahler, sich gerade Arbeitslos, sprich als ALG II Empfänger bei der Arbeitsagentur meldet. Früh um 8, wie er es sich eigentlich vorgenommen hatte, hat er auch nicht geschafft. Zu verlockend war es, noch ein wenig länger im Bett zu bleiben, verständlich, nach all den Anstrengungen des Studiums und der absolvierten Prüfungen und der gerade vollzogenen Kündigung aufgrund von Liebesdingen. Doch eine Arbeitstelle war nun noch nicht in Sicht. Ein Zustand von gedachter begrenzter Dauer. Was Thomas Mahler an jenem Morgen im Arbeitsamt in der langen Schlange gegen 11 Uhr vormittags noch nicht ahnen konnte ist, dass aus den gedachten paar Tagen oder einigen Wochen ein ganzes Jahr werden sollte. Für den Leser allerdings ein Glück., vorweg bemerkt. Denn in abwechslungsreicher, fließender und kluger Sprache, ohne zu abstrahieren und mit einer gehörigen Portion geerdeten Humors kann nun der Weg dieses Jahres in Hartz IV, den Thomas Mahler absolviert hat, mit Gewinn nachvollzogen werden. Ein Jahr mit vielfachen Erlebnissen, inneren wie äußeren Höhen und Tiefen und einigen fast abstrusen Einsichten in das System der Verwaltung der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Trocken und auf den Punkt wird so unterhaltsam und zugleich lehrreich deutlich, wie sinnentleert vielfach als hilfreich gedachte „Maßnahmen“ sind, ebenso nachdenkenswert zu diesem Thema setzt Thomas Mahler die Betrachtung einer ganzen Industrie in den Raum, die mittlerweile von der Versorgung und den Angeboten an Arbeitslose lebt und die damit natürlich ein hohes Interesse daran hat, dass allzeit genügend Arbeitslose vorhanden sind. Ein Paradoxum, denn eigentlich sollen die Maßnahmen jener Anbieter ja dazu dienen, die Arbeitslosigkeit der Betroffenen möglichst zu beenden. Aber auch die eigenen, inneren Entwicklungen vermag Mahler präzise und zugleich unterhaltsam wie mitnehmend zu schildern. Dass es nicht einfach ist, ohne Arbeit als „Hartzer“ sein Selbstwertgefühl zu finden, vor weniger, es aufrecht zu erhalten. Dass Neid und Gier auch in ihm sich mit der Zeit breit machten im Blick auf die, die sich alles einfach so leisten können und man selbst bleibt ausgeschlossen von all diesen wunderbar glitzernden Dingen der Warenwelt. Aber auch die neue Bescheidenheit und die Folge eines 10 Euro Scheins, den die Mutter ab und an schickt und der umgehend eine Verdopplung der Lebensqualität mit sich bringt. Für einen oder zwei Tage. Demgegenüber dann sein Erstaunen über die tiefe Sinnentleertheit und gar Inhaltslosigkeit einer Unternehmensberatungsaufgabe, die dennoch dem Berater ein sattes Stundenhonorar in die Kasse spülen wird. Da Mann an dieser konkrete Aufgabe mit gearbeitet hat, ist er sehr wohl in der Lage, die völlige Abwesenheit von Sinn und Gehalt im entsprechend teuer bezahlten Statement zu bewerten. Ein lebendiger, faszinierender und, vor allem, erhellender Blick auf die Hartz IV Realität, der vor allem nicht in bedeutungsschwangerer Agonie oder Depression oder politisch geschliffenen Statements stecken bleibt, sondern ein lehrreiches, unterhaltsames und höchst lebendiges Bild der „anderen Seite“ in den Raum setzt. Zudem einfach gut geschrieben.

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