Thomas Manegold Morbus Dei

(7)

Lovelybooks Bewertung

  • 4 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(3)
(3)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Morbus Dei“ von Thomas Manegold

"Wenn Gott wirklich allmächtig ist, wenn er wirklich allgegenwärtig ist, in Dir, in mir und um uns herum, dann muss es ihm verdammt schlecht gehen." Mit dieser Erkenntnis beladen schlagen sich die Protagonisten durch ihre kleinen Episoden, in denen sich das Leiden der Welt und unsere Ängste vor der Unendlichkeit spiegeln. Thomas Manegolds Geschichten haben etwas mit dem Alltagswahn gemeinsam: Sie haben Methode, sind verdammt nah dran und bewahren doch immer den Überblick. Alles scheint irgendwie verbunden, und sei es auch nur in seinem ganzen Elend, dem der Autor kein Mitleid entgegen bringen will. Schonungslos hält er drauf. Schließlich ist er ja nicht Gott. Aber wer ist das schon. Gott. und was weiß der wirklich. Er hat noch nicht mal die Bedienungsanleitung gelesen, sagt zumindest der Admin. Diese konzeptionelle Kurzgeschichtensammlung ist die mittlerweile vierte Veröffentlichung des periplanetaners und Kult- Autors Thomas Manegold. Er wirft immer gern ein kritisches und sarkastisch zwinkerndes Auge auf die alltägliche Abgründe und verbindet diese mit humorvoller Fiktion und anderen Metaebenen.

Stöbern in Romane

Und es schmilzt

unglaubliches Buch, sehr heftige Geschichte, habe geweint, gelacht, mich geeckelt und nur den Kopf geschüttelt

juli.buecher

Palast der Finsternis

Eine gelungene Überraschung!

Fantasia08

Durch alle Zeiten

Lebensbeschreibung einer Frau, die trotz vieler Widerstände ihren Weg geht. Konnte mich nicht restlos überzeugen.

Bibliomarie

Der Sandmaler

Leider viel weniger, als erhofft.

moni-K

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Eine Reise bei der Michele sein eigenes "Ich" wiederfindet. Ein sehr schönes Hörbuch

Kuhni77

Dann schlaf auch du

Spannend, schockierend und furchtbar traurig. Ein sprachgewaltiges Buch, dass sich so richtig keinem Genre zuordnen lässt. Lesenswert!

Seehase1977

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Morbus Dei" von Thomas Manegold

    Morbus Dei
    Periplaneta

    Periplaneta

    06. June 2011 um 11:28

    Ist Gott ein Spieler? 26 Kurzgeschichten über den alltäglichen Wahnsinn unserer Welt erzählt Thomas Manegold. Ein frustrierter Sanitäter, der Insasse einer Nervenheilanstalt, ein erfolgreicher chinesischer Geschäftsmann, eine blonde Praktikantin, und ein erfolgloser Schriftsteller - von dem der Autor betont, dass dieser nicht er selber sein solle, schließlich habe Michael E. schwarze Locken und er selber eine Glatze - sind die Protagonisten der lose miteinander verwobenen Geschichten. Zusammengehalten werden die Geschichten von einer Rahmenhandlung: Gott sitzt im Chatroom zusammen mit Albert Einstein, Wolfgang Amadeus Mozart, Konfuzius und dem Admin und unterhält sich mit ihnen über das Spiel, das er gerade spielt: Genesis 4.0. Gott spielt also ein Computerspiel und wir alle sind Charaktere in diesem Spiel. »Eine Simulation, die sich grundlegend von anderen Spielen unterscheidet, weil die Anzahl der Charaktere unendlich ist, weil sie stark vereinfachte Kopien eines Teils des Bewusstseins des Spielers sind und weil sie mitdenken.« Ein cleverer Vergleich, der mich schmunzeln lässt. Doch irgendwie läuft einiges schief in Genesis 4.0, zumindest seit die Menschen von den Bäumen herabgestiegen sind. So sind die Geschichten auch recht düster, die Protagonisten leiden an der Kälte einer entzauberten Welt, verzweifeln an der Dummheit ihrer Mitmenschen und sind gefangen in den eigenen Unzulänglichkeiten. Leider sind die Geschichten auch sehr wahr, sehr »aus dem Leben gegriffen«. Der Notarzt-Wagenfahrer David sieht keinen Sinn mehr in seiner lebensrettenden Aufgabe, der Schriftsteller Michael verzweifelt darüber, dass er spätestens seit 9.11 den Medien nicht mehr glauben kann, Conny, Praktikantin in einer Nervenheilanstalt, hat zwar im Urlaub einen heißen Flirt mit Olga, wird aber wohl doch ihren Freund heiraten, wie sich’s halt gehört. Klaus echauffiert sich ausführlich über das von den Medien präsentierte Schönheitsideal und die Übersexualisierung der Gesellschaft, bevor er eine 14-jährige mit nach Hause nimmt und Bastian, der Insasse einer Nervenheilanstalt, dem die Praktikantin Conny immer »Die Unendliche Geschichte« vorliest, sinniert über Gott und die Welt. Zum Glück mangelt es dem Autor bei all dem Elend nicht an Humor, und am Ende bleibt eine doch recht positive Aussage: »Der Mensch entscheidet, ob er sie (seine Leben) durchkriecht oder durchfliegt, durchliebt oder durchleidet, durchlacht oder durchweint.« Spannend für Literaturfans dürften auch die vielen Anspielungen auf Kafka, Satre, Welles und andere Autoren sein.

    Mehr
  • Rezension zu "Morbus Dei" von Thomas Manegold

    Morbus Dei
    Melana

    Melana

    17. January 2008 um 19:53

    Die Menschheit ist krank. Sie hat sich infiziert mit Leere, und diese Leere ist immun gegen alle Mittel, die der Mensch gegen sie einsetzt. Kein Rausch, keine Triebbefriedigung, kein Reichtum kann dieses Vakuum füllen, entfremdet und verloren treibt das Individuum in seiner Existenz. Das Leid ist allgegenwärtig. Und was ist mit Gott? Nun, Gott hatte das so nicht geplant. Selbst nur ein Spieler, muss auch ER sich an die Regeln halten, und auch ER macht Fehler. Gott schuf die Menschen und mit ihnen die Krankheit. Homo sapiens est morbus dei. Die Protagonisten dieser Kurzgeschichten leiden alle. Einige zerbrechen an der Kälte einer entzauberten Welt, andere verzweifeln ob der Dummheit ihrer Mitmenschen. Sie sind gefangen in den eigenen Unzulänglichkeiten und gehen am eigenen Größenwahn zugrunde. Was anfänglich wie die Aneinanderreihung einzelner, voneinander unabhängiger Sequenzen scheint, entwickelt sich schnell mit jeder Seite mehr zu einem großen Ganzen. Thomas Manegold hat in seinem neuen Buch Momentaufnahmen aus den Leben zahlreicher Individuen komplex verwoben und dabei die dunkelsten Ecken der menschlichen Seele mit grellem Flutlicht ausgeleuchtet. Doch wie erschütternd und abgründig die Geschichten teilweise sein mögen, dem Autor mangelt es trotz allem nicht an (schwarzem) Humor. Denn noch während Gott im Chatprotokoll mit Albert E., Wolfgang Amadeus und dem Admin über die Spielregeln der Welterschaffung diskutiert, ist seine Menschheit schon wieder mit der Selbstausrottung beschäftigt. Da bleibt eigentlich nur noch der Reset-Button. Morbus Dei ist schonungslos ehrlich, philosophisch und sarkastisch zugleich – ein geniales Buch, das vor allem zur Selbstreflexion anregt, denn es wird sich wohl jeder Leser in dem einen oder anderen Charakter der Geschichten wieder finden. Damit hat es sich seinen Platz zwischen meinen Lieblingsbüchern redlich verdient.

    Mehr