Thomas Manegold Rattenfänger

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Inhaltsangabe zu „Rattenfänger“ von Thomas Manegold

Autorenlesung als Klangkunst. Thomas Manegold hat verschiedene Gedichte und Texte aus seinem Schaffen zu einem Gesamtkonzept verwoben, welches sich im titelgebenden neuen Stück widerspiegelt. Einerseits verköpert er mit seiner eindringlichen Vortragsweise ganz bewusst den „Verführer“, andererseits beschwört er in seinen Texten den Hörer, eigenverantwortlich, frei zu denken. Und das in einer unglaublich kaputten Welt, über die sich der Protagonist zeitweilig mit dem Skalpell in einer befremdlich pathologischen Art herzumachen scheint. Der erste Teil LYRIK ist wahres Kopfkino, zumeist mit schönen, schlichten Melodien unterlegt. Der mittlere Teil PROPAGANDA enthält unbegleitete Kolumnentexte und kurze, einschneidende Bestandsaufnahmen gesellschaftlicher Zustände. In GEHIRNWÄSCHE kommt es zu einem inhaltlich sehr dichten Finale, das an Bedrohlichkeit kaum zu übertreffen ist. Thomas Manegold geht in seiner Vortragsweise dabei oft an die Grenze des Machbaren und Zumutbaren und lässt keinen Zweifel daran, dass die durch Degeneration der Umwelt hervorgerufene Depression durchaus verarbeitet werden kann. Seine unnachgiebige Menschenschelte ist kompromisslos und düster, aber dennoch mit einem bösartigen Humor an den unmöglichsten Stellen und einer eindringlichen, andersartigen Ästhetik gesegnet. "Rattenfänger" ist extrem provokant und wortgewaltig, argumentiert intelligent und schonungslos, ist dabei verführend poetisch und zugleich unheilbar krank.

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  • Rezension zu "Rattenfänger" von Thomas Manegold

    Rattenfänger

    Fortunatus_Holzapfel

    16. August 2012 um 17:40

    Nichts geringeres als „Gehirnwäsche, Lyrik, Propaganda“ will das Hörbuch „Rattenfänger“ von Thomas Manegold sein. Naja, klappern gehört wohl zum Handwerk witzelt der altersmilde Rezensent und nimmt zuerst die Lektüre des 50 Seiten-Booklets in Angriff. Denn das Inhaltsverzeichnis verrät schon die Eigenständigkeit desselben. Nur drei der neunzehn Texte werden auch auf der CD zu hören sein, diese wiederum bietet elf zusätzliche Tracks, die nicht im Booklet wiedergegeben werden. Zudem ist das Gedicht „Subhumanity“ auf der CD eine längere Version. Zuerst also die versprochene Propaganda auf Papier in kleinen, wütenden Texten, die den Verdacht aufkeimen lassen, das Manegold auf einer Orangenkiste in Speakers’ Corner wohl gut aufgehoben wäre, auf der er seinen wütenden Sermon einer vorüberhuschenden Masse entgegenätzt. Im titelgebenden Einstiegstext „Rattenfänger“ wird eine anonyme Gesellschaft mit dem Zorn des Nestflüchters traktiert, der Rattenfänger wird zur Ratte und die Ratte wird gegen die Rattenfänger verteidigt, die eigentlich Trottelfänger sind. Atemlos liest sich das, und so geht es auch weiter. Mit dem Text „Darkroom“ folgt die Gehirnwäsche, in der die Logik Volten schlägt und Amoral ohne Maske den Leser erstmal googeln lässt: Wird australischen Schafen tatsächlich der Hintern abgesäbelt, damit ihre Wolle nicht beschmutzt wird? Ja, so ist das wohl, sagt Herr Google. Und wenn Manegold die Verwertungsmaschine Profifußball politisch korrekt zu Ende denkt, sind Blut und Spiele vorprogrammiert. So liest und kämpft sich der tapfere Rezensent durch manchmal provokante, niemals aber unüberlegte Traktate, um schließlich zur Lyrik vorzustoßen. Und hier ist ein gewisser Einbruch zu vermelden. Nicht das die Lyrik schlecht wäre, sie passt durchaus zu dem essayistischen Teil des Buches, nur kommt ihr die Funktion des Rausschmeißers zu. Man liest sie, findet einiges gelungen, anderes weniger und dann ist das Buch auch schon zu Ende. Kurz durchatmen, heißt es dann – und ran an die CD. Die ist vom Autor selbst eingesprochen, und die, durch die Lektüre genährte Befürchtung, nun dem heiseren, bellenden Stakkato eines Speakers’ Corner-Pfaffen ausgeliefert zu sein, erfüllt sich nicht. Stattdessen erfährt die Lyrik Rehabilitation und darf den folgenden Reigen munteren Zivilisationsbashings präludieren. Vor unaufdringlich eindringlicher Klangkulisse haucht, flüstert, fistelt, spottet der Autor über popkulturelle Nimmersatts und reflektionsmüdes Jetztmenschentum. Hier ist kein Jahrmarktsschreier am Werk, sondern ein Mephistopheles. Ein sinistrer Einflüsterers also, dessen Einflüsterungen man bekanntermaßen lieber hinterfragen sollte. Und das ist wohl auch die Pointe des Manegold-Werkes, all den lyrischen und prosaischen Verlockungen, Provokationen und Eulenspiegeleien zum Trotz wird der aufmerksame Leser/Hörer am Ende in die eigene Mündigkeit entlassen, so er denn lieber eine renitente Ratte und kein trantütiger Trottel sein will. Und so heißt es auch in dem programmatischen Gedicht „Mephistopheles“: „Wenn wir nicht mehr hadern / mit der Welten Schicksalslauf / dann beginnen wir zu sterben / und hören nimmer auf“. Und so bleibt dem verdutzten Rezensenten die Erkenntnis, dass Gehirnwäsche, Lyrik und Propaganda nicht nur klappert, sondern manchmal schlichtweg not tut.

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