Buddenbrooks

von Thomas Mann 
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Buddenbrooks
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Aus der Kategorie "Bücher die ich lesen wollte, bevor ich gehe" Es hat sich gelohnt!

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Die ersten 50 Seiten haben schon viele Menschen davon abgehalten das Buch weiter zu lesen

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Inhaltsangabe zu "Buddenbrooks"

'Buddenbrooks' erschien 1901 und war Thomas Manns erster Roman. Bis heute zählt die bewegende Geschichte der Kaufmannsfamilie aus Lübeck zu den meistgelesenen Klassikern der deutschen Literatur.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596521487
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:1168 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:21.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist bei Universal Music erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Lannavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Aus der Kategorie "Bücher die ich lesen wollte, bevor ich gehe" Es hat sich gelohnt!
    Thomas Mann!


    768 Seiten ( meine Auflage: S. Fischer; Auflage: 1. (1. Oktober 1997) )

    Buddenbrooks erschien 1901 und ist ein Frühwerk des Autors Thomas Mann. Er erhielt 1929 für dieses Buch den Litertur-Nobelpreis. Es gilt als „der“ erste Gesellschaftsroman und ist auch ein autobiographisches Buch, denn Thomas Mann lies viel von sich selbst einfließen und bediente sich an existierenden Personen und Ereignisse der Zeitgeschichte. 

    Thomas Mann erzählt die Geschichte der Lübecker Kaufmannsfamilie Buddenbrook. 

    Wir erfahren Generationen übergreifend, beginnend mit dem Tod "Johann Buddenbrook" ( angelehnt an seinem Großvater "Johann Mann") und der Überschreibung der Firma an seinen Sohn die gegründete Firma (1768) "Johann Buddenbrook". 

    Es ist nicht möglich über einen bestimmten Protagonisten zu reflektieren. Aber wenn ich mir jemanden herausnehmen dürfte dann wäre es Antonie (angelehnt an seiner Schwester "Elisabeth Mann") . Sie war für ihre Verhältnisse, eine Frau die genau wusste was sie wollte. Um ihre Familie weiterhin zu stärken, heiratet sie aber dennoch nicht den Mann denn sie wollte, sondern den, den ihre Eltern für sie als gute Partie erwählt  haben. Über das ganze Buch wird Antonie ihr Glück nicht finden. Aber sie behält ihre Stärke bei.

    Es ist keine Geschichte über den Verfall einer Familie, sondern eher der einer Familie die einen natürlichen Entwicklungsprozess durchläuft. In dem nicht alle Kinder den Ruf des Vaters und den Großvaters folgen, sondern ihren Talenten und Chancen nutzen. Umso mehr Kinder, der jeweiligen Generationen, ihren eigenen Weg gehen, umso selbstverständlicher wird es. Was jedoch nicht unbedingt dazu beiträgt das Geschäft der Familie zu stärken. 

    Auch erleben wir viele Tragödien und Schicksale und den Wandel der Gesellschaft in ihrer Zeit. Somit wurde das Buch gegen Ende sehr melancholisch auch philosophisch. Als Thomas über den Tod schrieb habe ich die Zeilen mehrmals lesen müssen: 

    „Was war der Tod? Die Antwort darauf erschien ihm nicht in armen und wichtigtuerischen Worten: er fühlte sie, er besaß sie zuinnerst. Der Tod war ein Gück, so tief, daß er nur in begnadeten Augenblicken, wie dieser ganz zu ermessen war. Er war die Rückkunft von einem unsäglich peinlichen Irrgang, die Korrektur eines schweren Fehlers, die Befreiung von den widrigsten Banden und Schranken – einen beklagenswerten Unglücksfall mache er wieder gut.“ Seite 657
    Am meisten hat mich die Sprache und Ausdrucksweise von Thomas Mann beeindruckt. Auch wenn ich so einige Schwierigkeiten mit der Verständnis der Dialekte hatte. Dies gab jedoch den Personen einen starken Wiedererkennung Wert. 

    „Individualität!...Ach, was man ist, kann und hat, scheint arm, grau, unzulänglich und langweilig; was man aber nicht ist, nicht kann und nicht hat, das eben ist es, worauf man mit jenem sehnsüchtigen Neide blickt, der zu Liebe wird, weil er sich fürchtet, zum Haß zu werden." Seite 657 
    Egal was ich nun über dieses Buch schreibe, es wird dem Inhalt nicht gerecht. Somit belasse ich es dabei einfach mal wieder einen kleinen Anstoß  zu geben, dieses Buch wenn noch nicht, dann doch mal zur Hand zu  nehmen. Ich verlinke auch meine *Ausgabe die eine große Kaufempfehlung ist. Der Leineneinband ist nicht nur ein Hingucker, die Qualität des Einbandes sowie der Seiten sind wirklich toll.

    Fazit: 

    Es ist ein Klassiker, der es Wert ist gelesen zu werden. Nicht trotz seiner Länge, sondern gerade wegen seiner Länge, erhält dieses Buch einen ganz festen Platz in meinem Herzen, mit seiner Sprache und seinen Protagonisten.

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    GothicQueenvor 8 Monaten
    Buddenbrooks

    „Buddenbrooks“ von Thomas Mann ist ein Roman aus dem frühen 20.Jahrhundert. Der Untertitel des Romans lautet „Verfall einer Familie“. Und davon handelt die Geschichte auch. Es wird erzählt wie in vier Generationen eine wohlhabende Kaufmannsfamilie nach und nach „kleiner“ wird. In dieser Familie zählen vorrangig nur die Geschäfte. Nicht standesgemäße Beziehungen werden nicht angenommen. Wer auf die Liebe setzt, statt auf eine gute Partie, wird kurzerhand enterbt. Die Familie als solches zählt hier auch irgendwie nicht. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass diese über die Jahre immer kleiner wird. Das alles ist jetzt etwas kurz zusammengefasst, aber an weitaus mehr kann ich mich jetzt auch nicht mehr erinnern. Dass ich das Buch gelesen habe, ist fast zehn Jahre her. Im Deutsch Leistungskurs war es damals Pflichtlektüre, auch wenn wir es nicht im Unterricht durchgenommen haben. Dennoch muss ich sagen, dass es nicht so schlimm war, wie alle gesagt haben. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass das Buch in elf Teile aufteilt ist, und ich es in elf Tagen gelesen habe. Jeden Tag ein Teil. Ich denke für viele waren nur die vielen Seiten abschreckend, weshalb sie sich nur an den Lektüreschlüssel gehalten haben. Im Abitur kamen die Buddenbrooks dann jedenfalls nicht dran. Theoretisch habe ich das Buch dann also damals umsonst gelesen. In der Praxis sieht es aber eher so aus, dass ich im Nachhinein doch froh war, es auch wirklich gelesen zu haben. Es war zwar etwas langweilig und es ist nicht wirklich viel passiert, aber es ist definitiv ein Klassiker und wer kann schon von sich behaupten tatsächlich die Buddenbrooks gelesen zu haben? Vermutlich nicht viele. Wenn dann wurde eher einer der Filme dazu geschaut. In diesem Sinne kann ich allen Abiturienten nur empfehlen das Buch zu lesen, wenn es auch auf dem Plan steht. Es könnte wirklich schlimmer kommen! Lessing, Sophokles oder Giordano Bruno sind weitaus langweiliger (auch wenn sie weniger Seiten haben und man sie schneller gelesen hat). Wer Christa Wolf im Abi lesen musste, der ist auch ärmer dran!

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    Azalees avatar
    Azaleevor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Eine sehr dichte und atmosphärische Beschreibung der Buddenbrookschen Dynastie, die mir persönlich allerdings manchmal zu langwierig war
    Ausführliche Beschreibung des Niedergangs, die teils etwas zu lang war

    Die Buddenbrooks ist wohl eines der bekanntesten Bücher von Thomas Mann. In dem Buch beschreibt der sehr ausführlich den Untergang der Familie Buddenbrook.
    Sein Schreibstil ist sehr bildlich-beschreibend, was mir persönlich aber teils zu langwierig war. Oft verwendet Mann lange Schachtelsätze, die aber, sobald man in das Buch hineingefunden hat, gut verständlich waren. Ebenso ist es mit den Plattdeutschen Aussagen, die für mich zum Teil nicht immer verständlich waren. Wegen des bildlichen Schreibstils konnte ich mir alles gut vorstellen. Allerdings zog sich die Geschichte dadurch teils etwas in die Länge, während immer wieder ganze Jahre übersprungen wurden. Das war aber nicht weiter störend, da das Buch einen sehr langen Zeitraum behandelt.
    Die Charaktere haben sich in dieser Zeit gut weiterentwickelt und waren ebenso gut ausgearbeitet. Da ist etwa Tony, die zwar versucht, sich den gesellschaftlichen Gepflogenheiten anzupassen, aber das nicht immer schafft. Genauso geht es ihrem Bruder Christian, der keinerlei Interesse an den kaufmännischen Tätigkeiten seines Vaters oder seines Bruders heiratet. Stattdessen lässt er die Welt an seinen körperlichen Leiden teilhaben und verprasst das Erbe. Alle Figuren sind in ihrem Verhalten überspitzt dargestellt, was Spannung in die Konstellation gebracht hat. Das Hauptaugenmerk der Geschichte liegt auf den Personen, die im Haus der Buddenbrooks leben. Das ist angesichts der Fülle der Personen durchaus sinnvoll, zumal sich in dem Haushalt auch der Großteil der Geschichte abspielt. Diese Geschichte ist von vielen Ereignissen geprägt, die allesamt das Leben der gesamten Familie beeinflussen. Nicht alle tun das im gleichen Maße, trugen aber doch zum Niedergang der Familie bei. Ebendieser war sehr gut beschrieben und zeigte sich mit zunehmenden Verlauf des Buches immer deutlicher.

    Ingesamt konnte mich Thomas Mann mit den Buddenbrooks überzeugen, wenngleich er es mir manchmal etwas zu ausufernd war, etwa dann, wenn er ein ganzes Kapitel lang einen Schultag beschreibt.

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    Hermione27s avatar
    Hermione27vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Für mich ein absolutes "Must-Read". Schullektüre wäre super!
    Ein deutscher Klassiker - unbedingt lesen

    In den Buddenbrooks erzählt Thomas Mann über viele, viele Seiten die Geschichte einer Lübecker Kaufmannsfamilie über vier Generationen. 

    Während die "Alten" in sich ruhend das Geschäft vermehren, zeigt die nächste Generation schon erste Anzeichen eines In-sich-Gespaltenseins und darauf folgend spitzt sich die Lage der Familie in der nächsten Generation weiter zu.  

    Thomas Mann beschreibt sehr ausführlich die Geschichte der Familie und ihrer Mitglieder, insbesondere der dritten Generation mit den Geschwistern Thomas, Christian und Antonie, genannt Toni, auf deren Erlebnissen ein Schwerpunkt liegt. Neben den geschäftlichen Entscheidungen wird auch ein Schwerpunkt auf private Beziehungen, Ehen und Vorlieben gelegt, z.B. Interesse für Philosophie, Schauspielerei oder Musik. 

    Darüber hinaus zeichnet der Autor ein Bild der Lübecker Gesellschaft im gehobenen Bürgertum des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.  

    Ich kann die Buddenbrooks immer wieder lesen und entdecke jedes Mal noch etwas Neues. Es ist natürlich keine leichte Kost, die man "nebenher" lesen kann, aber ein sehr sprachgewaltiger Roman, der meines Erachtens zu Recht mit dem Literaturnobelpreis für Thomas Mann bedacht wurde. 

    Die Geschichte ist extrem geschickt und logisch aufgebaut, wie sich die Lage der Kaufmannsfamilie von Generation zu Generation immer weiter zuspitzt. Dementsprechend glaubwürdig sind auch die Personen als Vertreter ihrer jeweiligen Generation angelegt, die in ihren Wesenszügen immer gespaltener werden und somit nur folgerichtig spiegeln, wie es zum Niedergang der Familie Buddenbrook kommt.  

    Mir gefällt besonders die Person der Toni sehr gut, die im Laufe der Handlung immer nur das Beste für ihre Familie erreichen wird, dabei jedoch gnadenlos scheitert. Sie bleibt vollkommen unverändert im Laufe der Handlung, wie sich an ihren unveränderten Äußerungen - schon an der Wortwahl - zeigt.  

    Darüber hinaus ist der pflichtbewusste Thomas Buddenbrook eine sehr interessante Persönlichkeit, die viel Stoff zum Nachdenken und für Interpretationen bietet, vor allem im Gegensatz zu seinem sprunghaften Bruder Christian, der sich eher fürs Theater und Schauspielerinnen interessiert als fürs Geschäft und die Pflichterfüllung.  

    Aufgrund des wundervollen und anspruchsvollen Schreibstils ist es immer wieder ein Vergnügen, die Buddenbrooks zu lesen. Man kann sich das Haus und Lübecker Gesellschaft aufgrund der sehr detaillierten Beschreibung extrem gut vorstellen. Das erstreckt sich bis hin zur Einrichtung des Hauses und den Mahlzeiten. Darüber hinaus lernt man unglaublich viel zu unterschiedlichen Themen dazu, z.B. aus dem Bereich der Philosophie oder der Musik.  

    Die Buddenbrooks sind meines Erachtens ein Muss für jeden Literaturinteressierten und wirklich eine wundervoll anspruchsvolle Lektüre.

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    M
    Maria0001vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Schon allein der Schlussstrich hat 5 Sterne verdient (lasst euch überraschen!)
    Einer der besten Romane Thomas Manns

    Thomas Mann ist einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller - zurecht! Die Buddenbrooks erzählen die tragische Geschichte einer Familie bis zu ihrem Untergang.



    ... Die Szene mit dem Schlussstrich ist einfach unglaublich gut!

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    HarIequins avatar
    HarIequinvor 2 Jahren
    Streckenweise anstrengend, aber es lohnt sich

    „Sei am Tage mit Lust bei den Geschäften, aber mache nur solche, daß du des Nachts ruhig schlafen kannst.“

    Obwohl ich gerne Klassiker lese, war ich bei den „Buddenbrooks“  von jeher eingeschüchtert und schob den Wälzer lange Zeit vor mir her. Zum einen war dies der Länge von über 700 Seiten geschuldet, zum anderen meinen persönlichen (eher negativen)  Erfahrungen mit deutschen Klassikern. Die Buddenbrooks sind zwar nicht in die Liga meiner Lieblingsbücher aufgestiegen, dennoch bin ich froh ihnen (und auch endlich Thomas Mann) eine Chance gegeben zu haben.

    Der Untertitel „Verfall einer Familie“ gibt den Inhalt schon grob wieder. Die Buddenbrooks sind eine angesehene Familie in der Hanstestadt Lübeck, die im Verlauf des Romans ihr Geld und Ansehen verlieren.  Der Gesellschaftsroman spielt im 19. Jahrhundert und begleitet 4 Generationen der Buddenbrooks mit ihren Höhen und Tiefen.

    Meine ersten Bedenken, dass es anstrengend wird dieses Buch zu lesen, kann ich rückblickend leider nicht ganz widerlegen. Zwar war der Roman sprachlich nicht so dröge wie ich befürchtet hatte, allerdings wirft Thomas Mann immer wieder französische, plattdeutsche und bayrische Sätze in den Raum, bei denen meine Ausgabe leider keine Anmerkungen bot und ich oft das Gefühl hatte etwas zu verpassen. Ansonsten schreibt er sehr feinfühlig vom Untergang der Familie und die altertümlichen Ausdrücke machen das Buch herrlich authentisch. Die Unterteilung in Elf Teile mit mehreren Unterkapiteln erleichtern das Lesen auβerdem ungemein.

    Auch kann der Klassiker durch seine Subtilität und einige liebreizende Charaktere punkten. Obwohl sich manche Passagen sehr ziehen, fehlt es nicht an Überraschungsmomenten und unerwarteten Ereignissen. Die Hauptcharaktere sind interessant und individuell gestaltet. Das Hauptaugenmerk liegt auf der 3. Generation mit Tony, Tom und Christian und die Entwicklung dieser (aber generell aller Buddenbrooks) hat mir sehr gut gefallen, da alles sehr natürlich wirkte. Auch die gesellschaftlichen Verhältnisse sind interessant beschrieben. Zum einen haben wir die alteingesessene und titelgebende Familie der Buddenbrooks, zum anderen Emporkömmlinge, die sich ihren Erfolg erarbeiten müssen – konservative Vorstellungen treffen auf moderneres Gedankengut.

    Das Werk hat zwar seine Längen (bei denen ich mich teilweise durchkämpfen musste), trotzdem ist es einen Leseversuch allemal wert. Seinen Status als Klassiker hat es zu Recht, denn der erste deutsche Gesellschaftsroman und bringt einen guten Einblick in eine mir unbekannte Zeit. Bei näherer Betrachtung (im Unterricht o.ä.) kommen sich noch viel mehr Aspekte und Details zum Vorschein, die mir beim „unterhaltsamen“ Lesen vermutlich entgangen sind, aber ich bin ehrlich gesagt momentan nicht gewillt, es in nächster Zeit genauer zu analysieren.


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    Farbwirbels avatar
    Farbwirbelvor 2 Jahren
    Zähne, Bärte, Wetterlage

    Dieses Werk gehört zu den großen Klassikern aus der Feder von Thomas Mann. Ein jeder ist bereits über den Roman oder aber eine der Verfilmungen gestolpert, ob er sich damit befasste, ist eine andere Frage. Ich für meinen Teil habe sehr lange gebraucht, mich zu diesem Werk zu überreden. Es steht, in der wunderbaren, nach produzierten originalen Fischer-Ausgabe in meinem Bücherregal seit nunmehr drei Jahren und endlich habe ich mich seiner angenommen.

    Der Roman erzählt von der Familie Buddenbrook, die sich im Handel in Lübeck etablieren konnte und zu Beginn auf dem aufstrebenden, angesehenen Gesellschaftsast der High Society sitzt. Johann Buddenbrook, Jean genannt, erbte das Kaufmannsgeschäft seines Vaters und bekommt mit seiner zweiten Frau vier Kinder: Thomas, Christian, Antonie und Clara, die Nachzüglerin.

    Recht schnell orientiert sich die Geschichte an den Kindern, wobei vor allem Antonie (Tony) und Thomas im Fokus stehen. Man beobachtet die Kinder beim Aufwachsen und erhält parallel einen historischen Abriss zu der Lage in Deutschland zum Vormärz und vor der Reichsgründung 1871.

    Die Zeit verrinnt und schon wird Thomas zum neuen Konsul herangezogen und Tony soll langsam unter die Haube kommen. In Christian zeigt sich bereits früh der Hang zum Dandy und er reist als bald in der Welt herum.

    Tony erhält in dieser Erzählung immer wieder den Fokus, denn sie ist ein positiver Mensch, der aber doch stets Kind bleibt und sich häufig, wenn auch oft zurecht, ungerecht behandelt fühlt, daraus jedoch ein großes Fass macht. Jean, ihr Vater, lenkt zu Beginn oft ein und später muss Thomas, als neuer Konsul, ihr die Stirn bieten. Auch Thomas rückt ab der Hälfte immer mehr in den Vordergrund, denn er übernimmt die Handelsgeschäfte und es zeichnet sich ab, dass die Familie finanziell, wie auch gesellschaftlich immer schlechter da steht. Nicht ohne Grund heißt der Untertitel 'Verfall einer Familie'.

    Was ist der Erfolg? Eine geheime, unbeschreibliche Kraft, Umsichtigkeit, Bereitschaft... das Bewußtsein, einen Druck auf die Bewegungen des Lebens um mich her durch mein bloßes Vorhandensein auszuüben... Der Glaube an die Gefügigkeit des Lebens zu meinen Gunsten... Gkück und Erfolg sind in uns. Wir müssen sie halten: fest, tief. Sowie hier drinnen etwas nachzulassen beginnt, sich abzuspannen, müde werden, alsbald wird alles frei um uns her, widerstrebt, rebelliert, entzieht sich unserem Einfluß.... Dann kommt eins zum anderen, Schlappe folgt auf Schlappe und man ist fertig. - S. 430

    Im deutlichen Kontrast stehen dazu andere Familien, die sich empor kämpfen, wie z.B. die Hagenströms, die zwar nicht mit der selben Ehre voranschreiten, wie es die Buddenbrooks tun, damit jedoch auch mehr Erfolg einheimsen...

    Der Schreibstil ist sehr konkret, soll heißen, dass es deutliche, übergenaue Beschreibungen von Interieur, Landschaft und Person gibt, die es ermöglichen, ein passgenaues Bild im Kopf zu entwerfen. Dabei fallen einige Details ins Auge: So beschreibt Mann häufig die jeweilige Bartmode des Mannes, der neu dazustößt, die bereits eine Idee des Charakters zulässt. Zum anderen gibt es Beschreibungen zum Zustand der Zähne und dem generellen Gesundheitszustand. Dieser wird im Übrigen von Doktor Grabow stets mit Franzbrötchen und etwas Taube geheilt...

    er Roman ist in elf Teilen angeordnet, wobei ein jeder Teil meist ein Familienmitglied begleitet. Die Einteilung wirkte auf mich einladend, denn so konnte man von Etappe zu Etappe einsehen, wie lange der Zusammenbruch der Familie wohl noch währen wird. Das Wetter ist im Übrigen auch ein deutliches Indiz für den Verlauf des nächsten Teils gewesen.

    Durch die genauen Beschreibungen wurde mir das Buch zwischenzeitlich etwas lästig, wenn auch stets angenehm unterhaltend. Dennoch muss ich sagen, dass es für mich kein großartiger Schatz war, ich mich eher gut unterhalten fühlte, jedoch nicht in baffes Erstaunen gebracht. Würde man sich längerfristig mit dem Roman befassen, würde man sicherlich viel mehr der kleinen Indizien zum Verfall erkennen. Für mich war es teilweise sehr schade, dass so häufig gestorben wurde und gleichsam so wenig Nachwuchs kam, doch ist dies wiederum sinnig im Zusammenhang mit dem Verfall. Ich bin angetan von der politischen Auseinandersetzung innerhalb des Romans und die teilweise sehr interessanten Diskussionen, die daraus entstanden. Allen voran muss ich aber recht platt eingestehen, froh zu sein, nicht als Frau im 19. Jahrhundert leben zu müssen.


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    Lucinda4vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Interessante Familiengeschichte, die durch detaillierte Beschreibungen brilliert.
    Überraschender Klassiker

    Der 700-Seiten-Wälzer war überraschend leicht und angenehm zu lesen, nachdem ich mich in die heute etwas altertümlich anmutende Sprache eingelesen hatte. Die Handlung ist interessant, aber das Buch lebt vor allem von den detaillierten Beschreibungen, die vor allem bei musikalischen Themen und beim Typhus (oder bei Rizinusöl) ein wenig ausufern.

    Aus heutiger Sicht erlaubt das Buch einen Blick in eine ferne, etwas fremdartig wirkende Zeit voller Sitten, Gebräuche und gesellschaftlichen Regeln, die heute nicht mehr gelten und größtenteils schon in Vergessenheit geraten sind. Die Figuren sind lebendig und sehr menschlich, voller innerer Kämpfe. Ein wirklich gutes Buch, auch heute noch.

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    KristinaTiemanns avatar
    KristinaTiemannvor 2 Jahren
    Buddenbrooks sind aktuelle Zeitgeschichte

    Nach langer Zeit war mir mal wieder nach einem Meisterwerk der deutschen Literatur und da ich die Brüder Mann schon immer gern gelesen habe, fiel meine Wahl auf Buddenbrooks.

    Thomas Mann erzählt in seinem Gesellschaftsroman meisterhaft die Geschichte des Verfalls einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie über Generationen hinweg nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in sozialer und moralischer Hinsicht. Im Hinblick auf den Verfall einer ganzen Gesellschaft am Beispiel einer einzigen Familie hat das Buch m. M. absolut nichts von seiner Aktualität eingebüßt, besonders wenn ich an Börsenspekulanten und all die Konsumenten der Unterhaltungs- und Trösterchenindustrie denke ...

    Die Figuren sind detailliert bis hin zu verschiedenen Sprachen bzw. Dialekten gezeichnet. Der Autor wahrt beim Erzählen trotz der vielen biografischen Anleihen eine ironische Distanz, so dass ich das Gefühl hatte, diesen Verfall zwar hautnah, aber auch mit Abstand zu erleben, spielerisch hat er Zeitgeschichte dokumentiert.

    Manns Beobachtungen der menschlichen Natur und Gesellschaft sind phänomenal! So etwas schriftstellerisch umzusetzen ist eine Glanzleistung, das erfordert zum schriftstellerischen Talent vor allem auch Akribie, Fleiß und Disziplin. Für dieses Buch gab es m. M. zu Recht den Nobelpreis.

    Eigentlich hatte ich gar nicht vor, zu Buddenbrooks eine Rezension zu schreiben. Aber als ich den Roman bei LB ins Bücherregal stellen wollte, habe ich kurz in den Rezis herumgestöbert und hatte das dringende Gefühl, für den Roman eintreten zu "müssen".

    Einige Leser meinten, es sei zu viel Blabla und antiquiert in der Sprache. Man kann es so sehen oder anders, man kann die teils langen Beschreibungen als langatmig bewerten oder die Kunst des Erzählers bewundern. Und natürlich ändert sich Sprache jeden Tag. Ich kann von einem Buch, das Anfang des 20. Jh-s geschrieben wurde, nicht erwarten, dass es im Zeitalter von Smartphone, Facebook und SMS mit Smileys morsekurz in denglish daherkommt.
    Natürlich ist das nur meine persönliche Meinung, aber ich finde es sehr schade, dass unsere Sprache verarmt. Das hat wohl etwas mit dem Alter zu tun, schließlich kann man nichts vermissen, was man nicht kennt :D  

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    Stephanuss avatar
    Stephanusvor 2 Jahren
    Grandios Erzählung einer Familiengeschichte im 19 Jahrhundert

    Aufstieg und Niedergang einer Lübecker Kaufmannsfamilie; angefangen mit dem Großvater, der das Vermögen aufbaut, über den Vater Jean, der das Erbe erhält und leicht vergrößert und es sicher durch die Stürme der Zeit bringt bis hin zum Sohn Thomas, der verzweifelt versucht die Kaufmannsgesellschaft zu erhalten und v.a. deren Größe, dabei sich jedoch aufarbeitet und angesichts der fehlenden Eignung seines einzigen Sohnes Hanno für den Kaufmannsberuf letztlich zusammenbricht und scheitert.

    Thomas Mann gelingt mit seinem ersten Buch ein fabelhaftes Meisterwerk und eine Familiensaga des 19. Jahrhunderts. Die Figuren sind detailliert und gekonnt ausgearbeitet und sprachlich und stilistisch ist die Handlung famos erzählt. Es fehlt nicht an Tempo und jedes Wort findet seine Platz, ohne dass eine zu große Geschwätzigkeit auftritt, so der leider viele moderne Autoren neigen. Alles in allem ein Meisterwerk und kein angestaubter Klassiker, sondern immer noch eine absolute Leseempfehlung.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Farbwirbels avatar
    Hallo ihr Lieben,
    durch die Gruppe "Verborgene Schätze 2017" fanden sich einige User zusammen, die Interesse an einer Leserunde zu Thomas Manns "Buddenbrooks - Verfall einer Familie" hatten.
    Die Leserunde beginnt am 13.02.2017 und jeder, der sich diesen Schinken bereits einmal vornehmen wollte, ist herzlich eingeladen.
    Ich freue mich auf einen regen Austausch zu Manns Werk!

    P.S.: Ich verlose keine Ausgabe der Buddenbrooks, musst es aber angeben, um die Leserunde zu erstellen :)

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    abas avatar
    Ich freue mich, die nächste Leserunde zu der LovelyBooks Klassiker Zeitreise eröffnen zu dürfen.

    Mit "Buddenbrooks" von Thomas Mann geht es weiter.

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    "Buddenbrooks" erschien 1901 und war Thomas Manns erster Roman. Bis heute zählt die bewegende Geschichte der Kaufmannsfamilie aus Lübeck zu den meistgelesenen Klassikern der deutschen Literatur.
    Diese Ausgabe basiert auf dem Erstdruck von 1901 und gibt den Roman in seiner originalen Gestalt und ursprünglichen Orthographie wieder.

    Über Thomas Mann

    Thomas Mann, 1875 – 1955, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm erreichte der moderne deutsche Roman den Anschluss an die Weltliteratur. Manns vielschichtiges Werk hat eine weltweit kaum zu übertreffende positive Resonanz gefunden. Ab 1933 lebte er im Exil, zuerst in der Schweiz, dann in den USA. Erst 1952 kehrte Mann nach Europa zurück, wo er 1955 in Zürich verstarb.

    Zusammen mit den S. Fischer Verlagen lade ich euch zu einer Leserunde zu diesem Klassiker ein.

    Für die Leserunde werden vom Verlag 10 Freiexemplare zur Verfügung gestellt. Diese werden unter den Interessenten verlost. Ihr könnt aber auch mit euren eigenen Exemplaren teilnehmen oder solche bei den Fischer Verlagen erwerben, wenn ihr diese Leserunde auf keinen Fall verpassen möchtet.

    Wer ein Exemplar gewinnen möchte, antwortet bitte bis zum 27. Oktober auf folgende Frage:

    Thomas Mann hat mit diesem frühen Werk den Nobelpreis verliehen bekommen.
    In "Buddenbrooks" porträtiert er die Gesellschaft einer bedeutenden und namenlosen Hansestadt.
    Innerhalb seiner Familie und bei den Bewohnern seiner Heimatstadt Lübeck, die sich porträtiert sahen, löste der Roman Entrüstung aus.
    Er selber verteidigte sein Recht als Schriftsteller, die Realität als dichterische Vorlage zu verwenden.

    Was haltet ihr davon?

    Im Gewinnfall verpflichten sich die Teilnehmer der Leserunde, innerhalb von ca. vier Wochen zum Austausch in allen Abschnitten sowie zum Schreiben einer Rezension.

    Wir freuen uns auf eure Bewerbungen!
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    Madame Swanns avatar
    Zu Beginn des neuen Jahres wagen wir uns in der Klassiker-Leserunde an eines der berühmtesten Werke der deutschen Literatur: an Manns großen Gesellschaftsroman aus dem Jahr 1901. Lasst uns gedanklich nach Lübeck reisen und das Leben und die Leiden der Kaufmannsfamilie Buddenbrook über vier Generationen begleiten!
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