Thomas Mann Tagebücher 1949-1950

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Inhaltsangabe zu „Tagebücher 1949-1950“ von Thomas Mann

Mit dem Erscheinen von Thomas Manns Tagebüchern hat sich unser Bild des Autors und unser Verständnis seines Werks nachhaltig verändert. In den erhaltenen Journalen von 1918-1921 und ab 1933 bis zum Tod 1955 verbindet Thomas Mann alltägliche Beobachtungen mit dem Weltgeschehen und schreibt so "den Roman eines Lebens": es ist "der umfassendste, welthaltigste, rührendste, aberwitzigste Roman", den der Autor je geschrieben hat - "und wie wunderbar geschrieben!" (Volker Hage)

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  • Rezension zu "Thomas Mann, Tagebücher" von Thomas Mann

    Tagebücher 1949-1950
    Rat_Krespel

    Rat_Krespel

    „Es kenne mich die Welt, aber erst, wenn alles tot ist“ Es ist der 13.10.1950, an dem Thomas Mann diesen Satz schreibt. Seit 1938 lebt er in den USA, nachdem Deutschland verlassen hat und nach mehreren Stationen in Amerika eine neue Heimat fand. Und nun möchte die Yale Liberary seine kompletten Manuskripte aufkaufen. So sieht sich Thomas Mann einmal mehr auch der Frage gegenüber, was mit den Tagebüchern passieren soll. Glücklicherweise hat er sich dafür entschieden, sie nicht zu vernichten, wie er das zu Beginn der dreißiger Jahre schon einmal getan hatte, so dass bis auf die Jahre 1918 bis 1921 die Tagebücher erst ab 1933 erhalten sind. Die Tagebücher 1949 bis 1950 gehören zu denen, die am meisten Stoff bieten, um Thomas Mann besser zu verstehen oder aber noch verwunderter über diesen Mann zu sein. Es sind die Jahre, in denen nicht nur sein Bruder Heinrich stirbt, sondern auch sein Sohn Klaus Selbstmord begeht. Und wer die Einträge dazu im Tagebuch liest, versteht, warum man dem großen „Zauberer“ gerade bei den Reaktionen auf den Tod des Sohnes emotionale Kälte vorgeworfen hat. Aber wer genau liest, sieht hinter der norddeutschen Kühle sehr wohl einen emotionalen Menschen mit all seinen Defiziten. Das Jahr 1950 ist außerdem geprägt von der (platonischen) letzten Liebe Thomas Manns zu einem jungen Mann. Man findet wohl kaum so deutliche Worte von ihm zu seinen eigenen homosexuellen Neigungen wie hier. Und man lernt zu verstehen, wie sehr es diesen bürgerlichen und auf seinen Ruf bedachten Menschen innerlich fast zerrissen hat, damit zu leben. Vor vielen Jahren hat Hellmuth Karasek die These augestellt, das gesamte Werk Thomas Manns sei der Versuch, mit seinen homosexuellen Neigungen umzugehen. Aus meiner Sicht geht das einen Schritt zu weit, aber ganz von der Hand zu weisen ist es nicht: „Meine praktische Unfähigkeit, verstärkt durch Verwöhnung, beschämt mich. Völlige Präokkupation durch Leidenschaften, Liebeskummer, die nur durch Dichtung leidlich zu erlösen“ schreibt Thomas Mann am 22.08.1950. Politisch ist die Zeit geprägt vom Koreakrieg und der paranoiden Angst der USA vor angeblichen Kommunisten im eigenen Land. Auch hier bietet das Tagebuch einen faszinierenden Bericht aus erster Hand über die Stimmung in Amerika. Dies ist ein Thema, das Thomas Mann immer mehr daran zweifeln lässt, ob er in Amerika wirklich eine endgültige Heimat gefunden hat oder nicht doch wieder zurück in die Schweiz solle, der zweiten Station seines Exils. Und es sind die Jahre, in denen mit „Der Erwählte“ sein letzter Roman entsteht. Schon mit diesem tut er sich schwer, um danach dann in ein tiefes Schaffensloch zu fallen, es bleibt nur der Versuch, den Krull fortzuführen. „Ich habe sonst nichts; keine Novellen-Ideen, keinen Romangegenstand“. Doch der Ton der Einträge lässt schon erkennen, dass dieser Idee kein abschließender Erfolg beschieden ist. Nach dem Tod von Peter de Mendelsohn ist dies der dritte Band der Tagbücher, den Inge Jens herausgegeben hat. Wie alle Bände ist auch dieser sorgfältig herausgegeben. Die Anmerkungen, die mehr als die Hälfte des Buches füllen, helfen dem Leser bei Bedarf, Personen, Ereignisse und Werke zu identifizieren und die Fülle an Querverweisen ordnet auch diesen Band in die Gesamtfülle der Tagebücher und des Gesamtwerkes ein. Für die einen sind die Tagebücher ein nervendes Sammelsurium von banalen Einträgen eines steifen, patriarchalischen Hypochonders, für andere - und da gehöre ich dazu - eine faszinierende Fundgrube: politische Eindrücke, Einblicke in die Entstehung herausragender Werke deutscher Literatur, und ein Teil des Schlüssels zum Verständnis des Werks eines großen Schriftstellers. Vor allem aber der Blick hinter die Kulissen eines Mannes mit vielen Facetten. Seine peniblen Auflistungen, wie lange er spazieren war, was er gelesen und an Musik gehört hat, wann er bei welchem Arzt war und welche Medikamente er genommen hat, zeichnen ein erschütterndes Bild eines Menschen, der verzweifelt Halt sucht in alltäglichen Sicherheiten. Wer sich auf die Tagebücher und vor allem auf diesen Band einlässt und sich von den naturgemäß einen heutigen Leser teils langweilenden Beschreibungen des Alltäglichen nicht entmutigen lässt, erfährt ein Leseerlebnis sonder Gleichen.

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