Naїn könnte ein tolles Leben führen: Politikstudium, Auslandssemester in Barcelona, guter Job. Aber er schafft es nicht, weiterhin die Erwartungen seiner Eltern zu erfüllen, hat einen Zusammenbruch, trägt dauernd die grüne Strickmütze von seiner Großmutter und betäubt sich immer mehr mit Alkohol und Drogen. Auch bei einem Job im Theater und ebenso mit dem Versuch, mit seinen Kumpeln eine irgendwie politische Sozusagen-Organisation aufzubauen, scheitert er.
Naїn schlittert von einem Drogenrausch in den nächsten, unterbrochen von hilflosen Beziehungsversuchen und den körperlich unangenehmen Folgen seiner Exzesse. Es wird ziemlich viel gekotzt in diesem Buch. (Was mich nicht störte, ich hatte, während ich das Buch las, eine Magen-Darm-Grippe und fühlte mich beim Lesen nicht so allein mit meinem Problem.)
Und schließlich steht ein riesiges Schaf in Naїns Schlafzimmer...
Ich finde es ziemlich schwierig, dieses Buch zu beurteilen. Wahrscheinlich gehöre ich altersmäßig einfach nicht in die Zielgruppe für diesen Roman. Ich kannte ja nicht einmal alle der erwähnten Drogenarten!
Somit konnte ich auch nicht mit dem Protagonisten warm werden. Ich hätte ihn am liebsten kräftig durchgeschüttelt und in die nächste Entzugsklinik verfrachtet. Dass er seinen Job nicht mag, geschenkt, das passiert. Dann orientiert man sich eben um und versucht, etwas zu finden, was einem eher liegt. Aber mit Drogen wird das nun wirklich nichts. Auch die Beziehungsunfähigkeit des Protagonisten ging mir auf den Geist. So geht man einfach nicht mit Frauen um!
Ich fand jedoch interessant, dass das Buch wie ein Triptychon aufgebaut ist. Der Wechsel zwischen den Beschreibungen des Berliner Alltags, politisch-philosophischen Diskussionen und den Drogentrips hat einen besonderen Reiz.
Gefallen hat mir der Schreibstil. Sehr sogar. Thomas Martini hat einen äußerst gewandten Umgang mit der Sprache, spielt mit ihrem Reichtum und findet phantasievolle Formulierungen, die mir einfach Spaß gemacht haben.
Ich finde einen derart komplexen Roman für ein Debüt beachtlich und werde den Autor im Auge behalten – vielleicht ist sein zweites Buch ja weniger drogenlastig…


