Thomas Meinecke

 4.1 Sterne bei 51 Bewertungen
Autor von Tomboy, Hellblau und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Thomas Meinecke

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Tomboy

Tomboy

 (15)
Erschienen am 23.05.2000
Hellblau

Hellblau

 (6)
Erschienen am 30.06.2003
The Church of John F. Kennedy

The Church of John F. Kennedy

 (5)
Erschienen am 28.05.1996
Mode & Verzweiflung

Mode & Verzweiflung

 (5)
Erschienen am 23.02.1998
Musik

Musik

 (5)
Erschienen am 26.03.2007
Jungfrau

Jungfrau

 (3)
Erschienen am 21.08.2011
Selbst

Selbst

 (2)
Erschienen am 10.10.2016
Lookalikes

Lookalikes

 (2)
Erschienen am 12.09.2011

Neue Rezensionen zu Thomas Meinecke

Neu
L

Rezension zu "Holz" von Thomas Meinecke

Eine popliterarische Erzählung
LenaSilbernaglvor 4 Monaten

Thomas Meineckes Erzählung "Holz" beginnt und ende wie eine klassische Erzählung das auch tun sollte. 
Wir befinden uns mitten in der Geschichte eines Ich-Erzählers, der drei Frauen begegnet. 
Diese Begegnung ist jedoch keine normale, denn die Frauen fliehen gerade aus dem Osten herüber in den Westen. Und als ob das nicht genug wäre, verliebt sich der Ich-Erzähler prompt in die Frauen. Nicht nur in eine, sondern gleich in alle drei. 
Aber er muss leider einsehen, dass zwei der Frauen lesbisch sind und somit kein Interesse an ihm haben. 
Sehr sprunghaft werden wird von einer Episode in die nächste getragen. Alles wird von einem großen Ganzen und dem Ich-Erzähler zusammengehalten. 
Dieser bleibt uns jedoch etwas rätselhaft. 
So entschließt er sich beispielsweise ein Gewehr zu kaufen und mit diesem ein politisches Oberhaupt zu erschießen. Das geschieht, wie er behauptet, aus reinem Patriotismus. 
Dazwischen finden sich immer wieder Episoden, in denen der Ich-Erzähler in seiner Wohnung sitzt und sich betrinkt. 
Meinecke zeigt uns hier einen Antihelden auf, der ein offensichtliches Alkoholproblem hat. Obwohl der Ich-Erzähler ein Stipendium hat und offenbar Schriftsteller zu sein scheint, tut er die ganze Geschichte über nicht wirklich viel. Er verdient kein Geld, scheint jedoch immer welches zu haben.
Das Ende der Geschichte ist ein prompter Ausstieg aus dieser. Man bekommt das Gefühl, dass der Autor eigentlich schon alles gesagt hat, aber trotzdem fehlt etwas.    

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J

Rezension zu "Selbst" von Thomas Meinecke

Tomboy mit Rehaugen in dissidenten Grauzonen
jamal_tuschickvor 2 Jahren

Hoffmann von Fallersleben verstand Texas als Freiheitswort. “Mit der angeborenen und ausgebildeten Begeisterung für das Gute” (Jacob Burckhardt über Schiller) dichtete er: “Hin nach Texas! hin nach Texas! Goldner Stern, du bist der Bote Unsers neuen schönren Lebens”.
In lyrischen Konversationsstücken des Vormärz ging man nach Texas an die frische Luft der Selbstbestimmung. Es gründete sich als Adelsassoziation der Texasverein 1842 mit patriotischen Absichten. Man wollte in Amerika Deutscher bleiben. Freidenker unterzogen da ihre Ideale einem Wirklichkeitscrashtest. Frauen blieben außen vor. Eine gleichwohl nach Bettina von Arnim benannte, auf dem Territorium der Komantschen siedelnde Gemeinschaft überstand kein Jahr der Bewährung. Das erzählt Thomas Meinecke in “Selbst”. Er erwähnt New-Braunfels, Boerne, das an einen Baron Otfried erinnernde Meusebach und Friedrichsburg zum Beispiel deutscher Gründungen. Er spannt die vor Ort oft rasch reduzierte Texasbegeisterung an das Programm der Romantik - und das Zwiegespräch der Geschwister Bettina und Clemens Brentano an das Sexuelle in der französischen Sprache nach Jean-Luc Nancy.
“Semantik und Grammatik des Sexuellen überschneiden sich zwar, sind aber nicht deckungsgleich (in der französischen Sprache)”.
“Die Körper, die im Schriftverkehr der Empfindsamkeit buchstäblich werden, fließen ... in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ... In Texte über.”
Meinecke kontaminiert Abhandlungen und Stenogramme in einem Textsortengemisch. Er schreibt unbefangen Indianer, so eine koloniale Zuschreibung perpetuierend, die Völkermorde in der Sprache vorbereitete. Auf einen Schleuderkurs der Genauigkeit gerät der Autor in Unterscheidungen des biologischen vom sozialen Geschlecht - in Erkundungen “dissidenter Grauzonen zwischen den verabredeten Geschlechtern”. Die Rede ist von einem Lapsus der Zukunft, aber im Augenblick geht noch viel über die Rampe der genauso glücklich wie unglücklich machenden Reduktionen. Glücklich macht, etwas von sich weisen zu können mit einfacher Identitätsbehauptung. Ich bin so easy eine Penisperson ohne Ach und Wenn.
Meinecke hält die Nase seit Jahrzehnten bedächtig im Wind. Er folgt Alexander Kluge in seinen Untersuchungen hybrider und hypertropher Avantgarde-Formate mit ihren Pfadfinder- und Kopierfunktionen. Er registriert die Wirkungen aufgegebener Camp-Begriffe in den Physiognomien der Indienfahrer von Neunzehnhundertsiebzig.
“Nie aufhören, die scheinbaren Identitäten zu differieren, neue Differenzen und Differenzierungen aufzumachen, ihnen nachzugehen, zu neuen Räumen, Zwischenräumen und Zonen vorzudringen, ohne je zu einem Abschluss, zu einer Synthese, zu einem Ziel zu gelangen.”
Meinecke baut einen Cameo-Auftritt aus, bis er es als Thomas in die Romangegenwart geschafft hat. Er entzieht den Angeboten die dogmatischen Hartmacher. Er scheut nicht vor der zeitgenössischen Tennensprache mit ihren pseudo-tribalen Lockrufen zurück. Frauen, die sich auf dem Klo selbst fotografieren, sind seine Expertinnen für Autogynophilie und Selfie Culture. Die Kulturwissenschaftlerin Venus lebt mit der Kunsthistorikerin Eva und der Sexualwissenschaftlerin Genoveva zusammen in Frankfurt am Main. Die Drei sind Subjekte einer brandneuen Überlieferung, in der das Androgyne in die weibliche Richtung gedreht wird. Männer erscheinen als Frauen so wie Frauen als Frauen erscheinen, nur manchmal erscheinen Männer fraulicher. “Frauen sehen nur selten auf jene Weise fraulich aus wie ... Sirius, der auf Schritt und Tritt mit Signorina angeredet wird”.
Venus beschäftigt sich mit dem republikanisch-kommunardischen Kolonisierungseifer, der den Vormärz nach Texas brachte und mit romantischer Radikalität. Die historischen Auslotungen geben der Jetztzeitleiste den Anschein einer verlässlichen Textur.
Das dramatisch hochgefahrene Frankfurter Ostend dient Modestrecken als Kulisse. Männliche Stelen treten hauchdünn, überspannt und von komplexer Dignität als female models auf. Ihre Fleischlosigkeit idealisiert sie. Sie zeichnen sich ab von motzender Architektur, so zweidimensional wie menschenmöglich. Sie machen die (echten) Arbeiter auf der EZB-Baustelle zur Staffage, die Wirklichkeit verkehrend. Ein Liebhaber der Ich-Aktivistinnen sagt: “Fetter Kontrast ... zu der dem Abtransport jüdischer Frankfurter gedient habender Rampe an der ehemaligen Großmarkthalle”, inzwischen hat die Europäische Zentralbank ihr Vollbild mit integrierter Vergangenheit erreicht.
Venus, Eva, Genoveva tanzen im “Robert Johnson” hart an zwei Stadtgrenzen, hart am Main und nicht weit von wo Goethe Ausflüge hin unternahm. Aus der Speisekarte der "Gerbermühle": Willemer, who was a friend of Goethe, first invited Goethe to visit him in 1814 and during this visit Goethe made the acquaintance of Marianne, Willemer’s foster daughter. A close relationship developed between the two of them and this inspired Goethe to further, longer stays in the Gerbermühle.
Sie verkehren im “Margarete” bei den realen Nordendpersönlichkeiten Raffaela und Simon in der “Nichtexistenz der Altstadt”; Margarete als Referenz an die Architektin der Frankfurter Küche Margarete Schütte-Lihotzky.
Nach dem Training ist vor dem Training, in den Erholungsphasen erweitert man den Horizont. Venus trägt vor: The Man Who Made Femen. ... Femen founder Victor Svyatski hand-picked the prettiest ... He was quiete horrible with the girls. Stoya ergänzt: I use my body to make gender-binary-heterosexual-oriented pornography. Die Darstellerin formuliert ein gestandenes Verhältnis zu den Bedingungen des Marktes. Sie setzt ein besonderes Wort ein: denouement - Auflösung. Theatertheoretisch führt Dénouement zur Katharsis, doch wer könnte weiter davon entfernt sein, als eine Ausgebeutete der Industrie.
Immer wieder retardiert “Selbst” in Szenen von Stillstand gebietender Komplexität. Die Freundinnen unterscheiden sich wenig, ihre Erzählungen genügen ihnen selbst so wenig wie ihre Leiblichkeitsbegriffe. Sie entbehren einen Gott namens Lacan, im Brotberuf Schneider, der Rocksäume akkurat oberhalb der Knie so absteckt, dass der Stoff die Beine an der richtigen Stelle “umspielt”. Jede zieht einen Ablasshandel auf, zur Vermeidung der Wahrheit. Ein Trabant des Trios darf etwas Vorbereitendes sagen, um Genoveva die Gelegenheit zu geben, eine schwere Grammatikfrage zu stellen: “Wann verliert von der Norm abweichendes Sexualverhalten seine transgressive Qualität?”

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H

Rezension zu "Selbst" von Thomas Meinecke

Strike!
higonefivevor 2 Jahren

SELBST.

François Ewald schreibt zur Derridabase: „Vielleicht war sich Derrida nie näher als in diesem Text." Das könnte man auch auf den Klappentext von „Selbst“ schreiben, denkt Gesa:

- Vielleicht war sich Thomas Meinecke nie näher als in diesem Text.

- Yippee-ki-y[h]ay, Motherfucker!

muss Gesa nach den ersten 30 Seiten denken. Eine Ein-Mann-Armee, im Hochhaus des Diskurses unterwegs; er durchlöchert alles, lustvoll zu lesen.

Dann dachte er: das rereading der ‚Tenniskleidszene’ war ein bridging, von ‚Tomboy’ hin zu ‚Selbst’. Thomas Meinecke hatte ein Versprechen eingelöst. Von der Ironie hin zum Pastiche.

Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal ein Buch gelesen hatte, dass er selbst gerne geschrieben hätte. So wie er es damals sagte und die Anderen, als größtes Lob, im Club der toten Dichter, im Leistungskurs Deutsch, der in der Schulbibliothek abgehalten wurde, wegen Raummangels.

Auf Seite 18 schon der G-Spot. Die neuesten Erkenntnisse der Anatomie werden angedeutet. Es wird im puderigen belassen. Es bleibt dem Leser überlassen, es weiter aufzubohren. Wenn er möchte. Aber es wird erwähnt.

Hätte er bloß damals nicht das ‚Leatherman’s Handbook’, second updated edition, welches er sich zu Recherchezwecken besorgt hatte, als er Hubert Fichte las, in das Altpapier getragen.

Jetzt würde er es erneut besorgen müssen.

Hans Eppendorfer, der Ledermann, spricht mit Hubert Fichte.

Die Gespräche aus Wolli Indienfahrer.

Der Magnolienkaiser. Yukio Mishima. Kamen no Kokuhaku (仮面の告白)

Derek Jarman. Caravaggio.

Alles noch einmal aufarbeiten.

Bei kink.com wird das Explizite narrativ gebrochen, am Anfang und am Ende, durch ein Interview mit dem Hauptdarsteller.

Er fragte sich nur: was ist mit der Vorlauftaste? Was mit der Affirmation der Interviews dem Expliziten gegenüber?

Klaus Lewandowski: Die Pornographie der Gesellschaft. Theorie im Stile eines Niklas Luhmann.

„Selbst“ war da schon eher eine Feldstudie.

Kein Roman.

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