Thomas Morus

 3.8 Sterne bei 124 Bewertungen
Autor von Utopia, Der utopische Staat und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Utopia

 (121)
Neu erschienen am 15.10.2018 als Hardcover bei Manesse.

Alle Bücher von Thomas Morus

Utopia

Utopia

 (121)
Erschienen am 15.10.2018
Der utopische Staat

Der utopische Staat

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Erschienen am 01.06.1960
Utopia (insel taschenbuch)

Utopia (insel taschenbuch)

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Erschienen am 30.06.2013
Kassette Morus/Erben

Kassette Morus/Erben

 (0)
Erschienen am 30.09.2004
Utopia

Utopia

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Erschienen am 01.09.2018
Three Early Modern Utopias

Three Early Modern Utopias

 (1)
Erschienen am 15.01.2009
Epigramme

Epigramme

 (0)
Erschienen am 01.05.1988

Neue Rezensionen zu Thomas Morus

Neu
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Rezension zu "Utopia" von Thomas Morus

Gattungsschöpfer
buchwanderervor einem Jahr

„Zu den Göttern ist es von überallher gleich weit…“ (S.16)

Zum Inhalt:

Grobtextuell setzt sich Morus‘ staatsphilosophische Schrift aus 2 Teilen zusammen, wobei ersterer in einer Art Streitgespräch verpackt die Kritik an den Willkührlichkeiten europäischen Rechts-, Staats- und Gesellschaftssystemen übt, mit besonderem Augenmerk auf jene Englands, deren Zusammenhänge Sir Thomas More nur allzu gut bekannt waren.

Im zweiten Teil entwirft er das sozialutopische Bild einer nach seiner Auffassung idealen Gesellschaft, die er auf der Insel Utopia ansiedelt. Im Plauderton, jedoch mit viel Esprit und Eifer schildert er reiseberichthaft seine Erlebnisse mit den in hohem Grad selbstbestimmten Einwohner einer sozialen Ordnung deren Grundfesten auf Werten wie Religionsfreiheit, Einheit der Familie, einem von der Allgemeinheit getragenen hochgeachteten Bildungsideal, dem Respekt und Ansehen des Individuums, sowie eines als Republik ausgeprägten Staatswesens getragen wird. Die Produktion der Güter ist auf jene konzentriert, deren Bedarf vorrangig ist, wodurch es dem Einzelnen möglich ist, mit einem Minimum an Arbeitszeit ein Maximum an Wertschöpfung für sich und die Gemeinschaft zu erwirtschaften, was wiederum Zeit für die individuelle Entwicklung in Sachen Wissen sowie sozialen und handwerklichen Fertigkeiten freispielt. Dabei besteht sehr wohl Arbeitspflicht für jeden Einwohner Utopias – ungeachtet seines Geschlechts –, jedoch für nur 6 Stunden täglich. Die Arbeitsaufträge werden auch in einem zeitlichen Rad immer wieder gewechselt, so dass Städter auf dem Land arbeiten und umgekehrt, was eine gegenseitige Wertschätzung der Arbeit, sowie eine breite Kompetenzenbildung fördert.

Wissenschaften, Philosophie und Staatswesen werden ebenso wie Religion hoch geschätzt, darauf achtend, dass Fanatismus und Exklusivitätsallüren kein Raum gegeben wird. In der Interaktion mit den Nachbarstaaten und der Erläuterung des eigenen Strafrechtssystems wird schnell klar, das die Utopier nicht davon ausgehen, dass alle Welt stets jedem wohlgesonnen ist. Auch hier entspinnt Morus ein komplexes Gewebe an diplomatischen Regeln, rechtstaatlichen Sanktionen und Überlegungen u.a. zur Staatsräson, wie es z.B. möglich wäre Rechtsbrechern entweder eine Chance auf Rehabilitation oder eine Abschreckung zu geben, die der Schwere des Vergehens angemessen wäre. (Ein Thema, welches er im ersten Teil des Werkes anhand der Todesstrafe sowohl für Diebe, als auch für Mörder ausführt, davon ausgehend, dass dies der falsche Weg sei.) In ähnlicher Form thematisiert er auch das heiße Eisen der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Staaten.

Fazit:

Über Thomas Morus (um den 7. Februar 1478 in London; † 6. Juli 1535Werk ebenfalls in Londong) „Utopia“ wurde bereits viel geschrieben, geforscht und veröffentlicht, was also hier noch dazu schreiben?

Was mich bewegte den Text zu lesen war… der Titel, und der Nimbus, der dieses Werk umgibt, das immerhin nicht selten als genrebegründend angeführt wird. „Utopia ist der Titel eines um 1516 veröffentlichten Romans des Humanisten Thomas Morus (Thomas More), der namensgebend für die utopische Literatur war (Originaltitel: De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia, „Vom besten Zustand des Staates und der neuen Insel Utopia“)1) 2). In der Übersetzung von Alfred Hartmann gelingt es zum einen das Timbre Morus‘ Zeit zu erhalten, zum anderen aber auch eine Portierung der humanistischen Grundideen in die Jetztzeit zu erreichen. Und auch wenn es – wie schon der Titel besagt – eine Utopie ist, so wären Politiker, kirchliche Würdenträger und soziale Entscheidungsträger jeden Couleurs gut beraten dieses Werk als Pflichtlektüre anzusehen.

Die Probleme, Zielsetzungen und einige überlegenswerte Ansätze in „Utopia“ sind keineswegs überholt, nur weil sie vor einigen hundert Jahren bereits jemand verschriftlicht hatte. Eher das Gegenteil ist der Fall. Es ist und bleibt ein beeindruckender Entwurf einer Gesellschaft deren Ideale durchaus erstrebenswert genannt werden dürfen. Ernst Bloch titulierte es einen „der edelsten Vorläufer des Kommunismus“ (Bloch 1985, S. 601)3).

Hilfreich für das Textverständnis in diesem Band sind die beiden Schlusskapitel „Anmerkungen“ und „Erasmus von Rotterdam über Thomas More“.  Ersteres versucht u.a. Licht auf die von Autor verwendeten „in spielerischen Willkür aus griechischen Bestandteilen zusammengestückelten Eigennamen“ (S.185) zu werfen. Zweiteres charakterisiert die Person Morus‘ aus Sicht seines treuen Freundes Erasmus von Rotterdam.

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Rezension zu "Utopia" von Thomas Morus

Platons Philosophenstaat 2.0
cynthorvor 2 Jahren

Inhalt

Das Buch ist in zwei Bereiche gegliedert, deren Rahmenhandlung durch eine Unterhaltung  des Seemanns Raphael mit dem englischen Staatsmann Thomas Morus gegeben ist. Zuerst diskutieren beide – mit zuweilen satirischen Untertönen – über (damals) aktuelle politische Streitthemen wie Todesstrafen auch für „leichte“ Vergehen wie Diebstahl oder über den Beraterstab des Königs
Im zweiten, bekannteren, und vor allem zeitlosen(!) Teil erzählt Raphael vom Idealstaat Utopia, einem fernen Inselreich. Detailliert beschreibt er die Lebensweise der Utopier, ihre Städte und Bauernhöfe, ihre Ansichten zu den Handwerken und ihre Regierungsform. Im Anschluss werden die philosophischen Ansätze zu Schmuck, Reichtum und Privateigentum thematisiert. Das Buch endet mit einem Plädoyer für Toleranz in Glaubensfragen.

Meinung

Mit „Utopia“ hat Thomas Morus nicht nur das Bild (s)eines idealen Staates geschaffen, sondern eine ganze literarische Gattung neu begründet, deren Anfang Platons Philosophenstaat bildet. Während manche seiner Thesen nicht nur aus heutiger Sicht befremdlich wirken, lassen sich andere leichten Herzens unterschreiben – und machen darauf aufmerksam, wie wenig sich in den letzten Jahrhunderten eigentlich getan hat.

Noch im ersten Teil fällt eine der zynischsten Bemerkungen Raphaels, der sich weigert, in den Dienst des Königs zu treten und diesen zu beraten. Da er mit seinen Ansichten isoliert dastehen würde, müsste er sie entweder anpassen, oder würde bei dem Versuch, die anderen Berater zu überzeugen, selber irre werden – also lässt er es gleich bleiben. Wenn man die heutige Diskussionskultur betrachtet, in der (vollkommen egal in welche Richtung) abweichende Meinungen isoliert und niedergeschrien werden, ist es schwer, die Mutation zum Raphael zu verteufeln. Genial ist hierbei die Methode der Utopier, erst einen Tag nach Antragstellung über eben diesen zu debattieren, was vermeiden würde, unüberlegt mit der eigenen Meinung herauszuplatzen.

Auch andere kulturelle Eigenheiten der Utopier erinnern an aktuelle Debatten.

Um ihre Bürger vor Verrohung zu schützen, wird der Metzgerberuf beispielsweise nur von Sklaven durchgeführt. 500 Jahre später morden und metzeln sich Jugendliche in virtuellen Welten ungehemmt nieder.

Das Streben der Bürger nach Bildung, beispielsweise durch Besuchen öffentlicher Vorlesungen, klingt wie Hohn, berücksichtigt man die anhaltende Debatte allein um Schulbildung, und die aktuelle Arbeitsbelastung lässt auch kaum Zeit, sich nach dem anstrengenden Berufsalltag mit tiefschürfenden, komplexen Themen zu beschäftigen.

Die strenge, aber sinnvolle Sexualmoral der Utopier gehört ebenso wie ihre Genügsamkeit und Bescheidenheit in der heutigen Konsumgesellschaft zu altmodischen Relikten mittelalterlichen Wertvorstellungen. Insbesondere utopisches Ansätze einer Art „Nudging“ (Gold wird mit Sklaverei, Perlen mit dem Kindesalter in Verbindung gebracht und damit unansehnlich gemacht) klingen auf den ersten Blick vollkommen unglaubwürdig. Auf den zweiten wäre es schön, wenn es vergleichbares auch bei uns gäbe.

Das Wichtigste ist allerdings der Schluss des Romans: Raphael beschreibt die religiöse Toleranz der Utopier, das friedliche Koexistieren verschiedener Glaubensmodelle und einen ideellen Missionierungsgedanken. Dieser ist auf sachliche Argumente beschränkt, weder dürfen fremde religiöse Glaubensvorstellungen niedergemacht noch eigene Anhänger aufgehetzt werden. Eine bewundernswerte Toleranz, die aus einer Einsicht resultiert, die auch heute vielen gut zu Gesicht stünde. 

Was allerdings sehr befremdlich erscheint, und auch moralisch äußerst fragwürdig, ist das Ausnutzen „unzivilisierter, barbarischer“ Nationen für den Krieg. Insbesondere das „ausbluten lassen“,  lässt die Utopier in keinem guten Licht erscheinen, und trübt die sonstige positive Sicht.

Sonnige Tage und erholsame Nächte!

PS: Wem der Stil meiner Rezension bzw. die Auswahl der vorgestellten Bücher gefällt, findet auf meinem Blog (https://cynthor.wordpress.com) weitere „Bücherschätze“ und auch Infos zu meinem eigenen gesellschaftskritischen Fantasy-Roman „Ethopia – Erwachen“.


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Kopf-Kinos avatar

Rezension zu "Utopia" von Thomas Morus

Zu Besuch in Utopia
Kopf-Kinovor 2 Jahren

Im Jahre 1516 verfasste Thomas More, ein im Dienste des englischen Königs Henry VIII stehender Staatsmann, das Buch 'Utopia', welches ursprünglich den lateinischen Volltitel 'De Optimo Rei publicae Statu deque nova insula Utopia Libellus vere aureaus, nec minus salutaris quam festivus' (zu deutsch: „Von der besten Staatsverfassung und von der neuen Insel Utopia, ein wahrhaft goldenes Büchlein, genauso wohltuend wie heiter“) trug. Der mittlerweile gekürzte Titel lässt bereits erahnen, dass More die Bezeichnung 'Utopie' und somit das literarische Genre der utopischen Romane maßgebend prägte.

Das Werk selbst ist in zwei Teilen gegliedert: Während der erste Teil einen philosophischen Dialog, dem eine sowohl gesellschaftliche als auch politische Kritik Europas (vor allem Englands) innewohnt, beinhaltet, schildert der zweite Teil von der Republik 'Utopia'. Als Rahmenhandlung dienen die Erzählungen eines Seemanns, der als Berichterstatter fungiert, nachdem er einige Zeit in der Gemeinschaft der Utopier verbrachte.

"Wozu denn ein Bündnis?, sagen sie; als ob nicht die Natur die Menschen untereinander genügend zusammenbände."

Bereits die ersten Seiten verraten den gewieften Schachzug des Autors: More selbst tritt in seinem Werk als Figur auf und lernt den portugiesischen Weltreisenden Raphael Hythlodeus, welcher Amerigo Vespucci auf seinen Entdeckungsreisen in die Neue Welt begleitete, kennen und kommt mit diesem kurzerhand ins Gespräch. Indem More seinem (fiktiven) Gesprächspartner kritische Worte in den Mund legt, übt er scharfe Sozialkritik am England der Tudorzeit aus und diskutiert quasi mit sich selbst. Hierbei wird sich u.a. oftmals auf Platon bezogen. Themen der Unterhaltung sind u.a. die Todesstrafe, die damals sowohl an Dieben als auch an Mördern verübt wurde, und die Adligen, die "müßig wie die Drohnen von anderer Leute Arbeit leben" und die Bauern "bis aufs Blut schinden."

Wie nun eine ideale Gesellschaft auszusehen habe, ob es ein gerechtes Staatswesen, das alle Bürger glücklich macht, geben könne und wie es dann um den Privateigentum bestellt sei, werden im zweiten Teil dank des angeblich wahren Reiseberichts des Seefahrers diskutiert. Um nicht zu viel zu verraten, erspare ich mir die Details. So viel sei jedoch gesagt: Bereits die Fragen zeigen, wie modern 'Utopia' daherkommt; viele Ideen erscheinen überraschend frühsozialistisch und sogar kommunistisch. So lehnen die Utopier beispielsweise Geld ab und fertigen aus Gold Ketten für die Sklaven, sowie Nachttöpfe an. Was zunächst skurril klingt, obliegt jedoch meist mehreren philosophischen Gedanken, die hier miteinander verwoben werden.

"Wo es noch Privatbesitz gibt, wo alle Menschen alle Werte am Maßstab des Geldes messen, da wird es kaum jemals möglich sein, eine gerechte und glückliche Politik zu treiben"

Obgleich einzelne Themen, wie beispielsweise die Handhabung mit Religionen, durchaus avantgardistisch behandelt werden, zeigen andere wiederum, dass auch More ein Kind seiner Zeit war, wenn zum Beispiel vom Ehebruch die Rede ist. Das Geschilderte wird somit nicht immer mit der Meinung des Lesers konform gehen können. More selbst lässt interessanterweise ab und an durchblicken, dass er nicht alles in Utopia begrüße, was schließlich zur Folge hat, dass sich der kritische Leser eine eigene Meinung bilden kann, was ich sehr begrüßte - ebenso die herrlich ironischen Momente, die das Werk (meiner Meinung nach) mitunter aufweist.

"Der Verkehr mit den Behörden vollzieht sich in freundschaftlichen Formen, da keiner der obrigkeitlichen Beamten überheblich oder barsch ist. Sie heißen Väter und bewähren sich als solche."

Schade fand ich, dass die Moral Utopias nicht durchleuchtet wurde, was ich aufgrund meiner Neugierde sehr bedauerte. Ein Pluspunkt stellte für mich die gute Leserlichkeit dar, da der Inhalt keinesfalls komplex, sondern eher spielerisch dargestellt wird.

Ob man das Werk nun als Satire, Wegbereiter oder Kritik liest, hängt wohl vom Standpunkt des Lesers ab. Ich las es u.a. mit einem Augenzwinkern. Beeindruckend finde ich, dass More quasi die politische Philosophie mitformte, die viele Menschen beschäftigt/e und den Gedanken, dass eine bessere Welt (wie auch immer diese zu definieren ist) ohne Idealvorstellung nicht möglich sei, bis heute fortträgt.

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