Thomas Mulitzer

 2.7 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Tau.

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Tau

Tau

 (12)
Erschienen am 06.09.2017

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Rezension zu "Tau" von Thomas Mulitzer

Spurensuche
Sikalvor einem Jahr

„Die Leute haben es aber für bare Münze genommen. Viel gefährlicher als die Lügner selbst sind ja die Leute, die ihnen glauben. Die Naivität der Leute bringt die Lügner ja gerade erst dazu, zu lügen. Und sie haben ihm alle geglaubt. Sie waren da und haben alles durcheinandergebracht. Sie haben herumgestöbert und schamlos gelacht, und alles nur wegen dem Deppen und seinem Buch.“

 

Ein junger Student bekommt den Auftrag auf den Spuren Thomas Bernhards zu wandeln. Dazu reist er in sein Heimatdorf Weng, wohnt bei seinem Großvater, der bereits zur Zeit Thomas Bernhards dort ein Gasthaus betrieben hatte. Dieser Ort ist auch der Schauplatz von Bernhards Werk „Frost“, welches den Ort in kein schmeichelhaftes Licht taucht.

 

In „Tau“ lässt uns Thomas Mulitzer mit seinem Protagonisten auf Spurensuche gehen. Wir dürfen dabei sein, wenn dieser seine Beobachtungen der Dorfbewohner analysiert, seinen inneren Monologen nachhängt und Museen bzw. Ausstellungen besucht – alles im Sinne der Forschung sozusagen. Dass er sich manches Mal von seinen Studien abbringen lässt und in die Genusswelt der Gebirgswelt eintaucht, lässt sich nicht so ganz vermeiden.

 

Der Schreibstil Thomas Mulitzers ist sehr speziell, sehr provokant, manches Mal sogar unter der Gürtellinie. Doch mir hat dieser Schreibstil gefallen, es liest sich kurzweilig, bildgewaltig. Das Buch behandelt äußerst viele Themen, von denen mir nicht alle zugesagt haben – Kritik an der Literaturwelt, Korruption, Generationenkonflikt, Gesellschaftskritik … Was mir weniger gefallen hat, war die Darstellung der Bewohner von Weng, die teilweise ziemlich schlecht weggekommen sind (vermutlich im Sinne des Ursprungswerks „Frost“). Nur weil Menschen in einem „Kaff“ leben, heißt es nicht, dass alle gewaltbereit, dem Alkohol zugeneigt und ungebildet sind. Solche Pauschalierungen sind nicht nach meinem Geschmack.

 

Auf eine richtige Handlung, den roten Faden, wartet man vergeblich. Der Protagonist verläuft sich allzu oft in seinen Gedankenspielereien, seinen Abschweifungen, dreht sich irgendwie im Kreis. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch gerne gelesen, was aber ausschließlich diesem wunderbaren Schreibstil des Autors geschuldet ist. Wortspielereien und besondere Sprachgebilde faszinieren mich und lassen mich am Ende trotz einer fehlenden Handlung versöhnt sein.

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TochterAlices avatar

Rezension zu "Tau" von Thomas Mulitzer

Weng in den Augen von Thomas Bernhard und von seinem Nachfolger
TochterAlicevor einem Jahr

Oder Verfolger?

Nun, wie auch immer "Weng", das klingt chinesisch, gemeint ist aber ein kleines Dorf in Österreich, dasjenige nämlich, das in Thomas Bernhards Debütroman "Frost" eine Rolle spielte. Der Autor hat nämlich den Einwohnern einen Spiegel vorgehalten und zwar nicht zu knapp: selbstgerecht, voller Vorurteile, ja bösartig, so waren sie.

Für seinen Nachfolger, den namenlosen Ich-Erzähler des Romans, ist es eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, allerdings eine mit Bezug zu Bernhard. Er kehrt in den (inzwischen ehemaligen) Gasthof seiner Großeltern ein bzw. zurück, in dem das Buch entstand. Und zwar, inzwischen Assistent an der Uni, tatsächlich auf den Spuren von Bernhard zu Forschungszwecken.

Ein Buch, das es seinen Lesern nicht unbedingt leicht macht, denn Mulitzer schreibt scharfzüngig, provokant und bewusst polarisierend. Will er den Einwohnern von Weng (das es wirklich gibt, Bernhard hatte dort zwei Jahre in einer Lungenheilanstalt zugebracht) tatsächlich die Meinung geigen? Nun, es ist wohl mehr eine Auseinandersetzung mit Thomas Bernhard und dessen Figuren, vor allem aber mit sich selbst und seinen Erinnerungen.

Für Bernhard-Leser und Fans (bin ich beides nicht) sicher um einiges erfüllender als für mich, die die Entwicklungen wieder und wieder als verwirrend empfand. Und zu viel Sex, viel zu viel Sex für meinen Geschmack - hier wäre weniger wesentlich mehr gewesen, gerade auch im Hinblick auf die eigentlichen Schwerpunkte.

Dennoch, der Autor beeindruckt mit glasklaren Formulierungen, schwarzem Humor, scharfsinnigen Schlussfolgerungen - sprachlich ein wahrer Genuss. Wer sich also auf was Neues in jeder Hinsicht einlassen möchte - für den könnte dieses Buch was sein!

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Simi159s avatar

Rezension zu "Tau" von Thomas Mulitzer

Der Frost taut
Simi159vor einem Jahr

Auf den Spuren Thomas Bernhards reist ein junger Mann in sein Heimatdorf Weng im Innergebirg in Österreich. Das Gasthaus seiner Großeltern soll der Schauplatz für den Roman „Frost“ von Bernhard gewesen sein. 

Der junge Mann versucht für seinen Professor möglichst viel über dieses unbestätigte Gerücht und die Wahrheit dahinter herausbekommen. Immer tiefer taucht er dabei in die Vergangenheit Bernhards und die seiner eigenen Familie ein.

Fazit: Ein Roman, geschrieben wie ein Tagebuch, das ruhig in 27 Tagen die Erlebnisse des jungen Mannes bei seinem Großvater in Weng und auf den Spuren Thomas Bernhards beschreibt.

Als Leser folgt man ihm, bei seiner suche, taucht in alte Erinnerungen ebenso ein, wie in Jetztzeit Begegnungen mit Literaturverrückten und Größen des dörflichen Kulturbetriebes. Vieles ist absurd und wird durch den Erzähler und seine Sichtweise noch absurder, selbst wenn es ganz Alltägliche und banale Situationen sind. 

Dabei teilt der Autor, Thomas Mulitzer, ordentlich aus. Hält dem ach so Literaturbegeisterten und Ahnunghabenden wie auch den Hipstern und ewig Suchenden einen Spiegel vor. Das macht beim Lesen Spass, auch wenn er auf der selben Seite auch wieder trivial und belanglos in der Handlung werden kann.

Für den jungen Mann, über den man zwar viel aus seiner Vergangenheit erfährt, der ansonsten aber eher hüllenlos und blas im Charakter bleibt. Ja er ist Vegetarier, liest gern die Zeit und liebt Frauen. Doch das war es dann auch schon.

Immer mehr verschwimmen die Grenzen zwischen dem was mal war, war er selbst als Kind erlebt hat, was andere aus dem Umfeld des Autors ihm berichten ud was gerade im Hier und Jetzt passiert.

Für den Leser ist dies ähnlich, weil man dem jungen Mann, durch die stilistische Form des Tagebuches, in den Gedanken folgt; oft ohne zu wissen, was soll das ud am Ende auch mit einem Fragezeichen im Kopf. 

Das bleibt leider auch am Ende des Buches. Das mich auf seine ruhige Art unterhalten hat, und nach wenigen Seiten in seinem eigenen Sog mitgenommen hat. Ich konnte mich dem nicht entziehen, habe weiter, weiter und weiter gelesen. 

Gut, wenn auch speziell. Schade, dass ich das Ende nicht verstanden habe…

3 STERNE.

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Gespräche aus der Community

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Verlag_Kremayr-Scheriaus avatar

Worum geht's?

Ein junger Mann nimmt den Auftrag an, den Spuren des verstorbenen Autors Thomas Bernhard nachzugehen. Er reist in das Gebirgsdorf Weng und quartiert sich im Gasthaus seiner Großeltern ein, Schauplatz des skandalträchtigen Anti-Heimatromans „Frost“. Darin wird Weng als düsterer Ort mit schwachsinnigen Einheimischen geschildert, die Gastwirtin als Männerfresserin, die ihren Gästen Hundefleisch serviert. Nicht der Maler Strauch, sondern Thomas Bernhard selbst ist dieses Mal Objekt einer 27-tägigen Aufzeichnung. Der Protagonist hält die Beobachtungen und Gespräche fest, bis er entdeckt, dass die Vergangenheit, die er zu bewältigen versucht, ihn selbst überwältigt.
In seinem Debütroman lotet Thomas Mulitzer die Grenzen zwischen Realität und Fiktion aus. Aus dem Wechselspiel mit der literarischen Vorlage entwickelt sich eine eigene Dynamik, eine Sogwirkung, die bis zum Ende anhält. Ein Muss für alle „Bernhardianer“!

"Prof. Lavie hat mir aufgetragen, nicht aufzufallen. Er verlangt von mir einen detaillierten Bericht über alles, was ich in Erfahrung bringen kann. Die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft."


Thomas Mulitzer

geboren 1988, aufgewachsen in Goldegg im Pongau, lebt und arbeitet als Texter und Lektor in Salzburg. Absolvierte das Masterstudium MultiMediaArt an der FH Salzburg. Sound-Performances und Ausstellungen, unter anderem in der Residenzgalerie Salzburg. Macht Musik als Singer-Songwriter, im Mundart-Duo und in diversen Punkbands. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. "Tau" ist sein erster Roman.


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