Tau

von Thomas Mulitzer 
2,7 Sterne bei12 Bewertungen
Tau
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Positiv (2):
SenfKorn1993s avatar

Ruhiges, aber lesenswertes Buch!

Kritisch (5):
Diana182s avatar

Leider absolut nicht mein Geschmack- was will der Autor nur sagen????

Alle 12 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Tau"

Ein junger Mann nimmt den Auftrag an, den Spuren des verstorbenen Autors Thomas Bernhard nachzugehen. Er reist in das Gebirgsdorf Weng und quartiert sich im Gasthaus seiner Großeltern ein, Schauplatz des skandalträchtigen Anti Heimatromans „Frost“. Darin wird Weng als düsterer Ort mit schwachsinnigen Einheimischen geschildert, die Gastwirtin als Männerfresserin, die ihren Gästen Hundefleisch serviert. Nicht der Maler Strauch, sondern Thomas Bernhard selbst ist dieses Mal Objekt einer 27-tägigen Aufzeichnung. Der Protagonist hält die Beobachtungen und Gespräche fest, bis er entdeckt, dass die Vergangenheit, die er zu bewältigen versucht, ihn selbst überwältigt.
In seinem Debütroman lotet Thomas Mulitzer die Grenzen zwischen Realität und Fiktion aus. Aus dem Wechselspiel mit der literarischen Vorlage entwickelt sich eine eigene Dynamik, eine Sogwirkung, die bis zum Ende anhält. Ein Muss für alle „Bernhardiner“!

"Prof. Lavie hat mir aufgetragen, nicht aufzufallen. Er verlangt von mir einen detaillierten Bericht über alles, was ich in Erfahrung bringen kann. Die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft."

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783218010801
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Kremayr & Scheriau
Erscheinungsdatum:06.09.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Sikals avatar
    Sikalvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Beeindruckender Schreibstil, fehlende Handlung.
    Spurensuche

    „Die Leute haben es aber für bare Münze genommen. Viel gefährlicher als die Lügner selbst sind ja die Leute, die ihnen glauben. Die Naivität der Leute bringt die Lügner ja gerade erst dazu, zu lügen. Und sie haben ihm alle geglaubt. Sie waren da und haben alles durcheinandergebracht. Sie haben herumgestöbert und schamlos gelacht, und alles nur wegen dem Deppen und seinem Buch.“

     

    Ein junger Student bekommt den Auftrag auf den Spuren Thomas Bernhards zu wandeln. Dazu reist er in sein Heimatdorf Weng, wohnt bei seinem Großvater, der bereits zur Zeit Thomas Bernhards dort ein Gasthaus betrieben hatte. Dieser Ort ist auch der Schauplatz von Bernhards Werk „Frost“, welches den Ort in kein schmeichelhaftes Licht taucht.

     

    In „Tau“ lässt uns Thomas Mulitzer mit seinem Protagonisten auf Spurensuche gehen. Wir dürfen dabei sein, wenn dieser seine Beobachtungen der Dorfbewohner analysiert, seinen inneren Monologen nachhängt und Museen bzw. Ausstellungen besucht – alles im Sinne der Forschung sozusagen. Dass er sich manches Mal von seinen Studien abbringen lässt und in die Genusswelt der Gebirgswelt eintaucht, lässt sich nicht so ganz vermeiden.

     

    Der Schreibstil Thomas Mulitzers ist sehr speziell, sehr provokant, manches Mal sogar unter der Gürtellinie. Doch mir hat dieser Schreibstil gefallen, es liest sich kurzweilig, bildgewaltig. Das Buch behandelt äußerst viele Themen, von denen mir nicht alle zugesagt haben – Kritik an der Literaturwelt, Korruption, Generationenkonflikt, Gesellschaftskritik … Was mir weniger gefallen hat, war die Darstellung der Bewohner von Weng, die teilweise ziemlich schlecht weggekommen sind (vermutlich im Sinne des Ursprungswerks „Frost“). Nur weil Menschen in einem „Kaff“ leben, heißt es nicht, dass alle gewaltbereit, dem Alkohol zugeneigt und ungebildet sind. Solche Pauschalierungen sind nicht nach meinem Geschmack.

     

    Auf eine richtige Handlung, den roten Faden, wartet man vergeblich. Der Protagonist verläuft sich allzu oft in seinen Gedankenspielereien, seinen Abschweifungen, dreht sich irgendwie im Kreis. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch gerne gelesen, was aber ausschließlich diesem wunderbaren Schreibstil des Autors geschuldet ist. Wortspielereien und besondere Sprachgebilde faszinieren mich und lassen mich am Ende trotz einer fehlenden Handlung versöhnt sein.

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    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor einem Jahr
    Weng in den Augen von Thomas Bernhard und von seinem Nachfolger

    Oder Verfolger?

    Nun, wie auch immer "Weng", das klingt chinesisch, gemeint ist aber ein kleines Dorf in Österreich, dasjenige nämlich, das in Thomas Bernhards Debütroman "Frost" eine Rolle spielte. Der Autor hat nämlich den Einwohnern einen Spiegel vorgehalten und zwar nicht zu knapp: selbstgerecht, voller Vorurteile, ja bösartig, so waren sie.

    Für seinen Nachfolger, den namenlosen Ich-Erzähler des Romans, ist es eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, allerdings eine mit Bezug zu Bernhard. Er kehrt in den (inzwischen ehemaligen) Gasthof seiner Großeltern ein bzw. zurück, in dem das Buch entstand. Und zwar, inzwischen Assistent an der Uni, tatsächlich auf den Spuren von Bernhard zu Forschungszwecken.

    Ein Buch, das es seinen Lesern nicht unbedingt leicht macht, denn Mulitzer schreibt scharfzüngig, provokant und bewusst polarisierend. Will er den Einwohnern von Weng (das es wirklich gibt, Bernhard hatte dort zwei Jahre in einer Lungenheilanstalt zugebracht) tatsächlich die Meinung geigen? Nun, es ist wohl mehr eine Auseinandersetzung mit Thomas Bernhard und dessen Figuren, vor allem aber mit sich selbst und seinen Erinnerungen.

    Für Bernhard-Leser und Fans (bin ich beides nicht) sicher um einiges erfüllender als für mich, die die Entwicklungen wieder und wieder als verwirrend empfand. Und zu viel Sex, viel zu viel Sex für meinen Geschmack - hier wäre weniger wesentlich mehr gewesen, gerade auch im Hinblick auf die eigentlichen Schwerpunkte.

    Dennoch, der Autor beeindruckt mit glasklaren Formulierungen, schwarzem Humor, scharfsinnigen Schlussfolgerungen - sprachlich ein wahrer Genuss. Wer sich also auf was Neues in jeder Hinsicht einlassen möchte - für den könnte dieses Buch was sein!

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    Simi159s avatar
    Simi159vor einem Jahr
    Der Frost taut

    Auf den Spuren Thomas Bernhards reist ein junger Mann in sein Heimatdorf Weng im Innergebirg in Österreich. Das Gasthaus seiner Großeltern soll der Schauplatz für den Roman „Frost“ von Bernhard gewesen sein. 

    Der junge Mann versucht für seinen Professor möglichst viel über dieses unbestätigte Gerücht und die Wahrheit dahinter herausbekommen. Immer tiefer taucht er dabei in die Vergangenheit Bernhards und die seiner eigenen Familie ein.

    Fazit: Ein Roman, geschrieben wie ein Tagebuch, das ruhig in 27 Tagen die Erlebnisse des jungen Mannes bei seinem Großvater in Weng und auf den Spuren Thomas Bernhards beschreibt.

    Als Leser folgt man ihm, bei seiner suche, taucht in alte Erinnerungen ebenso ein, wie in Jetztzeit Begegnungen mit Literaturverrückten und Größen des dörflichen Kulturbetriebes. Vieles ist absurd und wird durch den Erzähler und seine Sichtweise noch absurder, selbst wenn es ganz Alltägliche und banale Situationen sind. 

    Dabei teilt der Autor, Thomas Mulitzer, ordentlich aus. Hält dem ach so Literaturbegeisterten und Ahnunghabenden wie auch den Hipstern und ewig Suchenden einen Spiegel vor. Das macht beim Lesen Spass, auch wenn er auf der selben Seite auch wieder trivial und belanglos in der Handlung werden kann.

    Für den jungen Mann, über den man zwar viel aus seiner Vergangenheit erfährt, der ansonsten aber eher hüllenlos und blas im Charakter bleibt. Ja er ist Vegetarier, liest gern die Zeit und liebt Frauen. Doch das war es dann auch schon.

    Immer mehr verschwimmen die Grenzen zwischen dem was mal war, war er selbst als Kind erlebt hat, was andere aus dem Umfeld des Autors ihm berichten ud was gerade im Hier und Jetzt passiert.

    Für den Leser ist dies ähnlich, weil man dem jungen Mann, durch die stilistische Form des Tagebuches, in den Gedanken folgt; oft ohne zu wissen, was soll das ud am Ende auch mit einem Fragezeichen im Kopf. 

    Das bleibt leider auch am Ende des Buches. Das mich auf seine ruhige Art unterhalten hat, und nach wenigen Seiten in seinem eigenen Sog mitgenommen hat. Ich konnte mich dem nicht entziehen, habe weiter, weiter und weiter gelesen. 

    Gut, wenn auch speziell. Schade, dass ich das Ende nicht verstanden habe…

    3 STERNE.

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    camilla1303s avatar
    camilla1303vor einem Jahr
    Auf den Spuren Thomas Bernhards

    Der Roman „TAU“ von Thomas Mulitzer ist 2017 im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen und ist der Debut-Roman des jungen, österreichischen Autors.

    „Ein junger Mann nimmt den Auftrag an, den Spuren des verstorbenen Autors Thomas Bernhard nachzugehen. Er reist in das Gebirgsdorf Weng und quartiert sich im Gasthaus seiner Großeltern ein, Schauplatz des skandalträchtigen Anti Heimatromans „Frost“. Darin wird Weng als düsterer Ort mit schwachsinnigen Einheimischen geschildert, die Gastwirtin als Männerfresserin, die ihren Gästen Hundefleisch serviert. Nicht der Maler Strauch, sondern Thomas Bernhard selbst ist dieses Mal Objekt einer 27-tägigen Aufzeichnung. Der Protagonist hält die Beobachtungen und Gespräche fest, bis er entdeckt, dass die Vergangenheit, die er zu bewältigen versucht, ihn selbst überwältigt.“, so der Klappentext zum Buch.

    An das Buch hatte ich große Erwartungen, bin ich doch selbst große Liebhaberin von den Thomas Bernhard literarischen Werken. Anfänglich habe ich auch gut in das Buch gefunden, war mitten im Geschehen im kleinen Bergdorf. Doch Seite für Seite ist meine Begeisterung abgeflacht. Thomas Mulitzer schreibt in derber Sprache, immer wieder sind mir die Handlung zu sexualisiert und das obwohl ich Antiheimat-Romane und Gesellschaftskritik vor allem aus dem Hause Kremayr & Scheriau sehr schätze. Aber auch für meinen schwarzen Humor sind die Schilderungen teilweise zu weit gegangen. Und doch habe ich immer wieder Parallelen zum Antiheimat-Roman „FROST“, sprich dem Debut-Roman Thomas Bernhards entdeckt, was mein misantrophes Herz wieder höherschlagen hat lassen. „TAU“ ist sicher ein lesenswertes Buch, das man jedoch nicht auf nüchternen Magen genießen sollte.

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    Diana182s avatar
    Diana182vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Leider absolut nicht mein Geschmack- was will der Autor nur sagen????
    Kategorie: Was will uns der Autor mit diesem Werk sagen!?

    Das Cover ist gänzlich in blau gehalten. Darauf prangt groß der kurze Titel des Buches. Zwar konnte ich mir nach dem Cover nocht nicht wirklich etwas vorstellen, aber nach dem ich einen Blick auf den Klappentext geworfen hatte, war ich neugierig. Die Geschichte schien spannend geschildert und lesenswert formuliert.

    Der Einstig in dass Buch war auch noch sehr viel versprechend geschrieben und hier und da gab es einen kleinen, etwas bitter bösen Witz, bei dem ich schon mal schmunzeln musste. Doch leider blieb mir im laufe der Zeit das Lachen deutlich im Halse stecken.

    Der Darsteller verliert sich immer mehr in Sexualphantasien und derben Beschreibungen, die mich einmal mehr angewidert ins Buch blicken ließen. Auch steigerte sich dies im Laufe der Zeit. Immer mehr Metaphern kamen ins Spiel, die Bilder in meinem Kopf erzeugten, welche ich absolut nicht haben wollte.

    Aber auch die Geschichte und deren Handlung schien sich irgendwann in sich selbst zu verlieren. Man liest Seite um Seite und blättert und blättert, aber der eigentliche Sinn der geschilderten Geschichte scheint gänzlich an mir vorbeigegangen zu sein. War ich zu sehr mit den seltsamen Bildern in meinem Kopf beschäftigt, die mich zu sehr von der eigentlichen Story ablenkten? Ich weiß es nicht und ehrlich gesagt ist dies ein Buch, was ich kein weiteres mal lesen mag, um es herauszufinden.

    Mein Fazit:
    Ich würde gern etwas positives schreiben, aber mein Geschmack wurde hier leider absolut nicht getroffen. Dieses Buch ist wahrlich Geschmackssache und die derbe Sprache entsprach leider absolut nicht meinem Humor.

    Aber auch die für mich fast handlungslose Geschichte und der Auftrag, der in meinen Augen auf der Strecke blieb, lässt eine Vielzahl an Fragen offen, die bis zu letzt keine Beantwortung fanden.

    Leider weiß ich echt Niemanden, dem ich dieses Buch empfehlen würde.

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    JessicaLiests avatar
    JessicaLiestvor einem Jahr
    Nicht überzeugend

    Klappentext:
    Ein junger Mann nimmt den Auftrag an, den Spuren des verstorbenen Autors Thomas Bernhard nachzugehen. Er reist in das Gebirgsdorf Weng und quartiert sich im Gasthaus seiner Großeltern ein. Darin wird Weng als düsterer Ort mit schwachsinnigen Einheimischen geschildert, die Gastwirtin als Männerfresserin, die ihren Gästen Hundefleisch serviert. Nicht der Maler Strauch, sondern Thomas Bernhard selbst ist dieses Mal Objekt einer 27-tägigen Aufzeichnung. Der Protagonist hält die Beobachtungen und Gespräche fest, bis er entdeckt, dass die Vergangenheit, die er zu bewältigen versucht, ihn selbst überwältigt.

    Meine Meinung:

    Der Schreibstil hatte sich in meinen Augen von Zeit zu Zeit abgebaut. In den ersten Seiten hat dieser mir deutlich besser gefallen. Dann wurde er mir einfach zu provokativ und zu derb. Das war nicht mehr in einem normalen Rahmen, sondern für mich einfach zu viel des Guten. Das fand ich einfach nicht schön zu lesen und hat auch nicht Spaß gemacht und eher den Lesefluss gestoppt.

    Auch wenn dieser mir nicht gefallen hat, passte er dafür umso besser zu dem Charakter. Den Charakter zu verfolgen war an sich interessant. Bei der Handlung habe ich aber stellenweise nicht durchblicken können. Es war nicht nach zu vollziehen, nicht logisch. Die ganzen Sexphantasien hätte es nicht gebraucht, genauso wie Alkohol etc., bzw. wenn sie nicht dauernd im Vordergrund gestanden hätten und eher so nebenbei gelaufen wären.

    Ich hatte das Gefühl man liest und liest und liest aber ohne das dabei etwas passieren würde. Spannung war für mich nicht vorhanden. Ich hatte mir das Buch anders vorgestellt, aber im Endeffekt ist es reine Geschmackssache. 

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    awogflis avatar
    awogflivor einem Jahr
    Thomas Bernhards Erbe

    Dieses beachtliche Romandebüt des jungen Autors Mulitzer strotzt bereits zu Beginn vor innovativen Ideen, einem wundervoll gewobenen Netz zwischen Fiktion und realen Ereignissen und dient als Hommage an den alten misanthropischen Meister der österreichischen Literatur.

    Die Hauptfigur, ein junger Schriftsteller und Uni-Assistent wandelt und recherchiert auf den Spuren von Thomas Bernhards Erstlingsroman FROST, in dem der Altmeister die Einwohner des kleinen salzburgischen Dorfs Weng als degenerierte, schwachsinnige, bösartige Missgeburten charakterisiert. Insbesondere die Großmutter des Protagonisten bekam von Bernhard ihr Fett weg, weil sie als nymphomanische Männerfresserin, die ihren Gästen hinterrücks Hundefleisch serviert, vernadert* wurde. Über diese Ereignisse spricht man seit Jahrzehnten nicht in der Familie und so macht sich der Student und beginnende Literat auf in das kleine Dorf, um Hintergründe und Wahrheiten aus seiner eigenen Familie zu untersuchen und herauszukriegen, inwieweit sich Bernhard eventuell durch schriftstellerische Freiheiten an der Oma gerächt hat, die ihn damals in einer intimen Beziehung enttäuscht oder auch abgewiesen haben könnte. Ihr seht schon, der Roman ist extrem vielschichtig, denn selbstverständlich sind die Figuren in FROST ein bisschen real, das Dorf Weng gibt es auch und Thomas Bernhard hat tatsächlich in der Gegend zwei Jahre in der Lungenheilanstalt  verbracht.

    So mixt Thomas Mulitzer gekonnt die Schauplätze und Figuren aus Bernhards literarischer Vorlage wie eben den Maler und die Dorfwirtin und baut sie – wie den Schriftsteller Thomas Bernhard persönlich – als Protagonisten in eine andere Familiengeschichte ein, die aber dennoch – auch vom Plot her – einige Parallelen zum Roman FROST aufweist.

    Dabei gelingt Mulitzer sehr ironisch mit wundervollen Sprachkonstruktionen und Wortwitz eine Charakterstudie sowohl des modernen Dorflebens als auch eine Abrechnung mit der Vergangenheit.

    „Im Cafe war es schwül wie in einem Schweinebauch. Die Kellnerin hielt den Organismus am Leben, indem sie Bier zu allen Zellen pumpte. […] Ich war als Eindringling in diesem Mikrokosmos nur ein Virus auf der Durchreise.„

        „Die alte Lungenheilanstalt thronte noch immer am Fuße des Berges. Im Gegensatz zu früher siechten die Kranken nicht mehr in einer halbverfallenen Liegehalle, sondern vegetierten in modern gestalteten Räumlichkeiten dahin, die mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet waren, die sich die Todgeweihten des 21. Jahrhunderts nur wünschen konnten. Kabelfernsehen bis zum allerletzten Augenblick. Verrecken am Puls der Zeit.“


    Weiters wird ganz grandios noch ein sehr böser Rundumschlag gegen den österreichischen Literaturbetrieb der Gegenwart geführt – insbesondere gegen das Festival, das tatsächlich in memoriam Thomas Bernhard in Goldegg nahe Weng stattfindet. Dort liest ein gefeierter Autor Namens J., ein überheblicher mit Drogenproblemen behafteter Schriftsteller, der schon viel zu früh viel zu berühmt wurde. Dieser Literat zeigt nach einem kurzem Flirt der Studentin Denise unvermittelt ein Foto seines Schwanzes. Ich kicherte beim Lesen wie Rumpelstilzchen und sang: „Ach wie gut dass niemand weiß, dass ich Thomas Glavinic heiß.“ (Dabei ist jede Ähnlichkeit mit Figuren des realen Lebens selbstverständlich frei erfunden und gaanz zufällig – vor allem dass der Autor auch noch J. heißt – wie Jonas – ist wirklich der Gipfel der Ironie.)

    So habe ich mich über weite Strecken köstlichst an der intelligenten Bosheit des Romans gelabt. Leider wird die Geschichte zum Ende wirr, keine einzige Frage klärt sich restlos sondern alles versinkt in vagen Andeutungen. Auch der Protagonist gibt irgendwie auf, alle offenen Fragen zu untersuchen und wird vom Dorf absorbiert, bevor er plötzlich und ziemlich grundlos abreist. Irgendwie verweigert mir Thomas Mulitzer das Ende der Story, und so etwas kann ich nicht leiden. Ich weiß natürlich schon genau, warum er dies tut, denn auch der Roman FROST, der als Vorbild dient, ist nicht als Vertreter des klassischen Entwicklungsromans zu sehen, im Gegenteil: er fungiert als ein sehr innovativer Degenerationsroman. Insofern ist dieser Abschluss dann wieder nur die konsequente Anlehnung an die Vorlage, auch wenn er mir nicht gefällt.

    Fazit: Sehr gutes, lesenswertes, vielschichtiges Romandebüt – nicht nur für Thomas Bernhard-Fans geeignet.

    *vernadern = denunzieren, verraten

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    SenfKorn1993s avatar
    SenfKorn1993vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ruhiges, aber lesenswertes Buch!
    Bis es taut...

    Der Klappentext beschreibt das Buch wie folgt:

    Ein junger Mann nimmt den Auftrag an, den Spuren des verstorbenen Autors Thomas Bernhard nachzugehen. Er reist in das Gebirgsdorf Weng und quartiert sich im Gasthaus seiner Großeltern ein, Schauplatz des skandalträchtigen Anti Heimatromans „Frost“. Darin wird Weng als düsterer Ort mit schwachsinnigen Einheimischen geschildert, die Gastwirtin als Männerfresserin, die ihren Gästen Hundefleisch serviert. Nicht der Maler Strauch, sondern Thomas Bernhard selbst ist dieses Mal Objekt einer 27-tägigen Aufzeichnung. Der Protagonist hält die Beobachtungen und Gespräche fest, bis er entdeckt, dass die Vergangenheit, die er zu bewältigen versucht, ihn selbst überwältigt.

    Der Debütroman von Thomas Mulitzer ist wie ein Tagebuch aufgebaut und enthält Berichte über 27 Tage, die der Protagonist bei seinem Großvater verbringt. 
    Die Sprache des Autors schwankte zwischen hoher Literatur und ganz profaner Sprache, die sich immer der Szenen angepasst hat.
    Die Handlung hat keinen großen Spannungsbogen, aber die Entwicklung des Protagonisten kann aber genau nachvollzogen werden und steht auch im direkten Zusammenhang mit dem Titel ;)

    Alles in Allem ist "Tau" ein eher ruhiges, aber lesenswertes Buch! 

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    Miamous avatar
    Miamouvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Der provokante Schreibstil war meins, den muss man aber mögen. Gefehlt hat mir an vielen Stellen eine logische Handlung!
    Bewältigungen

    In seinem Debütroman „Tau“ schickt Thomas Mulitzer einen jungen Mann, mit einem Auftrag seines Professors, nach Wenig, wo er auf den Spuren Thomas Bernhards und seinem Roman „Frost“ wandeln soll. Der junge Mann zieht bei seinem Großvater ein, der Thomas Bernhard kannte, der er Stammgast in seinem Wirtshaus war. In einer 27 – tägigen Aufzeichnung schreibt der junge Mann alles auf, was er von Thomas Mann in Erfahrung bringen kann, dringt dabei aber auch immer weiter in seine eigene Vergangenheit vor und wird gezwungen sich damit auseinanderzusetzen.

    Mit einem sehr provokanten mitunter derben Schreibstil von der ersten bis zur letzten Zeile muss der Leser rechnen, wenn er zu diesem Buch greift. Thomas Mulitzer ist dabei sehr konsequent geblieben. Mich hat dieser Schreibstil doch sehr beeindruckt, obwohl mir durchaus klar ist, dass er nicht jedermanns Sache ist. Trotzdem passt diese Sprachgewalt zum Charakter des jungen Mannes, der die Geschichte in der Ich – Form erzählt.

    Er beschreibt sich selbst als anders. Er ging als einer der wenigen seines Jahrgangs ins Gymnasium und nach der Matura ist er in die Stadt gezogen, dort wird er fast zum Dauerstudent und weiß nicht so recht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Sein Professor schickt ihn zurück in seinen Heimatort Weng, mit einem klaren Auftrag, nämlich alles über Thomas Bernhard und seinem Werk „Frost“ herauszufinden. Warum der Professor ihn allerdings dort hinschickt, also welche Intention dahintersteckt, wird bis zum Ende des Buches leider nicht klar. In den ersten Kapiteln wird man trotzdem wunderbar in die Vergangenheit mitgenommen. Der Protagonist erzählt sehr viel aus seiner Schublade und auch von seinem Großvater erfährt man so einiges.

    Gleichzeitig übt der Autor für mich auch einiges an Gesellschaftskritik, Generationenkonflikt, allgemeine Kritik an der Literaturwelt und Zugehörigkeitsproblemen aus. Wobei er diese mehr am Protagonisten festmacht, der die Tendenz hat, alles Mögliche einfach nur schlecht zu reden. Dies allerdings kann möglicherweise auch wieder daran liegen, dass er nicht so recht weiß, wo er hingehört. Am Ende stellt sich bei ihm jedoch ein wenig das Thema ein, dass man Wurzeln und Flügel haben kann.

    Was mir an dem Buch jedoch wirklich gefehlt hat, war eine runde, logische Handlung. Viel zu oft ging es rein darum, welche Sexphantasien der Protagonist hat (diese hatte er meistens in der Kirche, die er aufgrund seines Großvaters sonntags besucht) und seinen Eskapaden mit Alkohol und Drogen. Als dann etwa ein Dreiviertel des Buchs rum war, muss man als Leser leider zur Kenntnis nehmen, dass nicht klar ist, wohin mit der Handlung und leider ändert sich das bis zum Ende des Buches nicht wirklich. Es gibt zwar in den letzten Kapiteln noch so etwas wie „Reue“ und „Arbeiten“ des jungen Mannes, aber da ist es schon ein wenig spät.

    Der spezielle Schreibstil wiegt das Fehlen einer Handlung leider nicht auf. Es gab diese kleinen Ereignisse, Episoden und Beschreibungen, die wirklich gut waren, aber nicht so recht in eine Handlung gesetzt wurden.

    Mit einer Leseempfehlung tue ich mir schwer. Leser, die eine logische Handlung brauchen, werden sich mit „Tau“ etwas schwertun. Dennoch fand ich den Schreibstil gut und konsequent und deswegen würde es sich lohnen, in das Buch auf jeden Fall einmal hineinzuschnuppern. Während der Lektüre habe ich mich öfter gefragt, ob es mir mit „Tau“ leichter gegangen wäre, wenn ich vorher „Frost“ gelesen hätte. Leider kann ich das bis dato nicht beantworten.

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    Anteks avatar
    Antekvor einem Jahr
    Ich bin definitiv die falsche Zielgruppe für diesen provokant, derben Sprachstil

    Ein junger Mann bekommt von seinem Professor den Auftrag nach Weng zu reisen, um dort alles über den Autor Thomas Bernhard, der im Jahr 1963 durch seinen Anti Heimatroman „Frost“ berühmt wurde, in Erfahrung zu bringen. Bernhard schilderte Weng als düsteren Ort mit schwachsinnigen Einheimischen. Der junge Mann hat Abschnitte seiner Kindheit und Jugend ebenfalls dort in dem kleinen Bergdorf im Hinterland des Innergebirges verbracht, dann aber schnell möglichst die Flucht in eine Stadt angetreten. Für seine Recherchen quartiert er sich im ehemaligen Gasthaus seiner Großeltern bei seinem neunzigjährigen Opa ein.

    Da im Klappentext darauf hingewiesen wird, dass der junge Mann von seiner Vergangenheit überwältigt wird, dass es eigentlich um ihn geht war ich daher bei den Worten "Prof. Lavie hat mir aufgetragen, nicht aufzufallen. Er verlangt von mir einen detaillierten Bericht über alles, was ich in Erfahrung bringen kann. Die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft.", war ich sofort gespannt. Was wird auf den jungen Mann dort zukommen, welche Absichten hat dieser Professor Lavie eigentlich wirklich? Auch der provokante Schreibstil, er macht sich z.B. Gedanken wie „Schreiben besteht nicht nur Hirnwichsen“, nicht nur aus dem „Hinrotzen von Gespinsten“, konnte mich auf den ersten Seiten richtig begeistern und ich habe diesen Roman bester Dinge begonnen. Auch der Opa hat mir mit seinen neunzig Jahren, so fit und mit Humor versehen, richtig gut gefallen. Einige spitze, teilweise bitterböse Sprüche wie „Ein guter Tag beginnt mit einem Frühstück. Ich frühstücke nie“, „Ihr Äußeres war ihrer Naivität um einiges voraus“ oder „ergonomische Sitzmöbel sind ein Fremdwort in der katholischen Kirche“, haben mir auf den ersten Seiten richtig Lesegenuss verschafft.

    Dann wurde mir die Geschichte aber um vieles zu derb. Klar wird es auf Dorffesten immer betrunkene Männer geben, auch solche, die keine öffentlichen Toiletten benutzen. Einmal provokant, übertrieben dargestellt,  mag das auch noch okay für mich sein, hier wird aber ständig gepisst, alles voll uriniert und diese Szenen werden mit für mich zu derben Worten beschrieben. Diese Ausführungen haben mir zunehmend Ekel verursacht und wirklich nach und nach jeglichen Lesegenuss genommen. So stellt er sich z.B. auch beim Frühstück mit einer Julia, mit der er einen One Night Stand hatte, vor, wie deren Mann kackt, denkt beim Credo an Allerheiligen auf dem Friedhof an die heilige Vorhaut von Jesu und im ganzen Roman hat er nur bei einem Kirchgang, und er begleitet seinen streng gläubigen Opa einige Male, so gut wie keine sexuelle Fantasie, die nicht in den härtesten Worten beschrieben wird.

    Der junge Mann begibt sich in seine Heimat, in ein Örtchen, in dem ihm scheinbar alles zuwider ist, und erinnert sich in Fragmenten an Erzählungen, an seine sexuellen Erfahrungen, seine Schulzeit und er besucht Tagungen im Nachbarort. Er säuft bis er „dunkelblau“ und nicht nur blau ist, kifft und hat One Night Stands. Wie die Vorträge der Veranstaltungen zu Ehren des Autors Thomas Bernhard im benachbarten Luftkurort anderer Autoren wirklich mit dem Auftrag über den Autor zu recherchieren zusammenhängen wurde mir nicht schlüssig klar. Ich habe die Reden eher als vernichtendes Urteil für derzeitige Autoren empfunden, wodurch der junge Mann auch angesprochen fühlen müsste. Durch andere Gespräche erfährt man ebenfalls nicht viel über den Autor Bernhard, zudem Gegensätzliches. Es gibt einige Berichte zu Einheimischen, die zur Nazizeit dem Regime getrotzt haben, das fand ich interessant, wobei mir der Stil daran auch zunehmend den Gefallen nahm.

    Der Mann sehnt sich meiner Meinung nach Heimat, nach Zugehörigkeit. Er ist für mich so eine Art verirrte Seele, die nicht weiß, wo sie hingehört. Das spiegeln für mich auch die zunehmenden Gedankenfetzen, mit denen hier erzählt wird, wider. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es in Weng weit weniger schrecklich ist, als von ihm empfunden, und dass seine Beschreibungen eigentlich eher sein Leben, als den Ort an sich betreffen.

    Schade empfand ich ein bisschen, dass Prof Lavies wirkliche Absichten auch am Ende nicht mehr konkret zur Sprache kamen, aber vielleicht wollte er wirklich ohne Hintergedanken nähere Informationen zum Autor des Romans „Frost“

    „Mein Bericht siecht dahin wie eine Frühgeburt in der Mülltonne. Er hat keine Zukunft", sind Worte des jungen Mannes am Ende dieses Romans, als er die Aufzeichnungen für den Professor fertigstellt. Ist dieses Buch der Bericht? Ich weiß nicht, ich finde den Vergleich schon äußerst heftig, in der Bewertung der Geschichte ist die Tendenz aber wohl meiner Meinung ganz ähnlich. Ich bin definitiv die falsche Zielgruppe für diesen Roman.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Verlag_Kremayr-Scheriaus avatar

    Worum geht's?

    Ein junger Mann nimmt den Auftrag an, den Spuren des verstorbenen Autors Thomas Bernhard nachzugehen. Er reist in das Gebirgsdorf Weng und quartiert sich im Gasthaus seiner Großeltern ein, Schauplatz des skandalträchtigen Anti-Heimatromans „Frost“. Darin wird Weng als düsterer Ort mit schwachsinnigen Einheimischen geschildert, die Gastwirtin als Männerfresserin, die ihren Gästen Hundefleisch serviert. Nicht der Maler Strauch, sondern Thomas Bernhard selbst ist dieses Mal Objekt einer 27-tägigen Aufzeichnung. Der Protagonist hält die Beobachtungen und Gespräche fest, bis er entdeckt, dass die Vergangenheit, die er zu bewältigen versucht, ihn selbst überwältigt.
    In seinem Debütroman lotet Thomas Mulitzer die Grenzen zwischen Realität und Fiktion aus. Aus dem Wechselspiel mit der literarischen Vorlage entwickelt sich eine eigene Dynamik, eine Sogwirkung, die bis zum Ende anhält. Ein Muss für alle „Bernhardianer“!

    "Prof. Lavie hat mir aufgetragen, nicht aufzufallen. Er verlangt von mir einen detaillierten Bericht über alles, was ich in Erfahrung bringen kann. Die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft."


    Thomas Mulitzer

    geboren 1988, aufgewachsen in Goldegg im Pongau, lebt und arbeitet als Texter und Lektor in Salzburg. Absolvierte das Masterstudium MultiMediaArt an der FH Salzburg. Sound-Performances und Ausstellungen, unter anderem in der Residenzgalerie Salzburg. Macht Musik als Singer-Songwriter, im Mundart-Duo und in diversen Punkbands. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. "Tau" ist sein erster Roman.


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    Letzter Beitrag von  TochterAlicevor einem Jahr
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