Thomas Paulsen

 4 Sterne bei 3 Bewertungen

Lebenslauf von Thomas Paulsen

Thomas Paulsen ist Inhaber des Lehrstuhls für Gräzistik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Thomas Paulsen

Cover des Buches Die Apokalypse des Johannes: Neu übersetzt von Stefan Alkier und Thomas Paulsen (Frankfurter Neues Testament) (ISBN: 9783506702814)E

Rezension zu "Die Apokalypse des Johannes: Neu übersetzt von Stefan Alkier und Thomas Paulsen (Frankfurter Neues Testament)" von Stefan Alkier

Das letzte Buch der Bibel in einer neuen präziseren originaleren Übersetzung.
Eric_Maesvor einem Jahr

Nicht weniger als die Übersetzung aller 27 neutestamentlichen Schriften ist das langjährige Ziel des Frankfurter Neuen Testaments mit den wirkungsmächtigsten und meistrezipierten Texten der Weltliteratur. Dabei geht es den Autoren Stefan Alkier, einem Theologen und neutestamentlichen Exegeten, und Thomas Paulsen, einem klassischen Philologen und Gräzisten, nicht um eine Neubearbeitung der Bibel aus kirchlicher Sicht oder aus ideologischen Gründen sondern erstmals in der Geschichte der Bibelübersetzungen um ein Übersetzen ausschließlich an den Worten der zu übersetzenden Texte. Dabei wollen sie die Ästhetik – durch die Beibehaltung der syntaktischen Struktur -, die Ausdruckskraft und Komplexität der Sprachen- hier der wörtlichen Übersetzung aus dem Koine-Griechisch des 1.Jhd.n.Chr. - beibehalten und eine Übersetzung in erster Linie an philologischen Kriterien vornehmen. Die Bibel ist den Augen der Autoren Weltliteratur und nicht das Buch der Kirchen und somit unterscheiden sie sich in ihrer Übersetzung von anderen Bibelübersetzungen wie der Luther-Bibel, der Zürcher Bibel oder der Bibel in gerechter Sprache, da es nicht um Interpretationen und in erster Linie Tradition geht sondern um präzise Übersetzung. Es gibt bereits philologische Übersetzungen im Spektrum des Marktes jedoch fehlt denen laut den Autoren die philologische Präzision. Den Autoren geht es um „Erstens: die Bindung, vollständig zu übersetzen, nichts wegzulassen und nichts hinzuzufügen. Zweitens, die ursprünglichen Vorstellungen des Dichters in ihrer Reinheit und Eigentümlichkeit zu bewahren. Und drittens, die Abfolge dieser Vorstellungen, so wie die Dinge die Welt dem Dichter im Satz und im Gefüge der Sätze vor Augen kommen, soweit nur irgend möglich auch im deutschen zu bewahren.“

Es sei vorweggenommen, dass die grandiose Übersetzungsleistung und tiefe Arbeit, nicht zu einer einfacheren, sondern eher komplexeren Sprache führt und das Buch in erster Linie als Studienbuch bzw. für den tiefer interessierten Leser und Rezipienten empfohlen sei. Für einen besseren Lesefluss ist die Übersetzung mit einem Lesetext ohne Kapitel und Verszahlen sowie einer Studienausgabe gedruckt. Hierbei ist anzumerken, dass in den griechischen Handschriften keine Kapiteleinteilungen noch Verszahlen vorhanden sind und die Autoren hiermit einer originaleren Übersetzung näherkommen. In beiden Texten verzichten die Autoren zudem auf Zwischenüberschriften, da diese ihnen zu viel Interpretationsspielraum geben und nicht zur Übersetzung wie oben angesprochen gehören. Die Übersetzung führt an einigen Stellen zu neuen inhaltlichen Erkenntnissen und Interpretationen – exemplarisch sei hier die Übersetzung des Böckleins genannt, welches bei anderen Autoren ein Widder ist. Zur Komplexität tragen die zahlreichen grammatischen Norm- und Regelverstöße bei, welche Johannes sich im Original erlaubt und welche fast alle durch die Autoren im Epilog mit einer bewussten Gestaltungsabsicht von Johannes erläutert werden.

Das Buch beginnt mit einer zwanzig Seiten starken Einleitung, in der Bemerkungen zur Übersetzung und übersetzungstheoretische Debatten und Reflexionen erläutert werden. Hier bekommt man ein Verständnis für die komplexe wissenschaftliche Arbeit und Herausforderungen, denen sich die Autoren gegenübersahen. Dabei ist den Autoren bewusst, dass auch beim bestwissentlichen Übersetzen die „Kunst des richtigen Opferns“ begangen werden muss.

Im Lesetext und der Studienausgabe wird der Leser herausgefordert mitzudenken, aufmerksam zu lesen, zu wiederholen bzw. zu imaginieren. Zudem wird die literarische Kompetenz sprachlich auf ein hohes Niveau gestellt. Die Übersetzung an sich ist eine starke Leistung, welche ihre Wirkung erst durch den Epilog, der sich dem Lesetext und dem Studientext anschließt, entfaltet und die Herausforderungen damit an zentralen und ausgewählten Beispielen sehr gut begleitet. Er eröffnet die vielfältige, reiche und komplexe Welt der Apokalypse. Im Epilog werden Bezüge zum Text und Anregungen zur inhaltlichen Interpretation und Reflexion gegeben. Hier nutzen die Autoren philologische, literaturwissenschaftliche und theologische Beobachtungen zur Komposition der Johannesapokalypse. Es geht dabei u.a. um Transformationen der Gottesbezeichnung, die enge Verknüpfung mit der griechischen Mythologie und die Intertextualität in der Schreibweise. Dabei werden zentrale Interpretationsansätze vorgeführt. Sehr hilfreich in Ergänzung zum Lese- und Studientext ist zudem eine schematische kurze Darstellung des Textes, welche die makro-syntaktische Ebene der Komposition darstellt und damit die Kraft der Gestaltung nicht nur auf der Wort- und Satzebene verdeutlicht. Diese Darstellung kann aus meiner Sicht noch mehr in der Kapitelstruktur hervorgehoben werden.

Zum Abschluss hängt ein Glossar zu den Griechisch – Deutsch-Übersetzungen an, in dem auch Varianten der Übersetzungen gewichtet werden und nochmals die Herausforderungen des riesigen Übersetzungsprojektes deutlich werden. Ein Gesamtkommentar dazu soll noch erarbeitet werden und das Übersetzungs-Projekt wird die Autoren sicher noch einige Jahre weiterbeschäftigen.

Das Frankfurter Neue Testament wird eine unabdingbare Ergänzung der Bibel-Bibliotheken werden und es bleibt zu wünschen, dass es auch über Jahre durchgehalten wird!

Das ist Wissenschaft auf großem Niveau und Übersetzung von Weltliteratur mit höchster Präzision! 5 Sterne!

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