Thomas Piketty

 4,6 Sterne bei 20 Bewertungen
Autor von Das Kapital im 21. Jahrhundert, Kapital und Ideologie und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Thomas Piketty

Thomas Piketty, geboren 1971, ist Professor an der Pariser École d’economie. 2013 erhielt er den Yrjö Jahnsson Preis der European Economic Association. Sein Buch "Das Kapital im 21. Jahrhundert" ist ein internationaler Bestseller.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Thomas Piketty

Cover des Buches Das Kapital im 21. Jahrhundert (ISBN: 9783406688652)

Das Kapital im 21. Jahrhundert

 (13)
Erschienen am 21.12.2020
Cover des Buches Kapital und Ideologie (ISBN: 9783406745713)

Kapital und Ideologie

 (3)
Erschienen am 11.03.2020
Cover des Buches Ökonomie der Ungleichheit (ISBN: 9783406750014)

Ökonomie der Ungleichheit

 (2)
Erschienen am 17.02.2020
Cover des Buches Die Schlacht um den Euro (ISBN: 9783406675270)

Die Schlacht um den Euro

 (2)
Erschienen am 12.03.2015
Cover des Buches Der Sozialismus der Zukunft (ISBN: 9783406777349)

Der Sozialismus der Zukunft

 (0)
Erscheint am 16.09.2021
Cover des Buches Die Schlacht um den Euro (ISBN: 9783844519488)

Die Schlacht um den Euro

 (0)
Erschienen am 23.03.2015
Cover des Buches Das Kapital im 21. Jahrhundert (ISBN: 9783844518344)

Das Kapital im 21. Jahrhundert

 (0)
Erschienen am 12.01.2015
Cover des Buches Capital in the Twenty-First Century (ISBN: 9780674430006)

Capital in the Twenty-First Century

 (0)
Erschienen am 15.05.2014

Neue Rezensionen zu Thomas Piketty

Cover des Buches Kapital und Ideologie (ISBN: 9783406745713)M

Rezension zu "Kapital und Ideologie" von Thomas Piketty

Akribisch und genau die Welt nach vorne gedacht
michael_lehmann-papevor 9 Monaten

Akribisch und genau die Welt nach vorne gedacht

 

Als direkter Nachfolger seines Werkes „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ setzt Picketty in diesem fulminanten „nach vorne Denken“ einer möglichen anderen Wirtschaftsordnung dem Leser ein akribisch verfasstes, in den Quellen überaus fundiertes und in der Breite der Darstellung und der Tiefenschärfe der Argumente und Thesen Gedankenwerk vor Augen, dass sicherlich zu den lesenswertesten Untersuchungen gesellschaftlicher Narrative und wirtschaftlicher Reflexion der Gegenwart gehört.

 

Wobei, das sollte vorweg klar sein, Picketty nicht populärwissenschaftlich in Erzählform seine Gedanken vorlegt, sondern in wissenschaftlicher Form mit ständigen Verweisen auf Statistiken und Erkenntnissen der Forschung arbeite. Mit dem Vorteil, dass jede Überlegung, These, Analyse und der entsprechende Blick auf Alternativen fundiert hergeleitet und in den Argumenten überzeugend dargelegt wird, mit dem Nachteil für „schnelle Leser“, dass das Werk eben nicht schnell gelesen werden kann, sondern eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten und eine gewissen Konzentration auf die Lektüre erfordert.

 

Dann aber wird der Leser durchaus reichlich belohnt. Nicht nur mit einem in sich schlüssigen Konzept einer „sozial-ausgleichenden Wirtschaft und Gesellschaft “ der Zukunft, sondern auch mit einer ebenso akribischen Entlarvung gängiger Narrative über „Eigentum und Kapital“, die mit überraschenden Erkenntnissen nicht zu knapp aufwartet.

 

Dazu verhilft es einfach schon, einen Blick auf das letzte Jahrhundert zu werfen, was steuerliche Hebesätze angeht. Im Anblick eines neo-liberalen Narrativs, dass hohe Steuern umgehend zu sinkender Motivation für „Unternehmer“ führen werden und, plakativ formuliert, Steuern ein immenses Hindernis für das nötige Wachstum der Wirtschaft darstellen, das unbedingt sein muss, damit es „allen“ besser geht.

 

Dass der Steuerhöchstsatz dabei für 48 Jahre, von 1932 bis 1980, in den USA und Großbritannien bei um die 80 Prozent lagen (Großbritannien gar 89 Prozent). 58 Prozent in Deutschland und 60 Prozent in Frankreich, ohne dass die Welt unterging. Im Gegenteil, Jahre, in denen sich, vor allem nach 1945, trotz „grausamer“ Steuerlast für Hochverdienende, die Welt sich ganz prächtig wirtschaftlich entwickelt hat. Mit der Folge, zudem einen hohen Abbau von Ungleichheiten in der Bevölkerung zu ermöglichen, so dass es faktisch „allen“ besser ging als zuvor.

 

Auf einige hundert Jahre hochgerechnet weist Picketty zudem nach, dass bei einer durchschnittlichen Erhöhung der Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent in diesen vielen Jahren ebenfalls die Welt finanziell „zu einem besseren Ort gewesen ist“, was im Vergleich zu Renditeforderungen um die fünf Prozent seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eben eher gegenteilig sich auswirkte.

 

Rendite und niedrige Steuern, dafür die Akkumulation des Kapitals in immer schneller Potenzierung seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts hat die Gesellschaften der Welt in ihrer Stabilität, sichtbar und nachweisbar, zurückgeworfen statt für solide und stabile Verhältnisse zu sorgen.

 

So dass man, und das ist vielleicht gar nicht als extremer Gedanke zu verstehen, fast davon ausgehen muss, dass es das Ziel der Finanzpolitik. der Wirtschaftspolitik und der neo-liberalen Ideologien sein könnte, bei den reichen 0,1 Prozent der Welt am Ende 100 Prozent der Werte zu konzentrieren. Die Tendenz zumindest, das weist Picketty Seite für Seite nach, ist erkennbar und vollzieht sich faktisch.

 

Seit den 80er Jahren etwa, der Ära von Reagan und Thatcher, sinken die Belastungen für Hochverdienende immens. Mit der Folge, dass es, auf das Gesamte gesehen, viel mehr Bewohnern der Erde deutlich schlechter geht als zuvor und nur einigen deutlich besser.

 

Mitsamt der Folge des Abgehängt-Werdens weiter Teile der Gesellschaften und damit einhergehender, zunehmender politischer Instabilität. Die durchaus mit einer gesunden Mittelschicht verbunden war. Erodiert diese, erodieren auch die vorhanden gesellschaftlichen und politischen Strukturen. Mitsamt im Übrigen, auch dies im Werk fundiert dargelegt, dass die Narrative eines „durch persönliche Leistung nach oben kommen“ als Illusion nurmehr behauptet werden, die Zahlen sprechen da eine ganz andere Sprache.

 

Die Wurzel des Übels macht Picketty dabei in der enggefassten „Erzählung“ der Priorität des „privaten Eigentums“ aus und des daraus resultierenden „Hyperkapitalismus“, der nicht nur inzwischen ganze, ehemals einigermaßen austarierte Gesellschaften und stabile politische Systeme ins Wanken bringt, sondern zugleich gar die Lebensgrundlage der gesamten Menschheit, den Planeten selbst, an den Rand der Zerstörung bringt. Und stellt diesem seine Idee eines „temporären Eigentums“, auf das erkennbar und spürbar Steuern zu entrichten sind, gegenüber.

 

All dies formuliert Picketty nicht polemisch, sondern ruhig, sachlich und nachvollziehbar, bevor er zu einer „Konstruktion der Gleichheit“ ebenso überzeugend überleitet, wie Elemente einer solchen „Rückbesinnung“ und „Zukunftsvision“ formuliert.

 

Eine Lektüre, die Pflicht sein sollte (auch wenn sie trocken daherkommt) angesichts auch der Folgen der aktuellen Pandemie und der, auch in dieser klar erkennbaren, „unverdienten“, aber wohl systemisch gewollten,  Wohlstandssteigerung bestimmter Gruppen, denen die Verluste zahlenmäßig immens größerer Teile der Menschheit gegenüberstehen.

 

Dies nicht mehr auf Dauer hinzunehmen und eben nicht freiwillig die Welt zwischen einem Prozent Besitzender und 99 Prozent Habenichtse in naher Zukunft aufgeteilt zu haben, das ist Kern und roter Faden dieses beeindruckenden Werkes. Dafür aber braucht es tatsächlich die Entzauberung eines von Machtinteressen geleiteten „Narrativs“ und die Installation eines von „solidarischen Interessen“ motivierten neuen Narrativs. Ohne das, da ist sich Picketty zumindest sicher, der gesamte Planet nicht nur keine friedliche, sondern eher gar keine Zukunft, außer der von Partikularinteressen in einer Übergangszeit vor dem völligen Kollaps der Systeme haben wird.

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Cover des Buches Kapital und Ideologie (ISBN: 9783406745713)Wedmas avatar

Rezension zu "Kapital und Ideologie" von Thomas Piketty

Großartiges Werk! Unbedingte Lesepflicht!
Wedmavor einem Jahr


Es ist Lesehighlight des Jahres. Solche Werke kommen max. alle 5 Jahre, wenn überhaupt. Ich bin noch nicht ganz durch. Aber ich bin jetzt schon schwer begeistert.

Klappentext beschreibt den Inhalt sehr treffend: „ Kapital und Ideologie ist eine so noch niemals geschriebenen Globalgeschichte der sozialen Ungleichheit und ihrer Ursache, eine unnachsichtige Kritik der zeitgenössischen Politik und zugleich der kühne Entwurf eines neuen und gerechteren ökonomischen Systems. Nichts sehr geschrieben: Der Kapitalismus ist kein Naturgesetz. Märkte, Profite und Kapital sind von Menschen gemacht. Wie sie funktionieren, hängt von unseren Entscheidungen ab.“

Es liest sich sehr gut, wie ein gutes, reichhaltige Gespräch mit einem Freund, der sich in der Materie prima auskennt und seine Sicht der Dinge mithilfe von etlichen Diagrammen, Graphiken, Beispielen etc. mit dem Leser teilt.

„Kapital und Ideologie“ ist ein großartiges Meisterwerk. Die globale Geschichte so eigenartig, so packend und wohl begründet zu erzählen!

Und: Dass Neoliberalismus keine alternativlose Entwicklung ist, ist hier überzeugend geschildert.

Man kann seitenlang über dieses Buch schreiben. Besser: Lesen Sie selbst.

Das Buch ist leserfreundlich gemacht. Die Anmerkungen findet man in den Fußnoten auf der gleichen oder der nächsten Seite. Sehr praktisch. Man muss nicht stets hinten danach suchen. Gerade bei so einem umfangreichen Buch ist so eine Lösung sehr angenehm. So kann man sich besser auf den Text konzentrieren. Ansonsten: Festeinband in Rot. Umschlagblatt aus festem, glattem Papier. Der Name des Autors und der Titel sind haptisch hervorgehoben. Lesebändchen in Goldgelb. Perfekt als Geschenk.

Fazit: Großartiges Werk! Unbedingte Lesepflicht!

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Cover des Buches Ökonomie der Ungleichheit (ISBN: 9783406698460)M

Rezension zu "Ökonomie der Ungleichheit" von Thomas Piketty

Umfassend erläutert
michael_lehmann-papevor 5 Jahren

Umfassend erläutert

Für den wirtschaftlichen „Nicht-Fachmann“ ist es sicherlich eine hohe Hürde, sich in diesen schmalen, aber überaus akribisch recherchierten und gehaltvollen Band einzulesen.

Es dauert, bis man z.B. die P90/P10 Zahlenrelation verstanden hat und bedarf eines konzentrierten Lesens von Text und Diagrammen, um dieser einkommenssoziologischen Studie aus dem Jahre 1997 „näher zu rücken“.

Was auf den ersten Blick vielleicht „veraltet“ scheint, stellt sich im Verlauf der Lektüre aber als durchaus nicht relevant für die Bedeutung des Inhaltes Heraus.

Das breite statistische Material, mit dem der Autor die französische Gesellschaft im Blick auf ökonomische Ungleichheiten betrachtet, ist sicherlich in der Tendenz auch in der Gegenwart noch stimmig, aktuelles Zahlenmaterial könnte umgehend eingearbeitet werden und die Koeffizienten von unterem und oberem Einkommen, Lohn, Beschäftigungen außerhalb der Sozialversicherungen etc. wäre sicherlich dem Stand von 1997 gegenüber erhöht, die Relationen aber reichen auch in dieser nicht aktuellen Form des Materials aus, das Prinzip zu erkennen.

Zudem, und das ist der eigentliche Gewinn des Werkes, gelingt es Piketty ruhig und sachlich, gerade in der Frage der „Ungleichheit“ von „Kapital und Arbeit“ und die Kernfrage des „sozialen Ausgleiches“ auf zwei grundlegende Alternativen herunter zu brechen, die auch für die gegenwärtige Situation (wie seit Langem schon) sich exakt in gleichem Maß stellen.

Eine Frage, die auch im weiteren Verlauf der Darlungen von Piketty immer wieder in die reine Betrachtung des Status Qu der Datenlage eingeführt wird.

„Reine Umverteilung“ und „Effiziente Umverteilung“ sind die Stichwörter, die Picketty mit auf den Weg gibt und die er durch die verschiedenen Theorien und Thesen der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre hindurch im Auge behält.

Nur „Steuern erheben“ und damit „Gewinne“ verteilen oder in die Produktionsprozesse eingreifen und die „Aneignung der Gewinne durch die Kapitalbesitzer als solche in Frage zu stellen.

Von der Sozialversicherung bis zur Kaufkraftstärkung, von einer „echten Arbeitslosenquote“, in die Piketty dann eben für die USA auch die 2,5 Millionen arbeitsfähigen Häftlinge mit einbezieht (die in keiner Statistik der Arbeitslosigkeit dort auftauchen) bietet Piketty eine sorgsame Analyse der historischen Gründe finanzieller Ungleichheit, deren genaue Daten für das Jahr 1997 in Frankreich und eine Reihe von weiteführenden Überlegungen, wie diese Ökonomie der Ungleichheit zu verändern wäre in Richtung auf eine gerechtere Verteilung der vorhandenen Mittel.

Ohne dabei mit mahnendem Zeigefinger einen „Königsweg“ vorzuschlagen, sondern im Gesamten zu einer intensiveren (und, wie die Gegenwart zeigt, dringend nötigen) weiterführenden Diskussion durch Daten und Aufzeigen der verschiedenen Alternativen seinen gewichtigen Beitrag zu leisten.

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