So ein atmosphärischer Krimi, der auch von der griechisch-türkischen Geschichte ein gutes Stück preisgibt. Als Hörbuch wunderbar.
Klappentext beschreibt die Eckpunkte recht gut: „Was in Istanbul geschah, ist nun viele Jahrzehnte her. Und doch findet die neunzigjährige Kinderfrau keine Ruhe – sie hat noch alte Rechnungen zu begleichen. Kommissar Charitos folgt ihren Spuren: Sie führen nach ›Konstantinopel‹, in eine Vergangenheit mit zwei Gesichtern – einem schönen und einem hässlichen.
Petros Markaris präsentiert mit ›Die Kinderfrau‹ einen Roman voll Nostalgie – sein bisher persönlichstes Buch.“
Eigentlich ist es nicht unbedingt ein Krimi im klassischen Sinne. In diesem Fall macht es nichts aus. Es ist eine faszinierende und atmosphärische Geschichte einer einfachen Frau, die ihr Leben lang geschuftet hat, u.a. auch als Kinderfrau, und nun, am Ende ihrer Tage wollte sie es nochmals wissen.
Solch tiefe Einblicke in das eher schwierige griechisch-türkische Verhältnis, die treffende Vergleiche der Mentalität der beiden Nationen bekommt man nicht alle Tage in einer krimiähnlichen Geschichte serviert. Bezeichnend war, dass der Autor Petros Makaris Wert darauflegte, bei all den Unterschieden auf die Gemeinsamkeiten hinzuweisen, von denen es nicht so wenige gibt, wenn man darauf achtet.
Ansonsten trifft man hier alle Elemente eines gelungenen Regio-Krimis: Besuch der Sehenswürdigkeiten, gleich zu Anfang ist Charitos mit seiner Frau und noch paar Leuten in der Hagia Sophia. Da werden schon einige Dinge zur Geschichte erzählt. Später gehen sie mit einer ortskundigen Bekannten einkaufen. Tipps zum erfolgreichen Feilschen auf dem Bazar inkl.
Die Schicksalsgeschichten mehrerer einfacher Leute wurden auch in den Erzählteppich eingewoben. Das Essen taucht oft genug auf und die Themen rund um das Essen, griechisch wie türkisch: was man isst, wie man isst usw. Charitos reist durch die Türkei, da werden die Schauplätze bildhaft und lebendig präsentiert.
Eigentlich ist Charitos nur zu Besuch in Istanbul. Er wird aber gebeten, als Beobachter bei den Ermittlungen der lokalen Polizei mitzuwirken. Klar, dass er es nicht beim passiven Beobachten belässt. Sonst wäre es wohl zu keiner Aufklärung gekommen und die Person, die hinter den Morden steckt, wäre auch nicht so schnell gefunden.
Die Art zu erzählen ist zwar leicht ausufernd, aber nur sehr leicht. Ich weiß nicht, ob ich diesen Krimi gelesen hätte, aber hören konnte ich ihn nebenbei ganz wunderbar. Tommi Piper hat toll gelesen und diese Geschichte vor meinem inneren Auge aufleben lassen. Gern höre ich weitere Bücher in seiner Darbietung.
Es gibt noch mehrere Fälle mit Charitos. Sobald sie bei meinem Abo-Hörbücher-Anbieter auftauchen, Mitte September kommen gleich 4 Stück, höre ich sie ganz bestimmt.




