Bananen, Würstchen und Chilischoten werden uns auf dem Umschlag präsentiert, textlich begleitet von den kulinarischen Vorbereitungen auf ein Rendezvous. Dieses Buch offeriert 18 erotische Rezepte und die Aussicht auf amouröse Abenteuer. Lust und Genuss! Nicht unbedingt mein bevorzugter Lesestoff, doch die Begeisterung für die vorangegangene Anthologie (Liebe und andere Schmerzen) und nicht zuletzt auch die Liste der beteiligten Autoren hat mich dennoch zu diesem Buch greifen lassen. Wie sich herausgestellt hat, eine mehr als gute Entscheidung, denn „Gleich, Liebes, gleich ...“ ist so viel mehr, als die Verpackung vermuten lässt. Klappentext und Untertitel sind das größte und vielleicht auch einzige Manko. Ich persönlich sehe leider eine enorme Diskrepanz zwischen dem suggerierten und dem tatsächlichen Inhalt dieser Anthologie.
Ich weiß nicht, ob es Zufall oder Absicht ist, aber das kackgrüne „Q“ des Covers legt sich wie ein Schatten über die knallbunte Leichtigkeit. Grafisch etwas ungünstig, aber symbolisch perfekt, denn genau das ist der Punkt. Die wenigsten Geschichten dieser Anthologie kommen fluffig leicht daher. Die Bürde des kategorial "Anderen" ist in fast allen Texten präsent. Die Autoren zeichnen vielschichtige und komplexe Bilder von Individuen, die eben genau das sind, und nicht nur homo- oder transsexuelle Stereotype. Es sind größtenteils universelle Themen. Geschichten die von der Herrlichkeit, aber auch von der Brutalität des Begehrens erzählen. Geschichten die uns darin bestärken Gleichheit zu erkennen, ohne Unterschiede zu verleugnen.
Im ersten Satz der Zusammenfassung heißt es: „Liebe geht durch den Magen.“ Emotionen, Wahrnehmungen und Erinnerungen auch. In den seltensten Fällen ist Essen eine profane Einverleibung von Lebensmitteln. Wir zelebrieren, inszenieren und ritualisieren. All das sind feste Bestandteile unserer kulturellen Identität. Wir essen nie das reine Produkt, sondern immer auch, und vor allem, die Assoziationen die wir damit verbinden. Im Idealfall sind dies positive Dinge, manchmal kämpft man jedoch mit einem schalen Nachgeschmack, oder der Bissen bleibt einem sogar sprichwörtlich im Halse stecken. Und genau darum geht es bei diesen Kurzgeschichten. Keine Reduktion auf Erotik. Kein Feel-good-Ringelrein unter dem Regenbogen und schon gar kein Liebesschnulz mit Happy-End-Garantie. Diese Texte sind wie das Leben. Schmerzvoll, ungerecht, gemein, bösartig, manchmal sogar widerwärtig, zutiefst erschütternd, fragil, unendlich traurig und gleichzeitig so verdammt zauberhaft, so wundervoll, lebendig, charmant, stark, erhaben, amüsant, liebevoll und einfach nur beschissen großartig – die ganze Palette eben. Die Chilischote ist nicht nur ein Symbol für heiße Erotik, ihre Schärfe treibt einen auch die Tränen in die Augen und verursacht Magengeschwüre. Neben der literarischen Qualität ist es vor allem diese Wahrhaftigkeit, dieses Auf und Ab der Emotionen, das den Leser mitreißt und begeistert.
„Gleich, Liebes, gleich ...“ ist kein Fast Food. Viele der Geschichten brauchen Raum und Zeit um sich zu entfalten, wie das Bouquet eines guten Weins. Wenn man ihnen jedoch diese Zeit gewährt, wird man mit einem reichen Nachklang belohnt.