Hicks McTaggart muss nehmen, was er bekommt. Der Privatdetektiv hat in Zeiten der Prohibition nicht nur finanzielle Sorgen, sondern auch noch alte Feinde im Nacken und da kommt ihm der Auftrag, eine verschwundene Millionenerbin aufzuspüren, gerade recht. Aber schon bald wachsen ihm die Dinge über den Kopf und man legt ihm nahe, einen Ozean zwischen sich und Milwaukee zu bringen. Aber ob Europa viel angenehmer ist? Jedenfalls reißen die Probleme auch dort nicht ab.
Thomas Pynchon lässt in seinem Roman die Dreißigerjahre mit einer unglaublichen Detailfülle wiederaufleben. Was er als Hintergrund recherchiert, reicht manchem Autor als Hauptstory. Er durchleuchtet die amerikanische und europäische Gesellschaft mit ihren Subkulturen und Seilschaften, er rekonstruiert den Alltag in Zeiten der Depression, beschreibt damals neue technische Entwicklungen und flicht ganz nebenbei die großen Skandalstories der Gazetten mit ein. Der Leser wird mitten hineingeworfen in dieses Babylon aus Verworfenheit und undurchschaubaren Charakteren. Wer steht auf welcher Seite? Wer ist Freund, wer ist Feind? Und gibt es da überhaupt einen Unterschied?
Neben der brillanten Recherche sticht Pynchon auch als großer Stilist hervor. Man könnte ihm auf eine Stufe mit Raymond Chandler stellen, von dem er sich einige Techniken abgeschaut hat. Die coolen Dialoge, die witzigen Metaphern, das hat schon viel von Chandler. Aber Chandler dosiert seine Pointen etwas sparsamer, während Pynchon ununterbrochen aus allen Rohren feuert, wodurch die Wirkung irgendwann nachlässt. Und dann fällt auf, dass die völlig linear erzählte Geschichte ein wenig ziellos bleibt. Es tauchen Personen auf und verschwinden wieder, ihre Funktion für die Story ist oft kaum nachzuvollziehen, manchmal sorgen sie nur für eine (zweifellos gut gemachte) Szene. Am Ende habe ich mir verwundert die Augen gerieben, aber ich könnte die Geschichte beim besten Willen nicht nacherzählen. Es passiert zu viel und nicht immer würde ich meine Hand ins Feuer legen, dass die Entwicklungen auch wirklich logisch sind. Ich gebe zu, solche Momente gibt es auch bei Chandler, aber bei ihm hatte ich noch nie den Eindruck, als hätte mich eine literarische Dampfwalze überfahren. Pynchon ist ein grandioser Rechercheur und hervorragender Schriftsteller, aber „Schattennummer“ hat auf mich gewirkt, als hätte einer ein Streichholz in eine Kiste mit Feuerwerkskörpern geworfen. Eindrucksvoll, aber ein bisschen too much.





















