Thomas Pynchon Bleeding Edge

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Inhaltsangabe zu „Bleeding Edge“ von Thomas Pynchon

Eine historische Romanze über New York in den frühen Tagen des Internets. Ironisch, anarchisch, düster.
'Bleeding Edge' nennt man eine so neuartige elektronische Anwendung, dass sie noch keinen erwiesenen Nutzen hat. Wie etwa DeepArcher, eine verbesserte Version von Second Life, in der alles möglich scheint. Sogar Geldwäsche oder Terrorplanung für 9 /11, ohne dass man eine Spur hinterlässt. Deshalb interessiert sich dafür neben Geheimdiensten und internationalen Verbrechern auch eine kleine New Yorker Wirtschaftsdetektivin namens Maxine Tarnow, jüdisch, geschieden, zwei schulpflichtige Kinder, mit einer wirklich wenig beeindruckenden Beule in der Handtasche, da, wo sie ihre Damen-Beretta versteckt …

Anspruchsvoll und unterhaltsam. Deutlich einsteigerfreundlicher als Pynchons andere Romane, aber nicht sein bester.

— letusreadsomebooks

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  • Thomas Pynchon | BLEEDING EDGE

    Bleeding Edge

    Bookster_HRO

    26. September 2017 um 10:13

    Ich habe wirklich aufmerksam gelesen, habe über zwanzig A5-Seiten in meinem Pynchon-Notizbuch (das ich seit Jahren bei jeder Pynchon-Lektüre führe) vollgeschrieben, habe mir alles nochmal durchgelesen … dennoch ist jeder Versuch einer Inhaltsangabe zum Scheitern verurteilt. Wie immer. Ein Pynchon-Plot ist einfach nicht auf einen Nenner runterzurechnen. INHALT: Die Geschichte erstreckt sich vom Frühjahr 2001 bis ins Folgejahr und ist in New York City angesiedelt. Die Anschläge auf das World Trade Centre sind also Dreh- und Angelpunkt. Maxine Tarnow ist Ermittlerin für Wirtschaftsbetrug und hat seit dem Platzen der Dotcom-Blase alle Hände voll zu tun. Besonders die Firma HASHSLINGRZ und ihr obskurer Chef Gabriel Ice sind ganz tief in undurchsichtige Geldgeschäfte verwickelt. Je tiefer Maxine in die Machenschaften eindringt, desto klarer wird ihr, dass es Ice nicht nur ums liebe Geld geht: Der Mann hat auch politisch und international großen Einfluss. Als schließlich die Zwillingstürme einstürzen, führen alle Spuren zu Gabriel Ice. Mit einem bunten Haufen aus IT-Nerds und Friedensaktivisten nimmt Maxine den Kampf auf. FORM: Alles, was einen waschechten Pynchon-Roman ausmacht, ist auch hier wieder vertreten: Dutzende verrückte Charaktere, witzige Dialoge, Insider-Gags ohne Ende (wahrscheinlich habe ich nicht mal die Hälfte verstanden), und auch gesungen wird natürlich. Hinzu kommt eine überbordende Beschreibungslust und der gewohnt zahllose Haken schlagende Plot. FAZIT: Ich fühle mich nach einem Pynchon-Roman immer leer und ausgelaugt, fix und fertig, wie nach einem anstrengenden Crosslauf. Aber wenn ein paar Monate der Rekonvaleszenz vergangen sind, muss ich wieder los, mich martern lassen und rufen: »Bitte, Thomas, hier bin ich Unwürdiger, mach mich fertig!« … Und er tut es, immer und immer wieder … fünf Sterne! *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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  • Das wahrscheinlich zugänglichste Buch von Thomas Pynchon

    Bleeding Edge

    letusreadsomebooks

    01. August 2017 um 14:49

    Manhattan kurz vor und kurz nach 9/11. Nachdem die Dotcom-Blase geplatzt ist, entwickeln einige Programme ein Eigenleben im Internet. Eines davon trägt den Namen DeepArcher. Dahinter verbirgt sich eine verbesserte Version von Second Life, nur scheint hier wirklich alles möglich zu sein. Problemlos ist hier Geldwäsche und auch die Planung von Terroranschlägen machbar, ohne eine Spur zu hinterlassen. Kein Wunder also, dass sich sowohl Geheimdienste als auch Verbrecher dafür interessieren. Auch die Wirtschaftsdetektivin Maxine Tarnow, jüdisch, geschieden, Mutter zweier Jungs wird aufmerksam auf das Programm. Bleeding Edge ist der zuletzt veröffentliche Roman von Thomas Pynchon. Im Gegensatz zu den anderen Werken des Autors, die ich bis jetzt gelesen habe, verzichtet er hier auf die vielen Perspektivwechsel und verfolgt auch nicht zahllose Handlungsstränge. Ein Trend, der sich wohl schon in dem zuvor veröffentlichten Buch Natürliche Mängel gezeigt hatte. Das Tempo von Bleeding Edge ist ziemlich hoch. Nachdem viele Internet-Unternehmen durch das Platzen der Blase Pleite gegangen sind, befinden sich auf dem Markt nur noch wenige Firmen. Diese arbeiten häufig mit unlauteren Mitteln. Vor allem die Softwarefirma hashlingrz sticht hier hervor und lässt „Microsoft wie Greenpeace aussehen“. Maxine Tarnow kommt in Berührung mit dem Unternehmen, als sie einem Auftrag nachgeht. Zunächst ahnt sie nicht, worin sie sich hier verstricken lässt, bis sie in einem Chaos aus Betrügereien und Finanzspekulationen landet. Drum herum geht es um Verschwörungstheorien rund um die Anschläge vom 11. September, die teilweise unmittelbar mit der Handlung verknüpft werden. Es gibt Geschichten von Familienmitgliedern, die zur Arbeit gefahren sind, von Freunden und Freunden von Freunden, es gibt Telefongespräche, Gerüchte und Folklore, und unterdessen kommen die Mächte ins Spiel, in deren zwingendem Interesse es liegt, das Narrativ so schnell wie möglich unter ihre Kontrolle zu bringen, sodass der verlässliche historische Horizont   rasch auf einen trostlosen kleinen Kreis um den „Ground Zero“ schrumpft – eine Bezeichnung aus dem kalten Krieg, aus den in den frühen Sechzigern so beliebten Atomkriegsszenarien. Was geschehen ist, war etwas gänzlich anderes als ein sowjetischer Atomangriff auf Manhattan, doch diejenigen, die ständig von „Ground Zero“ reden, tun das ohne Scham oder Gespür für Etymologie. Es dient nur dazu, die Menschen in eine bestimmte Richtung zu treiben. Getrieben, verängstigt und hilflos sollen sie sein. Die Figur, welche die ganzen Bezugspunkte miteinander verknüpft, ist Maxine Tarnow. Im Verlaufe der Handlung begegnet sie einer Vielzahl an skurrilen Persönlichkeiten: Verschwörungstheoretiker, Fuß-Fetischisten, Killern, einem freiberuflicher Riecher, der entdeckt hat, dass Hitler und Kennedy dasselbe Eau de Cologne benutzt haben und vielen mehr. Trotz der eigentlich ernsten Themen ist der Roman zudem an vielen Stellen auch wirklich witzig. Typisch für Pynchon sind die vielen Anspielungen auf popkulturelle Phänomene. Vor allem die Dialoge sind sehr schlagfertig und humorvoll gestaltet. Aus den Seiten scheint der Sprachwitz teilweise nur so zu sprühen. Ein weiteres großes Thema des Romans ist die Rolle, welche die Technologie und ihre Entwicklung für die Menschen spielt. Das betrifft vor allem die Digitalisierung. Bleeding edge technologies besitzen ungemeine Möglichkeiten. Allerdings ist gleichzeitig die zukünftige Gefahr, die von ihnen ausgeht, nicht kalkulierbar. Aus dem Mund von Maxines Vater Ernie gibt es zudem mehr als deutliche Kritik an der Kommerzialisierung des Internets und den damit verbundenen Möglichkeiten. Von mir aus nenn es Freiheit, aber es basiert auf Kontrolle. Alle sind miteinander verbunden, keiner kann mehr verlorengehen, nie mehr. Tu den nächsten Schritt und verbinde das Internet mit diesen Handys und du hast die totale Überwachung, kein Entkommen. Kannst du dich an die Comics in der Daily News erinnern? An Dick Tracys Armbandfunkgerät? Die Dinger werden überall sein, alle Trottel werden darum betteln, eins tragen zu dürfen, die Handschellen der Zukunft. Großartig. Davon träumen die im Pentagon: weltweites Kriegsrecht. Ich hatte mit Bleeding Edge jede Menge Spaß, würde es aber nicht unbedingt als 9/11-Roman bezeichnen, auch wenn die Terroranschläge eine Rolle spielen. Aber es macht viel Freude mit Maxine durch New-York zu schlendern, die zahlreichen Restaurants mit ihr zu besuchen und all den verrückten Menschen zu begegnen. Die Balance zwischen ernster und düsterer Geschichte auf der einen Seite und witzigen und skurrilen Personen, Dialogen, Orten und Gegebenheiten auf der anderen Seite stimmt absolut. Typisch für Pynchon gibt es natürlich unzählige Verweise und Anspielungen, denen die Leser dabei wieder nachgehen können. Auch sein immer wiederkehrendes Thema Paranoia kommt in Bleeding Edgenicht zu kurz. Verschwörungstheorien an allen Ecken und Enden. Empfehlenswert ist Bleeding Edge somit allemal. Außerdem finde ich es einfacher und kurzweiliger als andere Romane des Autors, was aber nicht bedeuten soll, dass es besser als diese ist. Wer Pynchon bereits kennt, weiß vermutlich vorher worauf er sich einlässt und diejenigen, die ihn noch nicht kennen, oder bis jetzt eher einen Bogen um seine Werke gemacht haben, finden hier einen guten Einstieg, der im Vergleich zu anderen Romanen nicht so umfangreich und kompliziert ist, dabei aber immer noch ein gutes Buch ist, das sowohl anspruchsvoll als auch unterhaltsam ist. „Nein, ich meine, der ganze Spätkapitalismus ist ein einziges globales Pyramidensystem – die Art von Pyramide, auf der man Menschenopfer darbringt, und es kommt nur darauf an, den armen Trotteln weiszumachen, dass es immer so weitergeht.“

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  • Bleeding Edge - Kategorie Lob und Hudel

    Bleeding Edge

    thursdaynext

    „Wir leben von gestundeter Zeit. Wir wollen billig davonkommen. Wir denken nie darüber nach, wer dafür bezahlt, wer irgendwo anders auf engstem Raum mit anderen hausen und hungern muss, damit wir billige Lebensmittel haben, ein Haus mit Garten in einem Vorort...und das weltweit, jeden Tag mehr – unsere Schuldenlast steig und steigt. Und alles was die Medien uns anbieten, ist: Scha – luchz, all die unschuldigen Toten. Aber scheiß drauf. Weißt du was? Alle Toten sind unschuldig. Sowas wie ununschuldige Tote gibt’s gar nicht.“ Nach einer Weile: „Du willst das jetzt nicht erklären, oder?“ „Natürlich nicht es ist ein Koan.“ Lost in space of virtuell reality; Virtuelle Realität, die auch in den Anfängen des der Allgemeinheit zugänglichen, weltweit genutzten Internets bereits einen deutlichen Drift in Richtung Heimstatt für die gequälten Paranoikerseelen der Verschwörungstheoretiker bot. Mysteriöse Welten hart am Rande der Legalität und Realität findet die aus Leserinnensicht sehr sympathische Protagonistin Maxine hier vor. Dabei ist sie ursprünglich keiner großen Sache, sondern mit ihrer entlizensierten Betrugsagentur nur den üblichen kleinen kapitalistischen Schweinereien auf der Spur. Abstand vom Ex, ihre zwei Söhne, Otis und Ziggy, die typischen Modefragen und genussvollen Sex hat sie zusätzlich auf dem Schirm, während sie gefangen zwischen jüdischem Traditions- und Religionsballast und Alltagsaufgaben auf eine seltsame Spur voller Zufälle trifft.... Skurrile, authentische Charaktere wie Emotherapeut Shawn: „Interessant Maxine. Möchtest du vielleicht...darüber sprechen?“ Mit diesem strahlenden, leeren, vielleicht aber lediglich kalifornischen Das – ganze Universum – ist – ein Witz – den – du – bloß – nicht- kapierst – Lächeln, das sie so oft zu gänzlich unbuddhistischen, wutgetränkten Tagträumen treibt. Maxine kann es nicht direkt Flachsinn nennen, aber würde mal jemand einen Druckprüfer in Shawns Ohr stecken, dann würde das Ding wohl ein paar Bar zuwenig anzeigen.“ Stiften in Maxines Lebens- und Gedankenwelt und der Story nicht nur zusätzlich Verwirrung. Shawn setzt sie mit seinen herrlich witzigen Koans und sonstigem Esoterikgeschwafel immer wieder auf die heiße Fährte und auch die anderen Nebendarsteller runden das Bild und damit auch die Story bestens ab. „Zwei Buddhas zwei Türme, interessante Parallele, na und?“ „Die Trade - Center Türme waren auch religiöse Symbole. Sie haben das symbolisiert, was dieses Land mehr anbetet als alles andere: den Markt. Immer dieser verdammte heilige Scheißmarkt.“ „Du meinst es war was Religiöses?“ „Ist es denn keine Religion? Wir reden von Leuten die glauben, dass die unsichtbare Hand des Marktes alles lenkt. Sie führen heilige Kriege gegen Konkurrenzreligionen wie den Marxismus. Obwohl wir wissen, dass die Welt endlich ist, hängen sie dem blinden Glauben an, dass die Rohstoffe nie zur Neige gehen und die Profite immer weiter steigen werden, ebenso wie die Weltbevölkerung – noch mehr billige Arbeitskräfte, noch mehr abhängige Konsumenten.“ Heidi, die beste Freundin hingegen „...und als ich mich schließlich umdrehe, sehr ich zwei Frauen in meinem Alter. „Älter! in deinem Alter.“ ist weniger Trost, vielmehr Sparringspartnerin. Irgendwie Exehemann Horst, der Börsianer savant, den Maxine nach unguter Trennung doch wieder vorfindet, mogelt sich, gereift - in Anbetracht der Tatsache, dass er ein Mann ist, immer unter Vorbehalt - in ihr Leben. Ein chaotisch, konfuses Leben unter Vollgas. Pynchon schreibt wie Woody Allen auf Speed. Schmeißt einen genussvoll in die Atmosphäre des New Yorks der Nuller Jahre. Dabei behält er die erzählerischen Fäden in der Hand, auch wenn die dialoglastige, über mehrere Ebenen gestreute Geschichte, in erster Linie von Maxines Gedanken gespeist wird, hauptsächlich aus ihrer Perspektive geschildert ist. Er schafft eine witzige, geistreiche Atmosphäre, die nicht vor Albernheit zurückschreckt, sie mit einbaut, ohne darin zu versumpfen und schlicht intelligenten Heidenspaß beim Lesen bietet. Eine Neun Elfer Screwball Komödie. Die zwei Geschichten (oder waren es drei?) entwickeln sich derart komplex und vor allem mitreißend, dass man nach Beendigung des Buches fast bedauert, über ein (noch) intaktes Kurzzeitgedächtnis zu verfügen, denn entweder man möchte ewig weiterlesen und mit Maxine ihr Leben und ihre Gedanken teilen, oder gleich nochmal von Beginn an eintauchen. Bei einem derart gehaltreichen fetten Saftschinken (Wälzer) gilt ein besonderes Lob dem kongenialen Übersetzer Dirk van Guusteren, der nicht umsonst ein großes Renommee in der Branche genießt und etliche Preise verdient mit heim nehmen konnte. DankT. Pynchon und D. v. Guusteren, diesen beiden Großen der Branche ist dieses herausragende Stück Literatur in der Übersetzung ein einziger Genuß. Clever, smart, voll kreativer Wortschöpfungen. Für mich ein Buchschätzchen und Jahreshighlight! So ergibt sich für den, der es mit genügend Aufmerksamkeit bis zum Ende des Romans schafft - Pynchon eignet sich absolut nicht für flüchtiges nebenbei Konsumieren - dass er plötzlich entrüstet feststellt, das Buch hört einfach auf, und egal wie stimmig und passend das Ende ist, - das ist es - hier bleibt die begeisterte Leserin ein wenig vergrätzt zurück, denn Maxine weiterzubegleiten, in die Pynchonsche virtuelle Realität einzutauchen wird fehlen, genauso wie Maxine.

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    • 3
  • New Yorker Tingel-Tangel

    Bleeding Edge

    rallus

    'Bleeding Edge' bezeichnet eine neue Technologie, die noch nicht ganz ausgetestet und dementsprechend unzuverlässig ist. New York 2001 vor dem 9/11, Maxine ist die Mutter von zwei Jungs, fast geschieden und ihre Firma entzertifiziert. Sie ermittelt in Betrugsdingen und kommt einem großen Ding auf die Spur: Gabriel Ice mit seiner Firma haslingrz. Hier erhält sie zu vielen interessanten Leuten Kontakt, gewinnt ihren Ehemann Horst wieder und mehrere Leichen pflastern den Weg ihrer Untersuchungen. Doch nach dem 11.September wird das Leben in New York ganz anders und auch die heiße Spur verliert sich im Dunst. Es ist nicht einfach in Pynchons Buch Bleeding Edge eine Spur einer Geschichte auszumachen. Bleeding Edge vor dem 11. September verliert sich in Fragmenten, internem New Yorker Geschwätz, Gedanken über Judentum, Taxifahrer, was-zieh-ich-an, wie-gefalle-ich-ihm, was-trinke-ich-wo und sonstigen diversen typischen New Yorker Gesellschaftsproblemen. Richtig tiefsinnig wird das nicht, manches mal blitzt ein schöner Gedanke, lesbare Absätze hindurch, meist werden die Personen aber wahllos ausgetauscht und nicht großartig charakterisiert, selbst Maxine kommt einem wie die gedankenlose Sex-in-the-city Hauptdarstellerin vor. Die Technologie Elemente sind putzig zu lesen, der Anfang des Internet, es gab noch keine Smartphones, aber auch hier geht Pynchon nicht sonderlich in die Tiefe. Er kann durchaus schreiben, so ist es nicht, aber es fehlt doch ein wenig der Zusammenhalt. Von im Klappentext groß angekündigten zwei Geschichten kann ich noch nicht einmal eine entdecken. Nach dem 11.September wird das Buch plötzlich etwas klarer, nach etwa 40 Seiten dümpelt es aber wieder im brodelnden Großstadt-slang dahin, ohne erkennbare Muster, ohne roten Faden. Nicht dass es schlecht zu lesen wäre, nur strengt die ständige Bezug-auf-etwas-nehmen-was-ich-nicht-kenne Schreibe ohne Geschichte doch etwas an und fliegt an einem vorbei ohne das groß was hängen bleibt. Das Ende ist gar kein Ende sondern das Buch hört einfach auf, nach 2 Wochen werde ich wohl gar nichts mehr im Kopf haben. Immerhin ich habs durchgelesen, das ist doch schon was!

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    • 2
  • Held der Gegenwartsliteratur

    Bleeding Edge

    BettinaR87

    11. February 2015 um 14:49

    New York, Anfang der 2000-er. Die Dotcom Blase ist kürzlich geplatzt und New York ist voll mit Verlierern. Inmitten dieses bunten Haufen stößt die Privatermittlerin Maxine auf das mysteriöse Hashslingerz. Ein Unternehmen, das nicht existiert, aber viel Geld in den Nahen Osten schafft … Achtung, es folgt Schwärmerei. Ein Buch von Pynchon ist immer Buch, das seinen Anschaffungspreis mehr als wert ist. Dafür gibt es so viele Gründe! Auch wenn es sich flüssig liest, ist es nicht super schnell durchgelesen. Man bekommt ordentlich was geboten. Manchmal deutet der Autor Hintergründe nur leicht an. Manchmal winkt er nicht nur mit dem Zaun, sondern wirft dem Leser das ganze Dorf samt Kirche entgegen. Es gibt also immer einen zweiten Sinn, den man manchmal leicht versteht und manchmal erst ergründen muss. Es ist wie ein Versteckspiel und Pynchon ist darin ein Meister! Er unterhält den Leser und fordert ihn gleichzeitig heraus, ohne ihn zu überfordern. Wie blind waren wir? Auch wenn der Inhalt Fiktion ist, kommt man nicht umhin, sich einige Fragen zum politischen Geschehen zu stellen: Haben wir wirklich so viel von dem verpasst, das vor 9/11 stattfand? Aus der Retrospektive ist es schon so, als wäre der mörderische Anschlag auf die Zwillingstürme tatsächlich eine Art Erweckung gewesen: Wir zuvor im Dornröschenschlaf und jetzt auf dem besten Weg in eine Überwachungsgesellschaft. Pynchon nimmt uns jetzt mit in die damalige Gegenwart. Die zweite Geschichte Das wäre die eine Geschichte, die er erzählt. Dann wäre da noch die konkrete Handlung rund um Maxine Tarnow, die jüdische Mutter zweier Kinder, einem Ex-Ehemann und vielerei bunter Bekanntschaften. Letztere treiben sich gerne im Deep Web um – quasi in einem zweiten, digitalen Leben, in dem dich kaum einer finden kann. Das nutzt auch die Software DeepArcher, die Maxines Bekannte gerade entwickeln. Aktuell ist das Programm noch eine Bleeding Edge – ohne konkreten Nutzen.  Mit Gesetzesdetails nimmt Maxine es nicht immer so ganz genau. Grundsätzlich findet sie aber, sie sei immer zu nett zu allen. Dann aber tastet sie sich immer näher an hashslingerz heran, ihr Schwager ist terrorverdächtig und ein super irritierender vielleicht-Agent will sie ausquetschen. Remember, remember ... Man geht jeden Schritt mit Maxine auf ihrer Suche nach etwas Auffälligem. Eigentlich ist sie ja nur an ein bisschen Wirtschaftskriminalität interessiert, gerät aber schnell in das undurchsichtige Dickicht, das große und kleine Konzerne international bespielen. In der Zwischenzeit rückt der September immer näher und jeder weiß, was passieren wird … und trotzdem bleibt es tierisch spannend! Und nicht nur das: Man lernt hier tatsächlich etwas. Pynchon streut extrem viel Wissen in seine Bücher, ohne dass sie belehrend wirken. Nicht ohne Grund zählt er zu den Autoren, die die moderne Literatur vehement geprägt haben. Ein Pynchon im Regal ist ein absolutes Muss für jeden Buchliebhaber.

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  • eBook Kommentar zu Bleeding Edge von Thomas Pynchon

    Bleeding Edge

    s.treichel

    11. November 2014 um 20:27 via eBook 'Bleeding Edge'

    unterirdisch überflüssig pseudointellektuell

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