Es war einmal eine Stadt

von Thomas Reverdy 
5,0 Sterne bei2 Bewertungen
Es war einmal eine Stadt
Bestellen bei:

Zu diesem Buch gibt es noch keine Kurzmeinung. Hilf anderen Lesern, in dem du das Buch bewertest und eine Kurzmeinung oder Rezension veröffentlichst.

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Es war einmal eine Stadt"

Der Traum des grenzenlosen Kapitalismus, der Traum von Reichtum und Fortschritt, ist im September 2008 endgültig geplatzt. Das gilt für Eugène, den gescheiterten Manager genau wie für die Stadt, in die man ihn geschickt hat: Detroit - einst das Herz der aufstrebenden Industrienation USA - jetzt nur noch Rost und Ruinen. Hier kreuzt Eugènes Weg den von Charlie, einem Zwölfjährigen, der sich auf die falschen Freunde eingelassen hat. Er trifft Gloria, Charlies Großmutter, die Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um den mittlerweile verschwundenen Jungen wiederzufinden. Außerdem Lieutenant Brown, dessen Job es ist, solche Kinder zu suchen. Und dann noch Candice, die Kellnerin mit dem »strahlenden, roten Lächeln«. Raffiniert spielt Thomas Reverdy mit Versatzstücken des Noir-Genres, um das Ende einer lange gültigen Vorstellung der Moderne in Moll zu besingen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783827013453
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:Berlin Verlag
Erscheinungsdatum:02.10.2017

Rezensionen und Bewertungen

Neu
5 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne2
  • 4 Sterne0
  • 3 Sterne0
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    M
    michael_lehmann-papevor 9 Monaten
    Die Masken der Moderne enttarnt

    Die Masken der Moderne enttarnt

    Da denkt einer, und geht dementsprechend motiviert an die neue Aufgabe heran, dass es „Die Firma“, ein Schwergewicht der Automobilindustrie, ernst meint. Das ein Vorzeigeprojekt, ein „Durchstarter“ von ihm als Teamleiter in Detroit, Sinnbild des Unterganges ebenjener Industrie in Amerika, auf den Weg gebracht werden soll. Zumindest die grundlegende Plattform des neuen Fahrzeuges.

    Und d och, es macht nachdenklich, dass der Emailverkehr und die Videokonferenzen mit „Nr +1“, seinem Chef, mehr und mehr zerfasern, verlegt werden, nicht zustande kommen. Bis sich ernüchternd herausstellen wird, was wirklich hinter diesem Projekt steht und das kein massiver Mitspieler im kapitalistischen Ringelreihen auch nur den kleinsten Vorteil an Gewinn hergeben würde.

    So kommt einem Eugene, der Leiter der Aufgabe, auch ein wenig naiv und blauäugig vor. Und dennoch ist dies eine Figur, an der sich nicht wenig der modernen Welt brechen wird. Einblicke in das Arbeiten und Leben in China, wo er zweimal bereits eher nervlich gescheitert ist. Die verwickelten Strategien der „Großen“, die ihm im Lauf der Ereignisse klarwerden.

    Aber auch das soziale Leben, das für seinesgleichen genormt an allen Orten gleich vorbereitet ist. Genormte Wohnbereiche, genormte Wohnviertel für die Angestellten (was gerade in China fast wirkt, wie eine moderne „Sklavenkolonie“ und sich auch in diesem nichtssagenden Haus in Detroit im Wohnviertel wie vom Reißbrett fortsetzen wird.

    „Wenn die Hausnummer nicht auf dem Briefkasten stand – er hatte nicht daran gedacht, das zu überprüfen, bevor er losfuhr -, hatte er Pech gehabt und würde sein Haus niemals wiederfinden“.

    Doch Eugene legt an sich keinen Wert auf solches „abseitige Wohnen“. Gegen die Warnung in den Broschüren zieht es ihn in die Stadt. Zunächst auf ausgedehnten Fahrten durch die Straßen, dann in eine kleine Wohnung. Was Thomas Reverdy in gesamter Breite dazu nutzt, den Verfall der Welt dem Leser vor Augen zu führen. Ganz direkt und fassbar im Anblick geleerter Skelette von Büro- und Wohnhochhäusern. Von herumlungernden Kindern, Jugendlichen und Gangs auf den Straßen. Bis dahin, dass sein Büro am Ende der einzig noch belebte Raum im Wolkenkratzer sein wird.

    Und indirekt, was die Erosion im menschlichen Bereich betrifft. Sein immer mutloser und demotiverter werdendes Team. Seine rechte Hand, am Anfang vor pragmatischer Energie strotzend und später nurmehr ein Schatten seiner selbst.

    Was auch die anderen Personen angeht, die in ihren Perspektiven von Reverdy in elegantem, treffenden Stil eingeführt werden.

    Das Kind Charlie, dass nichts mehr hat als seine Freunde von der Straße, mit denen er aufgewachsen ist. Und interessanten Hobbys mit diesen nachgeht, die mit Benzinkanistern zu tun haben. Bis Charlie aus Sorge vor weiterer „Entleerung“ seiner Straße und dabei dann alleine zurückbleiben zu müssen, aus dem Haus der Großeltern wegläuft. Wie REverdy den Jungen und seine Freunde durch die Straßen der gefährlichen „Fast-Geisterstadt“ begleitet, das ist ebenso beklemmend, wie die Sicht des alternden Cops Brown. Der mit bitteren Gefühlen so manche „Maske des Unschuldigen“, wie der den Gesichtsausdruck von Toten im Stillen benennt, betrachten muss.

    Und da ist noch Candice. Barbesitzerin.
    „Ihr Lachen ist magisch“. Findet zumindest Eugene

    Und hier könnte, in all dem Verfall der Sitten, dem Zurücklassen von Menschen wie Abfall, wenn die „Karawane des Profits“ weiterzieht, ein Lichtblick in dieser erodierenden Welt doch noch möglich sein. Was der Leser an diesem Punkt der Geschichte mit Spannung und der Hoffnung auf wenigsten ein wenig Positivem, weiterverfolgt.

    Ein Roman, ja, aber letztlich könnte man den Roman auch als gesellschaftliches Fachbuch betrachten, das in flüssigem Stil und an konkreten, differenziert gestalteten Charakteren dem Leser den Spiegel einer mehr und mehr „insulären“, zerbrechenden und haltlosen Welt vor Augen führt, in der es am Wichtigsten fehlt, was Menschen für einen Blick nach vorne und das Sammeln ihrer Restenergie benötigen würden: Hoffnung.

    „Sie werden sagen: Eine unsichtbare Hand hat die Karten neu gemischt, aber irgendwann kommt alles wieder ins Lot. Das ist natürlich falsch, und sie wissen es. Sie werden sagen: Es ist die einzig rationale Lösung. Rational aber ist es ein einziges Desaster“.

    Aufrüttelnd und lesenswert, was die Geschichte, den Stil und den locker, aber tief eingebrachten Hintergrund der modernen Welt angeht.

    Kommentieren0
    7
    Teilen
    S
    Starbucksvor einem Jahr
    Eine Stadt wie ein Donut

    Wer -wie ich – Detroit in den Zeiten der leeren Straßen und verbarrikadierten Häuser gesehen hat, kann gut ermessen, wie genau Thomas Reverdy in „Es war einmal eine Stadt“ den Verfall der Motor City beobachtet und beschrieben hat. Wie viele amerikanische Städte ist Detroit eine Stadt, die vom (Stadt-)Kern her „verfaulte“ und deren Leben sich nur noch in den Vorstädten abspielt. Wie bei einem Donut herrscht innere Leere, das Leben findet nur noch außen statt.

    Zum Inhalt: „Es war einmal eine Stadt“ spielt in mehereren Handlungssträngen, die erst spät zusammenfinden, wenn man das überhaupt sagen kann. Es gibt lediglich schwache Berührungspunkte. Da ist einmal der Franzose Eugène, der an einem neuen Fahrzeugmodell arbeiten soll, das eher Fantasieprojekt bleibt und der die Kellnerin Candice kennenlernt. Da ist der Polizist Brown, der in dieser Stadt kaum mehr eine Zukunft hat, aber dennoch bleibt. Und da ist Charlie, ein schwarzer Junge, der bei seiner Großmutter Georgia lebt und sich mit seinen Freunden einer Gang anschließt – ein gefährliches Unterfangen.

    Die Figuren bleiben blass und eher distanziert. Bis auf Charlie und Georgia wirken sie wie Randfiguren in einem verlorenen Spiell Georgia, die Großmutter, ist die einzige Figur, die bei mir Emotionen wecken konnte. Aber dieser Roman lebt weniger von Emotionen, als von sachlichen Beschreibungen einer sterbenden Stadt. Selbst Zwischenmenschliches bleibt eher sachlich. Dabei ist die Erzählweise des Autors mit seinen analytischen und genauen Beobachtungen sowie seine oft staccatohafte Aufzählung einfach genial. Reverdy ist ein versierter Autor, dessen Schreibstil hier im Vordergrund steht, während der Inhalt, zumindest die Storyline, eher in den Hintergrund tritt. Das Portrait der Stadt selbt nimmt dafür einen großen Raum ein.

    Bis zur Hälfte des Buches allerdings trottet das Geschehen eher so vor sich hin. Der Leser weiß nicht genau, was ihn erwartet. Bis dahin fällt es auch noch leicht, das Buch zwar zu genießen, aber immer wieder aus der Hand zu legen. Doch dann kommen Liebe und Verbrechen ins Spiel. Es wird richtig spannend, auch, wenn ich das gar nicht erwartete.

    Fazit: Fast jeder glaubt heute, er könne Bücher schreiben, aber die qualitativ hochwertige Literatur muss man wirklich suchen. Mit „Es war einmal eine Stadt“ habe ich sie gefunden.

    Kommentieren0
    2
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    »Ein Kind zu retten bedeutet, die Welt zu retten.« Fjodor M. Dostojewski
    ((oder:))Der Letzte macht das Licht aus

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks