Thomas Rydahl

 3,6 Sterne bei 13 Bewertungen
Autor von Die tote Meerjungfrau, Der Einsiedler und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Thomas Rydahl

Thomas Rydahl, 1974 in Aarhus geboren, lebt mit seiner Familie in Kopenhagen. Er studierte Philosophie und Psychologie und ist ausgebildeter Feuerwehrmann. Nach seinem Abschluss an der Dänischen Schriftstellerakademie veröffentlichte er 1999 eine erste Kurzgeschichtensammlung. Seit 2001 arbeitet er in der Kommunikationsbranche, wo er Storytelling als Strategie vermittelt. »Der Einsiedler« ist sein erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

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Cover des Buches Die tote Meerjungfrau (ISBN: 9783426282311)Belladonnas avatar

Rezension zu "Die tote Meerjungfrau" von Thomas Rydahl

Ein beachtenswerter Kriminalroman
Belladonnavor 2 Tagen

Beschreibung

Kopenhagen, 1834. Der junge Dichter Hans Christian Andersen möchte mit seinem Handwerk in die Reihen der unvergessenen Schriftsteller gelangen. Sein Ansinnen ist bisher von wenig Erfolg gekrönt und dann gerät er auch noch unter Mordverdacht, als eine junge Prostituierte, die er für seine Scherenschnitte besuchte, tot im Wasser aufgefunden wird.

Durch die Fürsprache seines Mäzens erhält Hans Christian die einmalige Chance seine Unschuld zu beweisen, doch dafür bleiben ihm nur wenige Tage. In den zwielichtigen Gassen macht er sich auf die Suche nach dem wahren Mörder, und dabei benötigt er unbedingt die Hilfe von Molly, der Schwester der Ermordeten. Gemeinsam kommen sie einem Täter auf die Spur, dessen Weg noch andere Leichen säumen….

Meine Meinung

In ihrem historischen Roman »Die tote Meerjungfrau« spinnt das Autoren-Trio um Thomas Rydahl und A. J. Kazinski einen mitreißenden Krimi um die Entstehung von Hans Christian Andersens melancholisches und weltbekanntes Märchen »Die kleine Meerjungfrau«, bei der der Autor selbst unter Mordverdacht gerät und ihn die spannende Suche nach dem wahren Mörder in die dunkelsten Abgründe des 19. Jahrhunderts führt.

Die Geschichte ist nichts für zarte Nerven, denn das Schriftsteller-Team schildert auf beeindruckende Art und Weise die Lebensumstände und liefert eine detaillierte und äußerst bildhafte Darstellung des Settings. Soziale und gesellschaftliche Strukturen der Zeit werden gekonnt aufgegriffen und es wird auch nicht an den entsprechenden Umgangsformen gespart.

Vor diesem Hintergrund ist es äußerst spannend den damals noch recht unbekannten und erfolglosen Dichter Hans Christian Andersen auf seinem Weg zwischen Hurenhaus, dem Gefängnisaufenthalt, nachdem er unter Mordverdacht gerät, und seiner faszinierenden und träumerischen Gedankenwelt mit der er versucht dem wahren Mörder auf die Schliche zu kommen. Ungemein reizend ist die Art und Weise wie Andersen in diesem Roman mit Dingen spricht, ihnen zuhört und ihnen somit Leben einhaucht. Zum Dank geben die Gegenstände ihrem Zuhörer Informationen preis, die ihn auf die richtige Spur bringen. Seine Vorgehensweise erinnerte teilweise schon an modernes Profiling.

Für die Leser*innen ist schon zu Beginn der Geschichte recht klar, dass der spätere Märchenerschaffer nicht der Täter sein kann, denn die Geschichte wird auch noch aus einer zweiten Perspektive, die des Mörders, erzählt.

Heimlicher Star der Geschichte ist für mich eindeutig der queere Antagonist, eine Transfrau, die äußerst clever vorgeht und mit allen Mitteln ihren Traum wahr werden lassen möchte. Natürlich steht die kunstvolle Darstellung des berühmten Schriftstellers, der sich damals nicht offen zu seiner Homosexualität bekennen konnte, dem in fast nichts nach. Beide Protagonisten verstoßen mit ihrer Sexualität und Identität gegen die Moralvorstellungen ihres Jahrhunderts und dennoch gab es viele von ihnen – Thomas Rydahl und A. J. Kazinski versinnbildlichen genau dies mit ihrem Roman und machen dadurch sichtbar, wie schrecklich dieser Zustand war.

»Die tote Meerjungfrau« ist ein beeindruckender Roman, in dem ein ungeschöntes Bild der Sozialkultur des 19. Jahrhunderts gezeichnet wird und damit indirekt gegen Rassismus, Sexismus und für mehr Toleranz und Selbstbestimmung geworben wird – ein Märchen vor einem äußerst authentischen Hintergrund. Der Clou bei der Sache ist, dass diese fiktionale Geschichte so geschickt eingebettet wurde, dass sich Bezüge zur Inspirationsquelle zu Andersens wohl berühmtesten Märchen, das der kleinen Meerjungfrau, ergeben! Es findet sich aber auch noch der Zusammenhang zu einem weiteren Werk, »Das Mädchen mit den Schwefelhölzern«, welcher bei mir alle Dämme brechen lies.

Fazit

Ein beachtenswerter Kriminalroman, der sich den bekanntesten dänischen Dichter und Schriftsteller und sein berühmtes Märchen zum Motiv genommen hat und mit einem außerordentlichen Antagonisten auftrumpft.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 12.11.2020

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Cover des Buches Die tote Meerjungfrau (ISBN: 9783426282311)AUSGEbuchT-PetraMolitors avatar

Rezension zu "Die tote Meerjungfrau" von Thomas Rydahl

Andersens Märchen 2.0.: Dreckig, brutal, verstörend und dabei echt gut!
AUSGEbuchT-PetraMolitorvor 5 Monaten

Das Buch/Die Autoren:

„Die tote Meerjungfrau“, ein Kriminalroman von Thomas Rydahl und A. J. Kazinski, erschien im Oktober 2020 auf Deutsch in der Verlagsgruppe Droemer Knaur. Er basiert auf dem Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ des dänischen Schriftsteller Hans Christian Andersen aus dem Jahr 1837. Erhältlich sind das Taschenbuch mit 448 Seiten (14,99 Euro), eine E-Book- und Hörbuchversion sowie ein Audio-Download.

Für „Die tote Meerjungfrau“ haben sich drei der erfolgreichsten dänischen Bestsellerautoren zusammengeschlossen. Thomas Rydahl wurde 1974 in Aarhus geboren und ist ein vielfach ausgezeichneter dänischer Autor. Bei A. J. Kazinski handelt es sich um das Pseudonym des Autorenduos Anders Rønnow Klarlund und Jacob Weinreich, die gemeinsam bereits sieben Romane veröffentlicht haben. Ihre Bücher wurden weltweit in über 20 Länder verkauft. 

 Wie es aussieht: 

Ich bin etwas zwiegespalten. Auf den ersten Blick wirkte das Cover auf mich recht unauffällig und ja -auch ein bisschen ausdruckslos. Beim näheren Hinsehen gefiel es mir dann besser. Die Farbgebung in Brauntönen ist dem historischen Hintergrund der Handlung geschuldet und wird auf als Stilmittel in diesem Genre verwendet. Sehr schön ist der kleine Meerjungfrauenschwanz, ein feines, sehr ansprechendes Detail. Auch die ausgefallene Schriftart und Gestaltung des Buchnamens mag ich gerne.

Worum es geht (Klappentext des Verlages):

Kopenhagen 1834: Hans Christian Andersen träumt davon, als Dichter zu Ruhm zu gelangen – stattdessen verhaftet man ihn wegen Mord-Verdachts. Eine junge Prostituierte, bei der er am Vorabend gesehen worden war, wird tot aus dem dreckigen Wasser des Kanals gezogen.

Zwar wird der Dichter auf Bitten eines Mäzens wieder auf freien Fuß gesetzt, doch ihm bleiben nur drei Tage, seine Unschuld zu beweisen. Mit der Hilfe von Molly, der Schwester der Ermordeten, macht Andersen sich auf die Suche nach dem wahren Mörder und findet heraus, dass es offenbar ein weiteres Opfer gibt. Gemeinsam sind Andersen und Molly einer ungeheuerlichen Geschichte auf der Spur…

Wie es mir gefallen hat:

Sehr gut! Zugegebenermaßen: Manche Szenen bzw. detaillierte Erläuterungen sind meiner Meinung nach nichts für zarte Gemüter! Aber so war diese Zeit nun einmal, die Schilderungen sind sicherlich authentisch: düstern, roh, brutal, verstörend, gewalttätig. Ich war schon in Kopenhagen und konnte mich in die atmosphärischen Beschreibungen der Autoren gut hineinversetzen. Sofort drängte sich mir auf, wie toll dieser Stoff für eine Verfilmung geeignet sei. Mittlerweile weiß ich, dass auch andere diese Idee hatten und die Vorbereitungen schon laufen. Werde ich mir auf jeden Fall ansehen. Die Adaption eines Märchens zur Grundlage eines Kriminalromans zu machen, ist in meinen Augen wirklich hervorragend gelungen. Kompliment an die Autoren, man merkt, dass sie ihr Handwerk verstehen. Ich fand das Buch auch flüssig geschrieben und auf einem durchgängig hohen Unterhaltungs- und Spannungsniveau.

Zwei Kritikpunkte habe ich:

Die „Auflösung“ des ganzen Falles war für mich ziemlich konstruiert und im Kontrast zur Länge des Buches auch etwas plötzlich und überstürzt.

Zu den Charakteren konnte ich generell kaum einen Bezug aufbauen. Sie blieben für mich flach und oberflächlich. Am schlimmsten war für mich die Person des Hans Christian Andersen. Schwach, blass, unbeholfen, nicht sehr intelligent und psychisch auch nicht vollkommen gesund. Diesen Eindruck hinterließ der Protagonist bei mir. Und zu all dem war er mir ehrlich gesagt auch einfach schrecklich unsympathisch. Am besten gefallen hat mir noch die Darstellung der Molly.

Mein Fazit:

Ich vergebe für diesen außergewöhnlichen Krimi vier von fünf Sternen und eine Leseempfehlung. Fans von Autoren wie beispielsweise Niklas Natt och Dag kommen hier auf ihre Kosten.

Kommentare: 2
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Cover des Buches Die tote Meerjungfrau (ISBN: 9783426282311)JosefineSs avatar

Rezension zu "Die tote Meerjungfrau" von Thomas Rydahl

In jeder Geschichte steckt ein Körnchen Wahrheit
JosefineSvor 7 Monaten

1834 treibt viele die Hoffnung auf ein besseres Leben nach Kopenhagen. Einer von ihnen ist Hans Christian Anderson, der sich als Dichter und mit der Gunst reicher Leute gerade so durschlägt. Doch Elend und Not ist der Alltag für viele in diesen Zeiten und als die Leiche einer Prostituierten aus dem Kanal gefischt wird gerät Anderson in große Schwierigkeiten. Nur knapp entgeht er seiner Hinrichtung. Dank seines einflussreichen Gönners bleiben ihm genau drei Tage, seinen Namen rein zu waschen. Doch Kopenhagen ist groß und Hans Christian hat keinen Anhaltspunkt. Er braucht dringend Hilfe…

Fast jeder hat schon mal ein Märchen von Hans Christian Anderson gehört. Selten sind seine Protagonisten so weinerliche, quengelige Nervensägen wie er selbst hier dargestellt wurde, doch deren Lage war auch selten so prekär wie seine. Das Kopenhagen im 19. Jahrhundert war nichts für zimperliche Menschen, das lassen uns die Autoren Thomas Rydahl und A.J. Kazinski (Pseudonym des dänischen Autoren Duos A.R. Karlund & J. Weinrich) hier auch ganz deutlich spüren. Wer gereimte Verse in schickimicki Teegesellschaften erwartet, könnte sich schnell am Teegebäck verschlucken. Man spürt den rauen Ton dieser Zeit und viele erwähnte Details über Anderson entsprechen sogar der Wahrheit. Er hat Zeit seines Lebens Tagebuch geschrieben, doch zwischen 1834 und 1835 machte er eine Pause und schrieb nicht einen Eintrag während dieser Zeit. Die Story nimmt dieses Detail auf und versucht auf eigene weise zu erklären, wie es dazu kam. Historisch schon nah an den Fakten, verkommt der Protagonisten hier zum Weichei. Ohne Hilfe wäre er wahrscheinlich nach 5 Seiten gestorben. Wie gut, dass die Autoren ihm eine, zwar ungewöhnliche aber um so tatkräftigere Unterstützung an die Seite geben. Zunächst wirkt alles sehr gezogen, man kann sich kaum orientieren in welche Richtung alles läuft. Es sind auch von Anfang an ziemlich viele Details bekannt, sodass bald die Frage aufkam, was es noch zu enthüllen galt. Selbst den Bezug zu den Märchen habe ich mir intensiver oder zumindest anders vorgestellt. Die Geschichte bekommt immerhin in der zweiten Hälfte etwas mehr Tiefe und zeitweise sogar etwas Spannung. Wenn man sich auf die Story einlassen konnte und nicht zu viel erwartet hat war es okay. Durch das unstrukturierte fehlte allem irgendwie der rote Faden und es wirkte unruhig. Der Anfang kam kaum aus der Hüfte und am Ende überschlug sich dann vieles. Die Auflösung des Ganzen konnte mich nicht wirklich überzeugen, wenngleich sie schon unerwartet, anders und in Gesamtbild (vor allem im Bezug auf den rauen Umgangston) passte. Was wahrscheinlich niemand braucht, sind diese ganzen Straßennamen. Ein absolutes Unding, was solchen nordischen Autoren eigen zu sein scheint und der Rest der Welt das genervt ab der dritten Irgendwas-gate überliest. Der Showdown, war zwar flüssiger als alles andere, konnte jedoch nicht die von Grund auf versaute Stimmung retten, die Anderson mit seinem Getue verursacht. Mimi hier, tränen da und an jeder zweiten Ecke „das kann ich nicht“, leider dezent nervig.

Fazit: Interpretation zu H.C. Andersons Biografie. Wenn man derbe Umgangssprache, einen verweichlichten Helden ab kann und nicht zu viel erwartet, mag es gehen.

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