„Er ist seit über zwei Stunden da drin und reagiert auf kein Klopfen, kein Rufen, auf nichts!“ Ihre Stimme hatte einen panischen Unterton, der knapp an der Grenze zur Hysterie war. So legen die Rock’n’Roll Stories 2 von Thomas Sabottka los, in die er eine wilde Mischung verschiedener Geschichten verpackt hat. Ein Krankenwagenfahrer Tim, der Unfälle nach Punkten bewertet, ein Mitdreißiger-Spieleabend bei dem Klaus sich weniger für die Spielfiguren, als mehr den Vorbau von Bernds Freundin Birgit interessiert oder ein Kirchenmitarbeiter, der sich auf unkirchliche Weise die Brötchen dazu verdient.
Sabottka nennt sich selbst Popliterat mit Tiefgang. So schreibt er äußerst modern und hat sich von der Musik inspirieren lassen. Rock’n’Roll ist für den Autor „a state of mind“ – und so sind seine Geschichten auch rau, ehrlich, skurril und tragikomisch wobei der Leser auch eine ordentliche Portion Realsatire und Wahnsinn vorgesetzt bekommt. Es werden alle Register gezogen, die man bei „Shortstories“ eben ziehen kann. Mal sind das spontan loslegende Unterhaltungen, die einfach wirklich lustig sind, rasantes Actionkino mit derber Sprache oder traurig stimmende kurze Stücke – und Thomas Sabottka geizt auch nicht mit Pointen.
Besonders eindrucksvoll ist die direkte Art des Autors. Er schreibt wie man spricht, aber keineswegs grob und die Texte sind für eine Bühne perfekt konzipiert. Eigentlich sollte man sich die Rock’n’Roll Stories 2 bei einer Lesung anhören. Aber zum Glück kann sich der Käufer auf der beiliegenden CD von Sabottkas Vortragskünsten überzeugen. Denn ihre richtige Kraft und Dynamik entwickeln die Stories besonders im Vortrag, wenn sich der routinierte und radioerprobte Vorleser Sabottka voll ins Zeug legt. Hier wird offensichtlich, wie sehr der Autor hinter den Geschichten steht.
Am besten sollte man sich die Rock’n’Roll Stories 2 an einem Stück reinziehen. Denn die ganzen darin verpackten, lustigen und traurigen Emotionen werden so schnell und direkt rübergebracht, wie es eigentlich nur Musik kann. Mir persönlich gefielen besonders die lustigen Stücke. Wenn die Erzengel Michael und Gabriel bei Kippe und Bier über YouPorn und die Bahn reden oder Benny und Dirk auf Ü30-Party inklusive Begrüßungscocktail und Resteficken gehen, bringt Sabottka den Leser super zum Lachen.






