Thomas Schafferer 500 Polaroids einer Reise durch Europa

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Inhaltsangabe zu „500 Polaroids einer Reise durch Europa“ von Thomas Schafferer

TIROLER GEGENWARTSLITERATUR 1801
500 Polaroids einer Reise durch Europa
Polaroids im klassischen Sinne sind Fotos, die ohne den Umweg über ein Labor oder einen Computer beinahe in Echtzeit aus dem Fotoapparat gespuckt werden, nachdem man abgedrückt hat.
Thomas Schafferer setzt seine Lyrik nach diesem Polaroid-Verfahren ein, das lyrische Ich fährt unermüdlich durch Europa, die emotionale Lage spitzt sich zu und entlädt sich in einem Polaroid. So besteht der „Stoff“ der Gedichte durchaus aus Gefühlslagen der Liebeslyrik, dem Anklang von Persönlichkeiten, dem Würdigen von Landschaften und dem Kommentieren politischer Zustände. Gerade weil alles zu einem Polaroid führen kann, sind diese dann so scharf und unbestechlich, zumal sie geradezu akribisch verortet und Datenbank-tauglich abgelegt sind.
Über zwanzig Jahre lang ist das lyrische Ich durch Europa gereist, manche Gebiete sind nur einmal gestreift worden, andere sind wie von einer festgefressenen Drohne über Grund ständig beobachtet worden. Die einzelnen Erkundungsschlieren nennen sich Niemandsländer, Irgendwo in der Slowakei, Hotel Europa, Minuten eines Weltereignisses oder Sing-Sing in Berlin. In einem umfangreichen Entstehungsverzeichnis sind die fünfhundert Gedichte mit ihren Entstehungsorten und -daten aufgefädelt, oft kommt ein Ort mehrfach zur Sprache, manchmal genügt die Ortsangabe, dann wird wieder genau beschrieben, in welchem Hotel der Text entstanden ist.
In eingedickten Versen gelingt es oft, ganze Epochen auf den Punkt zu bringen wie etwa das österreichische Desaster mit den Habsburgern. „habsburg // ist eigentlich keine europäische / dynastie, kein adelsgeschlecht / sondern bloß eine kleine / gemeinde, eigentlich bloß / eine kleine burg auf schweizer / boden, die eigentlich bloß der / ausgangspunkt eines staates / namens österreich war“ (288)
Dann wiederum gibt es das Langgedicht mit dem Road-Motiv der Beatniks, die seitenlangen Verse kreisen letztlich um die Andeutung „Dort wo ich“, aber es gibt kein Ziel, keine Auskunft, keine Bodenverhaftung, keine patriotische Säule, die in den Boden gerammt wäre.
Durchaus verblüffend sind jeweils die Bilder einer Stadt, wenn sie aus erwarteten Hotspots und amorpher Betrachtungsmelange zusammengesetzt sind, in Wien etwa taucht nach der alten Schmiede die Frage auf, ob Wiener beißen, ehe der Gedankenaufruhr zwischen Hawelka und Praterstern poetisch zur Ruhe kommt.
Ein Mobilitätsgedicht der aeronautischen Art erzählt von einem geliebten Du, das in einem höchst wackeligen irdischen Zug in Richtung Osten sitzt, während es vom lyrischen Ich in einem Flugzeug überholt wird in der Hoffnung auf einen gemeinsamen Begegnungspunkt.
Thomas Schafferer schafft mit seinen Polaroids nicht nur eine völlig unkonventionelle Sichtweise auf Europa, seine Neuvermessung von Entfernungen, Verbiegungen und Verfremdungen lassen das Bild eines Europa entstehen, das nie fertig sein wird und das man täglich neu bereisen muss, damit es nicht seinerseits abreist. Viele Gedanken-Pole stecken in diesen Poems, viele Zeilen haben Lust, für die Diskussion etwas zu polarisieren, auch das vermögen die Polaroids, in denen sich die Technik der individuellen Sicht perfektioniert hat. – Ein poetisches Geschichtsbuch über Europa!

Thomas Schafferer: 500 Polaroids einer Reise durch Europa.
Innsbruck: TAK 2015. 386 Seiten. EUR 20,-. ISBN 978-3-900888-58-9.
Thomas Schafferer, geb. 1973, lebt in Innsbruck.
Helmuth Schönauer 02/09/15

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