Thomas Sprecher

 4 Sterne bei 289 Bewertungen

Lebenslauf von Thomas Sprecher

Thomas Sprecher war von 1994 bis 2012 Leiter des Thomas-Mann-Archivs der ETH in Zürich, von ihm liegen zahlreiche Monographien, Aufsätze und Sammelbände zu Thomas Mann vor. Im Rahmen der ›Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe‹ hat er die Bände ›Briefe‹ I bis III (mit Hans R. Vaget und Cornelia Bernini) sowie ›Felix Krull‹ (mit Monica Bussmann) herausgegeben.

Quelle: Verlag / vlb

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Cover des Buches Die aktienrechtliche Sanierung (ISBN: 9783038053644)

Die aktienrechtliche Sanierung

Neu erschienen am 07.05.2021 als Taschenbuch bei buch & netz.

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Neue Rezensionen zu Thomas Sprecher

Cover des Buches Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (ISBN: 9783100483430)SandraWers avatar

Rezension zu "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" von Thomas Sprecher

Mann ist ein Perfektionist, ein Meister in seiner Sache
SandraWervor 7 Jahren

In dem Buch geht es, wie der Titel schon sagt um den Hochstapler Felix Krull. Es wird seine Lebensgeschichte erzählt, besonders die Ereignisse, die ihn in seinem Aufstieg als Hochstapler vorantrieben.

Angefangen in der Kindheit, mit Diebstählen von Kleinigkeiten, schreitet er in seiner Karrierebahn voran und überspringt hier oft mehrere Stufen, bis er am Ende ein feiner Adeliger wird oder besser gesagt in seine Rolle schlüpft.

Besonders wichtig für seinen Aufstieg sind sein gutes Benehmen, Höflichkeit und poetische Ausdrucksweise. Kein Mensch zweifelt an seiner Existenz als Adeliger. So nimmt das Buch seinen Lauf und einige Dinge passieren, manche interessanter und manche weniger interessant, meines Erachtens.

Mann ist ein Perfektionist, ein Meister in seiner Sache. Er trifft zwar nicht immer meinen Geschmack, aber ich würde es nicht übers Herz bringen, ihm weniger als 5 Sterne zu geben. Das Lesen war für mich nicht immer leicht. Die Sprache ist doch sehr verschachtelt und oft wird Seitenlang über etwas berichtet, dass für mich uninteressant erscheint und so meine Aufmerksamkeit abschweift. Nichts desto trotz sind dann wieder Stellen, bei denen ich so richtig in die Geschichte und die Atmosphäre der Handlung eingetaucht bin.

Einen Mann zu lesen lohnt sich, ist aber nicht unbedingt leicht!

Zitate:

„Ich kann aber nach wiederholtem eindringlichem Nachdenken nicht umhin, mein träges und wiederwilliges Verhalten bei meiner Geburt, diese offenbare Unlust, das Dunkel des Mutterschoßes mit dem hellen Tage zu vertauschen, in Zusammenhang zu bringen mit der außerordentlichen Neigung und Begabung zum Schlafe, die mir von klein auf eigentümlich war.“ (S.10)

„Meine wachsende Abneigung gegen dies feindselige Institut noch besonders zu begründen, erachte ich für überflüssig. Die Bedingung, unter der ich einzig zu leben vermag, ist Ungebundenheit des Geistes und der Phantasie, und so kommt es, dass die Erinnerung an meinen langjährigen Aufenthalt im Zuchthause mich weniger unliebsam brührt als diejenige an die Bande der Knechtschaft und Furcht, in welche die scheinbar ehrenvollere Disziplin des kalkweißen, knastenartigen Hauses drunten im Städtchen die empfindliche Knabenseele schlug. Stellt man zum Überfluss meine Vereinsamung mit in Rechnung, deren Ursprünge ich auf früherem Blatte aufgedeckt habe, so wird es nicht wundernehmen, dass ich früh darauf sann, dem Schuldienst nicht nur an Sonn- und Feiertagen zu entkommen.“ (S. 37 Schule)

„Liebenswürdig ist nur der Verlangende, nicht der Satte“ (S. 56)

„Das Wort ist der Feind des Geheimnisvollen und ein grausamer Verräter der Gewöhnlichkeit.“ (S. 117)

…ein Gedanke, der mich zuweilen beschäftigte, wenn ich gerade, im Speisesaal oder in der Halle, die Hände mit der Serviette auf den Rücken, einige Minuten müßig stand und die von den Blaufräcken umschwänzelte und verpflegte Hotel-Gesellschaft überblickte. Es war der Gedanke der Vertauschbarkeit. Den Anzug, die Aufmachung gewechselt, hätten sehr vielfach die Bedienenden ebensogut Herrschaft sein und hätte so mancher von denen, welche die Zigarette im Mundwinkel, in den tiefen Korbstühlen sich rekelten – den Kellner abgeben können. Es war der reine Zufall, daß es sich umgekehrt verhielt – der Zufall des Reichtums; denn eine Aristokratie des Geldes ist eine vertauschbare Zufallsaristokratie. (S. 231)

"Mich verlangte nach keiner Beschäftigung, keiner Lektüre. Zu sitzen und zu sein, was ich war, - welcher Unterhaltung sonst noch bedurfte es?" (S. 267)

„Mutter und Tochter, - auch damit hat es eine greifende Bewandtnis. Ein Geschwisterpaar, gut, es hat gleichfalls oft großen Zauber. Aber Mutter und Tochter, ich sage es frei- und möge es auch etwas fiebrig klingen-, geben doch das reizendste Doppelbild ab auf diesem Sterne.“ (S. 320)

„Schreiben ist kein Selbstgespräch. Folge, Besonnenheit und ein unüberstürztes Heranführen an den Gegenstand sind dabei unerlässlich.“ (S. 383)

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Cover des Buches Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (ISBN: 9783104026169)Stephanuss avatar

Rezension zu "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" von Thomas Sprecher

Brilliantes sprachliches Meisterwerk
Stephanusvor 7 Jahren

Mit diesem Buch, mit dem sich Thomas Mann fast sein ganzes literarisches Leben beschäftigte schuf er eine fiktive Biografie des Felix Krull, des Königs der Hochstapler.

Felix Krull entwickelt bereits in jungen Jahren ein sehr bemerkenswertes Talent in andere Rollen zu schlüpfen und die Menschen zu täuschen und zu manipulieren. Was klein in der Schule anfing wird dann, durch den Ruin der Sektkellerei seines Vaters und dessen Selbstmord, abrupt ins Leben geschmissen weiter perfektioniert. Durch Geschick und Cleverness gelingt es die finanziellen Nöte zu überwinden und eine Stellung in Paris in einem Hotel zu erhalten, wo er einen jungen Grafen kennenlernt, in dessen Rolle er, mit dessen Einwilligung schlüpft und eine Weltreise antritt. Bereits auf der ersten Station in Lissabon ist die Krönung ein Empfang beim König und das Meisterwerk des Hochstaplers erreicht.

In diesem Buch, in der heute sehr ungewöhnlichen Ich-Perspektive geschrieben, lässt Thomas Mann seine Figur aufblühen und mit einer phantastischen Stilistik und Sprache wird die Handlung tiefsinnig und voll versteckter Anspielungen und Kritiken. Ein Buch, das mit wachem Verstand gelesen werden sollte und dann ein wahres Lesevergnügen bietet. Für mich daher ein Meisterwerk und unbedingt lesenswert.

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Cover des Buches Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (ISBN: 9783100483430)

Rezension zu "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" von Thomas Sprecher

Schein oder Sein?
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

Ich habe dieses Buch damals im Deutsch-LK gelesen und war eine der wenigen, die es gerne tat. Mit diesem Buch hat sich mir das Klassik-Genre eröffnet. Trotz der langen Sätze, die Thomas Mann geschrieben hat, konnte ich diesem Buch etwas Gutes abgewinnen. Gerade diesen Schreibstil fand ich sehr interessant (und plötzlich habe ich in meinen Texten auch viel längere Sätze geschrieben, zum Leidwesen meines Lehrers).

Für mich war gerade die Besprechung des Buches während des Unterrichts sehr wichtig und aufschlussreich. Ohne eine solche Besprechung und Austausch mit anderen wären mir doch leider zu viele Dinge entgangen, die das Buch auf die tiefere Sicht erst interessant machen.

Leider ist es schon länger her, aber deutlich hängen geblieben ist: Schein und Sein? Dieses Buch heißt nicht umsonst: Bekenntnisse des Hochstaplers...

Felix Krull führt ein interessantes und ausgeklügeltes Doppelleben, indem der Schein und das Sein seines Ichs eine zentrale Rolle einnehmen. Er spielt seinen Mitmenschen etwas vor und zeigt sich von einer Seite, die er anderen präsentieren will.

Ich kann diesen Roman Klassik-Fans nur weiter empfehlen, denn dieser Roman ist mir in sehr guter Erinnerung geblieben.

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