Thomas Steinfeld

 4,1 Sterne bei 59 Bewertungen
Autor*in von Der Sprachverführer, Italien und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Thomas Steinfeld

Thomas Steinfeld, geboren 1954, Germanist und Musikwissenschaftler, war Feuilletonkorrespondent der Süddeutschen Zeitung und unterrichtete außerdem als Titularprofessor am Kulturwissenschaftlichen Institut der Universität Luzern. Im Paul Zsolnay Verlag erschien: Wallanders Landschaft. Eine Reise durch Schonen (2002). Im Carl Hanser Verlag sind erschienen: Der leidenschaftliche Buchhalter. Philologie als Lebensform (2004), Der Arzt von San Michele. Axel Munthe und die Kunst, dem Leben einen Sinn zu geben (2007), Der Sprachverführer. Die deutsche Sprache: was sie ist, was sie kann (2010) und Herr der Gespenster. Die Gedanken des Karl Marx (2017).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Thomas Steinfeld

Cover des Buches Der Sprachverführer (ISBN: 9783423346993)

Der Sprachverführer

 (16)
Erschienen am 01.02.2012
Cover des Buches Italien (ISBN: 9783737101462)

Italien

 (4)
Erschienen am 12.04.2022
Cover des Buches Selma Lagerlöf (ISBN: 9783422073203)

Selma Lagerlöf

 (2)
Erschienen am 09.10.2015
Cover des Buches Die Tricks der Diva. Die Kleider der Frauen (ISBN: 9783150202128)

Die Tricks der Diva. Die Kleider der Frauen

 (2)
Erschienen am 01.10.2010
Cover des Buches Herr der Gespenster (ISBN: 9783446256736)

Herr der Gespenster

 (2)
Erschienen am 25.09.2017
Cover des Buches Jacques d'Adelswärd-Fersen. Dandy und Poet (ISBN: 9783935596381)

Jacques d'Adelswärd-Fersen. Dandy und Poet

 (1)
Erschienen am 31.08.2005
Cover des Buches Ikea. 100 Seiten (Reclam 100 Seiten) (ISBN: 9783150205297)

Ikea. 100 Seiten (Reclam 100 Seiten)

 (1)
Erschienen am 25.09.2019

Neue Rezensionen zu Thomas Steinfeld

Cover des Buches Italien (ISBN: 9783737100588)
Joseph_Weisbrods avatar

Rezension zu "Italien" von Thomas Steinfeld

Italia ist nicht nur bella: Eine italienische Reise für Fortgeschrittene!
Joseph_Weisbrodvor 2 Jahren

Hast Du schon was gegessen, mein Sohn?

Italia ist nicht nur bella: Thomas Steinfelds kluges Porträt eines rätselhaften Landes

Das Schöne und das Hässliche, das Vertraute und das Befremdliche. Der promovierte Germanist, Musikwissenschaftler und Kulturjournalist Thomas Steinfeld, Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, für die er von 2013 bis 2018 aus Venedig berichtete, zieht in seinem geradezu literarischen Italien-Porträt eine ebenso beeindruckende wie ernüchternde Bilanz seiner italienischen Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse. 

Zitat aus dem Prolog: „Das Land ist anders, als es die Leidenschaft für Italien je wahrhaben wollte.“ Achtzehn anspruchsvolle Etappen umfasst dieser Höhen und Tiefen souverän meisternde Giro d’Italia. Steinfelds Reisen über fünf intensive Jahre führen uns um den langen, schmalen Stiefel von Piemont über die Westküste durch Ligurien über die Toskana, Kampanien bis tief in den Süden nach Sizilien. Entlang der adriatischen Ostküste geht die Grand Tour über die Marken, Emilia Romagna, Venetien/Friaul und Lombardei zurück in den Norden. Dabei lernen wir die regionalen Besonderheiten sowie Städte wie Turin, Genua, Florenz, Siena, Rom, Neapel, Bologna, Triest, Venedig und Mailand mit ihren historischen Plätzen und kulturellen Schätzen, aber auch die brennenden Probleme des „Bel Paese“, des schönen Landes kennen. 

So greift der Autor die von dem Journalisten Mario Giordano mit seinem Bestseller „Italien ist nicht mehr italienisch!“ befeuerte öffentliche Debatte über den drohenden Ausverkauf des Landes auf. In der Tat: Der Turiner Automobilkonzern FIAT, die Modefirma Versace, die alten Palazzi an der muschelförmigen Piazza del Campo in Siena, die Gastronomie „in der untergehenden Arche“ Venedig, die besten Weingüter in der Toskana oder die Mailänder Fußballclubs Inter und AC sind in ausländischer Hand. 

Doch neben wirtschaftlichem Niedergang, Regierungskrisen, Naturkatastrophen, Jugendarbeitslosigkeit, Flüchtlingsdesaster, Mafia und Rechtspopulismus gibt es ja zum Glück noch die Italianità. Ausdruck jener italienischen Lebensart, von der die Sehnsuchtsdeutschen seit jeher schwärmen. Diese Liebe geht nicht zuletzt durch den Magen. Die „cucina italiana,“ die vielgerühmte italienische Küche, hat sich aus der Vielfalt der kleinbäuerlichen Landwirtschaft entwickelt und z. B. in der „Slow Food“-Bewegung manifestiert, die das regionale Erbe der vorindustriellen Agrarkultur bewahren und weiter entwickeln will. 

Das gemeinsam zelebrierte Essen hat immer noch eine immense soziale Bedeutung. Wenn die Mamma aus Palermo ihren Sohn in Mailand anruft, fragt sie ihn zuerst: „Hast Du schon was gegessen?“ Elementar für das gesellschaftliche Leben sind auch die öffentlichen Plätze, deren schönste – wie die von Steinfeld beschriebene Piazza del Popolo mit dem Jugendstil-Café „Anisetta Meletti“ in Ascoli Piceno – meist in der Provinz liegen. Dazu gehört auch unweigerlich die Bar: „Das fließende Ineinander des Gehens und des Stehens“. Am Tresen, „einem Ort der plötzlichen Intimität“,  machen die Passanten mit ihrem heißgeliebten Caffè-Konzentrat in zwei, drei Zügen aus der Piccolotasse kurzen Prozess. 

Am Schlager scheiden sich die deutschen und italienischen Geister. Das vor 70 Jahren erstmals ausgetragene „Festival di Sanremo“ vereint wie kaum ein anderes Ereignis ganz Italien vor den TV-Bildschirmen. O-Ton Steinfeld: „Und immer sind da ein Schmerz, der Halt in der Schönheit der Melodie sucht, eine Stimme, die bricht, und unzählige Italiener, die den Text des Gewinnerliedes auswendig können.“ Beim Sanremo-Festival 2019 nannte der damalige Innenminister Matteo Salvini, Chef der rechtsnationalistischen „Lega“, den Sieg des jungen Mailänder Migranten Mahmood mit dem poetischen Lied „Soldi“ (Geld) einen „Verrat am Willen des Volkes“. Dazu der Autor: „Eine solche Auseinandersetzung hätte es nicht gegeben, wäre der italienische Schlager nur ein Schlager und das Festival von Sanremo nur ein Schlagerwettbewerb.“ 

Überhaupt bezieht der studierte Musikwissenschaftler, der selbst in einer Jazzband spielte, zum tieferen Verständnis sich immer wieder auf Literatur, Musik, Film, Kunst, Architektur und Geschichte, spannt elegant den Bogen zwischen Alltags- und Hochkultur. Unter den vielen Protagonisten in Steinfelds italienischem Kosmos taucht mit am häufigsten der Name des Regisseurs, Schriftstellers und Publizisten Pier Paolo Pasolini auf. Aus gutem Grund. Kaum ein Intellektueller hat das Land so oft bereist, in seinen Widersprüchen erkundet und so radikal den Finger in die Wunden gelegt wie der 1975 ermordete Wahlrömer aus dem Friaul. In der vom Autor besuchten „älter als alten“ Höhlenstadt Matera, Kulturhauptstadt Europas 2019, drehte Pasolini sein 1964 erschienenes Meisterwerk „Das 1. Evangelium – Matthäus“, laut FAZ „vielleicht das einzige wirkliche Wunder des Bibelkinos“.

Was würde der „Franziskus der Vorstädte“ (Steinfeld), der mit Filmen wie „Accatone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß“ und „Mamma Roma“ das römische Subproletariat ehrte, heute wohl über den Alarmzustand und die Heimsuchung Italiens durch die Corona-Krise mit den zweitmeisten Todesopfern in Europa sagen? Thomas Steinfelds „exzellentes, bemerkenswertes Buch über Italien“ (Corriere della Sera) ist unmittelbar vor dem verheerenden Ausbruch der Pandemie in Norditalien erschienen. Sein fundiertes, nuanciertes, auch als Reisebuch lesbares Porträt weist über dieses – dank Impfstoff hoffentlich bald überwundene – kollektive Trauma hinaus und führt uns unter die touristische Oberfläche von „Dolce vita“, „O Sole mio“ und „Bella figura“ tief hinein ins rätselhafte, faszinierende Innere Italiens. 

Joseph Weisbrod

Info: Thomas Steinfeld: „Italien – Porträt eines fremden Landes“. 448 Seiten. Gebunden. Rowohlt Verlag, Berlin. 25 Euro.

 

 

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Cover des Buches Italien (ISBN: 9783737100588)
aus-erlesens avatar

Rezension zu "Italien" von Thomas Steinfeld

Kontrastreiche Rundreise
aus-erlesenvor 3 Jahren

Das Schwierigste am Porträtieren ist wohl das Stillsitzen. Immer wieder muss man zur Sitzung erscheinen und darf sich nicht bewegen. Und wenn der zu Porträtierende auch noch Italien heißt, ist das wohl eine noch größere Herausforderung. Ständig in Bewegung. Denn so gut wie man meint Italien zu kennen, so groß die Überraschung, wenn man dieses Buch Seite für Seite in sich aufsaugt, um festzustellen, dass Italien zwar immer noch ganz nah und doch so fern ist.

Dieses Buch ist ein abwechslungsreicher Sommertag. Er beginnt mit Sonnenschein allenthalben. Das ist die Vorfreude auf das Buch. Es ziehen jedoch schon bald ein paar kleine Wölkchen auf. Man liest und ist stellenweise irritiert. Kündigen die Wolken Sturm oder gar Regen an? Nein. Sie gehören zu einem gelungenen Tag dazu. Denn Italien ist nicht nur das Land, in dem man Urlaub macht, wo die Zitronen blühen und Caffe, Aperitivo, Vino, Pasta und Pizza einzig allein die Kultur ausmachen. Am Abend hat sich die Sturmfront gelegt. Die letzte Seite ist gelesen, das Italienbild hat sich geändert. Ohne den Glanz des Landes erblassen zu lassen. 

Thomas Steinfeld, ehemaliger Literaturchef bei der Frankfurter Allgemeinen und später Literaturressort- und Feuilletonleiter bei der Süddeutschen, reist vom Piemont über Ligurien durch die Toskana und Rom bis Neapel und Sizilien, um über Marken, die Emilia Romagna, die Poebene gen Norden, also Veneto und Mailand seine Reise abzuschließen. 

Vieles, was er sieht, wird hinterfragt. Wie beispielsweise das farbenprächtige und vor allem lautstarke Spektakel des Palio in Siena. Die einzelnen Stadtteile, contrada genannt, schicken je einen Reiter samt Ross in einen rasanten Wettkampf. Der Mutigste, der Schnellste, der Ehrbarste wird wie ein Held gefeiert. Für Besucher die pure Verkörperung des Mittelalters und eine Verneigung vor „der guten alten Zeit“. Falsch! Das, was da Anfang Juli und Mitte August stets für überfüllte Gassen und Hotels sorgt, hat seinen Ursprung  vor langer Zeit. Doch die heutige Form des Reiterwettkampfes kann erst in ein paar Jahren auf ein Jahrhundert zurückblicken. In Italiens Landwirtschaft wird mittlerweile mehr Hindi und in der Industrie mehr Ibo gesprochen als italiano. Die Rettung Venedigs wird immer teurer. Neapel verweigert sich standhaft der weltweiten Gentrifizierung. All das ist Italien. Divers, strikt, und nicht einzufangen.

Man muss nicht enttäuscht sein, wenn Thomas Steinfeld mit Wissen, Wortwitz und Grandezza die Oberfläche des touristischen Italiens zerkratzt. Im Gegenteil: Man muss ihm dankbar sein, dass endlich einmal alles ins rechte Licht gerückt wird. Sicherlich sind Sehnsuchtsorte immer Orte, die verklärt werden. Doch dieser Schein verblasst schnell, wenn man sich einmal darin gesonnt hat. Schaut man jedoch unter die oberste Schicht, kommt Geschichte zu Vorschein. Und das ist es doch letztendlich, was man sucht! Dieses Buch liest sich so leicht wie man ein Gelato schleckt. Und das ist der Verdienst des Autors.


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Cover des Buches Der Sprachverführer (ISBN: 9783423346993)
W

Rezension zu "Der Sprachverführer" von Thomas Steinfeld

Rezension zu "Der Sprachverführer" von Thomas Steinfeld
WinfriedStanzickvor 11 Jahren

Dieses wunderbare Buch des Literaturkritikers der Süddeutschen Zeitung, Thomas Steinfeld, löst tatsächlich das ein, was es zu sein vorgibt: es verführt seinen Leser.

Es ist ein Buch über die Schönheit der deutschen Sprache und ein Buch über das Schreiben. Seine Schwierigkeiten und die Befriedigung, die es dem verschafft, der sie so benutzt und anwendet, dass ihr wunderbarer Reichtum geborgen und gezeigt werden kann.

Er wählt mit seinen Annäherungen den naheliegenden Zugang zu den Schriftstellern der letzten 200 Jahre. Sie sind es, die ihm das Anschauungsmaterial liefern für eine Stilkunde, die die Ausdruckskraft und die Lebendigkeit unserer Sprache lobpreist, gegen alle Versuche und Tendenzen, sie zu verhunzen und zu verflachen.

Für alle Menschen, die gerne lesen, für alle, die gerne schreiben, auch Rezensionen, ist dieses Buch ein wahre Fundgrube von Sprachschätzen. Der Verlag schreibt auf der Umschlagseite: "Wer dieses Buch gelesen hat, wird in Zukunft vielleicht ein bisschen genauer lesen und ein bisschen besser schreiben."

Und er zitiert den Autor:
"Schön ist die Sprache immer dann, wenn man einen Menschen in ihr wahrnimmt."

Ja, so ist es.

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