Thomas Strobl

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Ohne Schulden läuft nichts

Ohne Schulden läuft nichts

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Erschienen am 20.10.2010
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Erschienen am 01.09.1997

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Rezension zu "Ohne Schulden läuft nichts" von Thomas Strobl

Rezension zu "Ohne Schulden läuft nichts" von Thomas Strobl
michael_lehmann-papevor 8 Jahren

Konsequente Marktwirtschaft

Die gerade ausgestandene Krise der Finanzwirtschaft ist, folgt man Strobl in seinen Ausführungen, weder ein unvorherzusehendes Unglück noch ein Verschulden einiger krimineller Elemente in der Bankwirtschaft, sondern einfach eine logische Folge der innewohnenden Systematik kapitalistischen Wirtschaftens. Wie aus der FAZ gewohnt in scharfer und treffsicherer Sprache, nimmt Strobl wieder einmal kein Blatt vor den Mund.

Gegen den Trend althergebrachter Sprichwörter („Spare in der Zeit...“) und quotenträchtiger Fernseh-Schuldenberater legt Strobl in seinem Buch einige Kerngesetze marktorientierten Wirtschaftens vor, ohne die Problematiken eines „zuviel“ zu verschweigen.
Konsequent zeigt er zunächst auf, dass die Mehrung von Wohlstand letztlich auf einer Mehrung von Gütern und Kapital gründet, diese Mehrung aber nur durch immer wieder sich vollziehende Investitionen in die Zukunft möglich werden, solche Investitionen in jener Höhe, die es braucht, um zu wachsen, nur durch Kredite möglich sind, sprich, durch mehr Mittel zur Investition als jene, die aktuell verfügbar wären.

Da Kredite aber immer eine Wette auf die Zukunft sind, wird es da höchst problematisch (und bei den Summen, die mittlerweile weltweit unterwegs sind zugleich eine Bedrohung für ganze Nationen und Volkswirtschaften), wenn die Wette verloren wird. Da der Kredit aufgrund der Investitionsnotwenigkeiten immer bereits am Anfang wirtschaftlichen Handelns steht, beruht das gesamte System logischerweise auf dem Risiko von Kreditausfällen. Aufgrund des ebenfalls innewohnenden Wachstumszwangs ist es ebenso folgerichtig, dass die Wetten und Kredite immer höhere Ausmaßnahme annehmen, risikoreicher werden und somit die Chance auf ein Platzen der Wette prozentual immer weiter zunehmen, bis die jeweilige Blase folgerichtig platzt. Es ist ernüchtern, Strobl in seinen immer klaren, teils brillanten Ausführungen zu folgen und zugleich mit ihm zu der Erkenntnis zu gelangen, dass dieses System nicht veränderbar im Raume steht. Auch auf mittelfristige Zukunft hin gesehen wird die globale Finanzwirtschaft weiterhin die Geschicke der Volkswirtschaften maßgeblich bestimmen.

Auf dem Weg zu dieser Schlussfolgerung legt Strobl im ersten Teil des Buches die Grundpfeiler des Kapitalismus dar, zeigt im zweiten Teil auf, dass die Wissenschaften als Theorie den realen Vollzügen immer nur nachlaufen können und diese im Wesen theoretisch nicht erfassbar sind, bevor im dritten Teil des Buches konkret praktisch offengelegt wird, wie der „Schmierstoff“ der Wirtschaft, Kredite, verwaltet, vergeben, durchaus aber auch verweigert werden und warum dies im Einzelnen so ist. Erschreckend gerade dieser Teil des Buches, der die Macht der Banken ungeschmälert und ungeschönt plakativ vor Augen führt. Im vierten Teil versucht sich Strobl dann an der Darstellung von Alternativen, macht aber nicht viel Hoffnung auf deren Umsetzung. Denn eine „Renditediät“ scheint ihm (und auch dem Leser nach Lektüre seines Buches) eher unwahrscheinlich. Dennoch liegt hier die Chance auf langfristige Umgestaltung und Befreiung aus den Fesseln der Finanzwirtschaft begründet. Kredite sind notwendig für ein florierendes Wirtschaftssystem, aber wild wuchernde Kredite um der reinen Geldvermehrung für wenige werden auf Dauer diese Welt nicht zu einem stabilen Ort machen. Hier ist der eigentliche Handlungsbedarf eines langfristigen Umsteuerns der Finanzströme.

Thomas Strobl legt ein teils glänzend argumentiertes Buch vor, in dem er in verständlicher Sprache die Grundpfeiler kapitalistischen Wirtschaftens darstellt und in ihren Folgen benennt, ebenso die Hilflosigkeit von Theorie und Politik auf den Punkt bringt, aber auch den ein oder anderen Handlungsansatz als Möglichkeit in den Raum stellt. In der Wahl nur zwischen immer weiteren Bürgschaften von übernationalen Gremien oder einem drohenden Armageddon bietet er nur düstere Aussichten, weist aber dennoch durch seinen Begriff der „Renditediäten“ einen möglichen Ausweg (dem er nur geringe Wahrscheinlichkeiten allerdings einräumt). . Für jeden, der die Verflechtungen von Finanzwirtschaft und Realwirtschaft begreifen möchte ist das Buch reinweg empfehlenswert.

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