Thomas Vašek

 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Denkstücke, Schein und Zeit und weiteren Büchern.

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Schein und Zeit

Erscheint am 18.01.2019 als Hardcover bei Matthes & Seitz Berlin.

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Denkstücke

Denkstücke

 (2)
Erschienen am 12.11.2012
Schein und Zeit

Schein und Zeit

 (0)
Erschienen am 18.01.2019

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Rezension zu "Denkstücke" von Thomas Vašek

Rezension zu "Denkstücke" von Thomas Vacek
HeikeGvor 6 Jahren

Ein großer Zwerg mit Glatzkopf und vollem Haar
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Darf ich Sie zu einem kleinen Gedankenspiel einladen?
Stellen Sie sich bitte einen Sandhaufen vor. So einen richtig schönen großen, mit eigener Hände Arbeit angehäuft, vielleicht gar am Traumstrand Ihrer Wahl (wobei letzteres keinen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Geschichte hat). Entfernen Sie nun bitte ein Sandkorn von diesem Haufen. Ja, nur ein einziges. Was sehen Sie jetzt? Genau: Einen Sandhaufen. Das scheint unbestreitbar zu sein, schließlich macht ein einziges Sandkorn nicht den Unterschied zwischen einem Haufen und einem "Nicht-Haufen" aus. Wenn Sie just ein weiteres Sandkorn entfernen, hat sich wiederum allem Anschein nach nichts getan und vom Haufen bleibt immer noch ein Haufen übrig. Das Spielchen kann man nun immer weitertreiben. Letztendlich scheint jede Ansammlung von Sandkörnern ein Haufen zu sein, auch - und das ist das Paradox - wenn er nur aus einem einzigen Korn besteht. Ähnliche Überlegungen könnte man auch mit dem Begriff "groß" vollziehen. Wann ist ein Mensch groß? Wenn er 1,90 m misst oder 1,89 m oder schon ab 1,75 m? Oder: Wann spricht man von einer Glatze und wann von vollem Haar? Paradoxien dieser Art nennt man übrigens "Sorites-Paradoxien, nach dem altgriechischen Wort "sorós" für Haufen. Und offenbar läuft bei allen diesen Gedankengängen etwas schief. Nur was? Es hat etwas mit dem Problem der Vagheit zu tun. Was das wiederum ist...
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...das kann Thomas Vašek in seinem kleinen Büchlein auf intelligente, interessante, zuweilen durchaus anstrengende und etwas verschwurbelte, aber immer mit einem Schuss Humor gewürzte Art und Weise großartig erklären. In 90 kurzen "Denkstücken", die größtenteils aus der Philosophiezeitschrift "Hohe Luft" stammen, deren Chefredakteur er ist, und in denen er philosophische Argumente aus ihrem Kontext herauspräpariert, um sie pointiert und vor allem nachvollziehbar darzustellen, regt Vašek den eigenen lahmen Geist wieder zu neuem Elan an. Gegliedert in drei große Kapitel (Wissen & Welt / Sinn & Bedeutung / Geist & Materie) zweifelt er scheinbar am Selbstverständlichen und hinterfragt alltägliche Begriffe und Überzeugungen, die uns scheinbar so geläufig sind. Wenn man sich auf dieses "Fragen-stellen-Gedanken-ausprobieren-Argumente-prüfen-Spiel" einlässt, können seine unterhaltsamen philosophischen Exkurse helfen, Klarheit ins eigene Denken zu bringen sowie eine durchaus reflektierte Weltwahrnehmung zu entwickeln. Auf jeden Fall sind sie unbestritten ein lohnenswertes geistiges Abenteuer, auch für nichtakademische Spezialisten, da das Büchlein keinerlei philosophische Kenntnisse verlangt. Einzige Voraussetzung sollte "Spaß am Denken und die Bereitschaft, sich auf ungewohnte, manchmal schwierige Gedankengänge einzulassen" sein.
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Der Inhalt des Buches folgt übrigens keinem System. Jedes der knappen Denkstücke steht für sich und baut auch nicht in irgendeiner Form auf seinem Vorgänger auf. Man kann somit an jeder beliebigen Stelle einsteigen, weiterblättern und erneut innehalten. Auch inhaltlich wird ein sehr breites Spektrum abgegriffen und zwar quer durch die Geschichte und die philosophischen Disziplinen. Sicherlich wird der Laie nach der Lektüre keinen geschulten philosophischen Sachverstand besitzen, aber gerade die knappe Form erlaubt ungeübten Geistern ein erstes barrierefreies Annähern an die manchmal auf einem unerreichbaren Ehrfurchtssockel stehenden Denker und ihre Argumente und Anschauungen.
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"Manche Gedanken entfalten gerade in der komprimierten Form ihre Schönheit und Kraft; bei anderen offenbart die knappe Darstellung, warum sie umstritten sind.", schreibt Thomas Vašek in seinem Vorwort. Dem kann uneingeschränkt zugestimmt werden. Und sollten seine philosophischen Exkurse dem Leser nicht ausreichen, einen (durchaus gewünschten) "Weiterdenkprozess" in Gang zu setzen, so ist auch dies kein Grund zum "Ver-Zweifeln". Zum einen liefert der Autor unter jedem seiner Denkstücke gleich die passende weiterführende Lektüre. Zum anderen befasst sich doch tatsächlich ein Beitrag im Buch mit diesem Dilemma, das schon René Descartes zur zentralen Denkmethode erhob. Er zweifelte bereits als junger Mann an den Fundamenten des überlieferten Wissens, und Autoritäten lehnte er als Quelle von Wahrheit ab. Doch Vorsicht! Zweifeln Sie nicht an allem. "Ein Zweifel ohne Ende ist nicht einmal ein Zweifel", sagte schon Ludwig Wittgenstein, und Charles S. Peirces forderte "in der Philosophie nichts zu bezweifeln, was wir nicht in unserem Herzen bezweifeln".

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