Thomas Weber Hitlers erster Krieg

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Inhaltsangabe zu „Hitlers erster Krieg“ von Thomas Weber

So unterschiedlich Hitlers Biographen sein Leben deuten – in einem sind sich alle einig: DieFronterlebnisse im Ersten Weltkrieg waren entscheidend für seinen späteren Aufstieg. Hitlerselbst hatte sich zum tapferen Frontsoldaten stilisiert, dessen Freiwilligen-Regiment denKeim der späteren NS-Bewegung bildete. Diese Darstellung wurde von der NS-Propagandaverbreitet und von späteren Biographen weitgehend übernommen. In seinem aufsehener regendenBuch zerstört der Historiker Thomas Weber diesen Mythos.

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  • Rezension zu "Hitlers erster Krieg" von Thomas Weber

    Hitlers erster Krieg
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    22. August 2012 um 13:52

    Entzauberter Mythos Sehr ruhig, breit und äußerst fundiert legt Thomas Weber seine umfangreiche Untersuchung von „Mythos und Wahrheit“ über den „Gefreiten Hitler“ im ersten Weltkrieg vor. Einerseits steht im Raum die mythische Sicht Hitlers selbst als eines Mannes, dessen Persönlichkeit durch seine „heldenhafte“ Vergangenheit geformt wurde. „Die Kernaussage all dieser Beschreibungen von Hitlers Kriegsdienst lautet, dass er ein außergewöhnlich tapferer, ja heldenhafter Soldat war und von seinen Kameraden im List-Regiment als einer der Ihren betrachtet wurde. Auf diesem Bild beruht die herkömmliche Bewertung von Hitlers Jahren im Ersten Weltkrieg. Das List-Regiment war demnach die „Universität“ die ihn prägte“. Auf der anderen Seite gelingt es Weber durchaus, nicht zuletzt aufgrund der Auswertung der erstrangigen Quelle der Regimentsberichte des List-Regiments, an dieser „Heldenhaftigkeit“ Hitlers durchaus berechtigte Zweifel anzumelden. Trotz der Verleihung des eisernen Kreuzes für Tapferkeit an Hitler (welche Weber überzeugend relativiert im Übrigen und, welch paradoxe Fußnote der Geschichte, zurückzuführen ist auf den ranghöchsten jüdischen Offizier des Regiments und deutlich weniger auf Akte persönlicher Tapferkeit Hitlers). Hitler gehörte als Melder dem Regimentsstab an, mithin ein Dienst, der ihn nicht in vorderste Linie und nicht in ständige Gefahr brachte. Ein Dienst, der von den Soldaten des Regimentes selbst als „Etappenschweine“ gekennzeichnet wurde. Männer in der Etappe und damit in (sicherlich höchst relativer, aber doch höherer“ Sicherheit). Das Hitler in seiner Person feige und „sich drückend“ war, dieser Nachweis gelingt Weber allerdings nicht vollständig zweifelsfrei. Das auch der Dienst als Melder nicht „ohne“ war, davon zeugen allein schon die Verwundungen Hitlers während seiner aktiven Frontzeit. Dennoch verbleibt eine nun doch deutliche Relativierung des „Frontsoldaten“ Hitler, der seine Erfahrungen grundlegend beschrieb als Soldat „im täglichen Angesicht des Feindes und des Todes“. Eine Relativierung durch Weber, die ihre Grundlegung in der Differenz zwischen „Grabensoldat“ und „Stabsangehöriger“ findet. Eine Unterscheidung, die Weber breit, fundiert und sehr anschaulich herausarbeitet. Eine „Entmythologisierung“ des „Frontsoldaten Hitler“ findet somit durchaus gelungen im Buch statt. Auch die „Unterwürfigkeit“ im Verhalten Hitlers nimmt einen gewichtigen Teil der Beschreibung im Buch ein. Ganz und gar nicht „der Führer“ ist es, der sich hier der Obrigkeit, den Chargierten gegenüber ins Benehmen setzt. Eher einer, der den Kniefall fast im Blut hat und der noch bei weitem nicht seine späteren ideologischen Gedanken im Ansatz entfaltet hätte. Auch dies reicht allerdings nicht aus, wie Weber es versucht, den späteren „Führer“ in diesen Erlebnisses beim Stab bereits zu verorten, hier versucht Weber zu sehr, den Wunsch Vater des Gedankens sein zu lassen. Dennoch gilt, dass, sorgfältig recherchiert, der „Mythos“ tatsächlich auf die Beine gestellt wird, der fast „entrückte Held“ an der Front des ersten Weltkriegs sich zusammenstutzt auf einen diensteifrigen und willfährtigen Gefreiten in doch oft relativen Abstand zum direkten Kampfgeschehen und einer, der noch lange nicht gedanklich und in der persönlichen Haltung seine spätere Entwicklung erahnen lässt. Alles in allem eine sorgfältig recherchierte und sehr detailliert die Quellen auswertende Darstellung Webers, die überzeugend ein realistisches Bild eines eher körperlich schwächlichen Hitlers in seiner Funktion beim Regimentsstab darstellt und gründlich aufräumt mit den heroischen Mythen, welche Hitler selbst und die Spitze des NS-Regimes kolportierte. Ohne allerdings einwandfreie Nachweise in seinen überspitzen Thesen darzulegen. Der hervorragenden Darstellung als solcher und der überzeugenden Rechercheleistung fügen diese Überspitzungen allerdings keinen Abbruch zu.

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