Thomas Wendrich

 4.3 Sterne bei 37 Bewertungen

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Eine Rose für Putin

Eine Rose für Putin

 (37)
Erschienen am 16.02.2015

Neue Rezensionen zu Thomas Wendrich

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Rezension zu "Eine Rose für Putin" von Thomas Wendrich

Ping-Pong zwischen Fiktion und Realität
Sikalvor 3 Jahren

Während auf einem Parkplatz alle gespannt dem Tennisfieber verfallen, verschwindet aus einem Auto ein kleines Mädchen. Die Spuren führen bis nach Weißrussland, doch trotz genauer Recherche kommt die Lösung nicht ans Licht.

20 Jahre später: Der Drehbuchautor Johann Stadt zieht sich mit dem Regisseur M. in ein abgelegenes Ferienhaus zurück, um diesen Entführungsfall einem Drehbuch zugrunde zu legen. Die beiden schreiben die Geschichte ähnlich dem ursprünglichen Verbrechen nur in die Gegenwart versetzt – und nun beginnen die Zeitzonen zu verschwimmen, der Unterschied zwischen Fiktion und Realität nur schwer auszumachen. Während des Schreibens passieren immer wieder eigenartige Szenen, bei denen man als Leser nicht genau weiß, ob diese nun der Realität entsprechen oder nur im Drehbuch vorkommen. Was hat es mich dem Kampf mit einem Schwan auf sich? Ist die Postbotin nun wirklich tot und wie kommt es, dass Putins Revolver auftaucht?

„Findest du einen Nagel in der Wand, so nutze ihn! Mir ist, als suchte ich ein Leben lang nach Nägeln. In der Wand. Aber da sind nicht einmal Wände.“

Die Sprache ist flüssig und facettenreich, wechselt zwischen anspruchsvollen Passagen und humorvollen Dialogen. Das Buch ist auf alle Fälle spannend, so dass man unbedingt Seite um Seite weiterlesen möchte. Doch oftmals denkt man, dass man nun einen Teil ergründet hat und plötzlich kommt eine schräge Wendung, die wieder verwirrt.

„Mit Manipulationen sät man, denke ich, was man Tage, Wochen, Jahre später ernten will. M. liebt die Ergebnisse, aber direkt, und zwingt die Zeit regelmäßig unters Joch, nur um noch schneller recht zu haben.“

Für mich war dieses Buch eine große Herausforderung und ließ mich nach der letzten Seite verwirrt zurück. Erst nach und nach ordnet man seine Gedanken und macht sich hierzu sein eigenes Bild.

Ein ungewöhnliches Leseerlebnis, auf das man sich einlassen muss.

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Rezension zu "Eine Rose für Putin" von Thomas Wendrich

Rezension zu "Eine Rose für Putin" von Thomas Wendrich
elane_eodainvor 3 Jahren

>> Das Böse entspringt einer anderen Quelle und entwickelt sich permanent unserer Kosten-Nutzen-Rechnung. Das Böse kann einfach böse sein. Teuflisch, Infernalisch. In der Welt. Nur in unseren Kategorien von Moral und Geld entsteht Schuld. Sobald du nur einen Schritt nach nebenan tust, dich quasi aus den moralischen Verhältnissen unserer Welt entfernst, kannst du machen, was du willst, ohne den geringsten Skrupel. <<
(Zitat aus „Eine Rose für Putin“ von T. Wendrich)

INHALT: Johann Stadt sucht die Einsamkeit eines Landhauses, um ein Drehbuch zu schreiben. Vor vielen Jahren wurde Rose, ein kleines Mädchen, entführt. Johann Stadt will sich diesen Stoff vornehmen und in die Gegenwart setzen. In Weißrussland wird ein kleines Mädchen krank geboren, eine Folge des Reaktorunfalls in Tschernobyl, und aus einem deutschen Spieleland verschwindet ein Kind.

GEDANKEN: Ich weiß nicht mehr genau, was ich von „Eine Rose für Putin“ erwartet hatte, der Name Putin lockte mich wohl. Das nun Gelesene jedenfalls war unerwartet.

Sprachlich und stilistisch gelingt es Thomas Wendrich mich zu überzeugen. Die Geschichte, die einzelnen Fragmente sind in Blätter unterteilt, jedes steht als ein Kapitel im Buch. Ein unbekannter Herausgeber legt diese vor, das merkt man schnell anhand immer wieder angefügter Kommentare am Ende eines Blatts.

Verschiedenen Geschichtssträngen folgt der Leser. Den Geschehnissen im Landhaus, der Entführung in der Vergangenheit und dem neuen Fall. Immer wieder nacheinander werden diese weitererzählt und der Leser muss die Fäden knüpfen. Doch ganz gelingen mag das auch dem aufmerksamen Leser nicht und erst zum Ende hin erkennt man die Genialität des Ganzen, nur um dann noch einmal von vorne zu denken und dennoch nicht ganz zu verstehen … ein verflixtes Spiel!

Ein wenig enttäuscht bin ich trotz allem über Putins Rolle, die für mich ungriffig bleibt. Da führt der Titel ein wenig in die Irre. Oder gehört auch das zum Spiel?

Mir persönlich ist die Geschichte auch fast ein wenig zu krimiartig. Die Raffinesse des Autors und die Person Johann Stadt hielten mich aber bei der Stange. Und es war interessant mit auf Spurensuche zu gehen, nach Motiven und nach Verstrickungen der russischen Behörden und des Geheimdienstes, nach dem Ermittler und dem Verfasser des Textes. Nach Realität und Fiktion.

FAZIT: Anders als erwartet. Sprachlich und stilistisch top. Über alles weitere bin ich mir noch immer nicht so ganz im Klaren …

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Rezension zu "Eine Rose für Putin" von Thomas Wendrich

Geschichten hinter Geschichten
vielleser18vor 3 Jahren

Eine wahnwitzige Geschichte über Ost und West

Ein Kidnapping aus dem Land der bestbewachten Grenzen? Da sind doch höhere Mächte im Spiel! Ein Elternpaar ringt um sein verlorenes Kind, ein Ermittler um die richtige Lösung, eine weißrussische Frau um ihr Leben und ein Autor mit seinem Regisseur um die richtige Geschichte. Mit dieser so außergewöhnlichen wie komischen Konstruktion erschafft Thomas Wendrich den Nachwende-Roman unserer Zeit.

Ein ungeklärter Kindesraub 1985 in Görlitz? Eine Entführung außer Landes? Eigentlich nicht vorstellbar zu Zeiten streng bewachter Grenzen – es sei denn ...

Johann Stadt hat sich mit seinem Regisseur in ein uckermärkisches Landhaus zurückgezogen, um diesen historischen Stoff zu entwickeln. Was dem Drehbuchschreiber dort jedoch widerfährt, ist mehr als der Musenkuss für eine unglaubliche Geschichte, er sieht sich plötzlich mit völlig unerwarteten Erscheinungen konfrontiert: misstrauischen Dorfpolizisten, einer immer wieder auftauchenden Postbotinnenleiche, unmusischen Provinzpolitikern, geschäftstüchtigen Atomforschern, dem langen Arm des KGB und nicht zuletzt einem aufgescheuchten Schwanenclan. Thomas Wendrichs ideensprühendes Debüt ist eine Roadnovel ohne Fahrbahnmarkierung - eine unerhörte Story über die Verschiebung des Westens in den Osten und die Ausbreitung des Ostens im Westen. Mit Gespür für Chaos, aberwitzige Situationen und literarische Traditionen erzählt er vom Wahnsinn, das Unfassbare festhalten zu wollen.

(Quelle : berlinverlag.de)


Meinung:

Die Geschichte springt vom Autor Stadt immer wieder zu den verschiedenen Entführungsplätzen, der Russin Sveta, die ein krankes Kind hat und zu dem Landhaus zurück. Es gibt keine Kapitel, sondern Blätternummern, ab und an Randbemerkungen des "Herausgebers". Die Vorfälle, die in der Uckermark passieren, werden immer abstruser und verwirrender, aber wenn man das Buch zu Ende gelesen hat, auch wieder verständlicher. 

Gefallen hat mir der Sprach- und Schreibstil von Thomas Wendrich und seine skurrilen Einfälle. Als Leser rätselt man mit, was ist hier Fiktion, was ist Wahrheit ? Die Grenzen sind eng gesetzt, man ist als Leser verwirrt, gefangen, neugierig geworden. Und am Ende wird man doch noch ein bisschen überrascht...man hätte es ja aber auch ahnen können !

Es ist das Spiel der Geschichte hinter der Geschichte, die das Buch so interessant macht und gerade nach dem Lesen denkt man über dieses Konstukt noch lange nach.


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Gespräche aus der Community

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»Thomas Wendrich ist Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler, aber von jetzt an muß man ihn auch als Romancier kennen. Eine Rose für Putin ist ein wunderbar komplexes Mosaik, ein hochintelligentes Labyrinth der Möglichkeiten, vor allem aber: ein sehr spannender Roman.«  Daniel Kehlmann

Liebe Leserinnen und Leser,
heute laden Thomas Wendrich und der Berlin Verlag euch zur gemeinsamen Lektüre eines Romans, der mit der Erzählung eines Kidnappings aus einem untergegangenen Land beginnt – und im Überlebenskampf des Erzählers endet.

Ein ungeklärter Kindesraub 1985 in Görlitz? Eine Entführung außer Landes? Eigentlich nicht vorstellbar zu Zeiten streng bewachter Grenzen – es sei denn...

Johann Stadt hat sich mit seinem Regisseur in ein uckermärkisches Landhaus zurückgezogen, um diesen historischen Stoff zu entwickeln. Was dem Drehbuchschreiber dort jedoch widerfährt, ist mehr als der Musenkuss für eine unglaubliche Geschichte, er sieht sich plötzlich mit völlig unerwarteten Erscheinungen konfrontiert: misstrauischen Dorfpolizisten, einer immer wieder auftauchenden Postbotinnenleiche, unmusischen Provinzpolitikern, geschäftstüchtigen Atomforschern, dem langen Arm des KGB und nicht zuletzt einem aufgescheuchten Schwanenclan. Thomas Wendrichs ideensprühendes Debüt ist eine Roadnovel ohne Fahrbahnmarkierung - eine unerhörte Story über die Verschiebung des Westens in den Osten und die Ausbreitung des Ostens im Westen. Mit Gespür für Chaos, aberwitzige Situationen und literarische Traditionen erzählt er vom Wahnsinn, das Unfassbare festhalten zu wollen.

Eine wahnwitzige Geschichte über Ost und West

Ihr wollt dabei sein? Dann lest bitte die Leseprobe, seht euch die auftretenden Figuren genauer an, sucht euch eine heraus und beantwortet die Frage, die Thomas Wendrich brennend interessiert:

„Was machen die erfundenen Figuren, wenn wir sie alleine lassen – wenn wir aufhören, sie zu lesen, wenn wir fertig damit sind, sie zu beschreiben?“

Wir freuen uns auf eure phantastischen Antworten!

Thomas Wendrich und der Berlin Verlag

Letzter Beitrag von  SzenarioLichtvor 4 Jahren
Hier noch der Link zu meiner Rezi: http://www.lovelybooks.de/autor/Thomas-Wendrich/Eine-Rose-f%C3%BCr-Putin-1126299244-w/ Erscheint natürlich auch postwendend bei Amazon. Vielen Dank ich habe das Buch sehr genossen und es war ein echter Glücksgriff!
Zur Leserunde
S
Was mit dem kleinen Mädchen passierte


Der Bauer, der das Kind gefunden hatte, war einfach gestrickt. Über Impfungen hatte er nicht einmal grosse Ahnungen. Nach all dem Aufruhr, der um ihn geschehen war, hatte er sich aber doch mit dem Thema beschäftigt.
Oh weh, welch Informationen es alles gab, Masern ja, Schnupfen nein, Heuschnupfen nicht nötig, wer sollte da durchblicken?
Durfte er das Baby nun behalten? Er hätte es melden sollen.
Gerade jetzt, wo das andere Kind gesucht wurde. Aber dieses? Niemand hatte gefragt. Keiner hatte gesucht. Oft hatte er in der Kneipe die Ohren aufgehalten. Und seit seine Frau alleine an Krebs starb, war auch er alleine. Er hatte es sich nicht verziehen. Er wollte sich die letzten Tage nicht ansehen. Er hasste das Piepsen, den furchtbaren Geruch und vor allem die verdammten Ärzte. Die wussten auch nichts. Und bei Ihnen gab es nichts zu holen. Also gab es auch wenig Hilfe, für was auch. Die Alte war alt genug, die Medikamente zu teuer und er nervte mit seinem Gefrage. Und anderer Besuch kam eh kaum. Kinder gab es nicht und Freunde gehen, je länger eine Krankheit dauert.
Und als er dann ein Tag vor Ihrem Tod mit dem alten Pick up Heim wollte lag da dieses Kind auf der Treppe. Er überlegte kurz und wollte es hineinbringen. Doch er hatte keine Lust auf die Fragen der Ärzte. Und irgendwie hat er ohnehin Angst. Angst alleine zu sein. und er war sich sicher, er würde dafür in den Knast gehen. und dann hätte er wenigstens Essen und Gesellschaft. Also nahm er den Korb, das brüllende Ding darin und stellte es in den Pick up.
Den ganzen Weg über schrie das Kind. Aber der alte Bauer lächelte. Es war der beruhigendste Ton, den der alte Mann sein ganzen langes Leben vernommen hatte. Er schaltete das Autoradio aus und begann ein kleines Liedchen vor sich hinzusummen. Das Kind verstummte fast im selben Moment und sah den alten Mann mit seinen dunkelgrün leuchtenden Augen an. komisch... dachte der Bauer.... hatten nicht alle Kinder blaue Augen?
Als er zur Hofeinfahrt fuhr, fiel es ihm wie ein Schreck ein. Was sollte er nur zu Essen geben????


Er wendete und fuhr drei Städte weiter, hier würde ihn wohl niemand kennen. Er nahm die Kleine Fremde auf den Arm und betrat den Drugstore. Er steuerte zielgerecht auf die alte Verkäuferin zu. 
Meine Enkelin liegt im Krankenhaus und ich hab die Kleine bis auf weiteres. Was brauch ich?
Die Verkäuferin lächelte. Sie sah wohl die Unbeholfenheit des alten Mannes und ahnte nicht das Verbrechen, was sich eigentlich hier anspielte. Sie nahm ihn mit und holte einen Einkaufswagen. Wie lang denn, der Herr?
Er schätze die Situation auf so etwa vier Wochen, dann würde wohl alles im Wagen sein, was er sich einprägen musste. Die Alte fing an zu packen und er, nicht schlecht zu staunen.
Von Windeln, über Flaschen, von Puder zu Creme, vom Flaschenwärmer zur Kleidung und Pulver. Sogar kleine Minnisocken und ein Schlafsack landeten im Wagen. Wunschutzsalbe, und Schnuller über Schnuller....


Als er wieder im Wagen saß, hatte er kein Geld mehr aber ein verzücktes, süßes Lächeln auf den Lippen, das jeglicher Beschreibung nicht gerecht werden würden...


das Abenteuer konnte beginnen!



Letzter Beitrag von  ChattysBuecherblogvor 4 Jahren
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