Thomas Wiedenhorn

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Lebenslauf von Thomas Wiedenhorn

Akademischer Mitarbeiter an der PH Weingarten; Arbeits-
und Forschungsschwerpunkte: Historische Bildungsforschung, Transition, LehrerInnenbildung und Fortbildung, Individualisierung von Unterricht-Portfolioarbeit.



Quelle: Verlag / vlb

Neue Rezensionen zu Thomas Wiedenhorn

Cover des Buches School adoption in teacher education: Increasing pre-service teachers' responsibility during practice (ISBN: 9783830942634)

Rezension zu "School adoption in teacher education: Increasing pre-service teachers' responsibility during practice" von Markus Janssen

Neuentwicklung des Schulpraktikums für´s Lehramt
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

Inhalt:

Vorgestellt wird hier das junge Kooperationsmodell SATE der Lehrerausbildung für Hochschulen und Partnerschulen. Hochschulen und betreffende Partnerschulen werden durch ein Praktikum der Studierenden miteinander verbunden. Wo gewöhnlich Studierende, ähnlich eines Besuches, für eine begrenzte Zeit ihre Praxis-Erfahrungen in bestehenden Klassenkontexten sammeln, geht SATE hier einen anderen Weg: Studierende übernehmen nach einer detaillierten Vorbereitungsphase die gesamte Schulklasse ohne anwesende LehrerInnen, u.U. auch die Funktion der Schulleitung. In dieser schulischen Selbsterfahrung der Studierenden erhalten die abwesenden LehrerInnen thematisch abgestimmte Fortbildungen. Für Notfälle stehen den SATE-Studierenden DozentInnen der betreffenden Hochschule zur Verfügung.

In diesem hier veröffentlichten Band kommen 5 Hochschulpartner aus 4 Ländern (hier: Deutschland, Russland, Dänemark, Norwegen ) zu Wort. Je nach Ort variiert die Anforderung des SATE-Praktikums stückweit.

Die Erfahrungen der Studierenden jedoch bringen in jedem Land völlig neue Komponenten der gewohnten Lehramt- Praktika mit sich:  die Studierenden müssen eigenständige Entscheidungsprozesse treffen und in ihrer Unterrichtsausübung selbst verantworten. Dies vermittelt ihnen verstärkt Autonomie, Problemlösekompetenz und Selbstbewusstsein. Sie erfahren den Radius des Alltags einer Lehrperson ohne Begleitung, wodurch sie ihre eigene Berufsperspektive konkret abprüfen können. Praxis und Theorie erfahren durch jeweils intensive Vor- und Nachbereitungszeiten des SATE-Praktikums eine besonders direkte Umsetzung.

Die genutzte Theorie erfährt ebenfalls eine neue Dimension:  wo gewöhnlich die Ebenen der SchülerInnen + LehrerInnen als  relativ konträr erfahren werden können, und klar begrenzt, nutzt SATE ein umfassenderes Konzept, welches zum einen von Praxisarchitektur spricht, zum anderen von einem Kernpraxisansatz.  Praxisarchitektur beschreibt hier, dass Lernen in einem größer erfassten, sozialen Raum des Unterrichts stattfindet:  in den drei Bereichen der Sprache, des Tuns und der Beziehung. Das bedeutet, dass SchülerInnen von den SATE-Studierenden großräumiger erfasst werden können und es für die Kinder ebenso die Möglichkeit gibt, sich selbst unterrichtlich neu zu erfahren. Der Kernpraxisansatz umfasst zusätzlich, dass zentrale Praktiken – bzw. Kompetenzen – in verschiedenen Unterrichtssituationen und Unterrichtsfächern wieder gefunden werden können und konstruktiv genutzt: Für die Studierenden selbst und genauso auch für die teilnehmenden SchülerInnen. Dieses der SATE zugrunde liegende Modell nutzt quasi einen hybriden Raum, welcher schon immer anwesend war, aber theoretisch bisher nicht konkret implementiert wurde.

Fazit :  

SATE ist als junges, innovatives Modell zu verstehen, das für die teilhabenden Personenkreise eine realistischere Passung ihres Arbeitens anbietet: zum einen für die teilhabenden Studierenden, die ihre eigene Konfrontation des Schulalltags vor ihrem zukünftigen Berufsstart individuell überprüfen können. Für die teilnehmenden SchülerInnen ist dieses Modell als erfrischende Neuordnung ihrer gewohnten Alltagsstrukturen einzustufen. Für die abwesenden LehrerInnen ergibt sich eine seltene Chance, den eigenen Berufsalltag durch hochwertige Fortbildungen zu hinterfragen und neu auszurichten. Für die Hochschulteams weht neuer, innovativer Wind und  gibt die besondere Chance, Theorie und Praxis direkter verknüpfen zu können. Studierende kehren aus ihren SATE-Praktika zurück an die Hochschulen mit einer massiven Erfahrung der Selbstverantwortung, Autonomie und Reflexion.

Bleibt abschließend zu wünschen, dass immer mehr Studierende in diesen Genuss eines SATE-Praktikums kommen, dass sich viele Hochschulen verschiedener Länder anschließen und eine übergreifende Schulforschung ihren Lauf nehmen kann, die die Schulpraxis neu begreift.

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Cover des Buches Die Bildungsentscheidung aus Schüler-, Eltern- und Lehrersicht (ISBN: 9783531180601)

Rezension zu "Die Bildungsentscheidung aus Schüler-, Eltern- und Lehrersicht" von Thomas Wiedenhorn

Besonders wertvolle Quelle zur Bildungs(un)gerechtigkeit
Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren

Inhalt: 

1. Einleitung

2.  Grundlagen der Bildungsentscheidung in Baden-Württemberg 
> Historische Entwicklungslinien eines gegliederten Schulsystems
> Der gegenwärtige organisatorische und rechtliche Rahmen der Bildungsentscheidung
> Übergangsregelung in den einzelnen Bundesländern
> Die drei Entscheidungsträger im Bildungssystem
> Zusammenfassung

3. Das theoretische Konzept zur Ausrichtung des Untersuchungsschwerpunkts
> Zum Begriff der Bildungsentscheidung und Chancengleichheit im Bildungswesen - Komponenten des Entscheidungsbegriffs.
> Die Schulartwahl als Bildungsentscheidung
> Zum Diskurs von Bildungsentscheidung und Chancengleichheit
> Der Rational-Choice-Ansatz als ein theoretisches Erklärungsmodell für Bildungsentscheidungen
> Das Essersche Modell für die Bildungsentscheidung in die Sekundarstufe - "Framing" - vom Routinehandeln zu Leitmotiven
> Zusammenfassung

4. Theoretische und empirische Anbindungsstellen an die Forschung zur Bildungsentscheidung
> Theoretische Anbindungsstellen zur Bildungsentscheidung
> Empirische Anbindungsstellen zur Bildungsentscheidung
> Die Schnittstelle zum aktuellen Forschungsstand
> Zusammenfassung

5. Anlage zur Untersuchung und methodische Vorgehensweise
> Theoretische Herleitung
 der grundlegenden Fragestellung
> Verlauf der Untersuchung
> Zusammenfassung

6. Darstellung der schriftlichen Befragung
> Der Verlauf der schriftlichen Datenerhebung zum 1. Messzeitpunkt
> Die Entwicklung der Instrumente
> Stichprobenbildung
> Der Rücklauf nach Schülern-, Eltern- und Lehrerstichprobe
> Ergebnisse der empirisch-quantitativen Untersuchung
> Das log-lineare Modell als Auswertungsverfahren
Wirksame Einflusskonstellationen der primären Effekte auf den Schulartübergang
> Wirksame Einflusskonstellationen der sekundären Effekte auf den Schulartübergang
> Berechnung von LLM für die sekundären sozialen Effekte von Schülerseite
> Zusammenfassung

7. Darstellung der mündlichen Befragung
> Das Erhebungsverfahren der mündlichen Befragung
> Leitfadengestützte Interviews zur Durchführung der qualitativen Untersuchung
> Die Forschungsfragen für das Leitfadeninterview
> Die Vorgehensweise für die Auswertung
> Ergebnis der qualitativen Erhebung - Kategorisierung der Sichtweisen und Handlungsverläufe
> Darstellung der Ergebnisse einer strukturierenden Inhaltsanalyse
> Die kritisch-resignative Schulartwahl am Beispiel der Familie A.
> Die kritisch-initiative Schulartwahl am Beispiel der Familie C.
> Die kritisch-abwärtsgerichtete Schulartwahl am Beispiel der Familie W. 
> Die beidseitig-konforme Schulartwahl am Beispiel der Familie K.
> Zusammenfassung

8. Ergebnisse und Diskussion

9. Anhang

Die Forschungsfragen: 
1. Wie beurteilen die Schüler, Eltern und Lehrer die Schulartwahl und welchen Problemgehalt messen sie dem Übergang zu ?
2. > Welche primären und sekundären Herkunftseffekte wirken sich in welcher Intensität auf den Schulübergang aus ? 
> Auf welche der vier Ebenen (persönlich, schulisch, familial und sozial/gesellschaftlich) beziehen sich die Beteiligten im Prozess der Schulartwahl und welche von ihnen werden als besonders relevant erachtet ? 
> Welche Kriterien legen Eltern und Lehrer ihrem Schulartwahlprozess zugrunde ? 
3. Wie schätzen Schüler, Eltern und Lehrer ihre Anteile an der Schulartentscheidung entsprechend ihrer individuellen Wahlsituation ein ? 

Rezension
Diese Forschungsarbeit aus dem Jahr 2011 thematisiert den Schulübergang in Baden-Württemberg in die Sekundarstufe aus Sicht der Beteiligten. Hierfür werden schriftliche und mündliche Befragungen angewandt. Dabei zeigte sich, dass "soziale Ungleichheit in Schulsystemen einzelner Bundesländer nach wie vor gegeben ist" (S. 305). In diesem Hinblick kamen im Interview Menschen bildungsbenachteiligter Schichten zu Wort. 

Dieses Herausarbeiten der Entscheidungsgrundlagen von Menschen, welche ihre Prozesse gewöhnlich selten veröffentlichen, ist eine ganz besondere Errungenschaft dieser Arbeit. Sie ist deshalb als Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit anzusehen und auch als Beitrag zur Historie der stets wandelbaren Kultuspolitik, einschließlich ihrer weitläufigen Konnotationen. 

Dies ist mir eine ganz besonders wertvolle Forschungsarbeit, welche ich immer wieder gern  mit großer Spannung lese.

Hommage à tw





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Cover des Buches 200 Jahre Staatliche Lehrerbildung in Wurttemberg (ISBN: 9783658036218)

Rezension zu "200 Jahre Staatliche Lehrerbildung in Wurttemberg" von Thomas Wiedenhorn

Eine spannende Entstehungsgeschichte der Lehrerbildung
Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren

Inhalt:

1) Vorwort

2) Eine Retroperspektive auf 200 Jahre Lehrerbildung in  Württemberg - unter epochalen, nationalen, geschlechts- und institutionenspezifischen Aspekten.
Am Beispiel der Entwicklung württembergischer Lehrerbildung lässt sich ein besonders vielschichter und spannender Volksbildungs-Prozess nachvollziehen.

3) Die Anfänge der staatlichen Lehrerbildungsanstalt in Esslingen - Bernhard Gottlieb Denzel und die "Musterpflanze" der württembergischen Lehrerbildung.
In B.G. Denzel ist als erstem Semiarleiter von Esslingen kennzeichnet sich die besondere Passion eines Pädagogen wieder, der u.a. stark inspiriert war von Pestalozzi.

4) Von Esslingen nach Heilbronn - Die Expansion der seminaristischen Lehrerbildung in Württemberg.
Ab 1811 wurden in drei Etappen 11 Semiare in Württemberg eröffnet, dazu zählten auch zwei Seminare für Lehrerinnen.

5) Ort und Gestalt der Lehrerinnen- und Lehrerbildung.
Dieser Vortrag beleuchtet die Bedeutung des Ortes und der Gestalt (ein- oder zweiphasig), sowie das Theorie-Praxis-Verhältnis der Lehrerinnen- und Lehrerbildung.

6) Die "Schulmeisterschule" von Carl August Zeller in Heilbronn. Anmerkungen zur Vorgeschichte der Entstehung des Lehrerseminars in Esslingen 1811.
Die zeitlich dem Semiar vorausgehende Schulmeisterschulen in Zürich und Hofwyl haben zur Besonderheit, dass sie in ihrer Lehre die allgemeine Menschennatur als Grundvorraussetzung für Unterricht ansahen und bereits eine eigenständige Methodik definiert wurde. Unter diesen Seminarschülern befand sich auch B.G. Denzel.

7) Weit mehr als Grundversorgung: Die Musik am Esslinger Lehrerseminar und das Wirken der Seminarmusiklehrer Georg Frech und Christian Fink.
Musikunterricht am Lehrerseminar nahm eine bedeutende Rolle ein, bildete die Seminaristen in verschiedenen Bereichen aus und war auch Übergtragungsfunktion von Moral und gesellschafltichen Bildungsidealen. 

8) Gustav Adolph Cornaro Riecke - Ein schulpädagogischer Sonderweg im Spannungsfeld von Professionalisierung, Politisierung und Institutionalisierung.
G. A. C. Riecke als Nachfolger Denzel´s stellt insofern einen Sonderweg dar, als dass er sich politisch für die Professionalisierung des Lehrerberufs einsetzte, für eine einheitliche Volksschule plädierte und schlussendlich 1850 mit dem Erlass gegen die Volksschullehrerbewegung abgesetzt wurde. Seine Entmachtung provoziert die Frage nach den demokratischen Behandlung in der Lehrerschaft in Württemberg Mitte des 19 Jh.

***

Es ist und es bleibt ein absolutes Lieblingsbuch.
àtw


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