Thomas Willmann

 4,2 Sterne bei 176 Bewertungen
Autor von Das finstere Tal, Das finstere Tal und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Thomas Willmann

Thomas Willmann, Jahrgang 1969, lebt als freier Kulturjournalist, Autor und Übersetzer in München.Das finstere Tal ist sein erster Roman und avancierte bereits kurz nach Erscheinen zum gefeiertenund erfolgreichen Geheimtipp.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Thomas Willmann

Cover des Buches Das finstere Tal (ISBN: 9783548285535)

Das finstere Tal

 (162)
Erschienen am 09.08.2013
Cover des Buches Das finstere Tal (ISBN: 9783869092188)

Das finstere Tal

 (13)
Erschienen am 12.05.2017
Cover des Buches Das finstere Tal (ISBN: B005VS5YBG)

Das finstere Tal

 (1)
Erschienen am 14.10.2011

Neue Rezensionen zu Thomas Willmann

Cover des Buches Das finstere Tal (ISBN: B005VS5YBG)Wortklaubers avatar

Rezension zu "Das finstere Tal" von Thomas Willmann

Alpen-Saga
Wortklaubervor 6 Monaten

Es wird viel geritten in diesem Roman, und der Fremde, der da im 19. Jahrhundert auf dem Rücken eines Maultiers auf eine einsam und versteckt gelegene Hochebene kommt, wo ein alter Mann, Brenner, nach Art eines Feudalherrn regiert, an der Macht gehalten von seinen sechs Söhnen, dem örtlichen Pfarrer und einer Art obrigkeitshörigen Gleichmut der Dorfbewohner, trägt einen langen Mantel und einen breitkrempigen Hut - und mit sich, versteckt in einer Leinwand, ein Gewehr. Er stellt sich als Greider vor, Landschaftsmaler sei er, und bereit, dafür zu zahlen, wenn man seine Anwesenheit im Ort dulde. So wird ihm, der so harmlos und ohne Arg erscheint, gestattet zu bleiben.

Dies stellt sich, man ahnt es, als Fehler heraus. Es dauert nicht lange, und es gibt einen Toten im Tal. Damit nicht genug, läutet die Totenglocke bald darauf erneut. Dann feiert die Tochter der Witwe, bei der Greider Quartier genommen hat, Hochzeit, und der Maler verspürt nach der Zeremonie den drängenden Wunsch, zu beichten - wenn auch nicht, um seine Seele zu erleichtern.

 

„Das finstere Tal“ von 2010 ist Thomas Willmanns Debüt. Im Gewand eines Heimatstücks kommt der Roman ganz wie der Fremde auf dem Maultier sehr gemächlich daher. Da ist viel Landschaft zu Beginn, der Maler malt die Berge und das Tal und macht sich vertraut mit den Gepflogenheiten im Ort. Was hinter seiner Stirn vorgeht, erfährt der Leser nicht. Das ist aus dramaturgischen Gründen anders nicht machbar, strapaziert aber - so ging es jedenfalls mir - auch die Langmut des Lesers. Wer sich mit der sehr gemächlichen Erzählweise, bei der der Protagonist einem fremd bleibt, abgefunden hat, wird abrupt daraus aufgestört. Es gibt Formulierungen/Beschreibungen, die ich als sehr gelungen empfunden habe, genauso wie man „... traf ihn das Schuhwerk“ umständlich finden kann, „... Wolken, die dunkel und fett am Schnee schwanger trugen“ so pathetisch wie schräg, „... ein Hunger in ihren Kosungen ... so verzehrend küssen, einatmen, dass ihrer beider Leiber eins wurden ...“ umständlich und schwülstig dazu - allgemein altertümelt es oft gewaltig. Im krassen Gegensatz zu den Schnörkeln in der Sprache und dem behäbigen Anfang, folgen, wenn sich der Wilde Westen erst eindeutig des Alpendorfs bemächtigt hat, Passagen allzu detailverliebter Brutalität, wird Folter minutiös beschrieben. Im klassischen Western sind die Rollen strikt in Gut und Böse, Recht und Unrecht getrennt, wenn es natürlich auch Umstände gibt, die den eigentlich Guten korrumpieren können. „Das finstere Tal“ ist mehr ein in die Alpen versetzter Italo-Western: Greider, gekommen, um Vergeltung zu üben, wandelt nicht in den Schuhen - oder in dem Fall Stiefeln - eines letztendlich aufrechten John Wayne- oder Gary Cooper-Charakters, sondern gleicht mehr dem, wie ihn ein Franco Nero oder Charles Bronson in zahlreichen Filmen verkörpert hat.

 

Ein Alpenwestern also sozusagen: Die Idee zu so einer Fusion der Orte und Genres muss man auch erst einmal haben! Originell ist das Setting zweifelsfrei. Trotzdem nur eine eingeschränkte Empfehlung von mir. Als düstere Legende oder besser als Saga über Blutsbande und Selbstjustiz einer gegen alle gelesen, Freiheit und Knechtschaft, halte ich den Roman, mit Abstrichen, sehr wohl für gelungen. Mir war die Sprache zu gewunden, die Einleitung zu zäh und der Übergang zum - teils vorhersehbaren, aber durchaus spannenden, teils gar furiosen - Showdown zu blutig. Letztendlich ist es freilich auch Geschmackssache, ob man mitgeht bei opulenten Action-Szenen. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt einen klassischen Western im Fernsehen gesehen habe, aber es muss lange her sein. Nicht auszuschließen, dass ich gerade bei langen Action-Sequenzen nur mit halbem Auge hingeschaut habe ... „Kommt zu Potte“, habe ich womöglich dann gedacht, da wie hier: dahin, worum es wirklich geht. Ich weiß: Man darf das durchaus als grobe Unsitte empfinden.

Ganghofer und Leone - oder doch schon Tarantino? „Das finstere Tal“ hat mich nicht in Gänze überzeugt.

 

PS: Der Roman bringt einiges an Bildstärke mit sich, so verwundert es nicht, dass es zu einer Verfilmung gekommen ist: In diesem Film schlüpft der britische Schauspieler Sam Riley in Greiders Rolle, während Tobias Moretti den Brenner gibt.

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Cover des Buches Das finstere Tal (ISBN: 9783548283685)Fortis avatar

Rezension zu "Das finstere Tal" von Thomas Willmann

Historischer Roman, Thriller und Wester
Fortivor einem Jahr

"Das finstere Tal" vereint die Genres historischer Roman, Thriller und Western. Ziemlich stimmungsvoll düster das ganze. Ich fand es spannend (auch wenn die Auflösung bald absehbar war) und intelligent.
Besonders und passend auch die etwas altertümliche, aber doch gut lesbare Sprache, die der Autor gewählt hat.



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Cover des Buches Das finstere Tal (ISBN: 9783548285535)Lesezeichenfees avatar

Rezension zu "Das finstere Tal" von Thomas Willmann

Überraschend spannend - mit Westernelementen
Lesezeichenfeevor 2 Jahren

Fee zum Inhalt:
Ein Fremder kommt in ein abgeschlossenes Hochtal und bittet darum über den Winter dort bleiben zu dürfen. Er bezahlt sehr viel dafür. Dafür darf er bei einer Witwe und ihrer Tochter einziehen. Als Beruf gibt er Maler an und er skizziert auch sehr viel. Die Leute, obwohl sie misstrauisch sind, gewöhnen sich an ihn. Dann gibt es Tote. 

Fee zum Buch:
Das Buch fällt ja nicht wirklich in mein Beuteschema. Als ich es im Bücherschrank sah, sprach es mich an, wie einige andere auch. Ich musste es unbedingt lesen. Die Sprache nahm mich von Anfang an gefangen. Das Genre würde ich so mittig zwischen Alpenroman und Western setzen, mit einem Schuss Krimi. 

Es erinnert sehr an den wortkargen Clint Eastwood und ich könnte mir gut vorstellen, dass er die Rolle des Fremden wunderbar spielen könnte. Jedenfalls hat der Unbekannte die Dorfbewohner eingelullt, bis sie ihn einfach wahrnahmen wie einen Vogel oder eine Katze. Klar war mir schon, dass irgendwann irgendwas passiert, aber dass dies so westernmässig grausam war, das hätte ich nicht gedacht. Es ging einfach um Rache, weil die Herren des Dorfes, der Pfarrer und die Ladenbesitzer seine Mutter und seinen Vater verraten haben, letzteren sogar getötet. Der Showdown war spannend, fand ich jedenfalls. In der Mitte des Buches fragte ich mich, wie endet das Buch wohl, aber ich blieb dran, weil die Geschichte samt Schreibstil gefiel. 

Schade fand ich die Reaktion der Dorfbewohner. Der Fremde hat die jungen Bräute gerettet und nun dürfte es dort „besser“ zugehen. Doch er war und bleibt der Fremde und danach mögen ihn die Leute noch weniger. Sie finden ihn unheimlich und sind froh, als er wieder geht. Das fand ich zwar nachvollziehbar, aber schade. Allerdings hat er es aus Vergeltung gemacht und nicht für die Dorfbewohner. 

Das Cover gefällt mir sehr gut und der Rückentext. Beides beschreibt das Buch – inklusive Titel – perfekt. 

(hier wird das falsche Cover angezeigt, meins ist mit einem Wasserfall links und rechts Wald, ein Häuschen links, oben Berge)

Mein – Lesezeichenfees – Fazit:
Ein etwas anderes Buch, Alpenroman mit viel Western und dazu einen Schuss Krimi. Ich fand es spannend, den Showdown etwas zu grausam, allerdings sehr gut in Szene gesetzt, so dass ich dem Buch 5 Sterne geben möchte. 

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Welches Buch des aktuellen Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa ist wirklich lesenswert. Ich habe noch nichts von ihm. Diese Lücke möchte ich gern schließen. Aber mit welchem Werk sollte man anfangen?
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