Der Autor Thomas Ziebula hat mit „Waldmann“ einen bisher eigenständigen Kriminalroman geschrieben, welcher aktuelle und brisante Themen gekonnt in den Mittelpunkt rückt und dabei gekonnt einen Pageturner mit packender Handlung schreibt.
Klappentext:
Als Johannes Waldmann am Vorabend seiner Rückkehr in den Dienst der Bonner Mordkommission an einen Tatort gerufen wird, ahnt er nicht, in welche Abgründe dieser Fall ihn führen wird. Während er die Leiche des getöteten Lokalpolitikers besieht, jagt eine Frau in einem gestohlenen Polizeiwagen einem Audi nach. In ihm vermutet sie die junge Ukrainerin Zlata, die gerade noch mit dem Politiker auf einem Zimmer war. Auch die Journalistin Pia Luninger ist an dem Fall dran. Spurlos wird die große Reportage heißen, die sie über Menschenhandel und Zwangsprostitution schreiben will und die ihr endlich den ersehnten Karrieresprung ermöglichen soll. Mit jedem Schritt, den Waldmann tiefer in den Sumpf des Verbrechens hineinwatet, löst sich ein Faden, der die große Wunde seines Lebens nur oberflächlich zusammenhielt: der Verlust seiner Frau. Damals, auf einem Bazar, als sie von einem auf den anderen Moment einfach so – verschwand …
Ich habe schon mehrere Bücher aus der Feder von Thomas Ziebula gelesen, dabei sind auch einige Werke dabei, welche unter einen Pseudonym veröffentlicht worden. Bisher konnte mich der Autor schon auf vielseitige Weise unterhalten und dabei auch mit sehr unterschiedlichen Genren und Themen. Daher habe ich mich voller Vorfreude an seinen aktuellen Kriminalroman gewagt und wurde dabei wieder nicht enttäuscht.
Der Schreib- und Erzählstil von Thomas Ziebula ist auch bei diesem Krimi, wie ich es bereits aus seinen vorherigen Werken gewohnt bin, sehr angenehm, lässt sich leicht lesen und ist zugleich bildgewaltig. Gekonnt schafft es der Autor schon auf den ersten Seiten, eine dichte und packende Atmosphäre zu erschaffen. Ich hatte während des Lesens das Gefühl, dass ich selbst mitten im Geschehen bin – ich konnte mir die Lokalitäten gut vorstellen, vor meinem geistigen Auge sind Bilder entstanden, sodass ich den Eindruck hatte, selbst mit in Nigeria auf dem Markt zu stehen. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und wortgewandt, sodass die Seiten nur so dahinfliegen und die packende Story tut hier noch sein Übriges – man möchte diesen Roman nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte selbst ist sehr spannend und temporeich, hier überschlagen sich regelrecht die Ereignisse und man möchte als Leser stets wissen, wie die Geschichte und somit das Leben der Charaktere weitergeht. Der packende Kriminalroman behandelt aktuelle und auch sehr brisante Themen und übt damit auch Gesellschaftskritik aus. Ein wesentlicher Kern der Handlung sind die ukrainischen Frauen, welche vor dem Krieg geflohen sind und nun ihr Leben bestreiten müssen, ihren Platz in dieser fremden Welt finden müssen und dabei nicht immer an die richtigen Menschen geraten. Zusätzlich wird diese Spannung durch die kurzen und knackigen Kapitel gesteigert. Außerdem bedient sich der Autor dem Stilmittel des Perspektivenwechsels. Dadurch bekommt der Leser auf der einen Seite einen vielseitigen Einblick in das Geschehen und zum andere lernt man die unterschiedlichen Charaktere auch besser kennen, kann ihre Gedankengänge besser verstehen und somit ihre Handlungen besser nahvollziehen. Außerdem wird durch diesen permanenten Wechsel die Spannung noch zusätzlich in die Höhe getrieben, sodass der Spannungsbogen kontinuierlich oben gehalten wird und sich der Kriminalroma zu einem wahren Pageturner entwickelt.
Der Prolog ist in der Vergangenheit angelegt. Als Leser lernen wir hier den Protagonisten Johannes Waldmann kennen. Er ist mit seiner Familie im Urlaub in Nigeria und genießt dort die typischen und einheimischen Sehenswürdigkeiten und Lokalitäten. Doch Schatten sind bereits über das Familienleben gezogen, nicht alles ist idyllisch. Und dann kommt der große Paukenschlag – die Frau von Waldmann verschwindet und die Geschehnisse sind nicht eindeutig. Der Hauptteil des Buches spielt vollständig in der Gegenwart und man lernt einen gebrochenen Waldmann kennen. Bis heute hat er mit den Ereignissen von damals zu kämpfen und ist deswegen in Behandlung. Dieser Schicksalsschlag lässt ihn nicht los, er will seine Frau finden. Waldmann hat dabei seine Ecken und Kanten, muss mit seinen inneren Dämonen kämpfen und ist dabei bestimmt kein einfacher Zeitgenosse. Dennoch schafft es der Autor, dass Waldmann menschlich und sympathisch wirkt. Er ist mir Laufe des Buches ans Herz gewachsen und ich habe es ihn gewünscht, dass er mit diesem Teil seines Lebens abschließen kann. In dem anderen Handlungsstrang steht die Suche nach den vermissten ukrainischen Frauen im Mittelpunkt. Diese Perspektive ist durch Brutalität und psychischen und physischen Gräueltaten geprägt. Es ist keine Geschichte für Zartbesaitete, auch wenn nicht allzu sehr ins Detail gegangen wird. Interessant fand ich hier die weiblichen Charaktere, im Mittelpunkt die Journalistin Pia Luninger und die mysteriöse Suse, welche eher im Hintergrund agiert und welche keine einfache Vergangenheit hatte. Dies sind beides starke Frauenfiguren, welche für sich selbst aber auch für Schwächere einstehen. Gekonnt werden im späteren Verlauf die beiden Stränge zusammengeführt und man erkennt, wie diese beiden Handlungen zusammenpassen.
Insgesamt konnte mich der Autor Thomas Ziebula mit seinem Kriminalroman „Waldmann“ gut unterhalten und mir hat das aktuelle Thema gut gefallen. Gekonnt wurde Spannung aufgebaut und der Spannungsbogen ist hier nicht abgeflaut. Auch die Charaktere konnten mich überzeugen. Jedoch hat mir persönlich das letzte berühmte i- Tüpfelchen gefehlt. Ich kann es leider auch nicht genau benennen, was genau ich vermisst habe, da mir dieser Pageturner gut gefallen hat. Daher möchte ich 4 Sterne vergeben und eine Empfehlung für Kriminalromanliebhaber mit aktuellen und gesellschaftskritischen Themenbezug aussprechen.




























