Thomas von Steinaecker

 3,8 Sterne bei 142 Bewertungen
Autor*in von Die Verteidigung des Paradieses, Wallner beginnt zu fliegen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Thomas von Steinaecker, geboren 1977 in Traunstein, wohnt in Augsburg. Er schreibt vielfach ausgezeichnete Romane, Graphic Novels sowie Hörspiele. Außerdem dreht er Dokumentarfilme u.a. zur Musik des 20. Jahrhunderts und zur Kulturgeschichte Deutschlands, für die er internationale Preise gewonnen hat. Zuletzt erschienen 2016 der Roman »Die Verteidigung des Paradieses«, der für den Deutschen Buchpreis nominiert war, 2021 das Sachbuch »Ende offen« und 2022 die Graphic Novel »Stockhausen: Der Mann, der vom Sirius kam«.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Thomas von Steinaecker

Cover des Buches Die Verteidigung des Paradieses (ISBN: 9783596030477)

Die Verteidigung des Paradieses

 (28)
Erschienen am 23.11.2017
Cover des Buches Wallner beginnt zu fliegen (ISBN: 9783596197132)

Wallner beginnt zu fliegen

 (27)
Erschienen am 24.09.2015
Cover des Buches Der Sommer ihres Lebens (ISBN: 9783956401350)

Der Sommer ihres Lebens

 (16)
Erschienen am 01.09.2017
Cover des Buches Schutzgebiet (ISBN: 9783596033065)

Schutzgebiet

 (14)
Erschienen am 22.03.2016
Cover des Buches Geister (ISBN: 9783596033058)

Geister

 (13)
Erschienen am 22.03.2016
Cover des Buches Die Privilegierten (ISBN: 9783103975178)

Die Privilegierten

 (7)
Erschienen am 30.08.2023
Cover des Buches Wer kann für böse Träume (ISBN: 9783981525205)

Wer kann für böse Träume

 (6)
Erschienen am 20.06.2012

Neue Rezensionen zu Thomas von Steinaecker

Cover des Buches Die Privilegierten (ISBN: 9783103975178)
Lilith79s avatar

Rezension zu "Die Privilegierten" von Thomas von Steinaecker

Intelligent, unterhaltsam und relevant
Lilith79vor 8 Monaten

"Die Privilegierten" von Thomas von Steinaecker ist ein klassischer Gesellschaftsroman, mit einem interessanten Einstieg: wir lernen Bastian Klecka kennen, über den am Anfang des Buches nur bekannt ist, dass er in der norwegischen Einöde in einer Hütte als Selbstversorger ums Überleben kämpft und so langsam anfängt seine Sprache und seinen klaren Verstand zu verlieren.
Warum er dort ist und wie er dort hin gelangte erfährt man als Leser:in erstmal nicht.
Stattdessen springt der Roman zurück in Bastians Kindheit, in ein kleines Dort in den 1980ern oder 1990ern, in dem Bastian bei seinem Großvater aufwächst, nachdem seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Der Teil über Bastians Kindheit liest sich dabei wie ein typischer Coming-of-Age Roman, in dem die Themen Freundschaft und Erwachsen werden im Mittelpunkt stehen und die den meisten Leuten, die in einer ähnlichen Zeit aufgewachsen sind wohl ein Gefühl von Nostalgie vermitteln werden. Ein umso stärkerer Bruch wird die Entwicklung des Romans, wenn er sich in Richtung Gegenwart und zuletzt die Zukunft bewegt, Bastians Streben nach beruflichem und familiären Glück wird zunehmend frenetischer und fragiler, während gleichzeitig auch die Welt und die in Deutschland gewohnte Sicherheit zu zerfallen scheint, ein Gefühl das vielen Menschen heute wohl bekannt vorkommen dürfte. Und letztendlich muss Bastian feststellen, dass selbst sein scheinbar perfekter Sohn keine Garantie für Harmonie und Selbstverwirklichung darstellt.

Insgesamt fand ich "Die Privilegierten" sowohl unterhaltsam als auch interessant und relevant und zum Nachdenken anregend, ein intelligenter Roman über die Herausforderungen und Privilegien der "typischen" Deutschen meiner Generation. Zudem ist der ganze Roman mit einem subtilen ironischen Humor durchsetzt, der ihn für mich besonders vergnüglich gemacht hat.

Trotzdem gibt es auch kleinere Kritikpunkte, einige Stilmittel fand ich etwas zu betont als überfrachtetes Stilmittel erkennbar (Stichwort: Katze), da wäre etwas weniger vielleicht mehr gewesen. Trotzdem ein sehr beeindruckender Roman.

Cover des Buches Die Privilegierten (ISBN: 9783103975178)
ninchenpinchens avatar

Rezension zu "Die Privilegierten" von Thomas von Steinaecker

Bedient das Narrativ
ninchenpinchenvor 9 Monaten

Da ich den Roman der Longlist 2023, der später in die Shortlist kam, „Muna“ gelesen hatte, wollte ich auch ganz bewusst einen Roman lesen, der in diesem Jahr nicht nominiert wurde. Und das war dann eben Thomas von Steinaeckers „Die Privilegierten“ mit 623 Seiten.

Der Roman beginnt mit dem Schulalter des Protagonisten und Ich-Erzählers Bastian Klecka und endet weit in der Zukunft, etwa im Jahr 2039. Er umspannt also ungefähr sechzig Jahre. Die Geschichte hat herausragende Momente, besonders bei den Tiergeschichten: drei Mal Katze, einmal Wolf. Dazu kommt Bastians Verzweiflung im Alter, die so berührend und nachvollziehbar beschrieben ist, dass man nicht nur mitfühlt, sondern sogar Angst bekommt vor dem möglichen eigenen Erleben solcher Zustände. Respekt!

Eine lebenslange Freundschaft verbindet die drei Klassenkameraden: Bastian, Ilie Popescu und Madita. Sie gründen den „Klub der Katze“. Auch wenn die Berufe, Lebenswege und späteren Wohnorte dieser drei Freunde so unterschiedlich sind, wie sie nur sein können, halten sie immer Kontakt, mal mehr, mal weniger, aber immer.

Bastians Eltern sterben früh bei einem Unfall und der Großvater zieht ihn auf. Wir lesen von seiner Schul- und Studentenzeit, bis zur Heirat und Geburt des Sohnes Samy und weit darüber hinaus. Über Berufs- und Wohnortwechsel, alles sehr ausführlich und streckenweise auch recht langatmig.

Das Kennen- und Liebenlernen der späteren Ehefrau Brigitte bleibt für mich sehr blass. Die gegenseitigen Abmachungen und Vereinbarungen, z. B. wer aufs Kind aufpasst, wirken roboterhaft und unglaubwürdig. Schublade auf, Absprache raus, Schublade wieder zu. Sogar die Streitigkeiten der Eheleute wirken seltsam unecht. Die Stärken des Autors liegen eindeutig woanders. Siehe oben. 

Kommen wir zur unerquicklichen Bedienung des gerade gängigen Narrativs, dafür gibt es hier unzählige Beispiele. Mit dem jetzigen Wissen: Ich hätte dies Buch nicht lesen mögen. Das können leider auch die oben erwähnten herausragenden Momente nicht wettmachen. S. 187: „Ich hielt immer zu den Demokraten, den Schwarzen, Homosexuellen und anderen benachteiligten Minderheiten. […] Ich war zwar weiß, deutsch, wohlhabend, männlich, mittelalt. Doch am Ende des Tages gehörte ich zu den Guten.“

Und ja, es geht noch weiter, S. 242: „Madita hatte sich zunächst geweigert, nach Ibiza mit dem Flugzeug zu reisen. Erst nach einer nächtlichen Konferenzschaltung, in deren Verlauf Ilie und ich ihr versprechen mussten, ein dreistelliges CO2-Zertifikat zu kaufen, hatte sie sich breitschlagen lassen.“

S. 245: „[…] wir diskutierten sehr angeregt-produktiv über Trump und die sehr offensichtlich unvermeidbare rechte Apokalypse.“ Es folgen die „Unwörter“, die man nicht mehr sagen darf, wie z. B. „Zigeuner“, S. 268.

S. 284: „Der Sender vertrat eine extrem liberale Gesinnung.“ Und dann, Achtung aufgepasst: „Wäre bekannt geworden, dass jemand aus den Redaktionen AfD wählt oder eine abweichende Gesinnung vertrat, wäre er früher oder später gegangen worden.“ Das ist nun wirklich extrem liberal. Satire aus.

Und nein, es hört noch nicht auf, S. 298: „Die Kirchensteuer konnte man ohnehin sinnvoller verwenden, für NGO-Projekte in Afrika oder CO2-Zertifikate zum Beispiel.“ Oder auf Seite 376: „was sie oder er sich für die Zukunft in Deutschland erhoffe, mehr Toleranz gegenüber Geflüchteten, mehr Diversity, mehr alternative Energien, mehr Kreativität, mehr Farbe, ja, als ein winziges Mädchen piepste, sie wünsche sich mehr Frauenpower in Führungspositionen, […] und mir war … auf einmal nicht mehr bange um die Zukunft.“

Selten gibt es auch Gegenstimmen, natürlich von jemandem, der abwegige Thesen verbreitet, so meint es Bastian, der so Empathie bewusste Erzähler. Also der abwegige Thesen-Verbreiter stellt auf Seite 471 die historische Einmaligkeit des Holocausts angesichts des Genozids im osmanischen Reich und in Ruanda in Frage. – Also ja, auch andere Völker als die Deutschen haben sich des Genozids schuldig gemacht, sogar viel neueren Datums. Quelle Spiegel, diverse Artikel: „In nur hundert Tagen töteten radikale Hutu 1994 in Ruanda rund 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu, die sich weigerten mitzumachen.“ Natürlich hat derlei normalerweise in einer Rezension nichts zu suchen, aber ich möchte den zahlreichen o. g. Zitaten etwas entgegensetzen. Und politisiert wird ja in diesem Roman reichlich.

Fazit: Wer auch nur ansatzweise mit der derzeitigen Politik im Lande nicht einverstanden ist, der sollte diesen Roman lieber nicht lesen. Denn zu viel Meinungsmache verdirbt das Lesevergnügen.

 

Cover des Buches Die Privilegierten (ISBN: 9783103975178)
-nicole-s avatar

Rezension zu "Die Privilegierten" von Thomas von Steinaecker

Ein besonderer Roman, der nachdenklich stimmt - sehr gut geschrieben
-nicole-vor 9 Monaten

Von Hoffnung und verpassten Chancen…

In Norwegen beginnt der Winter. Der erste seit vielen Jahren. In einer abgelegenen Hütte muss sich Bastian eingestehen, dass er zu alt ist, um dort zu überleben. Anstatt zur weit entfernten Siedlung aufzubrechen, beginnt er sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Mit seiner Kindheit in den 90ern zwischen Star Wars, Magnum-Eis und Lichterketten gegen Rechts. Der Herausforderung als junger Vater, Familie, Karriere und eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Und mit den Jahren in der geschützten Wohnsiedlung in der Nähe Münchens, in denen die Welt immer bedrohlicher wurde. In seinem neuen Roman blickt Thomas von Steinaecker virtuos aus einer nahen Zukunft zurück auf unsere Gegenwart und zeigt, wie das Leben an uns vorbeirauscht, während wir um uns selbst kreisen. Hochaktuell erzählt „Die Privilegierten“ von einer Generation, die alle Möglichkeiten hatte und dennoch scheitert. (Quelle: Inhaltsangabe – S. Fischer Vaerlage)

„Die Privilegierten“ ist der neue und beeindruckende Roman von Thomas von Steinaecker. Das Buch ist für den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2023 nominiert, der am 05. November verliehen wird.

Hauptfigur ist Bastian Balthasar Klecka, der seit einigen Jahren abgeschieden von jeglicher Zivilisation in einer Hütte in Norwegen lebt. Plötzlich beginnt der Winter, so wie es ihn schon lange nicht mehr gegeben hat. Während er eingeschneit in seiner Hütte ausharrt, beginnt er, seine Vergangenheit zu sortieren. Wie ist es zu diesem einsamen Leben gekommen?


„Die einzige Möglichkeit, jetzt nicht verrückt zu werden, ist, meine Vergangenheit zu sortieren.
Warum ich hier bin.
Wie ich lernte, die Menschen zu hassen.“
– Seite 25, eBook


Der Anfang des Buches ist wie ein Tagebuch geschrieben, wo Bastian seinen aktuellen Tagesablauf schildert. Es ist die nahe Zukunft, Anfang der 2040er Jahre und schnell wird klar, dass in der Welt einiges geschehen ist.

Danach geht es zurück in die Vergangenheit. Das Buch ist in der Ich-Perspektive aus Bastians Sicht geschrieben, der auf den folgenden 600 Seiten seinen Lebensweg schildert. Beginnend im Jahr 1986, in dem er mit nur vier Jahren den Tod seiner Eltern verkraften muss und fortan von den Großeltern, bzw. von seinem Großvater aufgezogen wird. Während einige Jahre wie im Zeitraffer beschrieben werden, gibt es einige Zeiten, die sehr detailreich und ausführlich geschildert werden. Wie etwas das Jahr 1992, in dem er Freundschaften schließt und einiges erlebt. Gerade diese typische Atmosphäre der 1990er-Jahre ist sehr gelungen.


„In meiner Erinnerung liefen, was eigentlich nicht der Wahrheit entsprechen kann, alle Serien, die meine frühe Kindheit geprägt hatten, in diesem Sommer des Jahres 1992. Ich lebte in Filmszenarien. In Raumschiffen wie in den Sperrholzkulissen US-amerikanischer Sitcoms.“ – Seite 48, eBook


Wir erfahren kurz, wie er 9/11 erlebt hat, heranwächst und dann im Jahr 2019 zwischen Familie und Beruf jongliert. Später spielt sein Sohn Samy eine zentrale Rolle, besonders in den 2030er Jahren, wo sich die Lage im gesamten Land auf unheimliche Weise entwickelt und auch Entscheidungen getroffen werden, mit denen manche nicht einverstanden sind. Von glücklichen und schwierigen Momenten, von traurigen und bewegenden Situationen, von Hoffnung bis hin zu Unsicherheit und Machtlosigkeit – alles ist vorhanden. Und schließlich erfahren wir, was dazu geführt hat, das Bastian mit ca. 60 Jahren abgeschieden in Norwegen lebt.


„Ich kann mich an einen Moment erinnern, 2016 oder 2017, als ich plötzlich das Gefühl hatte, die Realität sei irreal geworden. Als hätte die Zeit irgendwann nach 2001 auf dem Pfad mit seinen vielen Möglichkeiten eine falsche Abzweigung genommen und als befänden wir uns nun aufgrund dieses Versehens oder Unfalls oder was auch immer in einer falschen Version der Welt.“
– Seite 136/137, eBook


Der Roman ist weder rasant oder actiongeladen, jedoch durch den detaillierten und intensiven Schreibstil packend zu verfolgen. Von den ausführlichen Beschreibungen der Schauplätze über die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere bis hin zu den verschiedensten Geschehnissen der jeweiligen Epoche – von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in eine etwas unheimliche und dystopische Zukunft – alles ist sehr klar geschrieben.


„Wir klammerten uns wie so viele meiner Generation aneinander, weil wir uns wünschten, die Epoche, der wir entstammten und deren Werte, Regeln und Realitäten wir jenen der Gegenwart vorzogen, würde durch unsere Treffen und Telefonate fortdauern – obwohl sie doch unwiederbringlich vergangen waren.“ – Seite 474475, eBook


Die Handlung ist durch die schon erwähnte gelungene Schreibweise sehr detailreich und bildgewaltig, an manchen Stellen vielleicht auch etwas ausschweifend. Dennoch wird es an keiner Stelle langweilig. Oft sind einzelne Sätze, die Beschreibungen enthalten, sehr lang und manchmal etwas verschachtelt. Dann gibt es aber auch mal wieder kürzere Passagen. Dieses passt im Gesamten aber sehr gut zusammen.

Die unterschiedlichen Jahrzehnte sind atmosphärisch dicht wiedergegeben – jeweils mit dem „Flair“ der jeweiligen Zeit. In dem Roman wird deutlich, wie schnell die Zeit vergeht, wie unterschiedlich die Generationen sind und die Frage, ob man nicht manches hätte anders oder besser machen können – ein Buch, das gleichzeitig interessant und unterhaltsam ist, aber auch nachdenklich macht und nicht immer einfach ist.

Mein Fazit: Ein gelungener Roman, der mit seiner detaillierten Schreibweise und einer starken Figurenzeichnung überzeugt. Atmosphärisch dicht schildert der Autor den Lebensweg von Bastian über mehrere Jahrzehnte – von der Vergangenheit über die aktuelle Gegenwart bis hinein in eine dystopische und etwas unheimliche Zukunft. Auch wenn es ein sehr ausführlicher und ruhig geschriebener Roman ist, wird man von der ersten Seite an abgeholt und kann es nur sehr schwer aus der Hand legen. Man sollte sich etwas Zeit zum Lesen nehmen – es wird auf besondere Weise packend und interessant, regt aber gleichzeitig auch zum Nachdenken an. Ein sehr lesenswertes Buch, das ich gern weiterempfehle!

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks