Thomas von Steinaecker Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen

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Inhaltsangabe zu „Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen“ von Thomas von Steinaecker

Risiken abzusichern ist ihr Geschäft. Doch sie verstrickt sich in Unsicherheiten, trügerische Phantasien und Ängste. Brillant, packend und raffiniert erzählt Thomas von Steinaeckers großer Zeitroman von unserer Welt, in der alle Sicherheiten endgültig abhanden gekommen sind und unsere Sehnsüchte in die Irre führen. Ein schlau-präzises und gespenstisch-surreales Porträt unserer Gegenwart. Renate Meißner wird versetzt, befördert und gewinnt für ihre Versicherungsgesellschaft einen großen Auftrag. Doch eine interne Evaluierung ergibt, dass in ihrer Abteilung Stellen gestrichen werden. Vielleicht war die Versetzung ein abgekarterter Spiel, um sie loszuwerden? Der große Auftrag ein Test? Sie reist nach Russland, um die Grande Dame hinter dem Projekt kennenzulernen, die Herrin über ein generationenaltes Vergnügungspark-Imperium. Die Greisin scheint erstaunliche Ähnlichkeiten mit Renates verschwundener Großmutter zu haben. In einer Welt futuristischer Jahrmarktsattraktionen verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Phantasie. Welcher Wirklichkeit ist noch zu trauen? Thomas von Steinaeckers Roman entwirft ein großes Panorama, das mit Fotos, Zeichnungen und Tabellen die Möglichkeiten realistischen Erzählens auslotet und ein phantastisches Paranoia-Spiel in Gang setzt.

Eine Persiflage auf die moderne Arbeits-Gesellschaft. Mit lustigen, aber auch äußerst grotesken, für mich unverständlichen Passagen.

— clickclackboum
clickclackboum

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  • Rezension zu "Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen" von Thomas von Steinaecker

    Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    16. March 2012 um 13:01

    Völlig zerfließendes Seelenleben Man braucht schon einen langen Atem, um die Protagonisten des Buches, Renate Meißner, Versicherungsvermittlerin bei einem (fiktiven) Versicherungsunternehmen auf ihrer ständig assoziierenden, analysierenden, sich selbst motivierenden inneren Reise zu begleiten, von der man bereits auf den ersten Seiten ahnt, dass ein (innerer) Absturz der Person in absehbarer Zeit fast zwangsläufig folgen muss. Aufgrund einer Liaison mit ihrem ehemaligen Vorgesetzten in Frankfurt wird Renate Meißner intern nach München, ihre alte Heimat, versetzt. Und trifft auf Kollegen, eine ganze Büroetage, die unter einer drohenden Restrukturierung steht. Sieht es zu Anfang noch so aus, als wäre Renate Meißner ungefährdet und eher noch aktiver Teil dieser Restrukturierung, stellt sich langsam, Schritt für Schritt heraus, dass auch sie gefährdet sein wird. Trotz durchaus anfänglich guter und erfolgreicher Arbeit. In einem Umfeld, das sich mit „Desaster Monopoly“ vergnügt und interne Wetten auf zukünftige Katastrophen abschließt. Aber ganz bei sich ist diese Renate Meißner an sich ja von der ersten Seite an nicht mehr. Mülltüten stapeln sich an der Wand der neuen Wohnung, die voller Kartons steht, bei weitem nicht eingerichtet ist. Jeden Abend zählt Renate neben ihrer speckigen Matratze die Pillen für die Nacht ab. Jene Pillen, die Träume verhindern, die einfache Schwärze wohltuend in die Nacht setzen. Auch an deren sich allmählich erhöhender Anzahl spürt der Leser den fortschreitenden inneren Zerfall der Frau. Begleitet von einer ständigen, teils fast penetranten, Sicht alleine aus der Innenperspektive der Protagonisten her. Einer Innensicht, die ständig den Radar in die Umgebung wirft um vor zu erahnen, was denn nun an Verhalten angebracht, erfolgreich, zielführend wäre. Ein mäanderndes Denken, dass durchaus in bester Weise die vollständige Unsicherheit, das „Wegdriften“ des Kerns der Persönlichkeit darstellt. Nebenbei steht auf diversen To-Do Zetteln der Protagonisten immer wieder die Suche nach der Großmutter, eine Suche, die nach dem Tod der Mutter vor kurzer Zeit wichtig wäre. Zu der Renate Meißner aus eigener Kraft aber einfach keinen Ansatz findet. Bis der Zufall zuschlägt und über die Arbeit in Russland ein Kontakt zustande kommt, der die Grenzen zwischen Realität und Wahn, Fakten und Traum endgültig zerfließen lässt. Bei aller Sprachkunst des Autors, ein gemischtes Gefühl nach diesem Leseerlebnis verbleibt dennoch. Einerseits quält sich Renate Meißner seitenweise (und mit ihr der Leser) durch die Betrachtung und umgehende Analysierung von tatsächlich einfach Banalitäten, andererseits führt natürlich gerade diese ausufernde Darlegung der inneren Vorgänge den Leser bis in den fast letzten Winkel mit hinein in die Innenschau einer vereinsamenden Welt in der modernen Berufs- und Lebenswelt, in der Image alles zu sein scheint und menschliches Miteinander selbst als Sehnsucht kaum mehr spürbar ist. Somit könnte man sagen, dass die Mühe des sich „Durchwühlens“ durch seitenlange Assoziationen, Momentimpulse, die auch als Bilder im Buch mit festgehalten werden, sich am Ende des Buches durchaus gelohnt hat. Auf einer etwas abstrakten Ebene. Keine leichte Kost ist dieses Buch und in Form und Stil nicht einfach, durchzuhalten. Aber letztlich einer der besten Spiegel des Lebens in der modernen (Berufs)- Welt mit all den Folgen auch für die „eigentliche“ Existenz, der zur Zeit als Buch zu kaufen wäre.

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  • Rezension zu "Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen" von Thomas von Steinaecker

    Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen
    Greta

    Greta

    02. March 2012 um 22:42

    "das jahr, in dem ich aufhörte, mir sorgen zu machen, und anfing zu träumen" ist kein satz, den man renate meißner in den mund legen könnte. schon gar nicht zu beginn des buches. renate meißner, steinaeckers figur und hier beinahe wie ein echter mensch wahrgenommen, vermeidet träume. sie kennt die mittel, mit denen sie den nachtschlaf ganz und gar schwärzen kann. keine wirre, krause action soll nachts stattfinden, ein paar stunden steinartiger schlaf sind erstrebenswert. kein unkontrollierbarer input darf sich nachts in den kopf schleichen, in dem die to-do-listen stehen, die mit wachem tag-gehirn zu papier gebracht wurden. renate meißner ist eine versicherungstussi wie sie im buche (in diesem!) steht, auf 8cm-absätzen und mit teurem makeup unterwegs, früher in frankfurt, nun in münchen. die versicherungsfirma, für die sie als etwas höheres tier arbeitet, ist groß und mächtig. in hohen häusern sind die versicherungszentralen untergebracht, moderne architektur, innen mit büros, getränkeautomaten und teurer originalkunst an den wänden. renate kennt die regeln, denen sie folgen muss, sie kauft auswendig gelernte produkte, marken, die sie tragen muss, vor allem: sie als frau. sie beobachtet und evaluiert permanent, sich selbst und ihre umgebung. organisation muss organisiert werden. kindheit und familie kann man auch wegorganisieren, "großmutter" auf die to-do-liste schreiben, immer und immer wieder neu, bis die fehlende rätselgroßmutter sich verselbständigt und die handlung beinahe ins surrealistische treibt. dass erwachsene karrierefrauen im hosenanzug überhaupt eine kindheit hatten! und dass die kindheit, wenn sie teilweise schwer war, im inneren des hosenanzugs rumort und wie ein unkraut auf den richtigen zeitpunkt zum ausbruch wartet! wir lernen viel über etikette und über das, was man kaufen muss, wenn man eine renate meißner sein will. wir erfahren ein bisschen sachliches über versicherungen, dann aber noch viel mehr über achterbahnen und jahrmärkte, was für eine feine kombination! wir grübeln nach, über den kuchen leben, der aus vollzeitjob und privatleben besteht, und wie das aussähe, wenn man den schlaf vom privatleben abziehen würde. dann müsste unser wohnzimmer die arbeitsstelle sein und wenn es da ungemütlich und kalt ist, dann müssen wir das hinnehmen, aufnehmen, in uns reinfressen, und wir werden zu dem, was wir gefressen haben. das alles mag sein: ein strombergroman. ein roman über die moderne arbeitswelt. ein roman, dessen bebilderung an ein anderes buch erinnert. manch anderes in dem roman erinnert an andere bücher. vögel kommen nicht vor. aber das ist alles egal. vielleicht war man anfangs noch grüblerisch, unterstellte dem autor, nach plan zu schreiben, mit labormethoden, aber das löst sich auf. schließlich hätte man das niemals geschafft. etwa 400 seiten konsequente plan-einhaltung. sätze und worte so im zaum halten, dass sie immer zu dieser krassen renate meißner passen! und uns noch ein paar fragen übrig lassen- warum hebt renate meißner herrenlose leergutflaschen auf? ist die russische greisin echt oder eine fantasie kurz vorm absturz? DIE ÄSTHETIK DER MODERNE IST EIN IRRTUM.

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